Hat man ein Dekolleté

5. Februar 2013

Ein treuer Leser, von dem ich nicht sicher bin, ob er namentlich genannt werden will, schickte mir kürzlich einen freundlichen Hinweis auf einen Artikel von Gabriele Ingenthron zum aktuellen Thema sexuelle Belästigung (die übrigens auch in meinen Augen nicht unbedingt gewichtiger ist als andere Formen von Belästigung und vielleicht zu Unrecht eine so herausragende Sonderrolle genießt, aber das ist nicht mein Steckenpferd, sondern das von arslibertatis, und wir leben ja in einer arbeitsteiligen Gesellschaft, deswegen überlasse ich diese Frage ihm), weil es urheberrechtlich bedenklich gewesen wäre, wenn er mir statt des Hinweises den ganzen Artikel als Scan zugemailt hätte, obwohl es mir den Zugang zu selbigem natürlich wesentlich erleichtet hätte, weil das Ding nicht online verfügbar ist, weshalb ich ihm hier für sein Entgegenkommen insoweit noch einmal meinen Dank ausdrücken würde er ihn so grässlich fand, dass es ihm ein Anliegen war, ihn einmal öffentlich verrissen zu sehen. Das mache ich natürlich gerne, bittesehr:

Der Artikel in der Sektion „Weltspiegel“ des Donaukuriers trägt den den schon mal nicht so vielversprechenden Titel

Was würde Knigge sagen?

aber dazu später mehr. Beginnen wir mit dem noch viel weniger vielversprechenden Bild, das auf der Seite (gemessen, nicht nur gefühlt) ziemlich genau so viel Platz einnimmt wie der eigentliche Artikel, und sogar mehr, wenn man die Info-Box „Männer als Sexismus-Opfer“ nicht mitzählt, wozu man in Anbetracht dieser wiederum … nicht so vielversprechenden Überschrift neigen könnte. Der zuständige Bildredakteur hat sich hier offenbar entschieden, gegen den Trend zu gehen. Vielleicht war ihm klar, dass es bei einem so sensiblen Thema offensichtlich nicht angemessen ist, mit einem Foto aufzumachen, das ganz offensichtlich nur dem lüsternen Blick der männlichenjenigen Leser eine Freude zu bereiten, die sexuell an Frauen interessiert sind. Er hat jedenfalls klar erkannt, dass eine Bebilderung mit Brüsten wie sonst üblich aus Gründen des Taktgefühls nicht infrage kommt, und stattdessen ein Foto eines weiblichen Unterleibs mit einer sehr kurzen abgeschnittenen Jeans gewählt. Und einem Gürtel mit Schnapsfläschchen, der in der Bildunterschrift auch noch einmal explizit erwähnt wird. Überhaupt ist diese Bildunterschrift für sich schon ein derartiges Meisterwerk völlig verfehlten Journalismus‘, dass ich sie hier beinahe vollständig zitieren will:

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