Restebloggen (106)

7. August 2015
  1. In dieser Welt macht der politischen Begriff der „Souveränität” – ähnlich wie der der „informationellen Selbstbestimmung” – keinen Sinn mehr schreibt mspr0.
  2. AS I PASS through my incarnations in every age and race,
    I make my proper prostrations to the Gods of the Market Place.
    Peering through reverent fingers I watch them flourish and fall,
    And the Gods of the Copybook Headings, I notice, outlast them all.
  3. xkcd hat Fragen, und Ethan Siegel hat Antworten.
  4. Egal wie Schaf du bist – Jesus ist Schäfer.
  5. Falls ihr Unbreakable – Kimmy Schmidt noch nicht kennen solltet, solltet ihr Unbreakable – Kimmy Schmidt unbedingt kennenlernen. Weil das ist nämlich gut.
  6. Uiuiui, der ehemalige Game-One-Online-Sympath Wolf Speer moderiert zusammen mit Anne (die auch mal bei Game One war) in so einer PlayStation-Werbesendung, die als Anzeige zurzeit immer nach den Game-One-Sendungen kommt. Er kann sowas nicht so. Wirklich nicht. Der Typ, den die beiden interviewen, kann dadurch natürlich umso besser glänzen, was möglicherweise die Absicht war. In dem Fall große Bewunderung für Sony, die den Mut hatten, einen Mittfünfziger-Management-Typen neben zwei junge hippe YouTube-Videospielsendungsmoderatoren zu stellen, damit er cooler und sympathischer und menschlicher aussieht.
  7. Ich habe kürzlich mal versucht mir vozustellen, wie das wäre, wenn zum Beispiel Anwälte so arbeiten würden wie IT-Support: „Oaah… Äh… Kündigungsschutzklage… Also da hab ich auch keine Ahnung, was das ist. Kriegen Sie das immer, oder nur jetzt dieses Mal? Haben Sie mal versucht, Widerspruch einzulegen, oder sowas? Oft geht das so?“ Und dann mach ich das und bekomme vom Arbeitsgericht die Mitteilung, dass dieses Rechtsmittel hier nicht zulässig ist, weil es ein außergerichtlicher Rechtsbehelf gegen Verwaltungsakte ist und deshalb im Zivilprozess nichts zu suchen hat, und dann sagt der Anwalt: „Hmm… Na gut, das ist komisch … Dann weiß ich auch nicht richtig. Warten Sie, ich versuch mal … ist okay, wenn ich schnell anerkenne, oder? Okay, gut. Ich glaube, jetzt ist es weg.“

Hat sie nicht so prima gemacht.

19. Juli 2015

Angela Merkel wurde also bei einem öffentlichen Auftritt mit einem Mädchen konfrontiert, das unter den Folgen der von ihr zu verantwortenden Politik persönlich leidet, und sie wusste erkennbar nicht richtig, wie sie mit dieser Situation umgehen und was sie zu dem Mädchen sagen sollte. Sie hat es dann trotzdem versucht, und sich dabei nicht so beeindruckend geschickt angestellt.

Ihr habt es wahrscheinlich alle gesehen, aber ich zeigs euch auch gerne noch mal, falls ihr wollt:

Hier findet ihr einen exemplarischen Post dazu, nebst meinem passenderweise auch nicht völlig geglückten Kommentar.

Mir ist die Sache aber wichtig genug, um es auch noch mal in mein eigenes Blog zu schreiben: Ich mag nicht vollständig ausdrücken, wie sehr es mich anwidert, dass das die Berichterstattung und das die Debatte über Politik ist. Dass der öffentliche Diskurs sich an einer spontanen, unbeholfenen Reaktion der Bundeskanzlerin aufhängt, als wäre das das Problem, als wäre das das Thema, als wäre das die Sache, die wir ändern müssen.

Jedenfalls fällt mir keinerlei mögliche Satire mehr zu diesem Vorgang ein, in dem alle Frau Merkel vorwerfen, sie hätte mit ihrem Kommentar zur Art und Weise des Auftrittes ihrer jungen Gesprächspartnerin völlig die inhaltliche Bedeutung von deren Frage verkannt, und dabei unter Verkennung der inhaltlichen Bedeutung der Frage ausschließlich die Art und Weise des Auftrittes des Bunderkanzlerin kommentieren.

Ich fände das sogar dann maßlos schade, wenn das nur der Anfang wäre, und wir irgendwann einmal dazu kämen, wirklich über Asyl- und Einwanderungspolitik und all diesen grässlichen Kram zu reden und informierte Entscheidungen drüber zu treffen. Und wir wissen alle, dass es nicht so sein wird, sondern dass jetzt alle einmal über Merkels Empathielosigkeit schimpfen dürfen, und dass dann morgen wieder über was anderes geredet wird, weil irgendwo jemand „Hitler“ gesagt oder über eine Katze gestolpert ist, oder seine Wurst mit dem falschen Besteck gegessen hat.

Und das ist wirklich maßlos schade. Weil wir so vieles so viel besser machen müssten, in eigentlich allen Feldern der Politik, und weil das viel einfacher wäre, wenn wir wenigstens über ihre Inhalte reden könnten, und über ihre Inhalte informiert würden, wenn schon nicht statt über die dummen Fehler und Missgeschicke derer, die hauptberuflich mit ihr arbeiten, dann doch wenigstens auch.

Und unfair gegenüber Angela Merkel ist es außerdem. So unbedeutend dies angesichts des Leids der wirklich Betroffenen sein mag, will ich das auch gerne festhalten, wenn ich schon mal was dazu schreibe, weil verdammt noch mal, was hätte sie denn sagen können? Sie hat es jedenfalls besser gemacht, als ich es gekonnt hätte, was nicht viel heißt, aber ich wollts gesagt haben.