So kamen die Tagesthemen in die überschaubare Relevanz

3. Juni 2021

Ja, mich gibts noch. Also, mein Blog zumindest. Hättet ihr nicht gedacht, was? Wie das Universum insgesamt wimmert es nach und nach asymptotisch dem Hitzetod entgegen, aber ganz gewinnen wird die Entropie nie. Nie, hört ihr mich? Do not go gently into naja egal.

Und weil die Beiträge immer weniger werden, wollte ich euch heute wenigstens mal was mit Anspruch vorsetzen. Keine strunzunsinnigen Faschotexte wie von Sascha Lobo oder @stirz, auch nicht das widerwärtige Drecksbuch von Constantin Schreiber sondern einen nur subtil bedenklichen Artikel hab ich mir heute vorgenommen, noch dazu einen mit ausgesprochen harmlosem Thema, einfach weil ich die Herausforderung liebe und immer nur im Armageddon-Modus spiele, ihr kennt mich:

So kam die Schülerin Louisa Arendt in die „tagesthemen“

titelt blog.tagesschau.de. In diesem Beitrag will offenbar Helge Fuhst … naja, den Eindruck erwecken, sachlich zu erklären, wie es dazu kam, dass eine 15-jährige Schülerin eine Meinung zur Situation von Kindern und Jugendlichen in der Pandemie in den tagesthemen sprechen durfte. Ich schreibe „den Eindruck erwecken“, weil ich das Gefühl habe, dass der Beitrag nur vorwandig diesem Zweck dient, denn für mich atmet er von vorne bis hinten eine so aufdringliche Selbstbeweihräucherung dafür, wie unfassbar unkonventionell, mutig und krass fortschrittlich die ARD hier agiert hat, dass es ein bisschen peinlich ist. Lest ihr das auch so, oder geht schon hier mein Hass auf den ÖR und Journalismus insgesamt mit mir durch? Schreibts mir in die Kommentare!

Schwerpunktmäßig soll es um etwas anderes gehen, nämlich darum, wie viele sehr bedenkliche Zeichen einer besorgniserregenden Grundhaltung dieser scheinbar harmlose, oberflächlich nette Text enthält, zumindest so wie ich ihn lese. Mal gucken, ob ihr da mitgehen wollt:

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Der Spiegel trommelt weiter für Rassismus

3. November 2020

Kevin Hagen macht das ein bisschen subtiler als Sascha Lobo, und versteckt es unter einem Mäntelchen aus Berichterstattung und der Überschrift „Linke streiten über Umgang mit Islamismus„, aber im Prinzip bläst er ins selbe Horn.

Obendrüber muss natürlich ein Bild von einer Frau mit Kopftuch, aber ohne Gesicht, stehen, das geht bei Berichterstattung über Muslimminnen bekanntlich nicht anders.

Feindbild Muslim in der öffentlichen Wahrnehmung verankert“ steht (so in Anführungszeichen) darunter, und man weiß noch nicht recht, warum. Wahrscheinlich ist es ein Zitat. Schaumermal.

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Mysterious Mermaids und beiläufiger Rassismus

11. Oktober 2020

Ich habe heute mal die ersten zwei Folgen der Serie „Mysterious Mermaids“ auf Netflix angeschaut, weil ich den Trailer interessant fand. Und die Serie fand ich sogar auch gar nicht ganz schlecht, wenn auch sicherlich nichts Besonders. Aber eine Sache ist mir aufgefallen, und ich empfinde sie als ein so gutes Beispiel für selbstverständlichen, beiläufigen Rassismus, den die Produzierenden sicherlich (aus ihrer Perspektive vielleicht sogar aufrichtig, denn ich könnte mir gut vorstellen, dass er ihnen mehr versehentlich passiert ist, wobei … Aber dazu später mehr) emphatisch leugnen würden, der aber doch … ein bisschen zu viel Glauben an ulkige Zufälle erfordert, um noch durch solche plausibel erklärbar zu sein. Und zwar so:

Ja, das ist ein furchtbares Bild, aber Netflix untersagt Screenshots, deshalb hab ichs mit dem Handy abfotografiert.

In Mysterious Mermaids gibt es (bisher) zwei Meerjungfrauen, eine Schwarze und eine Weiße. Letztere ist die, die ihr auf dem Bild da oben auf der rechten Seite seht. Die Schwarze wurde gefangengenommen wurde, und die Weiße ist an Land gekommen und sucht jetzt ihre Schwester, mit Unterstützung von einem Weißen Typen und einer Schwarzen Frau (die ihr wiederum auf dem Bild oben links sehen könnt).

