Sir, you’re no Matt Dillahunty!

6. Oktober 2012

Ich weiß nicht, ob es vielleicht auch jemandem von euch schon aufgefallen ist, aber hin und wieder entwickelt sich in gewissen Gruppen von Menschen (entgegen allgemein vorherrschender Auffassung nicht nur über das Medium Internet) große Aufregung um Ereignisse, die von außerhalb dieser Gruppen so völlig unbedeutend aussehen, dass für Nichtmitglieder schwer verständlich ist, warum es sich überhaupt nur um Ereignisse handelt, geschweige denn welche, über die man reden muss.

Ich will nicht ausschließen, dass ich irgendwann im Laufe meines Lebens auch schon mal diese Attitüde habe durchscheinen lassen, aber ich finde es andererseits auch immer einigermaßen borniert, über Dinge nicht reden zu wollen, weil sie mich nicht betreffen. Jedes solche Ereignis hat ja auch grundsätzliche Implikationen außerhalb seines unmittelbaren Umfangs, und oft genug kann man aus Gedanken dazu auch allgemeine Schlüsse für sich selbst ziehen. Ein solches Ereignis ist auch curiousgate. Gütiger Himmel, wie ich mich auf die Zeiten freue, in denen wir aufhören, dieses -gate-Anhängsel zu benutzen!

Wer Lust hat, mir in die Tiefen eines völlig unbekannten, unwichtigen, unsinnigen und eigentlich auch ganz unskandalösen Skandals zu folgen, findet hinter dem Klick mehr, wer nicht, wartet einfach auf den nächsten Post. Könnte ein Reisebericht werden, oder Bright Outlook. Oder was völlig anderes, das ich jetzt noch gar nicht kommen sehe. Wer weiß? Jedenfalls bald. Zur Sache:

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Restebloggen (76)

24. Oktober 2011
  1. Letzte Woche dreimal nacheinander mit drei verschiedenen Krankenkassen: Wir erhalten einen Brief von unserem Dachverband, in dem sie eine Vertragsabsicht/Ausschreibung ankündigen und uns bitten, uns zur Anforderung der Unterlagen an Mitarbeiterin@Krankenkasse.de zu wenden. Ich schreibe also die erbetene Mail und bekomme eine ziemlich barsche Antwort zurück, in der steht, dass ich mir die Unterlagen doch bitte unter http://www.sonstwas.com/Ausschreibungen runterladen und mich nur für dann noch offene Fragen an die Mitarbeiterin wenden soll. Ich habe das Gefühl, dass man diesen Prozess irgendwie effizienter gestalten könnte. Ich komme nur noch nicht drauf, wie…
  2. Wer nervlich nicht so belastbar ist, möchte sich „He Dies at the End“ vielleicht lieber nicht ansehen. Ich persönlich fand den Kurzfilm sehr unterhaltsam und muss zumindest für mich selbst zugeben, dass er trotz der lächerlich einfachen Mittel erschreckend gut funktioniert hat. Mit Dank an Jeff Strand für den Tipp:
  3. Matt Dillahunty hat genau die richtigen Worte für den Papst gefunden. Es geht hier zwar konkret um den Kommentar des Papstes zu den Anschlägen vom 11. September 2001, passt aber zu jeder Gelegenheit.
  4. Für diejenigen unter euch, die sich schon immer gewünscht haben, dass jemand mal die Tafelanschriften in Pornos auf Richtigkeit und Informationswert prüft, gibt es Blackboards in Porn.
  5. Völlig unabhängig von ihrer politischen (und religiösen und religionspolitischen) Orientierung finde ich die polittische Geschäftsführerin der Piratenpartei Marina Weisband gerade ganz toll. Weil sie bedeutende Fragen stellt wie „Ab welchem prozentualen Verhältnis zwischen Medikamenten und Frühstück wird es eigentlich bedenklich?„, und weil wir von ihr lernen können, wie man aus einem Herrenhemd ein Abendkleid macht.
  6. Weil faz.net ein Qualitätsmedium ist, übernimmt man vermeldetete Forschungsergebnisse dort nicht einfach nur kritiklos, sondern recherchiert ganz skeptisch, ob hinter den vermeintlich wissenschaftlichen Studien auch wirklich eine solide Methodik steckt und wie die Ergebnisse zu interpretieren sind. Das macht man natürlich nur dann, wenn diese Ergebnisse einem nicht so gut in den Kram passen. Sonst muss das nicht sein. Aber immerhin.
  7. Liegt das eigentlich an mir, dass ich Helmut Schmidt inzwischen erheblich lustiger finde als Harald, letztem aber als Bundeskanzler und politischem Publizisten erheblich mehr zutrauen würde?

