Sloterdijk verwildert, die NZZ ist obdachlos

14. April 2018

Anlässlich eines recht unerfreulichen Austausches auf Twitter habe ich heute das Interview

von nzz.ch gelesen und möchte euch nun erzählen, wie ich es fand, obwohl es natürlich eigentlich nicht besonders interessant ist, aber ich bin es leid, dass dieser Fischer-Aprilscherz mein Blog so dominiert.
Seid ihr dabei? Na los. Ihr wisst, dass ihr nichts Besseres zu tun habt.
(Vorsicht! Lang.)

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Fischer im potent

1. April 2018

Tähä. Da hat die Frau Burmester es dem Herrn Fischer ja mal so richtig gegeben. Mit dem Gag, mein ich. Weil es ja schließlich das ist, worüber wir aufgeklärten Menschen uns bei Männern lustig machen, wie uns nicht feministisch genug sind: dass ihre Penisse nicht funktionieren.

 Es fällt ja auf, dass es vor allem alternde Herren sind, die im Journalismus auf einmal ausschlagen. Die ihre liberale oder linke Haltung aufgeben, die die weibliche Emanzipationsbewegung nicht länger aushalten, schräges Zeug schreiben und destruktiv werden. Vielleicht steht dies in Relation zu abnehmender Potenz, das weiß ich nicht. 

Das muss noch sein, wird Frau Burmester sich gedacht haben, denn eine Abwanderung nach rechts ist das eine, das kann man verzeihen, das diskreditiert einen Mann wie Thomas Fischer nicht ausreichend, aber wenn man noch die Vermutung andeutet, dass er keinen mehr hoch kriegt, dann sieht die Sache doch gleich

Nee, ihr habt Recht, ich hör schon auf, ich fand nur wirklich ein bisschen komisch. Was wollte ich eigentlich sagen?

Ach ja.

Über verschlungene Pfade habe ich von dem aktuellen Streit um Thomas Fischer erfahren, und seine Trennung von der Zeit, nachdem ich nun eine ganze Weile nichts mehr von ihm gehört hatte, und ich denke mir, da gerade langes Wochenende ist und ich lange nichts mehr geschrieben habe, schauen wir uns doch mal an, was da los war.

Kommt jemand mit?

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Das Empörende ist der Rassismus-Aufschrei

13. Januar 2018

H&M zeigt einen schwarzen Jungen in einem Pulli, auf dem das Wort „Affe“ steht. Menschen kritisieren das als rassistisch, das Unternehmen entschuldigt sich. Die Empörung ist riesig, Dabei ist das Empörende an diesem Fall die Empörung selbst.

Was für ein Aufruhr! Das schwedische Modehaus H&M wirbt mit einem rassistischen Motiv und hat auf die Kritik daran eingelenkt, wenn auch wie immer nicht so, wie man es sich wünschen würde.

So weit, so gut. Das Problem: Menschen hängen an ihrem Alltagsrassismus. Die Reaktion in der Zeitung “Die Welt“ folgte so schnell wie brachial. Rassismus! In den sozialen Medien die übliche Aufregung.

Warum eigentlich? Wieso wird bei Oliver Rasche eigentlich denn überhaupt ganz besonders sehr offenbar anscheinend wie es aussieht ziemlich augenscheinlich gleich ohne Verzögerung so schnell umgehend sofort diese Assoziation hervorgerufen?

Und diejenigen, die zunächst kein Problem in dem Vorgang erkennen konnten; sind die völlig unsensibel – oder einfach unvoreingenommen und damit viel weiter im Bestreben, rassistischen Vorurteilen entgegenzuwirken? Sagt die Problematisierung nicht auch eine Menge über dem Problematisierer aus?

Wem ist eigentlich damit geholfen, wenn überall immer sofort Rassismus, Sexismus, Angriff vermutet wird? Hilft man schwarzen Menschen, wenn man sie in solchen Fällen zwangsweise zu Opfern macht?

Nein. Dabei findet Rassismus statt, zieht seine ekligen, braunen Kreise von Zeitungen und Schulen über Facebook und andere Medien bis in die Politik der Bundesregierung und die Sondierungsvereinbarung der zukünftigen Großen Koalition. Das gilt es zu ächten und zurückzudrängen, da ist leider mehr als genug zu tun.

Und die Kritiker von H&M? Haben natürlich völlig recht. Vorwerfen kann man ihnen weniger, dass sie offenbar kein Problem darin gesehen haben, ein rassistisches Motiv als solches zu benennen – nein, vorwerfen kann man ihnen höchstens, dass sie das Erregungspotenzial in einem komplett digitalisierten und vom Springer-Verlag dominierten Oliver Rasche völlig unterschätzt haben.

