Gastbeitrag von onkelmaike: Warum ich links bin

4. Januar 2017

Als ich mein Vorhaben ankündigte, einen AfD-Versteher-Gastbeitrag zu veröffentlichen, dauerte es natürlich nicht lange, bis erste Forderungen nach einem korrespondierenden Gastbeitrag einer quotenlinken Person aufkamen. Ich dachte mir, ich will nicht so sein, und das Resultat könnt ihr nun hier in Form dieses Gastbeitrags von onkelmaike lesen. Bitte sehr:

Ich bin links, weil ich links erzogen wurde. Jahrgang ’74, wurde ich mitten in die sich auch in meiner Familie manifestierenden politischen und kulturellen Auseinandersetzungen zwischen alter Bundesrepublik und 68er-Bewegung hineingeboren. Meine Großeltern waren kleinbürgerliche CDU-Wähler vom Dorf, meine Mama (die aber Christine genannt werden wollte) hingegen stark von der antiautoritären und grünen Bewegung beeinflusst. Weihnachten und wann immer möglich, wurde sich in der Familie sich laut und wütend über Sinn und Unsinn von Atomkraftwerken oder das Asylrecht gestritten (Wir erinnern uns: Es waren ja schon immer zu viele Flüchtlinge, auch als es noch viel weniger waren).

Als ich geboren wurde, war die Befreiung von Auschwitz dreißig Jahre her – Und wer sich nicht erinnert, wiederholt!, fanden die Achtundsechziger. Aber auch, wer noch nichts zu vergessen hat, konnte sich gar nicht früh genug politisch bilden. Meine Kinderbücher, wie beispielsweise, „Damals war es Friederich“ oder auch das berühmte „Tagebuch der Anne Frank“, das uns mein Grundschullehrer Ferdinand (siehe oben) vorlas, handelten von jüdischen Kindern die von einem Tag auf den anderen aus einem freundlichen normalen Leben gerissen und von den Nazis umgebracht wurden. Die Botschaft „Rassismus tötet“ wurde mir so früh nachdrücklich vermittelt.

Auf der nach antiautoritären Leitlinien ausgerichteten Schule, die ich von der ersten bis zur zehnten Klasse besuchte, gab es in den ersten sieben Jahren keine Schulnoten, eher wenig geordneten Unterricht, keinen Zwang, sich in bestimmten Räumen, wie etwa dem Klassenzimmer, aufzuhalten und auch sonst wenig Vorgaben. Wir hatten viel Zeit und Raum, uns den Dingen zu widmen, zu denen wir Lust hatten. Der Mensch lernt intrinsisch motiviert, aus der ihm angeborenen Neugierde heraus, ein Leben ohne Zwang ist möglich!, dachten unsere linken Lehrer. Ich finde, dass dieses Erziehungskonzept in meinem Fall einigermaßen aufgegangen ist. Ich bin tatsächlich zu einem neugierigen, begeisterungsfähigen Menschen mit Freude am Lernen geworden. (Neugieriger, begeisterungsfähiger Mensch mit Freude am Lernen, der auf eine ziemlich anstrengende Kindheit zurückblicken kann, allerdings. Entgegen ihrer Annahme hatten dieAchtundsechziger ja nicht die Gemeinheit und Gewalt in sich oder ihren Kindern abgeschafft, was sich in einem solchen anarchistischen Setting teilweise ungehemmter Bahn brechen konnte. Einen geschützten Klassenraum habe ich mir beispielsweise oft gewünscht.).
Und so wie ich sind meine Mitschülerinnen und Mitschüler eigentlich alle geworden. Einige der Jungs in meiner Klasse konnten in der sechsten Klasse noch nicht lesen und schreiben (ich nehme an, sie hatten bis dahin was Spannenderes zu tun gehabt) – Abitur und Karriere haben sie irgendwann trotzdem gemacht. Ich denke, weil sie sich irgendwann dazu entschieden haben, weil sie einen Sinn darin erkannten. „Wir müssen Euch jetzt leider Noten und Zeugnisse geben, sagten die Lehrer als es auf die ersten Abschlüsse in der neunten Klasse zuging. „Wir wissen selber, dass es Quatsch ist, menschliches Verhalten auf einer Skala von 1 – 6 einzuordnen ist, aber das System will es nun mal so.“ Jetzt ist meine Schulzeit lange her. Ich habe mich viel damit auseinandergesetzt. Vieles, was unsere Lehrer dachten und was mit uns gemacht wurde, finde ich inzwischen falsch. Als passionierte Vulgärfreudianerin denke ich, dass deren Erziehungsmethoden häufig eher auf die Vätergeneration und nicht wirklich auf uns Kinder abzielten. Trotzdem war ihr Bemühen um weniger Zwang mehr Freiheit und letztlich Liebe aufrichtig.

