Falsche Branche

20. Februar 2014

Moderne Pflegeheime und Kliniken stehen für Genuss, Geselligkeit und Erholung. Bei der Gestaltung dieser Räume spielt ein Rollstuhl immer häufiger eine zentrale Rolle. So selbstverständlich wie sich bei einer gelungenen, entspannten Party die Gäste in der Küche versammeln, wird der Rollstuhl im Pflegefall zum Mittelpunkt der Mobilität. Hier können die Opfer von Unfällen und Krankheiten sitzen, Speisen zubereiten, gekühlte Getränke genießen und einfach plaudern. Aber auch im Alltag ist es ein Genuss, nicht nur die Faszination der eingeschränkten Beweglichkeit, sondern den ganzen Prozess des Lebens – vom Zubereiten über das Verzehren bis hin zum Ausscheiden von Speisen – in den Rollstuhl zu verlegen.

Ihr Sanitätshaus Silberstreif bietet mit seinen Outdoorrollstühlen faszinierende Möglichkeiten, solche Situationen zu inszenieren. Bei der Entwicklung der Produktlinien waren die Vorgaben ausreichendes Design, medizinische Erforderlichkeit und optimale Wirtschaftlichkeit für die Kostenträger.

Unsere Systeme sind logisch durchdacht und von leidenschaftlichen „Behinderten“ erprobt. So bieten wir z.B. eine angenehme Sitzhöhe, outdoortaugliche Vollgummibereifung, intelligente Urinbeutellösungen und Erweiterungen.

Die Rollstühle vom Sanitätshaus Silberstreif eignen sich für private Projekte, aber auch für den professionellen Einsatz. Immer nach dem Motto: CELEBRATE LIMITED MOBILITY!

Hm.

Nee.

Ich glaube, manche Marketinggepflogenheiten anderer Branchen lassen sich nicht auf den Hilfsmittelsektor übertragen. Wir müssen wohl weiterhin durch Einsatz und Kompetenz überzeugen.


Restebloggen (87)

23. März 2013

Wenn man erst mal wieder angefangen hat, will man gar nicht mehr aufhören. Und besser als Twitter ist es allemal. Aber was ist das auch für ein Vergleich? Eine alte Wurststulle, die man nach drei Jahren hinter der Heizung wiederfindet. ist besser als Twitter.

  1. See, this is them confirming what exactly they like about you: Things! You know, things. See, they’re talking about you! You have … things. That’s what they love about you, your things. Their favorite thing about you is your qualities, but a close second is your attributes.
  2. Ich habe ja nicht prinzipiell was gegen Werbung, aber die Geisteshaltung, die daraus spricht, dass ich permanent aufgefordert werde, mir irgendwas zu „sichern“, geht mir tierisch auf den Geist. Als ob irgendwer ernsthaft die Gefahr sähe, dass bald die Mobiltelefone, Laptops, Autos oder kostenlosen Gewinnspiele knapp werden.
  3. Ich war letztes Wochenende auf der Leipziger Buchmesse, weil ich dachte, ich mach ja was mit Büchern, und weil ich schon immer mal wissen wollte, was man auf so einer Buchmesse eigentlich will. Ich habs leider nicht herausgefunden.
  4. Was ich stattdessen gefunden habe, war einer dieser ADAC-Vermarkter, der auf meine Mitteilung, kein Interesse zu haben, erwiderte: „Ja, das kommt dann, wenn Sie am Straßenrand stehen und Hilfe brauchen, aber dann haben wir kein Interesse mehr.“
    Was denkt sich so ein Mensch? Glaubt der, ich drehe mich dann um und sage: „Bei meinem Barte, durch diesen Spruch sind Sie mir gerade so sympatisch geworden, ich glaube, ich trete jetzt doch bei“, oder haben dies einfach nicht mehr nötig? Aber warum bezahlen sie dann für Messestände?
  5. A propos schlechtes Marketing: „Sehr geehrter Herr Silberstreif, wie schwer es ist, Sie telefonisch zu erreichen, musste ich heute am eigenen Leib erfahren.“ Guter Einstieg, oder? Da will man doch sofort beschwingt in eine fröhliche Geschäftsbeziehung einsteigen. Ich schrieb dem Herrn zurück, dass alles nur schwierig ist, wenn man nicht weiß, wie es geht, und dass er mich doch bitte mobil anrufen soll. Ein paar Stunden später klingelte dann mein Telefon, und er meldete sich mit den Worten: „Ja, hallo, jetzt haben wirs ja. Ich habs zuerst noch mal über den Festnetzanschluss versucht, weil ich dachte, wenn Sie Mails schreiben, sind Sie ja bestimmt …“ Den Rest hab ich nicht mehr gehört, weil ich mich an meiner Schreibtischkante bewusstlos geschlagen hatte.
  6. Manche Dinge, die einem vorgesetzt werden, sind ja so evident dumm und rundum nicht satisfaktionsfähig, dass man die Schulter zuckt und sich lieber mit dem nächsten Schönen, Wahren und Guten oder doch wenigstens dem auf interessante Weise Verfehlten befasst.“ Was so anfängt, kann nur gut werden. #umuv
  7. Ein Stellvertreter (auch Vize, von lateinischvice: an Stelle, bzw. Substitut) ist eine befugte Person, die bei Abwesenheit des eigentlichen Funktionsinhabers dessen Funktion übernimmt.
    Dann muss doch folglich die römisch-katholische Kirche entweder vertreten, Jesus Christus sei abwesend und nicht in der Lage, seine eigentlich Funktion wahrzunehmen, oder der Papst sei im Wesentlichen selbst völlig nutzlos. Oder beides, das ginge natürlich auch noch.Oder wie?

