Die beste Medizin

24. Februar 2019

Heute mache ich es mir mal etwas weniger leicht als sonst, denn ich befasse mich mal mit 1 Thema, bei dem es nicht ausreicht, sicher über den Quellentext lustig zu machen, sondern für das tatsächlich 1 paar Hintergrundkenntnisse und Recherche erforderlich sind.

Ich gehe deshalb davon aus, dass das nicht gut gehen kann und freue mich ganz besonders über Korrekturen und nützliche Hinweise von allen, die sich besser auskennen als ich.

Placebo

Es geht um den FAZ-Artikel

Ein Placebo ist die beste Medizin

von Martin Andree, der mir immerhin eine sportliche Chance lässt, denn er ist keineswegs irgendwie Experte für … naja, Medizin zum Beispiel, wie man vermuten könnte, wenn man nur weiß, dass es jemand ist, der in 1 Zeitung 1 Beitrag über das Thema schreibt, sondern Martin Andree ist International Marketing Director bei Henkel und Medienwissenschaftler.

Klingt fair?

Dann schaut doch mal, wie der Kampf David gegen David so läuft.

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Es wird Zeit, dass die Ethik die Klappe zu macht.

4. August 2017

[Ja, ich bin noch da. Ja, ich merke, dass hier sonst niemand mehr ist. Nein, ich akzeptiere nicht, dass Blogs tot sind. Laden auf 360Joule, weg vom Tisch!]

Alle sind sie ganz aufgeregt, diese komischen Meinungsjournalisten, die (teilweise oder ganz) davon leben, unfundiertes, aber möglichst schmissig formuliertes Geblubber in Print- und Onlinerepräsentationen von sich zu geben. Aufgeregt sind sie, weil amerikanische Forscher herausgefunden haben, dass es geschafft haben, in diversen Embryonen eine schädliche Mutation mittels CRISPR-Cas9 zu beseitigen, ohne dabei (soweit wir wissen) irgendwelchen Kollateralschaden zu verursachen. Oder anders: Sie konnten eine Erbkrankheit heilen, bzw. ihr Entstehen verhindern.

Das könnte man für einen Anlass zur Freude halten, aber dann kennte man die Neigungen dieser Art von Journalismus schlecht.

Damit wird es schwieriger werden, der generationsübergreifenden Veränderung des Erbguts auf Dauer eine Absage zu erteilen.

fällt zum Beispiel Hildegard Kaulen für faz.net erst mal ein. Dieses Problem ist mir übrigens auch schon aufgefallen. Eventuell kennt ihr es auch: Je besser etwas funktioniert, desto weniger Argumente hat man dagegen. Tückischer Effekt, das, und sehr ärgerlich. Wenn man gerne ohne guten Grund gegen Dinge sein will.

Ohne guten Grund? Ja. Oder findet ihr einen? Ich hab den Artikel drei mal gelesen und keinen Grund gefunden. Nicht mal einen schlechten. Nur die nackte Forderung:

Die sicherheitsrelevanten Vorbehalte sind nun geringer geworden. Es ist Zeit, dass sich die Ethik zu Wort meldet.

Und solche Kommentare finden sich gerade zuhauf.

Und ich verstehs nicht. Wenn Ethik für diese Leute das ist, was uns hilft, ein Verbot von Sachen zu rechtfertigen, wenn uns alle vernünftigen Argumente ausgegangen sind, dann meinen sie damit was ganz anderes als ich. Und dann soll das bitte die Klappe halten und andere Leute nicht von ihrer Arbeit abhalten.


Schluss mit sanfter Therapie!

20. Februar 2017

Sie misstrauen der Schulmedizin, sind aber zu männlich, um schwuchteligen Zuckerpillen und omihaften Kräutertinkturen zu vertrauen?

Natürliche Wirkstoffe klingen Ihnen zu sehr nach hippiehaftem Bio-Blödsinn?