Als Teenager fing ich an, den Spiegel lesen und die politische Welt stellte sich dort als vier Parteien-Universum da – Am guten Ende die Grünen und am schlechten die CDU. Christine trat den Grünen bei. Irgendwann vergaß sie, ihre Mitgliedsbeiträge zu entrichten. Oma sprang mürrisch für sie ein und nahm dafür im Austausch das Recht in Anspruch, ihre Tochter mal wieder, wie immer, nicht richtig ernst nehmen zu müssen.
„Es gibt doch bestimmt auch eine grüne Jugendgruppe.“, sagte Christine als ich ebenfalls auf die Idee kam, mich politisch zu betätigen. Und tatsächlich gab es eine solche. Sie nannte sich die Grün-Bunte-Jugend und sie traf sich im Café Rhizom in Hannover-Linden. Die Grün-Bunte Jugend Hannover war jedoch nur dem Namen nach „grün“. Eigentlich war es eine trotzkistische Zelle. An meinem ersten Abend bekehrten mich die Gruppenmitglieder Sascha und Jolli zum Kommunismus. Sie erklärten mir, im Verhältnis zwischen Industriestaaten und Afrika gehe es ungerecht zu, Terms of Trade und so, woran der der Kapitalismus schuld sei, aber eine bessere Welt möglich und wir sollten uns deshalb dafür einsetzen.

Das ist nun bald dreißig Jahre her, aber an meiner Haltung hat sich nicht viel geändert. Immer noch denke ich, dass der Kapitalismus in seiner real existierenden Form der Welt und den Menschen schadet und ungerecht ist. In meinen Augen wird ständig und überall deutlich, dass wir einen neuen  Wachstumsbegriff (oder gar keinen mehr) brauchen. Es wird die Welt nicht retten, wenn Griechenland wettbewerbsfähiger wird. Es bedarf anderer Lösungen. Im Unterschied zu früher bin ich allerdings weniger selbstgewiss. Das, wofür ich stehe, beruht auf dem, was ich glaube. Nichts davon, wie etwas die universelle Geltung der Menschenrechte, könnte ich beweisen. Je länger ich mich mit der Frage beschäftige, desto weniger bin ich mir sicher im engeren Sinn des Begriffes „links“ zu sein. Hierzu gehört es ja (meinem Verständnis zufolge zumindest), um eine sinnvolle Abgrenzung zum Liberalismus treffen zu können, Vergesellschaftung bzw. Verstaatlichung von Produktionsmitteln, jedenfalls ein mehr an Staatlichkeit zu fordern. Vieles deutet für mich auch darauf hin, dass dies sinnvoll ist. Aber ganz sicher bin ich mir nicht mehr.

Im Ergebnis ist wohl viel von meinem Linkssein kulturell und von meinen eigenen Bildern geprägt. Links sein heißt für mich: Underdog sein oder zumindest für die Underdogs sein. Links sein heißt teilen. Links sein heißt selbstkritisch, bildungs- und diskursorientiert sein. Es kann immer sein, dass man selber sich irrt und die anderen recht haben. Links sein heißt manchmal auch naiv sein. Diese alles zusammengenommen heißt dann auch, dass links sein in der Regel bedeutet den nicht-Linken im Kampf um die politische Macht hoffnungslos unterlegen zu sein. Wirklich links sein heißt für mich auch mutig und zum persönlichen Risiko bereit zu sein und auch mal einen Kampf aufzunehmen, von dem man schon vorher weiß, dass er nicht zu gewinnen ist.
Links sein heißt für mich altruistisch sein. Allerdings aus egoistischen Motiven. Denn ich finde, dass es sich mit einem linken Haltung und in einer gerechteren Welt schöner lebt. Es fühlt sich gut an zu sagen: Ich habe mehr als ich brauche, ich gebe gerne was ab. Um ein konkretes Beispiel zu nennen, seit einigen Jahren engagiere ich mich für Flüchtlinge. Auch, wenn das manchmal traurig ist, hat es mein Leben sehr auf sehr vielen Ebenen bereichert, schöner und weniger einsam gemacht.