Und wofür benutzt ihr euren Kofferraum so?

24. Juni 2010

Ich habe am letzten Wochenende so eine Tagung in Köln besucht, bei der einer der Referenten in seiner Präsentation unter anderem zwei PR-Videos zeigte, die er für sehr gelungene Beispiele hielt. In gewisser Weise mögen sie das sein, aber sie beinhalten jeweils so eine Stelle, an der bei mir ganz laut die mentalen Bremsen quietschen und ich ein bisschen aus dem Narrativ geworfen werde, wenn ihr versteht, was ich meine. Den einen Spot kann ich hier einbinden, und wahrscheinlich kennt ihr ihn auch sowieso schon:

Da ist also dieser McDonald’s-Manager, der erst einmal immer ganz mitleidig angeschaut wird, wenn er sagt, wo er arbeitet. Und dann aber nicht mehr, wenn er in die Details geht. Aha. Wie muss ich mir diese Gespräche vorstellen, die der Herr ja offenbar regelmäßig auf Partys und mit Freunden führt?

„Tag, ich bin Isa, ich arbeite bei McDonald’s!“
„Oh, das tut mir Leid.“
„Aber ich bin Chef von 40 Leuten und verdiene gutes Geld!“
„Oh mein Gott, ich will ein Kind von dir!“

Ganz im Ernst: Wie hat der Texter dieses Videos sich das vorgestellt? Und etwas ab vom Thema: Sollte uns die Wertschätzung von Leuten wirklich so wichtig sein, die uns plötzlich mit völlig anderen Augen sehen, wenn sie unser Gehalt und unsere Führungsspanne kennen?

Im zweiten Spot ist dieser Moment ein bisschen subtiler, aber in meinen Augen genauso absurd. Den kann ich leider nicht einbinden, aber ihr findet ihn hier auf der BMW-Homepage. Ungeduldige können bis 2:45 vorspulen. Da geht es um den Kofferraum, und der Sprecher sagt:

„Der Kofferraum ist komplett getrennt vom Passagierbereich, wie bei einer Limousine. Alles kann diskret verstaut werden. Man sieht nichts, riecht nichts und hört nichts.“

Moment, halt, wie war das?

„[…] und hört nichts.“

Man hört nichts? Äh. Was könnte man denn im Kofferraum haben, das Ehegatte und Kinder nicht hören sollen, wenn man mit ihnen einen Ausflug macht?

Vielleicht kommt da bloß meine kranke Schriftstellerfantasie durch, aber mir drängt sich da die Frage auf, ob BMW auch daran gedacht hat, den Kofferraum speziell abzudichten, um Schutz vor auslaufenden Flüssigkeiten zu bieten. Vielleicht noch ein Kühlaggregat, falls man mal für längere Zeit…?


Liebe Marketingstrategen

24. Oktober 2009

…von Amazon.de, Conrad, UCI Kinos und vielen anderen Unternehmen, wie mir was verkaufen wollen,

wahrscheinlich stellt ihr euch das ungefähr so vor:

„Wenn Muriel Silberstreif sieht, dass sein voller Name in der Betreffzeile einer E-Mail steht, dann kann er gar nicht anders, als das für eine total individuelle und persönliche Mail zu halten, die nur für ihn gedacht ist, und er kann sich im Grunde gar nicht gegen den Reflex wehren, das Ding zu öffnen, komplett durchzulesen und alles was darin steht, für die reine Wahrheit zu halten.“

Ich gehe davon aus, dass ihr SMS an eure Freunde ungefähr so schreibt:

„Hallo Karl-Heinz Unterberg, ich habe eine persönliche Nachricht für dich!!! Wollen wir uns Sonntag zum Brunch treffen?“

Und Beziehungsgespräche fangen bei euch wahrscheinlich mit den Worten an:

„Melanie Kruse, deine Meinung ist mir wichtig!!“

Tja, ich habe da eine schlechte Nachricht für euch: Kein Mensch redet einen anderen Menschen in einer im weitesten Sinne natürlichen Situation mit seinem vollen Namen an, und wirklich kein Mensch schreibt jemals den Namen seines Adressaten in die Betreffzeile! Deswegen kann es sich in solchen Fällen nur um dreiste, aufdringliche Werbemails handeln, deren Verfasser noch so unverschämt ist, mich mit einer völlig schwachsinnigen Aufmerksamkeitsfalle zu beleidigen. Ich habe nur deshalb noch keine feste Regel für Outlook eingerichtet, derartige Mails sofort zu löschen, weil ich manchmal das Gefühl der Überlegenheit genieße, wenn ich sie manuell in den Papierkorb schiebe.

Schreibt doch einfach stattdessen mal einen echten Betreff in das Betreff-Feld. Dann lese ich vielleicht auch hin und wieder, was ihr mir mitzuteilen habt.