Zivilcourage, die Zweite

19. Februar 2011

Ich wollt’s euch eigentlich ersparen, aber nachdem Bioschokolade mich nun sogar explizit dazu aufgefordert hat, mich ausführlicher mit Frau Käßmann und ihrem europäischen Preiskulturstiftungsdings auseinanderzusetzen, gibt es natürlich kein Halten mehr. Aber keine Angst, ich fasse mich trotzdem kurz:

Ja. Frau Käßmann sollte offenbar den Preis vorrangig für ihr „Lebenswerk“ bekommen, insbesondere dafür, dass sie „Probleme, die gesellschaftlich tabu waren, mit „Klartext“ belegt [hat]. Symbolisch dafür steht ihre Aussage: „Nichts ist gut in Afghanistan“.“ Und sie selbst ist anscheinend der Meinung, sie hätte ihn dafür auch verdient.

Und wie soll ich sagen: Ich hätte es angemessener gefunden, ihn doch nur für betrunkenes Autofahren und den anschließenden Rücktritt zu verleihen.

Dass ich an einem Leben als Geistliche und Bischöfin zunächst mal grundsätzlich nichts Preiswürdiges finde, ist euch sicherlich allen klar, das muss ich wohl nicht erklären.

Insbesondere finde ich aber nichts, was diesen Preis verdient hätte. Nichts ist gut in Afghanistan? Ja, Wahnsinn! Wie mutig muss man eigentlich sein, um öffentlich auf die Fehler und Probleme anderer hinzuweisen und zu sagen, dass man Krieg doof findet? Dass im Krieg Menschen sterben, traut sich hierzulande ja wirklich niemand zu sagen, außer unserer Klartext-Bischöfin Margot Käßmann. Hätte sie uns nicht darauf hingewiesen, wir hätten nie erfahren, dass Soldaten Waffen benutzen. Danke auch!

Hu. Verzeihung, lasst mich mal kurz durchatmen.

So, jetzt geht’s wieder. Hab mich gerade ein bisschen in meinen Ärger hineingesteigert. Trotzdem bleibt es dabei: Ich finde an ihren Äußerungen damals nichts Lobenswertes, und auch nichts Couragiertes. Was hat es sie gekostet, das zu sagen? Genau. Es gibt genug Menschen, die wirklich Opfer bringen und Risiken eingehen, um Gutes zu tun. Das ist Zivilcourage. Welches Opfer hat Frau Käßmann gebracht?

Der Rücktritt hat sie immerhin ihren Job gekostet. Das Gejammer darüber, wie furchtbar Krieg ist, war gratis.