was Krieg ist

12. September 2013

Ich mag den Song eigentlich gar nicht besonders, aber er passt gerade so.

Dass wir über Kampfdrohnen für die Bundeswehr diskutierten, ist schon eine Weile her, aber Ulrich Ladurners Argumentation hat mich an etwas erinnert, was ich auch damals in dieser Diskussion nicht verstanden habe.

Es gibt natürlich gute Argumente gegen den Einsatz von Giftgas und gegen den von Kampfdrohnen. Aber es gibt auch schlechte. Und zu diesen schlechten hat aus meiner Sicht immer diese Idee gehört, die aus Gegenbeiträgen oft ausdrücklich oder zwischen den Zeilen durchscheint, es sei feige, unanständig oder sonst irgendwie verwerflich, einen Menschen aus der Ferne zu töten, mit dem Joystick, ohne ihm Auge in Auge gegenüberzustehen. Diese Idee, aus der dann folgt, dass verschiedene Mittel, einen Menschen zu töten, per se verschieden moralisch seien, drückt Herr Ladurner in Bezug auf Giftgas zum Beispiel so aus, wie ihr euch vielleicht noch erinnert:

Wer es in welchem Konflikt auch immer gebraucht, behandelt Menschen wie Ungeziefer.  Wer es einsetzt, hat den Gipfel der Unmenschlichkeit erreicht. 

Auch hier geht die Kritik in eine ähnliche Richtung: Der Gegner wird nicht mehr als Mensch betrachtet, als Subjekt, als komplexe Entität mit Wünschen und Gefühlen und Rechten, sondern als ein Objekt, ein Hindernis, etwas zu Beseitigendes.

Der Krieg wird durch Drohnen entgrenzt und enthemmt

zitierte die SZ mal Jan van Aken von der Linksfraktion.

Und ich halte das für Unsinn, zumindest zum großen Teil. Mir scheint, dass diese Argumentation auf einer sonderbar romantisierte Vorstellung von Krieg fußt, als einem möglichst fairen Wettbewerb unter Gegnern, die einander respektieren und herauszufinden trachten, wer den Sieg am meisten verdient hat. Möge der Bessere, und so.

Quatsch.

Was ist denn Krieg? Wann wähle ich denn Krieg als Mittel? Doch erst dann, wenn die Moral und die Vernunft und die Menschlichkeit versagt haben. Wenn ich keine gemeinsame Grundlage mit den anderen finde und mich entscheide, dass das einzige noch verbleibende Mittel darin besteht, ihnen so lange weh zu tun, bis sie vernichtet sind, oder ihre bis dahin vertretenen Interessen nicht länger geltend machen können oder wollen. In einem Krieg habe ich definitionsgemäß das Ziel, andere aus dem Weg zu räumen, sie also als Hindernisse zu behandeln, nicht mehr als Interaktionsparnter und gleichberechtigte Mitbewohner dieser Welt.

An Krieg ist nichts Romantisches, und auch Fairness hat als Konzept darin nichts zu suchen. Es geht nicht darum, herauszufinden, wer der Bessere ist, oder wer recht hat, oder irgendwas verdient hat. Das geht mit Krieg nicht. Im Krieg geht es darum, durch schiere Gewalt die eigenen Interessen gegen die der anderen durchzusetzen. Im Krieg findet man bestenfalls heraus, wer stärker ist, oder brutaler, oder seine Stärke und Brutalität geschickter einsetzen kann, oder was immer dazu führt, einen Krieg zu gewinnen.

Viel entgrenzter und enthemmter geht es eigentlich nicht. Und genau deshalb sollten wir einen Krieg auch vermeiden, wo immer es geht, denn Krieg ist etwas Furchtbares, für alle Beteiligten, ob sie am Ende gewinnen oder verlieren.

