Starke Bilder

21. Dezember 2012

Berlin. Bundesfamilienmisterin Kristina Schröder hat in einem Interview mit der Wochenzeitung „Die Zeit“ die Möglichkeit angedeutet, die Entität, die das Universum geschaffen habe, verfüge möglicherweise nicht über einen Penis. Viele ihrer Parteigenossen sowie der Direktor des bayerischen Wallfahrtsorts Maria Vesperbild, Prälat Wilhelm Imkamp, zeigten sich darüber entrüstet und betonten die Bedeutung, die das Glied des Schöpfers in ihren Augen trage.

Die bayerische Sozialministerin Christina Haderthauer etwa zeigte sich nach eigenen Worten „sprachlos“ gegenüber solch „verkopfte[m] Quatsch“ und fügte dennoch bemerkenswert wortreich hinzu:

Ich finde es traurig, wenn unseren Kindern aus lauter Unsicherheit und political correctness die starken Bilder genommen werden, die für ihre Phantasie so wichtig sind. Und wir alle wissen, wie wichtig für Kinder das starke Bild des mächtigen Genitals des Wesens ist, dem wir alle unsere Existenz verdanken.

Die brandenburgische CDU-Politikerin Katerina Reiche sagte:

Der liebe Gott mit einem Penis bleibt der liebe Gott mit einem Penis!

Von Norbert Geis (ebenfalls CSU) verlautete:

Gott ist uns von Christus mit Schwanz offenbart. Dabei soll es bleiben.

Prälat Imkamp wurde noch deutlicher:

Die Äußerungen von Frau Schröder zeugen von einem erschreckenden religiösen Analphabetismus, sie kennt offenbar das Geschlechtsteil unseres Herrn nicht! […] Wir haben einen personalen Gott, dass dieser personale Gott die Dimensionen der Geschlechtlichkeit übersteigt, führt nicht dazu, dass man implizieren könnte, er hätte keinen Penis!

Imkamp drückte darüber hinaus die Hoffnung aus, die Dissertation Schröders hätte ein anderes Niveau als die Vermutung, das Universum könnte ohne Beteiligung eines männlichen Genitals entstanden sein.

Der CSU-Politiker Günther Beckstein sagte:

Theologisch hat Frau Ministerin Schröder recht: Gott steht über den Geschlechtern. Aber emotional ist das nicht meine Welt; für mich ist es wichtig, dass Gott ein riesiges Gemächt hat.

Schröder selbst ist noch nicht bereit, einzulenken, hat aber eingestanden, dass sie ihre Worte womöglich unglücklich gewählt haben könnte:

Bei meiner Antwort habe ich vielleicht zu sehr an das kleine Mädchen gedacht und nicht an die vielen Erwachsenen, denen der gewaltige, transzendente, zeitlose und allgegenwärtige Penis Gottes sehr viel bedeutet.