Yours to keep – wie alles begann – wie alles begann

16. Januar 2011

Ich weiß schon gar nicht mehr, ob ich es angekündigt habe, aber jedenfalls habe ich für euch jetzt noch eine Vorgeschichte zur Vorgeschichte der Kurzgeschichte „Yours to keep“ geschrieben, diesmal ohne Daniel, aber dafür mit Kim Il-Sung.

Es war ungewohnt für mich, weil ich noch nie eine historische Geschichte geschrieben habe, und für meine Verhältnisse habe ich mir auch große Mühe mit den Details gegeben, nicht dass das viel heißen würde.

Ob ihr davon nun was merkt oder nicht, ich wünsche euch viel Spaß, und falls die Kim-Il-Sung-Experten unter euch mich auf Fehler aufmerksam machen möchten: Nur zu. Ich verspreche nicht, dass ich das dann in der Geschichte ändere, aber ich würde es auf jeden Fall gerne erfahren, falls ich irgendwo was falsch gemacht habe.

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Nicht die Länge zählt, sondern die Technik

11. Dezember 2009

So, zuerst mal bitte ich um Entschuldigung für die unangekündigte zweitätige Pause. Ärgerlich, dass Freunde und Familie dauernd den wirklich wichtigen Dingen im Weg stehen.

Genau für Zeiten wie diese habe ich mir eine fabelhafte kleine Episode aus dem Korea-Urlaub aufgehoben, der nur eine Kleinigkeit fehlt: Eine Pointe. Bitte holt euch also eure Unterhaltung möglichst rechtzeitig, zum Schluss kommt nichts Aufregendes mehr. Ich wünsche viel Vergnügen:

Schon Wochen vor dem Korea-Urlaub hatte ich immer wieder versucht, einen Friseurbesuch in meinen Zeitplan einzuschieben, habe es aber nie genug gewollt geschafft. Nach der ersten Woche in Korea meinte meine Freundin schließlich, dass ich so nicht auf die Hochzeitsfeier gehen könnte, und deshalb suchten wir uns einen möglichst sympathisch wirkenden Friseursalon in Seoul und traten todesmutig ein. Wir wurden sehr freundlich begrüßt, merkten aber bald, dass Kommunikation nur mit Händen und Füßen möglich war, es fand sich kein des Englischen mächtiger Figaro. Nun fand ich es erstens grob unhöflich und zweitens saufeige, bloß deshalb wieder zu gehen.

Ich lachte also dem Tod ins Gesicht, sagte Keoni, sie könne sich die Zeit ja außerhalb mit Einkaufen vertreiben und in einer Dreiviertelstunde zurückkommen, und nahm vor einem der Spiegel Platz. Der freundliche koreanische Friseur gesellte sich zu mir und zeigte mir sein Buch mit Frisuren. Ich suchte mir eine heraus, von der ich dachte, sie wäre mal ein bisschen was anderes, aber auch nicht so wagemutig, dass der eventuelle Schaden sich nicht mehr beheben ließe. Ich zeigte auf den gutaussehenden Herren im Katalog und schlug vorsichtig vor: „That one?“

Der Friseur sah mich mit deutlich geweiteten Augen an, sog Luft ein, zeigte ebenfalls auf das Foto und sagte: „Möge Gott uns allen gnädig sein! Sind Sie sicher, dass Sie wirklich diese Frisur wollen?“ (Er sprach natürlich koreanisch, und ich habe kein Wort verstanden, deswegen gebe ich hier einfach mal das wieder, was ich seinem Tonfall entnehmen konnte.)

