Wenn Autowerkstätten wie *ismus-Diskussionen funktionieren würden

4. Mai 2019

Kundin: „Hallo guten Tag, Ihre Mitarbeiterin hat gerade mein Auto repariert!“

Werkstattinhaberin: „Jawoll!“

Kundin: „Danke!“

Werkstattinhaberin: „Sonst noch was?“

Kundin: „Ja schon, also, mir ist aufgefallen, dass jetzt die Bremsen nicht mehr gehen.“

Werkstattinhaberin: „Oh, also dazu muss ich Ihnen sagen, dass ich Gundula persönlich kenne, und ich weiß, dass sie eine ausgezeichnete Mechanikerin ist! Ich glaube nicht, dass sie so einen Fehler machen würde.“

Kundin: „Ja gut. Aber die Bremsen gehen halt nicht mehr. Das ist gefährlich.“

Werkstattinhaberin: „Na, nun hören Sie mal. Gundula hat extra ihr Auto repariert. Ich hab das gesehen. Sie repariert viele Autos, jeden Tag. Und jetzt kommen Sie hier an und sagen, sie hätte Ihr Auto kaputt gemacht? Das ist doch echt verkehrte Welt, finden Sie nicht selbst auch?“

Kundin: „Das mag alles sein, aber das ändert ja nichts daran, dass meine Bremsen nicht funktionieren, und ich würde schon gerne bremsen können. Ich finde das wichtig.“

Werkstattinhaberin: „Nun regen Sie sich bitte nicht so auf. Ich verstehe ja, dass Sie wütend sind, aber ich bin ganz sicher, dass Gundula zu keiner Zeit die Absicht hatte, Sie zu beleidigen. Es ist unsere Politik, alle unsere Kundinnen fair zu behandeln, und wir sind da sehr konsequent.“

Kundin: „Das ist mir echt zu blöd hier MEINE BREMSEN FUNKTIONIEREN NICHT! Und ich erwarte jetzt, dass Sie sich darum kümmern, verflixt noch mal, ich hab immerhin für die Reparatur bezahlt!“

Werkstattinhaberin: „Es gibt wirklich keinen Grund, so ausfallend zu werden! Wir haben uns doch sogar schon entschuldigt.“

Anderer Kunde 1: „Ich hab hier übrigens auch mein Auto reparieren lassen, erst letzte Woche, und es war alles in Ordnung.“

Anderer Kunde 2: „Ja, bei mir auch. Gundula ist echt nett, finde ich. Was hat sie Ihnen denn getan, dass Sie so wütend auf sie sind?“

„SIE HAT MEINE BREMSEN KAPUTTGEMACHT!“

Anderer Kunde 2 zu Werkstattinhaberin: „Boah, wissen Sie, das muss echt ein harter Job sein, mit solchen Leuten. Ich bewundere Sie ja für Ihre Geduld. Dass Sie da noch höflich bleiben können, Respekt!“

Anderer Kunde 3: „Boah aber echt. So ein Schwachsinn, was diese dumme untervögelte Schlampe da erzählt!“

Kundin: „Das ist doch jetzt alles nicht Ihr Ernst, ich will doch bloß funktionierende Bremsen, sehen Sie das echt nicht ein? Warum muss ich mich denn dafür beschimpfen lassen?“

Anderer Kunde 3: „Wissen Sie, diese Scheiß-Empörungskultur geht mir echt SO auf den Sack! Warum gehen Sie nicht einfach zurück in Ihre kuschelige Bubble und lassen die Leute hier in Ruhe? Die haben zu tun, wissen Sie? Im Gegensatz zu gewissen anderen Leuten müssen die nämlich arbeiten, um Geld zu verdienen!“