Ich möchte diesen langen Text mit einem Happy End schließen: So wie die Grünen und die CDU immer näher zusammen finden, ist in in meiner Familie längst Harmonie eingekehrt. Die Zeiten ernster politischer und sonstiger Streitereien sind vorbei. Meine Mutter und meine Großmutter mögen sich inzwischen mindestens so gerne wie Angela Merkel und Winfried Kretschmann, wenngleich meine Mutter natürlich seit Jahrzehnten nicht mehr grün, sondern links wählt.

Das war der Beitrag von onkelmaike. Anders als bei Gerhard Rhiel habe ich da nicht besonders viele Fragen, weil es meines Erachtens eher ein sehr interessanter und sympathischer Erlebnisbericht ist als eine politische Stellungnahme. Natürlich könnte ich trotzdem ein bisschen dran rummäkeln – zum Beispiel, dass der Begriff „links“ hier meines Erachtens zu unspezifisch sympathisch-nett verschwurbelt wird, womit die Probleme, die ich in der Haltung vieler sich als links bezeichnender Menschen sehe, vernebelt werden könnten, so wie das manchmal auch mit „christlich“ passiert, wenn Leute meinen, das hieße einfach nur, nett zu anderen zu sein, ein bisschen pazifistisch, und Weihnachten und so. Aber sonst: Nur zu. Wenn das euer Links ist, habe ich kein großes Problem damit.

Na gut, doch. Ein bisschen was hab ich schon: Was deutet denn für dich darauf hin, dass die Verstaatlichung von Produktionsmitteln sinnvoll wäre? Und wie stehst du zu dem Problem, dass das zu einer noch weitergehenden Zentralisierung von Macht und Reichtum führt, als wir sie zurzeit sowieso schon haben? Schweben dir da àusgleichende Gegenmaßnahmen vor?

Wie grenzt du dich als politisch links stehende von politisch rechts stehenden Menschen ab? Also, was verstehst du unter rechts?

Und, auf einer anderen Ebene:

Was meinst du denn mit dem Satz „Nichts davon, wie etwas die universelle Geltung der Menschenrechte, könnte ich beweisen.“? Für mich ergibt der keinen Sinn, deshalb wäre ich für eine möglichst fundamentale Erläuterung dankbar.


Der Staat sind wir, der Markt sind die anderen

26. August 2011

Es mag der Eindruck entstehen, dass ich es auf Michalis Pantelouris abgesehen habe. Aber das wäre natürlich falsch. Wer so cool auf so scharfe Kritik reagiert, den kann man doch nur gut finden. Es ist also keineswegs böser Wille, der mich treibt, jetzt schon den zweiten Artikel an Mikis zu richten. Es ist vielmehr so, dass ich mit dem (Ich sag das mal so vereinfacht.) Weltbild der Linken (also ungefähr der Leute, die tendenziell glauben, dass ein starker Staat und viel Regulierung was Gutes sind) schon lange ein fundamentales Verständnisproblem habe, und dass Mikis in seinem Artikel und seinen Kommentaren hier mir dieses Problem sehr deutlich vor Augen geführt hat. Er schrieb zum Beispiel:

die Linke – die hier definiert wird als die Kraft, die unregulierte Märkte von jeher als eine Art Pyramidenspiel betrachtet hat, die es den Stärkeren erlaubt, auf Kosten der schwächeren Allgemeinheit Reichtümer anzuhäufen 

oder:

Nimm nur Lebensmittel: Ohne staatliche Regelung und Kontrolle würden uns die Konzerne noch sehr viel schlimmeren Scheißdreck verkaufen, als sie es sowieso tun. 

oder:

das Debakel um die „Ampel“ auf Lebensmitteln zeigt: Die rechte Bundesregierung lehnt es ab, Hersteller zu verpflichten, in erkennbarer Weise ihren Müll ehrlich zu kennzeichnen, weil sonst niemand dieses Zeug kaufen würde.

oder kurz:

Das ist Freiheit des Marktes, nämlich Volksverarschung.

Und wenn ich nur diese Auszüge läse, dann würde sich mir unvermeidlich der Eindruck aufdrängen, Mikis hätte ein so trauriges Menschenbild, das ich staunen müsste, wie aus ihm ein offenbar sozial gut integriertes Mitglied unserer Gesellschaft werden konnte. Wer das schreibt, muss doch eigentlich seine Mitmenschen (natürlich nicht jeden einzelnen, aber doch alle im Durchschnitt oder so) einerseits für zu gierig, egomanisch, niederträchtig und kurzsichtig halten, um anständig miteinander umzugehen, andererseits aber auch für zu dumm, naiv oder uninformiert, um die simpelsten Formen von Betrug zu erkennen. Oder anders gesagt: Wer so denkt, der scheint davon überzeugt, dass es ohne äußeren Zwang keinen Mechanismus gibt, der Menschen davon abhält, einander fortwährend nach Strich und Faden zu verarschen, zu betrügen, zu vergiften und schamlos auszunutzen.