Die andere Sorte Atheisten

17. Oktober 2011

Vor ein paar Tagen schrieb Florian Freistetter, dass Religion und Wissenschaft nicht zusammenpassen, und er hat natürlich Recht.

In den Kommentaren zu seinem Artikel ist mir nicht zum ersten Mal aufgefallen, was mir unter solchen Artikeln oft nicht zum ersten Mal auffällt: Es ärgern sich Leute darüber, dass der Autor nur auf die naive, simple, dumme, fundamentalistische Art von Religion eingeht und sich überhaupt nicht mit den modernen, aufgeklärten, differenzierten und anspruchsvollen Argumenten für Glauben auseinandersetzt. Wenn man diese Kommentatoren dann fragt, welche Argumente sie meinen, verlinken sie in der Regel auf einen Artikel, in dem jemand ungefähr sowas sagt:

„Natürlich ist Gott kein alter Mann mit langem Bart und weißer Robe. Er ist vielleicht überhaupt kein Individuum in dem Sinne, wie wir dieses Wort verstehen. Gott ist nicht jemand oder etwas, er ist ein allem zugrundeliegendes Prinzip, er ist die Quelle der Naturgesetze, die Grundlage der Logik. Er ist natürlich nicht messbar, und er wirkt keine Wunder. Die Bibel ist nicht wörtlich zu verstehen, sondern nur eine gleichnishafte Schilderung einer Idee von Gott…“ [Nur ein fiktives Zitat]

Ich habe mich hier in meinem Beispiel mit den Fremdworten und komplexer Philosophie noch sehr zurückgehalten. Typischerweise kommen solche Artikel nicht ohne Verweise auf Kant, Hegel, Feuerbach, Marx,  und natürlich Habermas aus und streuen als Würze noch ein paar „Transzendenz“, „Immanenz“ und vielleicht noch ein bisschen Postmaterialistischen Säkularismus ein, oder sowas.

Deswegen klingt diese Art der Argumentation in der Tat erst einmal sehr aufgeklärt, differenziert, anspruchsvoll und beinahe wissenschaftlich. Wenn man sie nicht versteht. In Wahrheit ist da überhaupt nichts Anspruchsvolles. Da ist nur das Gottesbild, über das ich mich in meinem Marioismus-Post schon lustig gemacht habe. Und wer dieses Gottesbild vertritt, kann nach meiner Wahrnehmung nur einer von zwei Kategorien entstammen. Bei Unsicherheit, um welche es sich handelt, kann man einfach fragen, wie man eigentlich von einem nichtpersönlichen, transzendenten, nicht handelnden allem zugrundeliegenden Prinzip zu „Du sollst nicht töten“ kommt, oder einer beliebigen anderen ethischen Regel, oder überhaupt zu irgendwas.

Versucht unser Gesprächspartner tatsächlich, eine Antwort zu geben, ist er ein Heuchler, der mit all diesen nebeligen Worten nur seinen Gott und dessen Homophobie (zum Beispiel) schön reden will.

Gibt er unumwunden zu, dass das nicht geht und die Existenz (oder vielmehr: Herbeidefinition) seines Gottes keinerlei Konsequenzen für irgendwas oder irgendwen hat, dann ist er ein Atheist, der sich so tief in sein zusammenfabuliertes Weltbild hineingeschraubt hat, dass er noch nicht bemerkt hat, dass er schon wieder auf der anderen Seite herausgefallen ist.

(ab 01:30 beginnt der Hauptteil für die Eiligen)

Faustregel: Wenn du in deine religiöse Argumentation anstelle von „Gott“ genausogut „Skippy das Känguruh“, „Chuck Norris“ oder „Care Bears“ einsetzen kannst, ohne dass sich irgendwas ändert, solltest du sie noch mal überdenken.