Kundin zu Werkstattinhaberin: „Und Sie finden das okay, wie die mit mir reden?“

Werkstattinhaberin: „Was hab ich denn damit zu tun?“

Kundin *genervt ab*

Philosophin, die zufällig mitgehört hat: „Ich versteh sowas nicht. Es gibt so viel Krieg und Leid auf der Welt, und so viele Leute, die absichtlich Sachen kaputt machen. Warum müssen Leute, die eigentlich auf derselben Seite stehen, sich wegen sowas gegenseitig zerfleischen??“

jetzt.de am nächsten Tag: „Fanatische Autogegnerin beschimpft Werkstattmitarbeiterin – so cool lassen die Inhaberin und die anderen Kunden sie abblitzen“

6vor9: „Die Empörungsultur frisst ihre Kinder (Sueddeutsche.de, Heribert Prantl): Die Süddeutsche Zeitung erläutert ausführlich, wie es zu den völlig überzogenen Ausfällen gegen eine Mitarbeiterin einer Autowerkstatt gekommen ist, die im Netz so hohe Wellen schlugen, dass sogar der Regierungssprecher dazu einen Tweet verfasste, und warum niemand mehr sicher vor der Hydra der Political Correctness“

uebermedien.de: „Eine frustrierte und wütende Kundin tritt einen Shitstorm gegen eine einfache Automechanikerin los. Warum muss so etwas immer sein? Unsere Autorin analysiert, warum Kostenloskultur, Anspruchsdenken und Wir-gegen-die-Haltungen die Empörungsspirale immer steiler eskalieren lassen.“


Nils Minkmar hat mich auf Twitter blockiert

10. März 2019

Und ich habe ihn einmal hier im Blog beiläufig gedisst. Trotzdem neige ich intuitiv immer noch dazu, ihn irgendwie für jemand Gutes zu halten, weil Stefan Niggemeier sich irgendwann mal sehr bewundernd über ihn geäußert hat. Das ist nicht rational gerechtfertigt, deshalb bin ich froh, dass er hart daran arbeitet, dieses Vorurteil zu beseitigen. So beeindruckend wie jetzt gerade auf spiegel punkt de eh habe ich ihn aber noch nie die Rolle des ahnungslosen Alten Weißen Mannes spielen sehen, und weil das so beeindruckend war, möchte ich euch daran teilhaben lassen.

Dieser Hase ist kein Skandal

ist die gewagte These, die er offenbar zu verteidigen gedenkt, und falls Leute sich nicht so für Hasen begeistern können, legt er gleich mit 1 paar ziemlich radikalisierenden Inhalten los. Er leitet das ein mit dem üblichen vagen Geschwafel, in diesem Fall darüber, dass Deutschland groß ist und einen Diskurs braucht, der aber harmlos sein muss, weil niemand was riskieren will (Ernsthaft?? Er hat den Eindruck, dass der öffentliche Diskurs derzeit komplett harmlos ist, weil niemand was riskiert?). Das kulminiert so:

Man regt sich kurz und heftig über ein Thema auf, dessen Irrelevanz nicht bezweifelt werden kann.

Und Themen, deren Irrelevanz nicht bezweifelt werden kann, was ist das wohl für Herrn Minkmar, unser heutiges Beispielexemplar des ahnungslosen Alten Weißen Mannes?

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Hypothese als Diskussionsangebot

19. Februar 2019

Ich frage mich des Öfteren, wie es wohl in den Köpfen von Leuten die Jasper von Altenbockum aussieht, oder anderen Leuten, die wütend gegen sowas kämpfen wie gerechtere Sprache, oder vegane Ernährung, oder Feminismus, oder Gleichstellung homosexueller Partnerschaften, oder sowas halt. Die nicht nur faul und uneinsichtig sind (wie ich zu oft) sondern die wirklich aktiv und leidenschaftlich gegen Bemühungen um 1 bessere Gesellschaft arbeiten (wie ich hoffentlich etwas seltener). Ohne Argumente, und mit viel Blödsinn.

