Islamkritikquotenbeitrag

9. Juli 2013

Christen werfen uns militanten Skeptikern ja gerne mal vor, wir würden uns nur an ihnen abarbeiten, weil wir Angst haben, dass es von islamischer Seite was aufs Maul gibt, wenn wir Muslime kritisieren. Weil ich aber weiß, dass Muslime genauso wie Christen im Großen und Ganzen total nette und vernünftige Leute sind und weil ich ja unter Pseudonym schreibe schreckt mich das nicht, und weil ich heute Morgen zufällig im Radio einen Beitrag zum Thema Ramadan gehört habe, habe ich auch gleich ein Thema, also frisch ans Werk.

Für alle, die es nicht wissen: Ramadan ist der islamische Fastenmonat, in dem es Muslimen von Sonnenauf- bis -untergang nicht gestattet ist, zu essen oder zu trinken, zu rauchen, Geschlechtsverkehr zu haben und wohl auch noch ein paar andere Sachen, obwohl ich sicher bin, dass es reichlich Muslime gibt, die das nicht, anders, oder nur ein bisschen so machen. Nach Sonnenuntergang darf und soll also wieder gegessen werden, und soweit ich das überblicke sogar nicht zu knapp. Ich habe selbst mal diese angeblich typische Ramadansuppe nachgekocht und fand die zwar köstlich, aber auch unheimlich schwer und kalorienreich. Der Ramadan beginnt in diesem Jahr am 9. Juli, also heute, und endet am 9. August. Ich habe mich spaßeshalber entschieden, das auch mal einen Tag zu versuchen, und damit komme ich auch schon zu meiner Bewertung, denn mir ist klar, dass es insbesondere die muslimischen Leser von überschaubare Relevanz brennend interessieren wird, was dieser Typ mit dem albernen Pseudonym von den Regeln hält, die der allmächtige Schöpfer des Universums ihnen auferlegt hat.

Grundsätzlich bin ich sehr dafür, so ziemlich jeden Quatsch mal auszuprobieren, auch wenn er noch so abwegig ist, und sogar besonders dann. Von unseren Gewohnheiten abzuweichen, ist eine Chance, neue Erfahrungen zu machen und etwas über uns selbst und womöglich auch die Welt um uns herum zu lernen. Speziell bei der Ernährung kann das doppelt sinnvoll sein, denn ich glaube, ich spreche für uns alle, wenn ich sage, dass wir damit vernünftiger umgehen könnten und dass es wohl eher nicht schaden kann, weniger zu essen. Andererseits macht man das im Ramadan gerade nicht, denn was man den Tag über nicht gegessen hat, stopft man dafür ja nachts wiederum in sich rein (Nee, ich weiß, muss man nicht, und wenn Leute das anders handhaben, prima.), was die Sache irgendwie witzlos macht, und richtig besorgniserregend finde ich das Trinkverbot. Da geht es keineswegs nur um Alkohol, sondern um alle Getränke. Von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang. Keinen Schluck Wasser, keinen Tee, nicht mal ein freundliches Glas Apfelsaft. Das finde ich schon reichlich bedenklich, und ich vermute, dass es mir extrem schwer fallen wird, wenn ich das Experiment nicht sogar vorzeitig abbreche. Ich trinke nämlich unter gewöhnlichen Umständen sehr viel und fühle mich schon unangenehm ausgetrocknet, wenn ich mal zwei Stunden ohne Flüssigkeit auskommen muss. Mit meiner begrenzten medizinischen Einsicht würde ich auch wetten, dass das unweigerlich die Leistungsfähigkeit beeinträchtigen muss, insbesondere, wenn man es nicht nur spaßeshalber mal einen Tag lang macht, sondern wirklich einen Monat stur durchzieht.