An dieser Stelle könnte ich nun einfach konstatieren, dass Mikis offenbar eine völlig andere Wahrnehmung von der Welt hat, in der wir leben, als ich das tue, und daran wäre nichts außergewöhnliche Aufregendes, denn viele Menschen sehen Dinge anders als ich. So einfach scheint es aber nicht zu sein.

Er schreibt nämlich auch:

Der Staat ist der einzige, der Sicherheit garantiert. Militärische und Innere Sicherheit, aber auch Lebensmittelsicherheit, Umweltschutz, Sicherheit vor Gift in weiteren Gütern, gesicherte Gesundheitsversorgung, Soziale Sicherheit uswusf.

oder:

Links = der Glaube an die Entwicklungsfähigkeit und den stetigen Fortschritt (und dass sie sinnvoll ist). Rechts = bewahren des Status quo (If it’s not necessary to change, it’s necessary not to change). Links = die Definition des Menschen über Empathie als bestimmendes Merkmal = Notwendigkeit der Zusammenarbeit. Rechts = die Definition des Menschen über sein Eigeninteresse (in der Realität die Gier) = Notwendigkeit des Schutzes vor „der Welt da draußen“.

Und das klingt auf einmal völlig anders. Wer das schreibt, der scheint daran zu glauben, dass Menschen sich aufeinander verlassen können, dass sie Gemeinschaften bilden können, die auf gegenseitigem Vertrauen basieren, dass sie langfristig denken können und einander gegenseitig helfen, und das ihr Verhalten nicht nur von kurzfristiger Gier bestimmt ist, sondern dass sie in der Lage sind, die Vorteile zu erkennen, die sich aus sozialverträglicher Kooperation ergeben. (Übrigens halte ich persönlich dieses Menschenbild im Großen und Ganzen für erheblich realistischer als das erste, falls es jemanden interessiert, aber darum geht es hier nicht.)

Und jetzt kommt mein Problem: Ich sehe nicht, wie eine Person beide Meinungen zugleich vertreten kann.

Wenn jemand seinen Mitmenschen nicht einmal zutraut, die Inhaltsstoffangaben auf ihrem Krabbensalat zu lesen, um sich vor Vergiftung zu schützen, wie kann er ihnen dann gleichzeitig zutrauen, in einer Demokratie eine Regierung zu wählen, die jede Form von Sicherheit und Umweltschutz und Gesundheitsversorgung und so weiter garantieren kann?

Wenn jemand seinen Mitmenschen nicht einmal genug Vertrauen entgegenbringt, um ihnen die Wahl zu lassen, ob sie eine Ampel auf die Krabbensalatpackung drucken wollen, die sie verkaufen, wie kann derselbe Mensch seinen Mitmenschen so viel Vertrauen entgegenbringen, dass es ihm keinerlei Sorge bereitet, wenn sie ihm vorschreiben, wie er zu leben hat, welchen Krabbensalat er kaufen darf und wie die Packung auszusehen hat?

Wie kann jemand einerseits schreiben: „der Staat sind wir“, und sich damit gegen gegen ein Bild von einer „riesige[n], dunkle[n] Institution, gegen die man sich vor allem zur Wehr setzen muss“ wenden, aber gleichzeitig den freien Markt mit „Volksverarschung“ gleichsetzen, obwohl der Markt doch eigentlich noch viel mehr „wir“ ist als der Staat?

Wie kommt jemand, der nach eigener Darstellung den Menschen nicht über Gier, sondern über Empathie als bestimmendes Merkmal definiert, auf die Idee, derselbe Mensch würde seine Mitmenschen nach Strich und Faden und ohne Rücksicht auf ihr Leben und ihre Gesundheit verarschen, wenn die Staatsgewalt ihn nicht mit Zwangsmitteln davon abhielte?

Ich könnte noch viel mehr solche Detailfragen stellen, aber im Endeffekt läuft es darauf hinaus, dass ich nicht verstehe, welche Mechanismen die Linke bei staatlichen Institutionen am Werk sieht, die vor Verarschung und Machtmissbrauch schützen, während sie ihre Mitbürger gleichzeitig vor Unternehmen und Konzernen, die über ungleich weniger Macht verfügen als der Staat, beschützen zu müssen meint.

