Gegenteilwoche: Und der Laizist wundert sich

9. September 2010

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Drüben bei Kraftwort diskutiert so ein Häretiker gerade mit dem Blogpastor über Laizismus oder so, und das hat mich auf die Idee gebracht, mal was zur Trennung von Kirche und Staat zu schreiben. Eines der meistüberschätzten Konzepte der Neuzeit, und letzten Endes nur verlogene Heuchelei in meinen Augen.

Wir leben in einer repräsentativen Demokratie. Und wie wählen wir unsere Repräsentanten? Genau, auf der Basis ihre Überzeugungen und ihrer Fähigkeit, unsere Interessen zu vertreten. Und warum sollte nun ein Repräsentant des Volkes seine Religion an der Tür des Bundestags abgeben müssen, ganz besonders dann, wenn dieses Volk zu weit über zwei Dritteln religiös und zu mehr als der Hälfte christlich ist?

Warum bitte ist es in Ordnung, wenn ein Bundeskanzler ein Kapitalist ist, eine Physikerin, ein Sozialdemokrat, ein Humanist, ein Liberaler oder ein Tierschützer ist, aber dass er Christ ist, muss er für sich behalten und darf um Gottes Willen sein Verhalten nicht beeinflussen, und auch nicht seine Gesetzvorhaben? Warum dürfen unsere Schulen Evolution unterrichten, Politik, und den Urknall, aber Religion soll darin nichts zusuchen haben? Was sagt es über eine Gesellschaft aus, wenn sie Killerspiele, Death Metal, Splatterfilme und Glücksspiel legalisiert, aber Kruzifixe aus den Schulen verbannt?

Genau. Es sagt, dass diese Gesellschaft das rechte Maß verloren hat, und dass sie ihre Grundlagen vergessen hat. Denn was ist die Grundlage unserer Gesetze, unserer Moral und unserer Werte? Genau: Unsere gemeinsame christliche Tradition, die Zehn Gebote, die Bergpredigt, die unsterblichen Worte Jesu Christi im Evangelium. Wir können versuchen, diese Wurzeln unseres Zusammenlebens zu leugnen, aber damit belügen wir uns letzten Endes nur selbst in dem Versuch, uns selbst auf eine Stufe mit Gott zu stellen, indem wir uns selbst zum Autor und Richter unserer Moral machen. Dieser Versuch ist zum Scheitern verurteilt.

Denn was ist Moral noch, wenn jeder sie sich selbst zurechtlegen kann, wie er will? Genau: Anarchie. Moral ohne Gott ist nicht denkbar, denn Moral ist nur dann wirklich Moral, wenn sie absolut gilt und klare Regeln schafft. Das kann nur ein Gott, eine unanfechtbare oberste Instanz des Guten, die uns nicht nur unmissverständlich sagt, was richtig und falsch ist, sondern auch, welche Konsequenzen wir zu erwarten haben, wenn wir das Falsche tun.

Gott lehrt uns Demut, und er lehrt uns Liebe, und er lehrt uns, unsere eigenen Fehler zu erkennen, und das ist eine Lektion, die wir alle gebrauchen können. Wenn wir sie gut verstehen, dann schützt sie uns vor der Hybris, die uns zu solchen Fehlern verleitet, wie wir sie heute jeden Tag in der Zeitung lesen können: Klonen, Gengemüse, Ernten von Stammzellen aus Embryonen, Entweihung des Sakraments der Ehe.

Ich bin der Meinung, dass unsere Volksvertreter, unsere Beamten, unsere Polizisten und unsere Richter nicht nur ihre religiöse Überzeugung vertreten dürfen sollten. Wir sollten es von ihnen erwarten. Denn wenn Moral ohne Gott nicht existieren kann, dann fehlt den Gottlosen Moral und Anstand, und in einer Gesellschaft ohne Moral und Anstand wollen wir doch alle nicht leben, oder?