Sie wollen keine chemische Keule, weil Sie zeitgemäßere chemische Kampfstoffe bevorzugen?

Dann haben wir die Alternative für Sie:

BROmöopathie!

BROmöopathische Präparate auf Schwerölbasis kommen komplett ohne Verdünnung aus. Verdickung ist das Motto der BROmöopathie!

Gleiches mit Gleichem? Vergessen Sie’s! BROmöopathie heilt ALLE Krankheiten mit demselben bewährten Mittel:

Bildergebnis für handgranate

Sie sehen richtig! In der BROmöopathie schwafeln wir nicht von fader Ganzheitlichkeit! Echte Männer haben nichts zu schwafeln. Echte Männer handeln. Deshalb fragen wir Sie nicht nach Ihren Symptomen, wir geben Ihnen die Lösung, und für jedes Problem haben wir die richtige: Handgranaten in Schweröl.

Die brutal unnatürliche Alternative für echte Männer.

Sind Sie hart genug für BROmöopathie? Beweisen Sie es, und bestellen Sie JETZT!

[Nachtrag, der mir dummerweise erst Tage nach der Veröffentlich eingefallen sit, obwohl es so toll gewesen wäre:] BRObieren geht über studieren! [Nachtrag Ende.]

Risiken und Nebenwirkungen sind echten Männern egal, deshalb kommen Sie bloß nicht auf die Idee, irgendwen danach zu fragen, Sie Pisser, wenn Ihnen das hier nicht passt, gehen Sie doch woanders hin, Sie können auch gleich paar aufs Maul kriegen, müssen Sie nur sagen, Sie erbärmlicher Wichser, Sie!

Sometimes it’s OK to steal patients‘ wallets

8. Dezember 2015

I have this great idea, you see, and I think I’m going to submit it to Scientific American for publishing, because I suspect it will be just what their readers are expecting of a magazine with a longstanding history of award-winning coverage of advances in science and technology and their impacts on society.

I am about to explain why it’s sometimes okay to steal sick people’s wallets. Groundbreaking, isn’t it? Well, prepare to be impressed:

Ms. V was in her late 20s, and she was chronically ill, shivering and very frightended when she was admitted. Writhing in pain, she was clutching her mother’s hand. She was diagnosed with numerous infections in her liver and lungs.

One morning after rounds, I happened to glance over at Ms. V’s room and saw a woman walk in and inconspicuously put V’s wallet into her own rucksack. The visitor was a thief who had come to steal from the hospital’s patients. To distract them, she usually talked to them for a while, very pleasantly, and conveyed to them a feeling of friendship and care. After her visit, Ms. V told me that the other woman’s visits helped her stand the suffering her disease caused her. She felt comforted and refreshed by the thief’s friendly words and easy humour, she said.

Now, make no mistake: I have to admit that stealing patients‘ wallets doesn’t have proven benefits and is widely considered a criminal or even despiccable act in the medical and scientific communities. In other words, perhaps stealing from people isn’t in itself beneficial, but rather the sense of companionship and support stemming from spending time with a sympathetic person.

Interestingly, some patients continue to welcome the thief although they realise her true intention. Ms. I, for example, was a patient of mine who suffered from severe pain as a result of advanced breast cancer. When I asked her why she enjoyed talking to the criminal, she shrugged, saying she enjoyed the company and found that chatting with her provided a refreshing period of rest.

Of course, stealing patients‘ wallets has its drawbacks, like the financial cost, which may be borne by the patient, an insurance company, or the hospital, depending on the circumstance. Also, it’s certainly dangerous for a patient to decide to have her wallet stolen at the expense of treatments with proven medical benefits. Luckily, having her wallet stolen didn’t stop Ms. V or Ms. I from undergoing life-saving medical tratment and didn’t prevent this treatment from working.

