Luftschlager

16. Dezember 2009

Unser cooler Baron Verteidigungsminister hat ein bisschen Ärger wegen eines kleinen Luftschlags. Das kuschelige kleine Blog „überschaubare Relevanz“, das, wenn es groß ist, auch mal so investigativ werden will wie Der Postillon oder Spiegel Online, wollte hierzu ein Interview mit Herrn von und zu Guttenberg. Dieser erklärte sich jedoch nicht dazu bereit, vielleicht auch, weil ihn niemand gefragt hat, deshalb haben wir uns einfach eins ausgedacht:

[picapp align=“none“ wrap=“false“ link=“term=Guttenberg&iid=7395348″ src=“c/6/7/1/Pressure_Builds_on_f1ca.jpg?adImageId=8386040&imageId=7395348″ width=“500″ height=“366″ /]

üR: Herr von und zu Guttenberg – Oder darf ich einfach Wilhelm sagen? – wir sind verwirrt. Wie ist es denn nun zu dem Angriff auf die Tanklaster in Afghanistan gekommen, und wer trägt die Verantwortung dafür?
Guttenberg: Waah! Nennen Sie mich bloß nicht Wilhelm, sonst geht diese unselige Wikipedia-Debatte von vorne los. Ich kann das nicht mehr hören. Sylvester ist doch nett.
üR: Wie Sie wollen.
Guttenberg: …
üR: Äh, und die andere Frage?
Guttenberg, sich räuspernd: Wieso, welche andere Frage?
üR, leicht ungeduldig: Wer trägt die Verantwortung für den Tod mehrerer Zivilisten bei dem Angriff auf einen Tanklastzug in Afghanistan, den Sie selbst inzwischen auch als militärisch nicht angemessen bezeichnet haben?
Guttenberg: Ach so, ja, die Frage, natürlich. Verzeihen Sie bitte, die hatte ich ganz vergessen. Ein sehr peinlicher Fehler, insbesondere, weil man es als Versuch auffassen könnte, diese eher unangenehme Frage zu umgehen, und ich versichere Ihnen, dass mir nichts ferner läge.
üR: …
Guttenberg: …
üR: Herr von und zu Guttenberg, ich schreie gleich.
Guttenberg: Sylvester. Wieso?
üR, schreiend: Weil Sie die Frage immer noch nicht beantwortet haben!
Guttenberg: Ach ja. Wie lautete… [erschrocken:] Schon gut, schon gut, setzten Sie sich bitte wieder hin. Also, die Frage: Ich kann Ihnen versichern, dass ich mich in meiner Funktion als Verteidigungsminister hier zu 100% vor meine Soldaten Stelle. Unsere Männer – und Frauen – in Afghanistan tun in vorbildlicher Weise ihre Pflicht und verdienen dafür unsere volle Unterstützung. Ich bewundere diese Menschen, die ihre Pflicht erfüllen, für ihr Vaterland und für die hilfsbedürftige afghanische Bevölkerung, und dabei bereit sind, ihre eigene Sicherheit und Gesundheit aufs Spiel zu setzen.
üR, mit zuckendem rechtem Augenlied und pochender Schläfenader: Und wer träg nun die Verantwortung?
Guttenberg: Wie ich schon sagte, ich stelle mich da vor meine Leute. Als Minister nehme ich selbstverständlich die Offiziere in Schutz, die hier schwierigste Entscheidungen in Sekundenbruchteilen zu treffen haben. Schuld ist alleine Oberst Klein.
üR: [Betretenes, leicht ungläubiges Schweigen]
Guttenberg: Also was denn jetzt, stellen Sie mir noch eine Frage oder was?
üR: Natürlich, Verzeihung. [Kramt einen böse zerknitterten Notizzettel aus der Hosentasche] Äh… Naja… Also, Oberst Klein ist an allem Schuld?
Guttenberg: Genau.
üR: Ganz alleine?
Guttenberg: Jup.
üR: Oberst Klein hat also einfach kraft eigener Herrlichkeit seine Einsatzregeln ignoriert und unter Missachtung des Bundestagsmandats mit frei erfundenen Gründen (”Troops in contact”) einen Luftangriff angefordert, um ein paar Taliban zu töten, wobei er billigend in Kauf genommen hat, dass unschuldige Menschen sterben?
Guttenberg: Ich schätze, so muss das gewesen sein.
üR: Oh. Na gut. Und was passiert dann jetzt mit dem?
Guttenberg: Gar nichts, wieso?
üR: Keine Sanktion?
Guttenberg: Nein. Das gehört sich nicht.
üR: [Lacht ein bisschen verstört.] Ach so, klar, dumm von mir. Und warum schätzen Sie, müssten Sie das nicht wissen?
Guttenberg: Naja, ich habe von der ganzen Sache natürlich keine Ahnung.
üR: Wie jetzt?
Guttenberg: Na, sehen Sie… Äh… Da gibt’s doch diesen… Hier, wie heißt das? Sie wissen schon… Untersuchungsdings, oder so. Da bin ich aber nicht drin, und sonst weiß ich nur, was halt in der Zeitung steht. Also, in der, die ich lese.
üR: Sie könnten ja versuchen, es rauszufinden. Wäre doch eine nette Geste, einfach mal zu schauen, was in ihrem Ministerium so läuft, wenn Sie eh schon mal da sind, oder?
Guttenberg: Was? Wieso?
üR, sich nach der versteckten Kamera umsehend: Weil… Sie der Verteidigungsminister sind?
Guttenberg: Ja, und? Soll das jetzt heißen, ich wäre für alles verantwortlich, was in meinem Ministerium passiert, oder was? Meinen Sie nicht, dass ich Besseres zu tun habe? Haben Sie eigentlich eine Ahnung, worum man sich da alles kümmern muss? Allein mein Styling – aber davon verstehen Sie ja offensichtlich nichts. Verteidigungsminister, pah! Soll sich doch der Seehofer drum kümmern. Mir doch egal. Das wär ja noch schöner! Hätten die wohl gerne, gemeines Pack, Bauerngesindel… [Verlässt unter weiterem, unverständlichen Gegrummel grußlos die Redaktionsräume]