Vielleicht machen wir es ja zu einer Serie

14. August 2011

Der „überschaubare Relevanz“-Doppelpack oder sowas. Vielleicht auch nicht. Aber heute gibt es jedenfalls noch einmal zwei Ärgernisse zum Preis von einem. Wer das als Mogelpackung empfindet, weil es zwei ziemlich mickrige Ärgernisse sind, wende sich bitte an eine Verbraucherschutzorganisation seiner Wahl. Es gibt ja reichlich von dem Gewürm.

  1. Unsere scheinliberale Partei hat mal wieder eine Möglichkeit gefunden, sich durch Verbotsforderungen hervorzutun. Und weil Herr Rösler offenbar damit rechnet, dass ihn schon morgen oder jedenfalls irgendwann demnächst nicht mehr nur Deutschland hört, sondern schon die ganze Welt, fordert er sogar ein weltweites Verbot der ungedeckten Leerverkäufe. Naheliegend, denn es ist ja offensichtlich, dass Zweifel an der soliden Finanzpolitik von Staaten nur durch diese verfluchten Spekulanten gesät sind und jeder realen Grundlage entbehren. Ich meine, man übertreibt sicher ein bisschen, wenn man jetzt schon Orwellsche Fantasien schürt, aber eine gewisse bedenkliche Tendenz zum Wahrheitsministerium lässt sich doch wohl nicht leugnen, wenn man mal sieht, in welche Richtung die Ideen unserer Regierungen zur Lösung der aktuellen Krise gerade gehen: Verbot von unerwünschter Spekulation, öffentliche Beschimpfung derer, die Zweifel am System äußernVerbot von schlechten Ratings. Ich warte auf erste Vorschläge zur Ausweitung des Tatbestands des Hochverrats auf Leute, die sich weigern, Investition in Staatsanleihen zu empfehlen.
  2. Und Herr Wulff hat eine Rede zum Gedenken an den Mauerbau gehalten. Über diesen sagenhaften Spruch „Am Ende ist die Freiheit unbesiegbar“ sehen wir mal hinweg. Es ist ja nicht so, als wäre der Bundespräsident nur da, um schöne Reden zu halten. Eigentlich hätte ich den Kram auch gar nicht gelesen, wenn ich nicht etwas Bestimmtes gesucht hätte, und natürlich wurde ich auch fündig:
    Es waren sehr oft Christen, die sich nicht abfanden mit den Zuständen. Es waren Pfarrer und Gemeinden, die Schutz und Raum boten für politische Gespräche und Gebete. Daran möchte ich erinnern, gerade in einer Zeit, in der nicht wenige Kirche und Religion ins Private zurückdrängen wollen.
    Herr Wulff, was ist denn das für ein Spruch? Ich kenne niemanden, der es Christen untersagen will, sich politisch zu äußern, und ich kenne auch niemanden, der ein Problem damit hätte, dass Pfarrer und Gemeinden Raum bieten für politische Gespräche und… Gebete? Was sind denn politische Gebete? Egal.
    Unser Bundespräsident hat leider nicht näher erläutert, war er sagen will, aber er muss doch eigentlich die Leute meinen, die eine strikte Trennung von Kirche und Staat fordern. Ich kenne nämlich wie gesagt niemanden, der öffentliche Äußerungen religiöser Menschen oder Organisationen generell untersagen wollte. Und so gesehen wird dieser sonderbare Einwurf von Herrn Wulff für mich noch aberwitziger, als er es sonst in diesem Zusammenhang wäre. Diese Trennung zwischen Kirche und Staat ist ja gerade ein Gebot der Freiheit, weil jede Bevorzugung bestimmter Religionen eine Einschränkung der Religionsfreiheit darstellt, ganz gleich, ob sie nun so scheinbar geringfügig daherkommt wie ein kleines Holzkreuz im Klassenzimmer, oder so offensichtlich und dummdreist wie ein Verbot der Errichtung von Minaretten, oder eben wie die Unterdrückung von Religion in den kommunistischen Staaten. Alles Seiten derselben Medaille.
    Oh. Ach so. So ganz stimmt das übrigens nicht, was ich oben geschrieben habe. Ich kenne doch jemanden, der tatsächlich gerne möchte, dass Religion vollständig ins Private zurückgedrängt wird. Hätte ich beinahe vergessen. „Und wenn du betest, sollst du nicht sein wie die Heuchler, die da gerne stehen und beten in den Schulen und an den Ecken auf den Gassen, auf daß sie von den Leuten gesehen werden. Wahrlich ich sage euch: Sie haben ihren Lohn dahin. Wenn aber du betest, so gehe in dein Kämmerlein und schließ die Tür zu und bete zu deinem Vater im Verborgenen
    Vielleicht hat Herr Wulff ja den gemeint. Ich glaube nämlich, er kennt ihn auch.