Nichts ist so beängstigend wie eine geschlossene Tür

7. Oktober 2011

Ich hatte in der letzten Woche die Freude, gleich zwei gute Autoren zu entdecken, von denen ich zuvor noch nie gehört hatte. Der eine ist Daniel Abraham, hat „The Dragon’s Path“ geschrieben und tut hier nichts zur Sache. Der andere ist Matt Hults. Und bei der Lektüre seines Horrorromans „Husk“ ist mir klar geworden, dass ich nach meiner Erinnerung keinen einzigen Horrorroman gelesen habe, der nicht an diesem einen fundamentalen Problem leidet, das übrigens auch für Dean Koontz‘ bessere Werke bezeichnend ist. (Für seine schlechteren Werke ist das wesentlich übersichtlichere und dennoch (oder gerade deshalb (Was glaubt ihr, wie viele Klammerebenen man ineinanderschachteln kann, ohne dass der Leser (also ihr zum Beispiel (oder eher du, denn wahrscheinlich lest ihr (oder vielmehr „liest du“ (Ich erkläre gleich noch, warum.)) diesen Post ja nicht in Gesellschaft, sondern alleine (und außerdemsprach ich ja gerade von „der Leser“))) den Überblick verliert?)) erheblich ärgerlichere Problem bezeichnend, dass sie eben rundum schlecht sind.)

Das Problem besteht im folgenden, anscheinend ziemlich unabänderlichen, Grundgerüst eines jeden (guten (Keine Sorge, ich fange jetzt nicht wieder an, das ist wieder nur ein ganz normaler, harmloser Standardlammerzusatz. (Na gut. Zwei. (Drei. (Ich hör jetzt auf. Bestimmt nervt euch das schon. (Ich habe nie gelernt, dass, wann und warum Scherze sich abnutzen können und irgendwann aufhören, lustig zu sein, wenn man es übertreibt.))))) Horrorromans: Interessante Charaktere in komplexen Situationen mit echten Problemen werden eingefügt. Wir entwickeln Zuneigung zu und identifizieren uns mit ihnen. Ein geheimnisvolles Übel tritt in die Welt, eine rätselhafte, fremdartige Bedrohung. Wir sind neugierig darauf, welche Ziele es verfolgt, was es kann und was es ist. Die Charaktere und ihre Konflikte entwickeln sich, sie werden mit dem Übel konfrontiert und versuchen, mehr darüber zu erfahren und hinter das Geheimnis zu kommen.

Und an der Stelle geht normalerweise alles ganz schnell in die Grütze. Auch und gerade in eigentlich guten Horrorromanen geht es anscheinend nicht anders: Die Charaktere stoßen auf den designierten Expositionsprovider, der ihnen irgendeine blödsinnige Pseudoerklärung hinwirft (Am besten noch scheinwissenschaftlich, so à la „Es ist ein Wesen aus reiner Energie / Die Lebenskraft Verstorbener sammelt sich am Ort ihres Todes / Wenn eine Eidechse zusammen mit einem Löwen und einem Skorpion in einen verstrahlten Teich fällt.) und dann mit ihnen in die Schlacht zieht. Schneller, als wir uns fragen können: „Wo ist die tolle Geschichte geblieben?“ werden aus den sympathischen Charakteren billige Abziehbilder, die in Verfolgungsjagden, Schusswechsel und Schlägereien verwickelt werden und Sachen rufen wie „Wir müssen es aufhalten!“ oder „Es ist noch nicht zu spät!“, und die plötzlich jeden noch so abwegigen Blödsinn unkritisch akzeptieren, sobald der Expositionsprovider ihn mit der magischen Formel „Ja, aber gestern hättest du mutierte Zombiewerwolfkakerlakenvampire auch für abwegigen Blödsinn gehalten!“ rechtfertigt. Und aus der mysteriösen, fremdartigen Bedrohung wird der nächste generische Erzschurke, der bis Mitternacht den Hokey-Pokey tanzen muss, um die Weltherrschaft an sich zu reißen.