Klingt soweit doch erfreulich divers und so, oder? Ja. Einerseits. Aber die beschriebene Situation führt durch die Eigenschaften der jeweiligen Figuren und ihrer Lage zu dem Ergebnis, dass die Schwarze Meerjungfrau jetzt in einem Tank eingesperrt von irgendwelchen Militärforscher*innen fasziniert betrachtet und befummelt werden kann, während die Weiße Meerjungfrau fasziniert die Schwarze menschliche Protagonistin betrachten und befummeln kann, während der Typ irgendwo rumläuft und was tut. Wie in der Szene oben. Da ist er gerade in einer Bar und streitet mit anderen Typen.

Zweimal also gleich Schwarze Frauen, die wie Objekte gegen ihren Willen neugierig von nicht Schwarzen Personen untersucht und begafft und angefasst werden.

[Nachtrag, 21:57 Uhr] Gerade fällt mir noch was ein, was ich noch gar nicht erwähnt habe: Wegen der beschriebenen Situation ist auch die Weiße Meerjungfrau diejenige, die meistens vollständig menschlich auftritt und allmählich zu sprechen lernt, während die Schwarze Meerjungfrau in ihrem Tank eingesperrt in Fischgestalt und deshalb (Stand: Episode 2, wie gesagt) auch stumm bleibt. [Nachtrag Ende]

Und ja, wie gesagt: Ich kann mir noch vorstellen, dass das den Autor*innen irgendwie passiert ist, durch Zusammenspiel verschiedener Elemente, zu denen natürlich auch der Rassismus gehört, den wir alle halt aufnehmen im Laufe unserer Sozialisation in Ländern wie Deutschland oder den USA (wo die Serie produziert wird, wenn ich das richtig sehe). In meinen eigenen Geschichten finden sich auch Beispiele für verschiedene *ismen auf diesem Niveau, keine Frage. Aber meine Geschichten sind halt auch nur mal so nebenbei von einer einzelnen nicht professionell schreibenden Person im Entwurfsstadium für Feedback ins Internet gestellte Geschichten. Sie sind keine für Millionen Dollar von großen professionellen Teams produzierten kommerziellen Produkte, die weltweit erfolgreich vermarktet und auf Pro7 und Netflix übertragen werden.

Und da endet dann meine Fähigkeit zum Glauben an das Gute im Menschen, denn dass das niemandem aufgefallen sein soll, das ist einfach nicht denkbar. Womit es eine bewusste Entscheidung wäre, rassistische Konzepte (him im Prinzip: Schwarze Menschen, die wie Zootiere behandelt werden, oder eigentlich schlechter als Zootiere) zu reproduzieren. Und damit sehr, sehr verwerflich.

Oder was denkt ihr?


It’s A Jungle Out There

12. Juli 2020

Ich hab gedacht, ich werfe das gute alte weiße Blog noch mal an, um über

Der böse alte weiße Mann

zu schreiben. Jakob Hayner wiederum hat sich gedacht, er müsste für die jungle.world mal wieder das Martensteinkostüm rausholen und so eine richtig schöne Rassismusapologetik schreiben. Der Teaser nimmt gleich vorweg, was uns erwartet:

Ein paar spöttische Bemerkungen sollen als Beleg dafür dienen, dass Karl Marx ein Rassist und Antisemit gewesen sei. Im Fall Immanuel Kants steht ein entsprechendes Urteil der Öffentlichkeit sogar schon fest. Eine Verteidigung zweier Aufklärer vor dem Furor der Ahnungslosen.

Jetzt lasst das einmal kurz sacken und dann beantwortet mir bitte aufrichtig, ob unter euch auch nur eine einzige Person sich zutrauen würde, diesen Stil in einer nach eigenem Verständnis linken Wochenzeitung von dem zu unterscheiden, den Die Achse des Guten oder Cicero in so einem Zusammenhang bemühen würden. Schon klar, dass es um eine Marxverteidigung geht, macht es ein bisschen leichter, aber so ganz grundsätzlich?

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You go high, we go low

21. April 2020

Der meistens sehr ausgezeichnete Vetaro hat mich vor Kurzem freundlicherweise auf die meistens sehr ausgezeichnete Videoserie „The Alt Right Playbook“ vom meistens sehr ausgezeichneten Account Innuendo Studios hingewiesen. Und ich kann die enthaltenen Videos nur allen sehr ans Herz legen, die öfter darüber nachdenken, warum sowas wie Trump und Peterson und PewdiePie und Shapiro funktioniert.