Na gut, egal, bizarres religiöses Ritual ist bizarr, wer hätte das gedacht? Wo ist denn jetzt die angekündigte furchtlose Islamkritik, du militanter Atheist, du? denkt ihr jetzt, und ihr könnt unbesorgt sein, die kommt jetzt weeeeiiil:

Wenn jemand halt gerne Unfug mit seinem eigenen Körper anstellen will, dann darf er das machen, obwohl es schade ist, aber Muslime haben ja auch Kinder. Und die lernen das auch so. Der Ramadan gilt zwar immerhin nur für Menschen nach der Pubertät und auch nicht für Schwangere und Kranke, aber die Pubertät setzt ja bei Mädchen schon ab zehn Jahren ein, und bei Jungen ab 12, da würde ich schon immer noch von Kindern reden. Darüber hinaus habe ich via Google diesen Hinweis gefunden:

Kinder, die die Pubertät nicht erreicht haben, werden ermutigt so viele Tage zu fasten wie sie können.

Muslimkundige Leser sind aufgerufen, mich zu belehren, aber das klingt für mich erst mal plausibel, und wir haben ja auf jeden Fall unstreitig die Kinder nach der Pubertät, die von ihren Eltern vorgegeben bekommen, dass sie einen Monat im Jahr tagsüber weder essen noch trinken dürfen. Das war übrigens auch der Anlass für diesen Beitrag, denn der Typ im Radio erzählte entrüstet davon, dass er mitbekommen habe, dass muslimische Kinder manchmal von ihren Lehrern gesagt bekommen, dass sie doch ruhig was trinken sollen, wenn sie sich dehydriert fühlen und es ihnen nicht gut geht, und das gehe ja nun mal nicht.

Ich weiß nicht, wie viele Muslime das wirklich so machen. Ich vermute, dass es wie beim Christentum auch in vielen Fällen nicht sehr ernst genommen wird und insofern praktisch meistens viel weniger bedenklich ist, als es hier klingt. Aber so ganz grundsätzlich kann ich hier beim besten Willen nicht erkennen, wie das keine Kindesmisshandlung sein soll.

Und ihr so?


Es fing eigentlich ganz harmlos an.

17. Juni 2011

Ich wollte nur mal schauen, was genau Brooke Fraser in ihrem Song „Hosea’s Wife“ eigentlich besingt. Ich hatte eine vage Erinnerung, dass Hosea ein Prophet war und seine Frau untreu, aber ich wusste nicht mehr, was der eigentliche Sinn der Geschichte war und worum genau es ging.

Das lag natürlich nicht nur an mir, sondern es lag vor allem daran, dann diese Geschichte, wie die meisten in der Bibel, keinen Sinn hat, weil sie völliger Bullshit ist.

Auf meiner Suche entdeckte ich die Seite „sundayschoolsources.com„, und der Abschnitt über Hoseas Geschichte ist ein so hervorragendes Beispiel für fast alles, was ich am Christentum so schädlich, lächerlich und erbärmlich falsch finde. [Disclaimer: Ich weiß, dass ganz viele Christen sich im Folgenden nicht wiederfinden, und dass das nur ein Beispiel ist, das sich nicht vollständig auf alle Christen verallgemeinern lässt.]

Zuallererstmal die Story selbst:

God wanted Israel to know how he felt about their wicked behavior and worship of idols. So he told Hosea to marry an unfaithful woman. She bore him children, whose names meant, Jezreel (God plants), Loruhamah (no  more mercy), Loammi (not my people). But Hosea’s wife was not faithful, and she left Hosea, which caused him much pain.

Moment, was?

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Plain Wrong

8. März 2011

Ich lese gerade einen Roman über die Amish. Das ist eine christlich orientierte Gemeinschaft von sehr streng gläubigen Menschen, die viele Aspekten des technischen Fortschritts ablehnen (Elektrizität, Autos, und so weiter) und möglichst wenig mit Menschen interagieren, die nicht dazu gehören. Sie sind meines Wissens ausschließlich in den USA und in Kanada zu finden.

Soweit ich das beurteilen kann, stellt die Geschichte das Leben und die Bräuche der Amish sehr wirklichkeitsgetreu dar, und in gewisser Weise spricht es für sie, dass sie aus einer neutralen Perspektive erzählt wird, die weder die guten Seiten dieser Lebensweise verschweigt, noch die weniger guten. Die Autorin zeigt uns sowohl, wie zufrieden und glücklich die Amish mit ihrem Leben sind, als auch, wie sehr die Regeln sie einschränken, die ihre Religionen ihnen auferlegt.