Nun weiß ich nicht, wie es euch geht, aber ich bin beim Friseur sowieso immer schrecklich unsicher, weil ich von Frisuren keine Ahnung habe, das auch weiß, und es eigentlich während meiner gesamten Schulzeit auf ziemlich peinliche Weise zur Schau getragen habe. Die deutlichste Willensäußerung, die ich gegenüber einem Friseur zu Stande bringe, geht so in die Richtung von „Können Sie’s vielleicht vorne doch noch ein bisschen kürzer machen, oder meinen Sie, lieber nicht?“

Trotzdem kam es mir ein bisschen albern vor, einfach auf sein undifferenziertes Entsetzen hin eine der anderen Frisuren auszuwählen, deshalb nickte ich und antwortete: „Yes, that one, if it’s not a problem.“

Der Friseur stöhnte, schüttelte den Kopf, verdrehte die Augen, sah sich hilfesuchend um und zeigte auf das Bild. „Sie wollen also genau diese Frisur, ja? Was ist denn mit Ihnen los?“ (Wie gesagt, ich bin mir nicht sicher, was er wirklich ausdrücken wollte, aber genau so klang es.)

„Is there something wrong with that haircut?“ fragte ich schüchtern.

Er hob resigniert beide Arme und lief davon, um kurz darauf mit einer Kollegin zurückzukehren. Ich nahm zunächst an, dass er sie als Übersetzerin geholt hatte. Er stellte sie rechts von mir auf und positionierte sich selbst zu meiner Linken. Er zeigte ihr das Bild, das ich mir ausgesucht hatte und sagte: „Da, siehst du, der Spinner will diese Frisur hier haben.“
„WAS? Diese Frisur?“ fragte sie ihn,
und er antwortete: „Ja, die. Frag ihn doch selbst, wenn du mir nicht glaubst!“
Sie wandte sich mir zu. Die beiden betrachteten mich eine Weile lang professionell abschätzend, bevor sie auf das Bild zeigte um mich – leider wieder auf koreanisch – zu fragen: „Sind Sie absolut sicher, dass Sie genau diese Frisur wollen?“
Ich antwortete, inzwischen völlig verunsichert: „You could suggest another one, of course, if you think that it’s not a good idea. Is there something wrong with this haircut?“
Sie schüttelte den Kopf. „No problem“, sagte sie, um dann zu ihrem Kollegen zu sagen: „Der ist einfach bekloppt. Da ist nichts zu machen. Der will das wirklich.“
„Was? Nee, das mach ich nicht. Hast du mal was von Berufsethik gehört?“
„Na, jetzt mach das eben! Ist dann ja nicht unser Problem.“
Und dann war ich wieder mit meinem Friseur alleine, schaute ihn eingeschüchtert an und bereute, Keoni weggeschickt zu haben.

Er holte sich dann noch eine jüngere Kollegin dazu – ich vermute, eine Auszubildende oder Assistentin -, und zusammen wuschen und schnitten die beiden dann meine Haare und gelten sie zu so einer Art Ace-Ventura-Enten-Frisur. Also, natürlich nicht so extrem, aber wenn ihr euch Ace Venturas Haarschnitt in einer zivilisierten Form vorstellt, dann habt ihr’s ungefähr. Es sah gar nicht mal schlecht aus, und Keoni gefiel es zu meiner maßlosen Erleichterung auch.

Leider war die Zufriedenheit nicht von Dauer, denn es gelang mir am nächsten Morgen nicht, die Frisur selbst mit dem eigens erworbenen unfassbar-ultra-unendlich-übernatürlich-hammerstarken Haarwachs nachzuformen, und am morgen darauf auch nicht, und am nächsten. Gleichzeitig war ich aber zu faul feige stolz, um noch ein zweites Mal einen Friseur aufzusuchen, sodass ich nun auf jedem unserer Urlaubsfotos nach mehr oder weniger spektakulärem Bad-Hair-Day aussehe.


There is no way to happiness

16. September 2009

Da sich „Seoulmates“ ganz ordentlicher Beliebtheit erfreut, nehme ich mal an, dass an einer Fortsetzung meines Reiseberichts noch Interesse besteht. Außerdem ist es schön symmetrisch, dass ich den Bericht über Seoul im Bus in den Park geschrieben habe und nun den Bericht über den Park im Bus nach Seoul schreibe. Ich beginne mit einer kurzen Einführung.
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