Marginalien

25. Januar 2010

Felix hat was überaus Sympathisches über Notizen in Büchern geschrieben und mich damit an meine eigene Notizpraxis erinnert.

Wie in meinem Kommentar unter dem Artikel schon steht, finde ich die Idee von Randnotizen eigentlich sehr schön. Das hat so etwas Nachdenkliches, Distinguiertes. Aber wie dort auch schon steht, kann ich es einfach nicht. Vielleicht, weil ich nicht nachdenklich genug bin. Bei „Faust“ habe ich es in meiner Schulzeit versucht, aber es ist mir nie gelungen. Mir fällt einfach nichts ein. Es gibt mir auch nichts, Textstellen zu unterstreichen oder farbig zu markieren; egal, ob Sachbuch oder Belletristik.

Während meines Studiums habe ich mir schließlich doch angewöhnt, hin und wieder was in den Skripten zu notieren. Vielleicht haben mich meine Kommilitonen dazu angeregt, deren kunterbunte Unterlagen voll waren mit den fantastischsten Skizzen und kaum noch Text enthielten, der nicht in irgendeiner Farbe markiert war. Ich kam mir deshalb reichlich dämlich dabei vor, die ganze Zeit nur untätig zuzuhören und fing an, auch Notizen zu machen. Trotzdem kam es mir immer so vor, als wären meine irgendwie anders als die der anderen…

(Draufklicken zum Vergrößern, ihr kennt das ja.)

Wahrscheinlich ist das für euch komplett unleserlich, aber falls nicht, könnt ihr euch wohl umso besser vorstellen, dass ich ausgesprochen sparsam reagierte, als mich eine Mitstudentin – nennen wir sie Staatsanwältin Dr. Drosse, und nur der Name ist erfunden, der Rest stimmt -, fragte, ob sie meine Methodenlehre-Notizen mal ausborgen dürfte. Sie hatte krankheitsbedingt ein paar Wochen gefehlt und wollte sie nutzen, um sich besser auf die Prüfung vorzubereiten.

Ich versuchte, ihr möglichst freundlich zu erklären, dass sie die sicherlich eh nicht lesen könne und dass da außerdem auch nichts besonders Hilfreiches stehe. Sie sagte aber, das mache ihr gar nichts aus und es sei ihr sehr wichtig. Ich meinte schließlich, na gut, aber sagen Sie hinterher bitte nicht, ich hätte Sie nicht gewarnt. (Ich habe sie tatsächlich immer mit „Sie“ angeredet, sie war aber auch zwanzig Jahre älter als ich. Und Staatsanwältin. Ich fand das deshalb irgendwie angebracht.)

Eine Woche später gab sie mir den Ordner dann mit einem „Danke!“ und einem etwas gequälten Lächeln zurück, das zwischen Mitleid und Verstörtheit schwankte, und das ich fürderhin öfter bei ihr sah, wenn wir uns begegneten.