Ich stelle es mir ungefähr so vor, dass die sowas hören, und dann erkennen sie wie Herr von Altenbockum, dass es tatsächlich gute Gründe gibt, auch Nichtmänner sichtbar zu machen und zu berücksichtigen. Und dann denken oder vielleicht eher: spüren sie, dass das heißt, dass vieles, was sie selbst machen, nicht so gut ist. Und dass vieles, was sie früher gemacht und gesagt haben, nicht so gut war. Und das gefällt ihnen dann nicht, weil das ja heißt, dass sie sich und ihr Weltbild infrage stellen müssten. Und dann merken sie, dass sie ihre Position aber nicht so richtig sachlich-rational begründen können. Und das ist sehr unbequem, denn wer will gerne irrational sein, und im Unrecht, und so geht das doch nicht.

Und daher die Wut.

Ich weiß, man soll nicht psychologisieren, gerade wenn man wie ich keine Ahnung von Psychologie hat.

Aber dieses Modell, diese Erklärung scheint mir geradezu entgegenzuspringen aus Texten wie dem von Herrn von Altenbockum, und ähem gewisser KommentatorInnen im Internet.

Nun ist das natürlich auch 1 bekannter psychologischer Mechanismus, dass 1 oft die Erklärung, die die eigene Position bestätigt, geradezu entgegenspringt. Vielleicht sollte es mir zu denken geben, dass es mir so vorkommt, als wüssten die anderen Eigentümer schon, dass sie Unrecht haben.

Echt jetzt?

Deshalb schreibe ich das aber auch hier. Damit ihr mir sagen könnt, ob ihr auch den Eindruck habt oder vielleicht mehr drüber wisst oder sogar Studien kennt oder so.

Was meint ihr?


Hilmar Klute mags schmutzig

6. November 2017

Es gibt offenbar ein verbreitetes Missverständnis über den Wert und Sinn von Debatten. Das erkennt man nicht nur daran, dass sich seit dem Erstarken der AfD immer mal wieder Beiträge des Tenors „Schön, dass endlich mal wieder kontrovers politisch diskutiert wird!“ auftauchen, sondern auch an Beiträgen wie diesem von Hilmar Klute in der SZ:

Wer streiten will, muss sich auch schmutzig machen

Herr Klute meint, man sollte erst mal nachdenken, bevor man was zurückweist (natürlich mit der in reaktionären Beiträgen dieser Art obligaten kulturpessimistischen Formulierung „In der [X]gesellschaft wird [was gemacht, was ich für doof halte, und zwar IMMER NUR!!!]“), und demonstriert uns sogleich, wie mans macht, wenn mans falsch macht.

Wie offenbar auch unvermeidlich in Beiträgen, die unironisch das Konzept „politische Korrektheit“ zu kritisieren versuchen, hat er sich nämlich entschieden, einen Popanz aus den dümmstmöglichen Varianten dessen zu bauen, was er gerne öffentlich für uns zerlegen will, statt, wie sich das in vernünftigen Debatten gehört, sich mit einer sinnvollen Gegenposition auseinanderzusetzen. Das hat für ihn natürlich den Vorteil, dass er seine eigene Meinung nicht infrage stellen muss, schon klar, dieser Versuchung erliegt man ja leicht mal, aber ich finde es doch immer wieder schade, dass mehr oder weniger professionalle Redaktionen Leuten für derlei pseudonachdenkliche Masturbation Raum und Geld und womöglich noch sonstige Ressourcen zur Verfügung stellen, statt sich der von ihnen und ihren Vertretern doch immer so leidenschaftlich beschworenen Verantwortung zu stellen, einen sinnvollen Beitrag zur Meinungsbildung zu leisten. Besonders bedauerlich kommt hinzu, dass es ihm wie den meisten seiner Kameraden in dieser sonderbaren Beschäftigung nicht einmal gelingt, einen Strohmann zu bauen, mit dem er dann auch tatsächlich fertig wird. Stattdessen bekommt er selbst ordentlich das Fell voll.

Ein Gutes haben solche peinlichen Vorführungen dann ja zum Glück trotzdem immer: Man kann was daraus lernen, und das haben wir alle nötig, denn gute Debatten sind tatsächlich viel zu selten. Versuchen wir das doch mal.