Kann mir da jemand helfen?


Werch ein Illtum!

24. August 2011

Zuerst zu etwas völlig anderem: Zum Fantasy Filmfest erscheint hier wahrscheinlich auch noch mal was. Aber ich habe Elmo und dem Vierten Mann versprochen, dass wir ein Philos4 dazu machen, deswegen habe ich mir vorgenommen, eine Schamfrist von ungefähr zwei Wochen einzuhalten, bis ich konstatiere, dass daraus eh nichts wird und es auch keinen Sinn mehr hat, alleine was drüber zu erzählen, weil es eh niemanden mehr interessiert. So weit, so brisant.

Zum eigentlichen Thema:

Der von mir immer mal wieder bewunderte Michalis Pantelouris hat vor ein paar Tagen einen Artikel geschrieben, zu dem ich nicht nur aus FFFaulheit heute erst was sage. Ich habe bewusst ein paar Tage gewartet, aus mehreren Gründen, die sich aber letzten Endes auf zwei Grundgründe reduzieren lassen: Wenn ich meinem ersten Impuls nachgegeben und sofort was dazu geschrieben hätte, hätte ich Mikis wüst beleidigt, und das wollte ich nicht so gerne, weil ich ihn wie gesagt mag. Und zweitens wollte ich noch ein bisschen nachdenken, ob der Denkfehler vielleicht bei mir liegt, oder oder ob ich vielleicht nur völlig missverstehe, was er geschrieben hat. Das kann ich natürlich auch jetzt nicht ausschließen, aber dafür seid ihr ja da.

Zum eigentlichen Thema also.

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Restebloggen zum Wochenende (6)

6. September 2009
  1. Ich habe heute Mittag auf NDR Info einen kleinen Bericht darüber gehört, dass der Präsident von Samoa, offenbar so ziemlich im Alleingang, entschieden hat, dass in seinem Land der Linksverkehr eingeführt wird. Die Reporterin schien das eher doof zu finden, und das darf sie ja auch, aber der Bericht hat trotzdem einen unangenehmen Nachgeschmack hinterlassen.
    Zum Beispiel durfte der Präsident auch einmal sagen, warum er diese Entscheidung getroffen hat: Samoa sei ein Urlaubsziel für viele Australier, und umgekehrt würden auch viele Samoaner nach Australien auswandern oder reisen und müssten sich nun nicht mehr umstellen. Außerdem könnten die Samoaner in Australien ihren Angehörigen in Samoa jetzt nicht nur Geld, sondern auch einfach Autos schicken (Ja, das ist wirklich ein ziemlich blödes Argument, aber darum geht es mir hier nicht.). Er könne nur Vorteile sehen. Wie das oft so ist, hörte man im Hintergrund den Präsidenten auf Englisch reden, während der Sprecher die Übersetzung verlas. Der letzte Satz des Präsidenten lautete aber: „The benefit is endless.“ Darüber kann man zwar auch noch streiten, es bedeutet aber im Gegensatz zur deutschen Übersetzung nicht, dass er keine Nachteile erkennen könnte.
    Wenig später wurde dann noch ein Autoverkäuferin mit der Bemerkung zitiert, sie könne derzeit wegen der geplanten Änderung und der Unsicherheit keine Autos mehr verkaufen und benötige Unterstützung vom Staat, um zurechtzukommen, während sie selbst im Hintergrund auf Englisch erzählte: „We need answers from the government, so we can make plans.“
    Ich bin davon überzeugt, dass das beides nur dumme Übersetzungsfehler aus Flüchtigkeit waren, ohne irgendwelche Hintergedanken. Trotzdem ein sonderbarer Zufall, dass gerade diese dummen Übersetzungsfehler die Position der Reporterin noch ein bisschen nachdrücklicher untermauern, als die Originalzitate das getan hätten. Ein weiterer sonderbarer Zufall ist übrigens, dass mir solche Fehler fast immer auffallen, wenn ich im Radio Interviews in englischer Sprache höre. Honît soit, qui mal y pense.
  2. In dieser Woche ist mir zum ersten Mal seit langer, langer Zeit mal wieder der Albtraum eines Buchliebhabers widerfahren: Ich schlug ein neues Buch eines Autors auf, den ich bewundere und verehre – und ich habe es gehasst. Ich bin jetzt auf Seite 20 und hätte das Buch beinahe weggeworfen. Stattdessen habe ich es erst einmal nur ins Regal zurückgelegt, um ihm später nochmal eine Chance zu geben. Es ist übrigens Neuropath von R. Scott Bakker, und ich bin richtig sauer auf ihn. Es gibt viele ärgerliche Bücher, aber dieses Gefühl des Verrats können nur die wenigen Autoren erzeugen, von denen man dachte, man könnte ihnen vertrauen. Wie konnte er mir das antun?
  3. Was ist eigentlich mit diesen Leuten los, die mich in Ortschaften halsbrecherisch überholen, um dann auf der Bundesstraße mit 70 vor mir her zu fahren? Wollen die mich bloß ärgern, oder verfolgen die noch einen höheren Plan?
  4. Hier findet ihr einen sehr hübschen kleinen Auszug aus einem Interview mit Charlotte Roche über die Bild-Zeitung.
  5. Und hier einen wundervollen Rant über die Rubriken des deutschen Fernsehpreises. Ich habe Tränen gelacht.
  6. ix hat einen Text über Horst Schlämmer geschrieben. Ich durchschaue zwar die Struktur dieses Artikels nicht ganz, fand ihn aber auf diffuse Art gut.
  7. Mögt ihr Gedichte? Ich finde Gedichte wundervoll, und die von Matthias Schumacher können meiner Meinung nach in der allerobersten Liga mitspielen.