Aber wenn er nun einmal das Mittel der Wahl ist, wenn alle anderen versagt haben, und wenn wir uns entschieden haben, dass es keine andere Möglichkeit mehr gibt, als die anderen zu vernichten, und unser Anliegen so überragend wichtig ist, dass es die Vernichtung derer rechtfertigt, die ihm im Weg stehen, dann ist es doch in meinen Augen offensichtlich reichlich albern, zu diesem Zeitpunkt noch zurückzuschrecken und zu sagen: „Oh. Nee. Halt. Diese Leute da drüben, die ich gerade auslöschen will, weil sie mir im Weg sind, sollte ich lieber mit meinem Bajonett ausweiden, denn sie mit einem Joystick aus der Ferne abzuschießen, kommt mir irgendwie entgrenzend vor. Ich würde schließlich niemals diese Leute, deren Vernichtung ich für einen angemessenen Preis zur Erreichung meines Ziels halte, wie Ungeziefer behandeln wollen.“ So lange ich mit jemandem noch auf menschlicher Ebene interagiere, führe ich gar nicht erst Krieg gegen ihn.

Das heißt natürlich nicht, dass wir in einem Krieg auf nichts und niemanden mehr Rücksicht nehmen dürfen. Natürlich hat es immer noch einen Sinn, nicht mehr Menschen zu verletzen, als nötig ist. Natürlich ist es eine verdammt gute Idee, die Kollateralschäden zu minimieren und nur die Ziele zu zerstören, deren Zerstörung wirklich unvermeidlich ist. Das liegt daran, dass die Welt ja nach dem Krieg noch weiter geht, und ich nicht nur dieses eine Ziel habe, und dass die Leute, gegen die ich Krieg führe, auch kein monolithischer Gegnerblock sind, sondern durchaus später mal wieder mit mir menschlich interagieren werden und so weiter. Das sind die guten Argumente, die ich oben meinte. Das sind die Argumente, die sich mit den Konsequenzen meines Handelns befassen statt mit seinem symbolischen Inhalt, oder mit Ehre. Aber über die reden wir gerade nicht, sondern über die schlechten.

Wenn ich entschieden habe, dass die Zerstörung eines Ziels, die Tötung einer bestimmten Gruppe von Menschen nötig und angemessen und richtig ist, dann kann ich (gleiche Wirkung vorausgesetzt) moralisch keinen Unterschied mehr in dem Mittel erkennen, dessen ich mich dazu bediene, und dann kann ich wahrhaftig keinerlei moralische Verpflichtung erkennen, ihnen ins Auge zu sehen oder mein eigenes Leben zu riskieren oder was weiß ich, was man als Kriegsromantisierer noch alles für Erwartungen an Menschen hegt, die sich die systematische Tötung anderer Menschen zur vorrangigen Aufgabe gemacht haben.

Das ist Krieg. Und ja, das ist meinetwegen der Gipfel der Unmenschlichkeit, gewissermaßen. Aber nicht wegen des Giftgases. Nicht wegen der Clusterbomben, und nicht wegen der Drohnen. Sondern wegen des Krieges.


Menschen wie Ungeziefer

4. September 2013

Implizit findet man es ja oft, aber selten sagt es jemand so deutlich wie Ulrich Ladurner in seinem Blogpost zur beabsichtigten Intervention der USA in Syrien auf Zeit Online:

Es ist ein wesentlicher Unterschied, ob Menschen durch Giftgas getötet werden oder durch konventionelle Waffen. 

Dafür gebührt ihm grundsätzlich einmal Dank. Aber auch Widerspruch. Zumindest teilweise. Denn ein ganz gut haltbares Argument verbirgt sich durchaus in seinem Post.

Der Einsatz von Giftgas ist aus gutem Grunde durch eine Reihe von internationalen Abkommen verboten.

Wie gut die Gründe sind, kann ich mangels detaillierter Kenntnisse der Wirkungen verschiedener Waffensystem nicht beurteilen, aber es gibt jedenfalls diese Abkommen zur Kontrolle von Massenvernichtungswaffen, und sie durchzusetzen, ist sicher irgendwie eine gute Idee, weil … Kontrolle von Massenvernichtungswaffen. Das muss man nicht erklären, oder?

Da hätte er einen Fuß, auf dem er stehen könnte. Aber leider stellt er sich nicht drauf. Er stellt sich auf den anderen, den tönernen. Nett, wie ich die Metapher hier benutze, oder? Also, ich finds nett.

Dieses Kampfmittel ist dazu entwickelt worden, alles Menschliche auszulöschen, egal ob es Soldaten oder Zivilisten sind.