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Nach unten treten

11. Juni 2017

ist nicht nur ein Privileg der Reichen und Mächtigen. Es ist andererseits vielleicht auch gar nicht immer was Schlechtes. Aber es sieht peinlich aus, und außerdem beschreibt es auch nur einen Teil dieses Phänomens, über das ich reden will.

Ich nehme als dominantes Beispiel mal Donald Trump, aber mir kommt es vor, als wäre es zum Beispiel auch ziemlich direkt auf Theresa May und die AfD zu übertragen.

Ich nehme eine Tendenz wahr, sowohl unter Privatleuten, als auch in den großen Medien, sich darüber lustig zu machen, dass Donald Trump hässlich ist. Dass er dumm ist. Dass er ungeschickte Sachen sagt. Dass er sich nicht an die üblichen Regeln hält.

Und das verstehe ich nicht so richtig.

Gerade an Donald Trump gibt es doch so viel wirklich Kritisierenswertes. Und trotzdem kommt mir nur ausnahmsweise mal ein Kommentar unter, der sich wirklich inhaltlich mit seinem Verhalten und seiner Politik auseinandersetzt. Gefühlte 80% spotten über seine Frisur, seine Hautfarbe, dass er irgendwann mal gesagt hat, er habe „the best words“ (Ja gut, das ist auch lustig, aber trotzdem.) oder zeigen uns ein Video, in dem es ein bisschen so aussieht, als würde er kein Headset tragen.

Ich finde das schade, weil wir damit zu verschiedenen unerfreulichen Aspekten der öffentlichen Debatte beitragen:

  • Gewicht auf kurzfristige Skandalisierung statt auf langfristige Verhaltensmuster bzw. politische Pläne. Ihr könnt mir widersprechen, aber ich finde es wirklich bedauerlich, dass ein großer Teil der Berichterstattung und des Austauschs über Politik und Politiker(innen) sich darauf beschränkt, zu fragen, ob sie in einer bestimmten Situation einmal „Jehova“ gesagt haben oder nicht, statt zu analysieren, wofür sie wirklich langfristig stehen, was sie planen, wie ihr bisheriger Track Record ist, und so weiter.
  • Wir legitimieren diese Verhaltensweise damit auch für andere Bereiche des Lebens. Wenn es okay ist, auf Donald Trumps Frisur herumzuhacken, ist es doch bestimmt auch okay, mich über die Frisur von diesem anderen komischen alten Mann lustig zu machen, der morgens immer mit mir im Bus fährt. Und wenn es okay ist, mich überlegen zu fühlen, weil Donald Trump mal einen Tweet mit (zugegebenermaßen dramatischem) Tippfehler veröffentlicht hat, dann kann ich das doch sicher auch in Diskussionen mit anderen Leuten als Hauptmittel der Auseinandersetzung bedienen. Das meine ich mit „nach unten treten“. Mir wird zu selten kritisiert, was Trump tatsächlich falsch macht, und zu oft, was uns das Gefühl gibt, er wäre weniger gebildet, weniger geschickt im Ausdruck, weniger stilsicher und rundum weniger attraktiv als wir. Ihr erinnert euch doch sicher an dieses Cover, auf dem er als Wurstsalat dargestellt ist? Jede dieser Äußerungen sagt: „Es ist okay, Leute für ihre von uns wahrgenommene Unterlegenheit zu verspotten. Es ist okay, sich für was Besseres zu halten.“
  • Fast der gleiche Punkt, aber: Wir verspotten andere Menschen mit diesen Merkmalen gleich mit. Das hab ich zum Beispiel bei dem „Nazi-Schlampe“-Gag gedacht. Den find ich vom Ansatz her gar nicht schlecht, als konsequente Reaktion auf die Forderung nach einem Ende der politischen Korrektheit. Aber muss es denn unbedingt eine misogyne Beleidigung sein, die Sexarbeiter(innen) desavouiert? Ich meine, das war ja keine spontane Reaktion von irgendwem, sondern ein schriftlich ausgearbeiteter Gag von professionellen Komikschreiber(inne)n. Wäre denen echt keine Beleidigung eingefallen, die halbwegs auf ihr Ziel zutrifft und etwas weniger Kollateralschaden produziert?
    Ich will dafür als Beispiel mal J.K. Rowling zitieren, auch wenn es kein tolles Beispiel ist, weil sie ihre Referenz nicht benennt, aber andererseits hab ich so selten Gelegenheit, mal was gut zu finden, was sie schreibt, und außerdem hat sie es immerhin unter dem ersten Tweet noch sehr schön erklärt:

  • Wir verspielen unseren moralischen Anspruch. Ja, Donald Trump ist ein Arsch. Ich bin mir da auch ziemlich sicher. Das erkennt man an so ziemlich allem, was er sagt. Wenn wir uns aber im Gegenzug auch wie Ärsche verhalten, dann … verhalten sich halt beide Seiten wie Ärsche, und darin sehe ich keine Verbesserung. Das ist doch, hoffe ich zumindest ein wesentlicher Bestandteil unserer Message (Bevor ihr fragt: Ich weiß auch nicht genau, wer „wir“ gerade sind. Können wir in den Kommentaren besprechen.): Dass wir uns eine Gesellschaft wünschen, in der Leute sich eben gerade nicht wie Ärsche verhalten. In der wir fair miteinander umgehen und Leute nicht dafür verachten, dass sie anders sind, dass wir sie hässlich finden, oder dümmer als uns selbst, oder sich nicht genug anpassen. Ehrlich, ich hab kürzlich einen Tweet gelesen, in dem Trump mit der Bemerkung kritisiert wurde „All the others knew when to shut up and play along“, und mal ehrlich, ist das ein Verhalten, das wir fördern wollen? Oder (letztes Beispiel, versprochen):

Ihr müsst den Thread nicht lesen, wenn euch nicht danach ist. Ihr könnt mir auch einfach so glauben, dass die Kritik an dem Tweet sich nur selten, ausnahmsweise mal darum dreht, dass er Quatsch über die Klimaveränderung schreibt und sich dabei auf ein altes Buch beruft. Der Großteil (so weit, wie ich halt scrollen mochte) dreht sich stattdessen um die Tippfehler des Verfassers (bzw. der Verfasserin?), darum, dass es jawohl lächerlich ist, dem Papst was über die Bibel erklären zu wollen, und darum, dass man den Papst jawohl mit „Eure Heiligkeit“ anzureden hat, wenn man mit ihm spricht.

Ich will damit jetzt nicht sagen, dass ich komplett gegen Spott über Fehler bin. Ihr kennt mich. Das könnte ich schlecht glaubwürdig vertreten. Kürzlich habe ich einen Tweet der Linkspartei zitiert, in dem sie sich als „Partei gegen Antirasismus“ [sic] positionierte (Leider inzwischen gelöscht), und ich finde sowas einfach lustig, genau wie Trumps Spruch „I have the best words“. Aber man kann sich auf unterschiedliche Arten über sowas lustig machen, und man sollte seine Beispiele auch passend wählen. Zum Beispiel sollten sie tatsächlich lustig sein, und man sollte nicht versuchen, sie als ernsthaftes Argument für oder gegen was zu benutzen. Ich mag die Linke nicht, aber das liegt nicht daran, dass sie sich manchmal vertippen.

Wie seht ihr das? Nehmt ihr diese Tendenz auch so wahr, oder findet ihr, dass es an mir liegt? Seht ihr da auch ein Problem, oder eher nicht so?


Integration nur auf dem Blut und Boden des Grundgesetzes

10. Mai 2017

Was ist eigentlich mit diesen Leuten los, die jetzt finden, dass Leitkultur so eine tolle Idee der rechtskonservation Vollhorste ist, dass man sie unbedingt übernehmen und mit Inhalt füllen muss, und die offensichtlich den Unterschied zwischen Rechtsnormen und Kultur entweder nicht verstehen oder in der öffentlichen Debatte nivellieren wollen? Also Leute wie Jörg Bong?