Restebloggen zum Wochenende

2. August 2009

Ich versuche mal, eine neue Kategorie zu begründen. In der möchte ich jetzt jeden Sonntag die bemerkenswerten kleinen Beobachtungen sammeln, bei denen es zwar nicht für einen eigenen Artikel reicht, die ich aber trotzdem gerne festhalten möchte. Und zum Schluss kommen dann noch Links zu Seiten, die ich in der Woche besonders lesenswert fand.

  1. Hat außer mir sonst noch jemand den Eindruck, dass die Ecke des Monats von Müller eigentlich nur noch in den aufgedruckten Comic-Figuren variiert und außerdem deutlich seltener als monatlich wechselt?
  2. Gestern Abend habe ich einen Kellner gebeten, in meinem Eisbecher statt Vanilleeis bitte Maple Walnut zu verwenden. Er sagte darauf hin, dass bei den Eisbechern sehr viele Gäste Sonderwünsche äußerten und dass die Zusammenstellung der Eisbrecher deshalb unveränderlich sei. Das ist natürlich eine Möglichkeit, auf Kundenwünsche zu reagieren.
  3. Vielleicht war es schon deshalb ein Fehler, Frank-Walter Steinmeier als SPD-Kanzlerkandidaten zu bestimmen, weil die Hälfte der Wähler ihn immer noch für einen CDU-Mann hält.
  4. Wie kommt es, dass manche Leute, sobald sie Gruppen von mehr als drei Personen bilden, aufhören zu lachen und stattdessen brüllen (Männer) bzw. kreischen (Frauen), als würden sie gerade lebendig gehäutet? Nichts gegen Frohsinn, aber auf mich wirkt diese Variante davon immer durchaus beängstigend, von der Lärmbelästigung ganz zu schweigen.
  5. Besonders im Gedächtnis geblieben ist mir diese Woche der Blog-Artikel von notquitelikebeethoven mit dem Titel „Wer mich beleidigt, das entscheide immer noch ich“. Schön geschrieben, und sicher auch für normal Hörende ein Satz, den man sich merken sollte.
  6. Sehr gut gefiel mir auch „Raucherpech“, eine hübsche kleine Geschichte von der Autobahn von Ruediger.
  7. Ebenfalls kurz und gut: die unmittelbar verständliche Erklärung zur Hamburger Erklärung von Malte Welding.
  8. Besondere Anerkennung für Furchtlosigkeit gebührt Fellmonsterchen für ihre Blog-Aktion im August. Sie wird von gestern an jeden Tag einen Artikel über das Thema „geriffelte Kondome“ verfassen. Ich hatte ja Comics vorgeschlagen, aber ich gebe zu, dass das nicht das gleiche Niveau an Herausforderung gewesen wäre.
  9. Und zum Schluss: Die Apple-Fans unter euch interessieren sich vielleicht für das hier nachzulesende gespenstischen Gespräch zwischen Richard von Apple und einem Geschäftspartner des Unternehmens. Falls der Dialog das Telefonat wirklich so stattgefunden hat: dermaßen unsympathisch, dass es eigentlich schon wieder cool ist. Außer natürlich, man ist derjenige, der das Gespräch führen möchte.