Und so wartet Oliver Rasche bereits auf die nächste Sau, die durchs Dorf getrieben wird. Und unbedingt gerettet werden muss; ob sie nun will oder nicht.

[Inspiriert von https://www.welt.de/vermischtes/article172302125/Umstrittene-H-M-Werbung-Das-Empoerende-ist-der-Rassismus-Aufschrei.html%5D


Die Plausibilität ist logisch und von einer extrem hohen Stringenz

9. November 2017

A propos Wert und Sinn von Debatten: Das gemeinsame Interview mit einem Atheisten und einem Theisten (Ja, nach meiner Erfahrung immer Männer.) ist eine beliebte Form der Diskussion über Religion. Leider normalerweise keine besonders gute. Deshalb – na gut, und wegen des peinlichen Titels auch – ging ich schon mit einer gewissen Erwartungshaltung an das

Duell um Gott!

des „Melchior Magazin“.

Ich wurde nicht enttäuscht.

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Hilmar Klute mags schmutzig

6. November 2017

Es gibt offenbar ein verbreitetes Missverständnis über den Wert und Sinn von Debatten. Das erkennt man nicht nur daran, dass sich seit dem Erstarken der AfD immer mal wieder Beiträge des Tenors „Schön, dass endlich mal wieder kontrovers politisch diskutiert wird!“ auftauchen, sondern auch an Beiträgen wie diesem von Hilmar Klute in der SZ:

Wer streiten will, muss sich auch schmutzig machen

Herr Klute meint, man sollte erst mal nachdenken, bevor man was zurückweist (natürlich mit der in reaktionären Beiträgen dieser Art obligaten kulturpessimistischen Formulierung „In der [X]gesellschaft wird [was gemacht, was ich für doof halte, und zwar IMMER NUR!!!]“), und demonstriert uns sogleich, wie mans macht, wenn mans falsch macht.

Wie offenbar auch unvermeidlich in Beiträgen, die unironisch das Konzept „politische Korrektheit“ zu kritisieren versuchen, hat er sich nämlich entschieden, einen Popanz aus den dümmstmöglichen Varianten dessen zu bauen, was er gerne öffentlich für uns zerlegen will, statt, wie sich das in vernünftigen Debatten gehört, sich mit einer sinnvollen Gegenposition auseinanderzusetzen. Das hat für ihn natürlich den Vorteil, dass er seine eigene Meinung nicht infrage stellen muss, schon klar, dieser Versuchung erliegt man ja leicht mal, aber ich finde es doch immer wieder schade, dass mehr oder weniger professionalle Redaktionen Leuten für derlei pseudonachdenkliche Masturbation Raum und Geld und womöglich noch sonstige Ressourcen zur Verfügung stellen, statt sich der von ihnen und ihren Vertretern doch immer so leidenschaftlich beschworenen Verantwortung zu stellen, einen sinnvollen Beitrag zur Meinungsbildung zu leisten. Besonders bedauerlich kommt hinzu, dass es ihm wie den meisten seiner Kameraden in dieser sonderbaren Beschäftigung nicht einmal gelingt, einen Strohmann zu bauen, mit dem er dann auch tatsächlich fertig wird. Stattdessen bekommt er selbst ordentlich das Fell voll.

Ein Gutes haben solche peinlichen Vorführungen dann ja zum Glück trotzdem immer: Man kann was daraus lernen, und das haben wir alle nötig, denn gute Debatten sind tatsächlich viel zu selten. Versuchen wir das doch mal.

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Das Wechselspiel von Integration und Akzeptanz

28. August 2017

Ich las da kürzlich diesen dummen Artikel in der SZ, von dem ich dachte, dass ich mal was drüber schreiben könnte, wenn ich Zeit finde. War aber noch nicht sicher, weil ach, man liest so viele dumme Artikel in allen möglichen Zeitungen. Dann erwähnte aber auch ein Kommentator hier im Blog den Artikel, und ich dachte, ich sollte wohl wirklich. Und dabei fiel mir nun auf, dass sein Verfasser Tomas Avenarius hier schon einmal auffällig geworden ist, und damit ist ein kritischer Beitrag meinerseits unvermeidlich, wenn ich meinem Bildungsauftrag noch irgendwie gerecht werden will. Zur Sache also.

Schattenseiten des Glaubens

hat Herr Avenarius ausgemacht, und mir liegt sowas auf der Zunge wie dass gerade er ja wohl wissen muss, wo Leute ihre Schatten haben, aber ich will nicht gleich unnötig beleidigend werden, deshalb schauen wir uns den Artikel erst mal an. Danach kann ich ja immer noch beleidigend werden. Oder dabei. Mal gucken.