Mit unserer äußersten Kraft und Klarheit müssen wir eine deutsche Leitkultur formulieren, aus vielen Gründen; wir, die genuinen Demokraten, jetzt, unverrückbar – ansonsten formulieren sie ganz andere. Und zwar ganz anders.

Wehe, ihr macht jetzt Namenswitze. Ich merk das. Das ist unter unserem Niveau.

Oder Nils Minkmar?

Oder Henrik Müller?

Was wir brauchen, ist ein Bewusstsein für eine europäische Leitkultur, die längst in Umrissen erkennbar ist.

Es ist gar nicht so leicht zu erklären, was mich daran so nervt, und das ist aber nicht meine Schuld. Klar, was soll ich auch sonst sagen? denkt ihr jetzt, und einerseits habt ihr recht, aber andererseits habe ich einen ziemlich guten Grund für meine Selbstexkulpation:

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Hat sie nicht so prima gemacht.

19. Juli 2015

Angela Merkel wurde also bei einem öffentlichen Auftritt mit einem Mädchen konfrontiert, das unter den Folgen der von ihr zu verantwortenden Politik persönlich leidet, und sie wusste erkennbar nicht richtig, wie sie mit dieser Situation umgehen und was sie zu dem Mädchen sagen sollte. Sie hat es dann trotzdem versucht, und sich dabei nicht so beeindruckend geschickt angestellt.

Ihr habt es wahrscheinlich alle gesehen, aber ich zeigs euch auch gerne noch mal, falls ihr wollt:

Hier findet ihr einen exemplarischen Post dazu, nebst meinem passenderweise auch nicht völlig geglückten Kommentar.

Mir ist die Sache aber wichtig genug, um es auch noch mal in mein eigenes Blog zu schreiben: Ich mag nicht vollständig ausdrücken, wie sehr es mich anwidert, dass das die Berichterstattung und das die Debatte über Politik ist. Dass der öffentliche Diskurs sich an einer spontanen, unbeholfenen Reaktion der Bundeskanzlerin aufhängt, als wäre das das Problem, als wäre das das Thema, als wäre das die Sache, die wir ändern müssen.

Jedenfalls fällt mir keinerlei mögliche Satire mehr zu diesem Vorgang ein, in dem alle Frau Merkel vorwerfen, sie hätte mit ihrem Kommentar zur Art und Weise des Auftrittes ihrer jungen Gesprächspartnerin völlig die inhaltliche Bedeutung von deren Frage verkannt, und dabei unter Verkennung der inhaltlichen Bedeutung der Frage ausschließlich die Art und Weise des Auftrittes des Bunderkanzlerin kommentieren.

Ich fände das sogar dann maßlos schade, wenn das nur der Anfang wäre, und wir irgendwann einmal dazu kämen, wirklich über Asyl- und Einwanderungspolitik und all diesen grässlichen Kram zu reden und informierte Entscheidungen drüber zu treffen. Und wir wissen alle, dass es nicht so sein wird, sondern dass jetzt alle einmal über Merkels Empathielosigkeit schimpfen dürfen, und dass dann morgen wieder über was anderes geredet wird, weil irgendwo jemand „Hitler“ gesagt oder über eine Katze gestolpert ist, oder seine Wurst mit dem falschen Besteck gegessen hat.

Und das ist wirklich maßlos schade. Weil wir so vieles so viel besser machen müssten, in eigentlich allen Feldern der Politik, und weil das viel einfacher wäre, wenn wir wenigstens über ihre Inhalte reden könnten, und über ihre Inhalte informiert würden, wenn schon nicht statt über die dummen Fehler und Missgeschicke derer, die hauptberuflich mit ihr arbeiten, dann doch wenigstens auch.

Und unfair gegenüber Angela Merkel ist es außerdem. So unbedeutend dies angesichts des Leids der wirklich Betroffenen sein mag, will ich das auch gerne festhalten, wenn ich schon mal was dazu schreibe, weil verdammt noch mal, was hätte sie denn sagen können? Sie hat es jedenfalls besser gemacht, als ich es gekonnt hätte, was nicht viel heißt, aber ich wollts gesagt haben.