Ganz anders als konventionelle Projektile, Bomben und Messer, mit denen man bekanntlich nur die Sorten von Menschen auslöschen kann, deren Auslöschung okay ist, welche auch immer das sein mögen, da geht er nicht so ins Detail.

Im Ernst: Ja, ich verstehe ja schon irgendwie den Unterschied. Giftgas kann man schwerlich gezielt einsetzen, wie das bei Projektilen und Messern prinzipiell mehr oder weniger möglich ist. Giftgas breitet sich mit Luftbewegungen aus, und wer genug davon einatmet, stirbt. Das unterscheidet es recht deutlich von einer Kugel und einem Messer, die ich gezielt gegen eine einzelne Person richten kann. Bei einer Bombe wird es schon schwieriger, denn auch die verteilt ihren Schaden einfach über ein bestimmtes, ungefähr abschätzbares Areal, ohne dass ich als Verwender irgendeinen Einfluss darauf habe, wen ich gerne ausgelöscht hätte und wen nicht. Und auch bei Giftgas kann man vorab ungefähr wissen, welches Gebiet es betrifft. Wahrscheinlich noch weniger genau als bei einer Bombe, aber es ist schon recht offensichtlich ein gradueller Unterschied, kein grundsätzlicher. Und sogar der gezielte Einsatz von Projektilen ist in Kampfsituationen anders als auf einem Schießstand oft eine eher theoretische Sache. Wenn wir über gut ausgebildete Spezialeinheiten und gründlich geplante Einsätze reden, mag das diskutabel sein, aber eine reale Armee im Häuserkampf in einer Stadt … Meine Erfahrungen als ehemaliger Wehrdienstleistender (Nicht, dass ich da mal einen echten Kampfeinsatz gesehen hätte, aber ich halte die Annahme für gerechtfertigt, dass es dabei nicht übersichtlicher zugehen wird als bei einer Übung.) decken sich da mit den Erzählungen und Berichten aus Krisengebieten: Auch Projektile und erst recht Bomben treffen öfter mal andere als die, für die sie bestimmt waren.

Nun sind graduelle Unterschiede nicht zu ignorieren, nur weil sie graduell sind. Giftgas verhält sich anders als eine Bombe verhält sich anders als ein Projektil. Das sollten wir bei ihrem Einsatz und dessen Bewertung angemessen berücksichtigen. Aber gerade diese Angemessenheit der Berücksichtigung vermisse ich bei Ulrich Ladurner, wenn er (das leider wieder nur implizit, aber meiner Meinung nach doch sehr deutlich) sagt, dass 1.500 Tote durch Giftgas natürlich viel entsetzlicher seien als 100.000 Tote durch konventionelle Waffen. Nun ist es natürlich sowieso so eine Sache, die Entsetzlichkeit verschiedener Anzahlen von Toden zu vergleichen, aber wer sich entschieden hat, tödliche Gewalt gegen andere einzusetzen, um seine Ziele zu erreichen, kommt um solche Abwägungen manchmal nicht herum. Und ja, manchmal kann das legitim sein.

Außerdem finde ich den Pathos und die Zweifelsfreiheit, mit der Herr Ladurner den Einsatz von Giftgas auf eine völlig andere Ebene hebt, schon bedenklich, weil er dadurch meines Erachtens die Verhältnisse aus dem Auge verliert und sich in einer unhaltbaren Argumentation verrennt:

Vor allem aber verletzt der Einsatz von Giftgas einen symbolischen Raum. Wer es in welchem Konflikt auch immer gebraucht, behandelt Menschen wie Ungeziefer.  Wer es einsetzt, hat den Gipfel der Unmenschlichkeit erreicht. 