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Was Christian Stöcker mit Etatismus zu tun hat

29. Juli 2017

Das wird jetzt wieder so ein sachlich-entspannter Beitrag ohne Beschimpfungen, Facepalms und Versalien. Gut, oder?

Christian Stöcker hat für Spiegel Online eine Kolumne geschrieben. Schlimm genug, meint ihr jetzt, und mit Recht, aber es geht noch weiter. Er schildert darin

eine vielbeachtete Nachricht über Rasierklingen, und eine andere, die fast unbemerkt blieb

Die mit den Rasierklingen, falls ihr sie nicht so viel beachtet habt, geht so:

Wilkinson darf keine billigen Ersatzklingen für den bekannten „Mach3“-Rasierer des Konkurrenten Gillette verkaufen. Vorräte müssen übergeben werden.

Stöcker erklärt uns dann noch mal kurz, wie das Prinzip funktioniert, dass man Rasierapparate sehr billig verkauft, um dann an den Klingen dazu viel zu verdienen, und dass das zum Beispiel bei Druckern mit der Tinte bzw. Toner und bei Spielkonsolen mit den Spielen auch so läuft.

Wer über ein geschlossenes System und ausreichende Marktdurchdringung verfügt, der legt die Regeln fest, nach denen gespielt wird.

Von da aus zeichnet er dann die Risiken, die sich daraus ergeben, so wie Google zum Beispiel in China bis 2010 für „Platz des Himmlischen Friedens“ keine politisch relevanten Suchergebnisse lieferte.

Und damit wären wir bei der Mozilla Foundation, der Non-Profit-Organisation hinter dem Firefox-Browser. Die hat diese Woche ein Programm namens „Project Common Voice“ enthüllt.

Anders als Amazon, Google, Microsoft und Apple will Mozilla das Ganze Open Source machen, was Stöcker in der üblichen Weise ein bisschen dumm-verklärt schildert als

Die Basis also für einen verständigen digitalen Assistenten, der weder Google noch Apple noch Amazon gehört, sondern uns allen.

Jo. Und was soll daran jetzt auszusetzen sein?

Naja. Wenn man mal schaut, dann sind die Probleme, die Stöcker aufführt, fast ausschließlich (Eine Ausnahme macht zum Beispiel das Pornoverbot im App Store, das er auf Jobs‘ persönliche Ablehnung gegen Pornografie zurückführt.) Probleme missbrauchter staatlicher Autorität.

Gillettes Geschäftsmodell wird gestützt durch den staatlichen Gewaltapparat, der es vor Konkurrenz schützt, mit meines Erachtens nicht tragfähiger Begründung. Googles Zensur wird verursacht durch den Zwang der chinesischen Regierung.

Die Orbáns, Erdogans und Putins dieser Welt beziehen ihre Macht nicht aus Marktdurchdringung und einem geschlossenen, erfolgreich vermarkteten System, sondern aus der Autorität des Staates, den sie beherrschen.

Man kann natürlich trotzdem der Meinung sein, dass es dann wünschenswert ist, wenn man es den Regierungen wenigstens schwer macht, ihre Regeln durchzusetzen, indem man alles möglichst dezentral organisiert. Ich bin nicht überzeugt, dass Mozilla mit seinem Sprachassistenten an einem besonders wichtigen Punkt ansetzt, oder dass dieser Ansatz ein extrem Erfolg versprechender gegen die Einflussnahme von Staaten ist, aber ich kenn mich damit auch nicht aus, mag also sein.

Aber wenn man schon darüber schreibt, wie es besser sein sollte, warum nimmt man denn dann die Probleme, die eigentlich an der Wurzel dessen liegen, worum man sich sorgt, einfach als gegeben hin? Warum erwähnt man dann nicht zum Beispiel kurz, dass die Zentralisierung von wirtschaftlicher Macht unter anderem ganz maßgeblich damit zu tun hat, dass sie von staatlicher Regulierung unterstützt und vor Wettbewerb verteidigt wird? Warum wünscht man sich emphatisch eine Dezentralisierung einer Technologie, die man heutzutage noch guten Gewissens als irrelevanten Spielkram bezeichnen darf, redet aber nicht mal davon, dass es doch schön wäre, auch an der Dezentralisierung wesentlich relevanterer und belastenderer Herrschaftsstrukturen zu arbeiten als der von Gillette über die rasierenden Massen?

Weil es doch im Endeffekt weder Gillette ist, noch Amazon, noch Apple, die die Regeln festlegen, nach denen gespielt wird, sondern eine Institution, von der Herr Stöcker wahrscheinlich auch in seiner eher optimistischen Einstellung sagen würde, dass sie „uns allen“ gehört, und die aber jedenfalls auch oft ganz anschaulich demonstriert, wie wenig das im Ernstfall manchmal besser macht.

Stiefel.jpg

 

Oder was meint ihr?