Das ist einerseits lobenswert, aber andererseits stört mich die Haltung, die nach meiner Wahrnehmung nicht nur in diesem Roman, sondern in der Öffentlichkeit allgemein gegenüber den Amish vorherrscht: Sie sind zwar ein bisschen sonderbar, aber es ist schließlich ihre Entscheidung, und am Ende sind sie doch richtig gute Menschen, die niemandem etwas zuleide tun.

Nein! Es ist nicht einfach ihre Entscheidung, und sie schaden sehr wohl anderen Menschen. Ich erkenne an, dass die Amish in gewisser Weise sehr sympathische friedliche Leute sind, die es bestimmt gut meinen, aber ich finde ihre Lebensweise nicht nur ethisch inakzeptabel, ich finde sogar, dass sie ein Eingreifen des Staates erfordert.

Die Amish haben nämlich Kinder. Und diese Kinder wachsen in einer Gemeinschaft auf, die sie völlig von Menschen isoliert, die ihren Glauben nicht teilen. Sie werden nicht nur in ihren Familien, sondern auch in ihren Schulen religiös indoktriniert. Sie lernen nichts über Biologie oder sonstige aktuelle Wissenschaft, und es ist ihnen unter Strafandrohung untersagt, nach ihrer Amish-Schulzeit andere Bildungseinrichtungen zu besuchen.

Dawkins hat sich mit seinem bekannten Zitat weit aus dem Fenster gelehnt und Missverständnisse geradezu herausgefordert, aber ich gebe ihm Recht: Religiöse Indoktrination ist Kindesmisshandlung. Und die Gemeinschaft der Amish indoktriniert ihre Kinder ungefähr so gründlich, wie es möglich ist, ohne sie im Keller einzusperren, bis sie volljährig sind.

Jeder hat das Recht, auf Elektrizität und Verbrennungsmotoren zu verzichten. Jeder hat das Recht, zu glauben, was auch immer er glauben will. Und jeder hat das Recht, sich von anderen Menschen zu isolieren und nach seinen eigenen Regeln zu leben (solange er nicht anderen damit schadet). Ich persönlich finde das alles nicht richtig, aber es steht mir nicht zu, andere zu zwingen, nach meinen Vorstellungen zu leben.

Doch wer seine Kinder zwingt, dieses Leben mit ihm zu teilen, und ihnen dazu noch die Informationen vorenthält, die sie brauchen, um eine qualifizierte eigene Entscheidung darüber zu treffen, wie sie leben wollen, der misshandelt sie dadurch, egal, wie liebevoll er oberflächlich betrachtet mit ihnen umgeht. Und die Gesellschaft, die so etwas zulässt, macht sich mitschuldig.

Das bedeutet nicht, dass wir den Amish sofort ihre Kinder wegnehmen sollten, um sie zwangsweise in die US-amerikanische Mainstreamgesellschaft zu integrieren. Ich denke aber zum Beispiel, dass der Staat verpflichtet ist, Bildung für alle Kinder zu gewährleisten, und zwar nach rational entwickelten Standards, die für alle gelten: Für öffentliche Schulen, für private Schulen, und für Leute, die ihre Kinder zu Hause selbst unterrichten wollen. Und mehr als heute sollten diese Standards auch Epistemologie beinhalten, und Grundlagen der wissenschaftlichen Methodik, um Kindern Werkzeuge in die Hand zu geben, mit denen sie selbst herausfinden können, was wahr ist, und was nicht.

Die konsequente Durchsetzung solcher Standards wäre schon ein erster Schritt, um es (zum Beispiel) Amish-Kindern zu erleichtern, auf vernünftiger Grundlage zu entscheiden, ob sie gerne leben möchten wie ihre Eltern, oder ob sie lieber Zugang zu moderner Medizin haben wollen, zu moderner Technologie und zu modernen Medien und all dem Wissen, das sie uns zugänglich machen. Zugang zur Wirklichkeit.