Schade eigentlich. Ich weiß jetzt auf Anhieb auch nicht genau, wie man das Problem wirklich lösen könnte, und nicht nur die Symptome leicht variieren. Mir fällt auch kein echtes Gegenbeispiel ein. Immer wenn ich denke, ich hätte eins, wird mir klar, dass es nicht zählt. From a Buick 8 zum Beispiel. Vielleicht sind Horrorromane eben einfach zwangsläufig schlecht. Irgendeinen Grund muss es ja haben, dass ich so selten welche lese.

Oder was meint ihr?


Restebloggen zum Wochenende (11)

11. Oktober 2009
  1. Muss ich mir eigentlich von jemandem sagen lassen, ich müsste noch lernen, geschickt mit anderen Menschen umzugehen, der mich nach meinem Urlaub mit den Worten begrüßt: „Haben Sie zugelegt?“ (Für’s Protokoll: Ich habe während des Urlaubs sogar ein bisschen abgenommen.)
  2. Lukas stellt fest: Die Führerlose Zeit ist vorbei!
  3. Und dazu passend: Schon eine Weile her, aber Stefan Niggemeiers Ausführungen zu dem reflexhaften Haltet-den-Nazi-Geschrei bringen es immer noch am besten auf den Punkt.
  4. Seine aktuelle Medienkritik zum Fall Levi Johnston ist aber auch äußerst lesenswert. (Macht euch keine Sorgen, falls ihr nicht auf Anhieb wisst, wer Levi Johnston ist. Das ist ganz in Ordnung so.)
  5. Ein Gedicht gibt’s diese Woche auch wieder, diesmal „The Lay of Araman“ von Lynn Fleweling aus dem ansonsten nicht so erwähnenswerten Buch „Luck in the Shadows“. Ihr findet es hier in diesem Forum, sogar mit deutscher Übersetzung. Ich würde allerdings das Original wie immer bevorzugen. Über die vielen Tippfehler muss man einfach hinwegsehen.
  6. Alfred Nobel hat’s gewusst.
  7. Warum machen Schriftsteller so was? Der Erzschurke prahlt, er wäre schon geköpft, zerteilt, gekocht und gehäutet worden, und wenige Seiten später stellt sich heraus, dass das Geheimnis seiner Unsterblichkeit in zwei Schmuckstücken liegt, die in seiner Haut stecken. Hätte der Schriftsteller einfach auf diesen blöden Spruch vorher verzichtet, wäre aus „The Final Empire“ deshalb noch kein gutes Buch geworden, aber zumindest hätte man sich als Leser nicht noch einmal ganz zum Schluss an den Kopf fassen müssen. Ähnlicher Fehler auch in Dean Koontz‘ „Twilight Eyes“, das insgesamt noch viel schauderhafterer Mist ist als „The Final Empire“, aber darum geht es hier nicht. Die ganze Geschichte basiert darauf, dass der Held zwar die Goblins sehen kann, die am Untergang der Menschheit werkeln, aber keine Möglichkeit hat, ihre Existenz zu beweisen. In einer für die Handlung völlig überflüssigen Szene lässt der Autor ihn aber vier fiese kleine Goblinbabys entdecken, die permanent ihre Gestalt wandeln und damit ein echt überzeugender Beleg dafür wären, dass es die Monster wirklich gibt. Natürlich vernichten die Helden die kleinen Ungeheuer rückstandsfrei, um dann mit ihrem total komplizierten Plan zur heimlichen Vernichtung der Goblins fortzufahren, als hätten sie nicht gerade die einzige Chance weggeworfen, die Menschheit zu warnen.
    Ich kenne das Phänomen, das die Handlung manchmal nicht so ineinandergreift, wie man will. Ich weiß, dass man manchmal Lücken in der Logik übersieht. Aber ich begreife nicht, wieso jemand ohne Not etwas in sein Buch schreibt, das dem Leser ins Gesicht spuckt und ihm hämisch zuruft: „Ge-natzt, du Spast! Warum liest du auch solchen Mist?“
  8. Dieses Bild gefällt mir irgendwie, obwohl ich nicht sicher bin, ob ich es so ganz verstehe.
  9. Und zum Schluss noch was zum Gruseln.