When I learned later on that Ms. V had died, the news hit me hard, and thinking back to her treatment in our hospital, I hoped that among all her misery, we had managed to ease her suffering through our therapies – criminal or not.

So? What do you think? Great stuff, right? What? You think this kind of nonsense might not be quite up to Scientific American’s standards?

Well, think again.


Fischen im Drüben

27. September 2015

Ich weiß ja, dass es eine ziemlich abgenutzte Technik ist, den großen Zeitungsverlagen ihr ständiges Herumreiten darauf vorzuhalten, wie unverzichtbar bedeutsam ihre gründlich recherchierten und professionell nicht nur auf Faktizität, sondern auch auf Ethik und Stil abgeklopften Meldungen für den Fortbestand unserer Gesellschaft sind, wenn sie mal wieder irgendeinen Stuss unkritisch in die Welt tröten. Aber andererseits, was soll man denn sonst machen?

Die SZ hat da also eine Reportage über die „Heilertage am Chiemsee“ schreiben lassen, unter dem Titel

Trost aus der esoterischen Parallelwelt

Wie dieser Titel schon andeutet, ist der Tenor dieses Artikels auch in vieler Hinsicht gar nicht so schlimm. Der Verfasser Jan Stremmel hat aufgeschrieben, dass die Leute da ein bisschen alternativ sind, aber nicht so alternativ, wie man vielleicht denken würde, dass es oft nur darum geht, bestätigt zu kriegen, was man eh schon zu wissen dachte, und jemanden zu haben, die einem zuhört, weil Ärzte dafür oft keine Zeit haben, und so. Er hat durchaus eine gewisse Distanz zu seinem Gegenstand, oder tut zumindest so.

Aber das ist eben nicht alles. Zeitungen wie die SZ haben sich nun einmal selbst diese enorme Verantwortung als vierte Gewalt aufgeladen, und auch unabhängig von dieser speziell erhöhten Messlatte macht die hier exemplifizierte, aber meiner Erfahrung nach verbreitete Wurstigkeit gegenüber der Wahrheit mich so wütend, dass die Frequenz der Posts hier sich allmählich schon fast wieder alten Zeiten nähert. Aber keine Sorge, ich beruhige mich auch wieder.

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Welche Leistung nochmal?

20. September 2012

Ich bin ja gar nicht so sicher, wie ich zur Verantwortung von Medien stehe. Stefan Niggemeier schreibt ja hin und wieder mal, dass Berichte über Suizide tendenziell unverantwortlich sind, weil danach die Suizidzahlen steigen. Ich finde, damit geht er eher zu weit, schon weil ich nicht mal davon überzeugt bin, dass ein Suizid immer eine schlechte Entscheidung ist. Ich bin zwar selbst dagegen, aber ich bin auch vehement gegen Stieg Larsson und muss trotzdem damit leben, dass manche Leute seine Bücher toll finden. Aber hier soll es weder um Suizid gehen, noch um Stieg Larsson, sondern um die Verantwortung von Medien.

Zurück zum Thema also: Medien haben in meinen Augen zunächst mal nur die Verantwortung, die jeder Mensch und jedes Unternehmen hat: die für sich selbst. Wenn eine Zeitung nur Blödsinn schreibt und von ihren Lesern trotzdem gerne gekauft wird, ist das für mich nicht grundsätzlich ein Problem. Das sollte euch nicht wundern, denn ich sitze schließlich im Glashaus, auch wenn ich für mein Blog kein Geld nehme, was allerdings nur daran liegt, dass ich ziemlich sicher bin, dass das nicht funktionieren würde, und überhaupt tut das nichts zur Sache, denn es geht ja hier nicht um mein Blog.