Ich hoffe, ihr seht es mir nach, wenn ich dem jetzt selbst kurz ein bisschen Pathos entgegensetze: Wer in der Bewertung des massenhaften Tötens von Menschen das Hauptargument im symbolischen Raum sieht, der hat (Wow, schon wieder ein halbwegs gelungenes Wortspiel, ich bin in Form heute.) den Schuss nicht gehört. Unmenschlichkeit gegenüber anderen definiert sich nicht in der Wahl der Mittel ihrer Auslöschung. Extrembeispiel: Wenn ich zwanzig Menschen töte, indem ich ihnen in den Bauch schieße und dann zusehe, wie sie qualvoll verenden, ist das dann unmenschlicher, als wenn ich sie in einen Raum sperre und sie dann darin vergleichsweise schnell vergifte? Wenn ich mit Giftgas eine gegnerische Militärbasis vernichte und das so plane und ausführe, dass ich dabei keinen einzigen Zivilisten verletze und nur die Menschen töte, die ich halt töten muss, um mein militärisches Ziel zu erreichen, ist das unmenschlicher, als wenn ich es mit konventionellen Bomben so schlampig mache, dass dabei noch eine Grundschule in die Luft geht? Ist es unmenschlicher, jemanden zu vergiften, als sie mit einer Brechstange totzuprügeln?

Was ich mit diesen komischen Beispielen sagen will: Dass es nicht so einfach ist, wie Ulrich Ladurner es uns vorspiegelt. Nicht Waffen, nicht Gegenstände sind unmoralisch oder falsch. Sie können unterschiedlich gefährlich sein, unterschiedlich wirksam, unterschiedlich beherrschbar. Aber unterschiedlich moralisch sind sie nicht. Unsere Handlungen sind es, unser Umgang mit ihnen ist es.  Und wer das nicht versteht, der hat es schwer, den Unterschied zwischen Richtig und Falsch zu erkennen.

Nehmen wir Herrn Ladurner als Beispiel, einfach weil wir ihn eh gerade zur Hand haben:

Doch man kann nicht so tun, als sei Giftgas eine Waffe unter vielen. Wer das behauptet, der muss die Sache zu Ende buchstabieren: Der muss sagen, dass wir künftig in einer Welt leben werden, in der man Chemiewaffen ungestraft einsetzen kann.

Wer das Problem mit dieser Argumentation nicht auf Anhieb erkennt, versuche doch bitte mal, anstelle von „Giftgas“ und „Chemiewaffen“ etwas anderes einzusetzen wie „Gewehre“, „Bajonette“ oder „Schlagringe“.  Ist es zugunsten von Herrn Ladurner, wenn ich ihm unterstelle, dass ihm das wirklich nicht aufgefallen ist? Auch wieder gar nicht so einfach.


De Maizière findet Hekatombe für Taliban sinnvoll

3. Juni 2011

Erneut ist ein Bundeswehrsoldat bei einem Anschlag in Afghanistan getötet worden. Verteidigungsminister Thomas de Maizière zeigt sich erschüttert – und bezeichnet ein Opfer von hundert Rindern an den Gott Zeus für die radikalislamischen Taliban als „nötig und sinnvoll“.

Quelle: Campus-Zeitung caz, Dresden, Urheber: Tobias Krecht

„In unseren Gedanken und mit unseren Tieropfergaben an die Olympischen Götter sind wir bei dem Gefallenen, seiner Familie und seinen Angehörigen“, sagte de Maizière am Donnerstag bei einer Pressekonferenz auf dem Olympischen Tempeltag in Dresden. Er halte aber auch massenhafte Tieropfer für die radikalislamischen Taliban für sinnvoll: „Das Opfern hunderter Stiere, Ziegen, Lämmer und Esel an Zeus, Ares und Pallas Athene für Täter und Opfer – für Opfer gleich welcher Nation – ist gut und richtig. Insoweit ist auch eine Hekatombe im Namen des blitzeschleudernden Götterfürsten und seiner Nachkommen für die Taliban nötig und sinnvoll.“ Allerdings ersetze das Blutopfer nicht die praktische Politik. „Es kann die Basis dafür sein, es kann eine große Hilfe sein, aber es kann nicht alles sein“, so de Maizière.

Der Verteidigungsminister, der dem Tempeltagspräsidium angehört, reagierte damit auf Äußerungen der populären Theologin Margot Käßmann. Die frühere Ratsvorsitzende der Olympischen Tempelgemeinschaft in Deutschland hatte am Vormittag vor mehreren tausend Menschen eine gemeinsame Opfergabe mit den Taliban als eine „wesentlich bessere Idee als die Bombardierung von Tanklastwagen“ bezeichnet.