Aber ich wäre nicht ich, wenn ich nicht auch was zum Widersprechen hätte, aber weil der meistens sehr ausgezeichnete Vetaro mich da nicht SO ermutigt hat, fange ich mit was ganz Speziellem an, wovon ich nicht mal sicher bin, ob es ein Hot-Take-hafter Widerspruch zu Innuendo ist, oder einfach nur eine Selbstverständlichkeit, die ich so formuliert habe, dass sie ein bisschen anders klingt, als er es in dem Video sagt.

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Ein unwürdiges Schauspiel

20. November 2019

Ich kritisiere hier hoffentlich oft genug, wie unkritisch deutsche Medien rechtem Gelaber Raum geben und es hofieren, gerade gestern zuletzt, um nicht verdächtigt zu werden, mir davon mehr zu wünschen.

Im Gegenteil: Ich finde, Journalist*innen können und sollen rechten Dreck als solchen benennen und müssen keineswegs so tun, als wäre Trump ein ganz normaler Politiker – wobei ich fürchte, dass er das irgendwie ist, aber die Diskussion will ich heute nicht unbedingt führen, lassen wirs also dahinstehen.

Aber ich finde auch, Journalist*innen können die Kritik an und die Distanz zu Leuten wie Trump ja auf vernünftige, anständige Art zum Ausdruck bringen statt so, wie Marc Pitzke das zum Beispiel hier im Spiegel gerade gemacht hat.

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Botho Strauß fehlt das Schöne

19. November 2019

Mir ist ein Interview mit einem Philosophen zugeworfen worden, und da sag ich natürlich nicht nein.

Ich kannte Byung-Chul Han bisher nicht, aber jetzt kann ich euch über ihn sagen, dass er Interviews offenbar meidet, wenn auch nicht besonders erfolgreich, dass er zu diesem mit der Zeit per Fahrrad gekommen ist und eine Cola bestellt hat. Außerdem, dass er über das Schöne schreibt, weil er gelesen hat, dass Botho Strauß findet, dass das fehlt. Und falls ihr euch jetzt fragt, was das überhaupt heißt, „das Schöne“, dann hat Byung-Chul Han als gestandener Philosoph da natürlich eine Antwort für euch:

Ich nehme einen Zusammenhang wahr zwischen verschiedenen Dingen, die heute stattfinden oder die heute beliebt sind. Zum Beispiel Brazilian Waxing, die Skulpturen von Jeff Koons und das iPhone.

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Spürt die Mitschuld

12. November 2019

Jetzt mal wieder was Anderes als immer nur Lyrik: Juli Zeh hat was für die Zeit geschrieben.

Was Langes.

Was richtig Langes.

Und ich will mit euch drüber reden.

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Selbstgerechtigkeit, dein Name ist Journalismus

3. August 2019

Ich hab gerade gedacht, vielleicht guck ich doch noch mal in diesen ehemals bezahlbeschrankten Beitrag von Christian Deker und Carolin Fromm bei übermedien über Schularbeit zweier Journalist*innen rein, weil ich gerade Lust hatte, mich zu ärgern, und boy howdy, hat das gut geklappt. Die übermedientypisch nicht gegenderte Überschrift lautet:

Klassenarbeit: Was zwei Journalisten im Dialog mit Schülern erleben

Ist das eigentlich sehr cringy, wenn ich boy howdy sage? Ja, ne? Hmpf. Schade. Ich sag das so gern. Aber schon gut, ihr habt recht, ich hör auf.

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Der Spiegel labert die Demokratie zugrunde

21. Juli 2019

Peter Maxwill hat einen Meinungsartikel geschrieben, und naja, wie heißen die Dinger? Mir fällt spontan gerade der Begriff Zentristengewichse ein. Falls ihr einen besseren wisst, sagt Bescheid. Was mir außerdem grade einfällt, ist dieses eine Zitat von Martin Luther King, das in der neuen Facebook-Gruppe nach dem Kerfuffle gerade häufiger vorkommt und in dem es darum geht, dass das größte Hindernis eigentlich nicht der Große Drache und seine Gefolgsleute in den albernen weißen Kutten sind, sondern die Weiße Mitte, sozusagen, also die Leute, denen Ordnung und Ruhe vor Gerechtigkeit geht. Das sagt natürlich so niemand von sich selbst, aber …

Es fängt schon bei der Dachzeile an:

Lädierte Streitkultur

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