Zurück zum Thema also: Jeder Mensch hat in meinen Augen aber auch eine gewisse Verantwortung dafür, wie seine Handlungen seine Mitmenschen betreffen, und das schließt zum Beispiel auch eine Verantwortung ein dafür, was andere Menschen tun, weil sie von ihm belogen wurden. Jeder Mensch. Auch ohne die Medien zu einer vierten Gewalt oder in sonstigen olympische Regionen zu überhöhen, sehe ich sie in der Verantwortung, ihre Kunden nicht zu belügen, so wie ich von jedem Menschen erwarte, dass er seine Mitmenschen nicht durch falsche Informationen zu falschem Handeln verleitet.

Verschärft wird diese Verantwortung noch dadurch, dass unsere großen Medienunternehmen selbst wenig Hemmung zeigen, sich in einer Sonderrolle zu präsentieren und voller Stolz immer wieder darüber zu berichten, wie unverzichtbar sie für unsere Gesellschaft sind und welche elementare Funktion sie nicht nur für unsere Demokratie erfüllen. Auf genau dieser Hemmungslosigkeit basiert ja auch die Forderung nach diesem unsäglichen Leistungsschutzrecht, das derzeit den Anschein erweckt, tatsächlich auf uns zuzukommen, was in meinen Augen zumindest ganz gut belegt, wie schlecht die Medienunternehmen ihre selbst erklärte Aufgabe erfüllen, die Menschen zu mündigen Demokraten heranzubilden. Aber hier soll es weder um das Leistungsschutzrecht noch um die Demokratie an sich gehen.

Zurück zum Thema also: Die Medien tragen in meinen Augen damit eine Verantwortung, die über die allgemeine Wahrheitspflicht eines jeden Menschen hinausgeht, weil sie sich selbst freiwillig diese Verantwortung zugemessen haben und auf Basis dieser angeeigneten Verantwortung unverschämte Forderungen stellen. Und insofern halte ich es für doppelt gerechtfertigt, Medien nicht nur vorzuwerfen, die Öffentlichkeit zu belügen und ihren eigenen Ansprüchen nicht gerecht zu werden, sondern auch Menschenleben zu gefährden, wenn sie solchen Blödsinn schreiben, wie es zum Beispiel die FAZ (die sich, auch wenn es darum hier nicht gehen will, natürlich auch für ein Leistungsschutzrecht eingesetzt hat, weil Presseverlage ja eine unverzichtbare Filterfunktion und Rechereche und Qualität und blahfasel) kürzlich getan hat, unter dem Titel:

Die Wunderheilerin – Nur die Hand auflegen und beten

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Jesus liebt alle Zygoten

2. Dezember 2010

Neulich hörte ich den unvergleichlichen Matt Dillahunty ein Lied vorlesen, das ihr zum Beispiel hier transkribiert findet.
Mir persönlich gefällt es nicht so gut wie den Nonprophets, aber die Idee fand ich schön, deswegen habe ich eine eigene deutsche Fassung geschrieben.

Jesus liebt alle Zygoten,
alle auf der ganzen Welt.
Abtreibung gehört verboten,
weil sie Jesus nicht gefällt.

Jesus liebt auch Blastozysten,
Er ist gegen PID.
Wenn die Ärzte doch nur wüssten,
Was sie tun, tut Jesus weh.

Jesus liebt doch alle Kinder,
auch wenn er‘s manchmal seltsam zeigt,
Ob Franzose oder Inder,
Er ist allen zugeneigt.

Jesus gibt Kindern Trisomie,
Lupus und SIDS,
Mumps und Muskeldystrophie,
Bronchitis, HIV, MS.

Jesus macht die Kinder blind,
er gibt ihnen Diphterie,
und manchmal gibt er einem Kind
Bandwürmer oder Leukämie.

Jesus liebt die Kinder sehr,
Polio hat er für sie gemacht,
Doch Pocken gibt Jesus nicht mehr,
Die Ärzte haben sie umgebracht.

Jesus liebt fast alle Leute,
doch die Ärzte nicht so sehr,
Krankheiten gibt er uns noch heute,
doch Pocken gibt Jesus nicht mehr.