Give war a chance

16. Juni 2010

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Heute möchte ich mit euch mal über Krieg nachdenken. Habt ihr euch wahrscheinlich schon gedacht. Im Einzelfall bin ich mir selbst nicht sicher, wo ich da stehe. Afghanistan, Kosovo, Irak, Frankreich, ich weiß einfach nicht genug über diese Länder und ihre Umstände, um fundiert darüber entscheiden zu können, ob es richtig war, dort militärisch einzugreifen, oder ob man es besser mit anderen Instrumenten versucht hätte.

Aber ich weiß, dass ich kein Pazifist bin. Ich halte Pazifismus für eine nicht ganz unsympathische, aber letzten Endes doch ausgesprochen unmoralische Einstellung. Ich glaube, dass jeder Mensch grundsätzlich eine Verpflichtung hat, anderen Menschen zu helfen, wenn er es mit vertretbarem Aufwand kann. Wenn ich nachts durch eine Stadt laufe und in einer dunklen Gasse sehe, wie jemand überfallen wird, fühle ich mich verpflichtet, ihm beizustehen. Es ist in so einer Situation nicht immer die beste Entscheidung, selbst einzugreifen. Der Täter könnte bewaffnet sein, und ich bin – für viele von euch vielleicht eine Überraschung – nicht Batman. Das sind gute Gründe, nicht selbst einzugreifen, sondern Hilfe zu rufen. Wer es aber prinzipiell für falsch hält, einen anderen Menschen vor einem Angreifer zu schützen, wenn dafür der Einsatz von Gewalt erforderlich wäre, dessen Moral ist in meinen Augen in dieser Hinsicht sehr, sehr zweifelhaft. Und genau das ist Pazifismus: Die prinzipielle Ablehnung jeglicher Gewalt, zumindest zwischen Staaten.

Und ich finde durchaus, dass die Situation zwischen Völkern und Staaten vergleichbar ist. Saddam Hussein war meines Wissens ein Diktator, dessen Volk in ständiger Furcht vor seiner Geheimpolizei und willkürlichen Gewaltakten lebte. Auch die Taliban hatten in Afghanistan ein Regime auf der Basis von Terror, Gewalt und Mord errichtet. Man kann in beiden Fällen darüber streiten, ob die USA den richtigen Weg gewählt haben, dieses Problem zu beheben. Man kann in beiden Fällen darüber streiten, ob das Resultat den Aufwand und die Anzahl der gefallenen Soldaten rechtfertig. Man meines Erachtens in beiden Fällen nicht darüber streiten, dass es moralisch richtig war, etwas dagegen zu unternehmen. Und wer ernsthaft glaubt, dass das ohne Gewalt möglich gewesen wäre, der muss eine sonderbare Vorstellung von der Offenheit fanatischer totalitärer Regime für freundliches Zureden haben.

Ich habe auch noch kein überzeugendes Argument gehört, das prinzipiell gegen solche Einsätze spräche. Noch mal: Wie genau man dabei im Einzelfall vorgeht, ist eine andere Frage. Gerade im Irak ist ohne Zweifel vieles falsch gelaufen, und der Vorwand für den Angriff war natürlich schlicht gelogen. Aber „Was geht uns Afghanistan an?“ oder „Unsere Soldaten sterben da drüben, weil die ihr Land nicht in den Griff kriegen!“ sind keine moralischen Argumente.Vielleicht kennt ihr bessere; sie würden mich interessieren.

Es ist verständlich, die Leben von Menschen, die einem nahe stehen, höher zu bewerten als die von Fremden. Aber wer ernsthaft findet, dass die Leben deutscher Soldaten grundsätzlich mehr wert sind als die Leben von Afghanen, der hat etwas ganz Entscheidendes nicht verstanden.

Krieg ist eine fürchterliche Sache. Im Krieg sterben und leiden Menschen. Soldaten, Zivilisten, Kinder, Frauen, Männer, und übrigens auch Tiere. Ich finde, dass wir trotzdem nicht die Augen vor der Tatsache verschließen dürfen, dass militärische Gewalt manchmal der beste oder sogar der einzige Weg sein kann, die Abscheulichkeiten, die Menschen anderen Menschen antun, zu verhindern.