Vorurteile, oder nicht

3. Mai 2010

Letzten Freitag Abend habe ich etwas gesehen, über das ich seitdem nachdenke. Nicht ununterbrochen, aber immer wieder.

Ich war auf dem Weg zum Hamelner Bahnhof und sah am gegenüberliegenden Straßenrand einen dieser Pseudo-Sportwagen stehen, keine Ahnung, vielleicht war es ein alter Honda Civic, mit allerlei geschmacklosen Anbauten und einem riesigen Spoiler. Der Kofferraumdeckel des Honda Civic war aufgeklappt, und darin eingebaut waren zwei große Lautsprecher, die einen Technorhythmus in die Welt hinausdröhnten, der im Wesentlichen aus fünf sich stetig wiederholenden Tönen bestand. Auf der Kante des Kofferraums, halb sitzend, halb angelehnt, sah ich einen Mann ohne Oberbekleidung, der in der linken Hand eine Zigarette hielt und mit der rechten eine Dose Bier an seine Lippen. Ich schätzte, er müsste irgendwas um Ende zwanzig sein. Ich konnte sehen, dass er einen Ohrring trug, und so einen fürchterlichen Vergewaltigerschnurrbart. Über seinen Hosenbund quoll ein für sein Alter schon beeindruckend zu nennender bleicher Bierbauch.

Ich wollte mich gerade mit einem Kopfschütteln und einem Lächeln abwenden und sowas denken wie: „Naja, soll jeder sein Wochenende so verbringen, wie er möchte“, aber dann sah ich das kleine Mädchen auf dem Rücksitz des Autos. Es war vielleicht vier oder sechs Jahre alt, ich kann so etwas nicht gut schätzen, und schaute gelangweilt durch das Fenster in meine Richtung.

Mit Lächeln war nichts mehr. Ich weiß nicht, ob mich das zu einem bornierten, bigotten, elitären Spießer macht. Ich denke schon, dass der erste Anschein durchaus sehr täuschen kann. Ich weiß, dass ich aus dem kurzen Blick, den ich in das Leben dieser beiden Menschen geworfen habe, eigentlich keine sinnvollen Schlüsse ziehen kann. Aber ich könnte weinen, wenn ich darüber nachdenke, dass der Mann wahrscheinlich der Vater dieses Mädchens ist. Und dass es wahrscheinlich nicht nur ein außergewöhnlicher Sonderfall war, dass er sein Kind zu seiner kleinen Straßenrandsession mitgenommen hat.

Ich bin ein nachdrücklicher Befürworter individueller Freiheit, und niemand sollte anderen ungefragt in ihr Leben hineinreden, schon gar nicht der Staat Eltern in die Erziehung ihrer Kinder. Aber verdammt noch mal, Kinder sind in meinen Augen eine heilige Verpflichtung, und wer welche hat, und so mit ihnen umgeht, der gehört geschlagen.


Von wegen Sommerloch

29. Juli 2009

Alle reden vom Sommerloch. Wir nicht. Die Leser von „überschaubare Relevanz“ können sich über einen Mangel an spannenden Themen nicht beschweren. Zum Beispiel:

Kinder hat ein neues Produkt herausgebracht! Es heißt Kinder Breakfast. Vielleicht rächt sich hier jetzt, dass ich kaum noch fernsehe, und das ist für euch alle schon ein alter Hut. Ich war jedenfalls völlig verblüfft, als ich es im Süßwarenregal sah.

So sieht die Verpackung aus:

Packung

So das Ding an sich:

Riegel

Und so das Ganze von innen:

Innen

(Bessere Bilder werden nachgeliefert, sobald ich wieder zu Hause bin.)
Edit, 30. 07. 2009, 11:00 Uhr: Voilà bessere Bilder.

Und jetzt sagt doch mal selbst: Ist das nicht die lustigste Süßigkeit, die ihr seit Langem gesehen habt? Ich fand es jedenfalls wahnsinnig lustig, und habe es deshalb auch sofort gekauft.

Nach dem ersten Beißen legt sich die Begeisterung jedoch ein wenig. Erinnert ihr euch noch an diese „Kinder Country“-Fernsehwerbung, in der gesagt wurde: wir hätten Kinder Country auch staubtrocken machen können, und dann wurde gezeigt, wie ein Kind in so einen furchtbar trockenen Cerealienriegel beißt, dass es richtig staubt? Das ist ein Kinder Breakfast. Auf der Verpackung ist ein Glas Milch abgebildet, und der aufgebrochene Riegel darauf sieht auch ein bisschen so aus, als wäre er extrem cremig gefüllt. In Wirklichkeit ist aber -wie auf dem Foto vielleicht zu erkennen- nur so ein trockener Krümelkram drin. Man kann es kaum essen, ohne eine Riesenschweinerei anzurichten. Deshalb ist der Name auch ganz treffend gewählt.

Das Ganze schmeckt dann entsprechend eben wie ziemlich süßes Knuspermüsli ohne Rosinen direkt aus der Packung ohne Milch. Ich mag das manchmal, aber ich bin auch komisch.