Das ist naiv, das ist seltsam, das ist suspekt

5. April 2015

Sprache ist ein Werkzeug. Und wie bei eigentlich jedem Werkzeug liegt es an uns, ob wir mit dem Werkzeug Dinge konstruieren, reparieren, in Ordnung bringen, verbessern, oder ob wir Dinge kaputt machen, durcheinanderbringen, verschlechtern.

Heribert Prantls SZ-Artikel „Warum Beten nicht vergebens ist“ ist dafür vielleicht nicht das beste Beispiel der Welt, aber erstens nimmt man manchmal, was man halt gerade kriegt, und zweitens ist es trotzdem für unsere Zwecke gar nicht so übel. Ich denke deshalb, wir schauen es uns mal an. Kommt ihr mit?

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Die Sache mit dem Tanzverbot

3. April 2015

ist doch eigentlich ganz einfach.

Sagt mir jemand: „Du, heute ist für mich ein trauriger Tag, da ist mir echt nicht nach Frohsinn, ich sitz heute nachdenklich rum und brauch ein bisschen Ruhe“, dann verschone ich diese Person mit eventuell geplantem Frohsinn, soweit es mir irgendwie möglich ist und nehme Rücksicht, so gut ich kann. Ein ostentativer unnötiger Verstoß gegen diesen Wunsch wäre unhöflich und gemein.

Sagt mir hingegen jemand: „Du, heute ist für mich ein trauriger Tag, da ist mir echt nicht nach Frohsinn, ich sitz heute nachdenklich rum und brauch ein bisschen Ruhe, deswegen hab ich da diesen Typen mit Schlagstock und Schusswaffe, der dafür sorgt, dass du die Füße stillhältst, und außerdem bist du hässlich und dumm und ein unkultivierter Banause„, dann frage ich (soweit es mir gefahrlos möglich ist) diese Person, ob sie ein Rad ab hat und zeige ihr den Varoufakis-Finger. Ein ostentativer und unnötiger Verstoß gegen ihren Wunsch ist die angemessene Reaktion.

Oder nicht?


Was tut man nicht alles für eine gute Sache?

8. April 2012

So dumm die Argumentation derer auch ist, die sagen: „Jaaa, aber wenn ihr das Tanzverbot nicht wollt, dann müsst ihr auch an den Feiertagen arbeiten gehen, denn die freien Tage habt ihr schließlich auch Jeeebus zu verdanken!“, so haben sie doch in gewisser Weise nicht völlig Unrecht: Ich finde es in der Tat auch inkonsequent, gegen das Tanzverbot zu protestieren, das nur an wenigen Tagen im Jahr gilt und eigentlich wirklich kaum jemandem weh tut, auch wenn es natürlich aus rein prinzipiellen Gründen schon ein Ärgernis ist, wenn man gleichzeitig das Arbeitsverbot klaglos akzeptiert, das an sehr vielen Tagen im Jahr gilt und tatsächlich Schaden anrichtet.
In diesem Sinne habe ich beschlossen, ein weiteres Protestvideo zu erstellen, und ihr werdet es nicht fassen, aber es ist mir tatsächlich noch ein gutes Stück lamer gelungen als das letzte.

(Und die Musik im Hintergrund ist natürlich „I don’t feel like dancin'“ von den Scissor Sisters, zumindest so lange, bis mir jemand verbietet, das zu verwenden.)


Die frohe Botschaft

6. April 2012

ds

Hey, weißt du eigentlich, wie viel Schuld du auf dich lädst? Schlimm ist das. Guck mal hier, lauter Regeln, gegen die du jeden Tag und dauernd und immer wieder verstößt. Hier zum Beispiel: Hast du schon mal gelogen? Ja? Siehst du, das darfst du nicht. Das ist falsch. Oder begehrst du manchmal andere Menschen, oder irgendwelche Gegenstände? Tja, das ist auch verboten. Vielleicht hast du sogar schon mal Verhütungsmittel benutzt. Sowas von verboten.

Das war dir bisher wahrscheinlich gar nicht klar, dass du eigentlich jeden Tag, jede Woche, jede Stunde irgendwas total Verbotenes machst, und dass du deshalb (und weil vor sechstausend zehntausend hunderttausend sehr vielen Jahren deine Vorfahren sich von einer sprechenden Schlange haben überreden lassen, eine Frucht zu essen, das spielt auch eine Rolle, aber das erklär ich dir später) voll der schreckliche Sünder bist.

Echt, du bist total schlimm. Das kommt dir vielleicht nicht so vor, aber weißt du, ich kenne da diesen unsichtbaren Typen, der vollkommen perfekt und gut ist und uns alle liebt, und im Vergleich mit dem bist du echt richtig schlimm. Du bist sogar so furchtbar, dass diesem Typen eigentlich keine Wahl bleibt, als dich für alle Ewigkeit in Qual und Leid und Verzweiflung zu übergeben, obwohl er dich total liebt. Gerade weil er dich so liebt sogar. Glaub ich.

Du hast da also echt ein Riesenproblem, nä? Aber, hey, mach dir keine Sorgen, denn ich hab die Lösung: Du musst einfach nur an den Sohn von dem Typen glauben, ja, genau, von dem unsichtbaren Typen der Sohn, der kann dir nämlich vergeben, wenn du an ihn glaubst. Der Typ hat nämlich seinen Sohn geopfert, und weißt du warum? Weißt du, warum dieser Typ seinen eigenen Sohn opfern musste? Ich sag’s dir: Weil du so ein schlimmer Sünder bist. Und ich natürlich auch. Das sind wir alle. Wir sind so schlimme Sünder, dass nur so ein riesiges Opfer das wieder gut machen konnte.

Und trotzdem gibt es immer noch ein paar Leute, die dieses Opfer nicht annehmen wollen, und denen der unsichtbare Typ deshalb nicht vergeben kann. Kannst du dir vorstellen, wie schlimm das für den ist? Das macht den richtig traurig. Und das kannst du doch nicht wollen, oder? Er hat sich solche Mühe für dich gegeben, um dich zu retten. Bestimmt willst du nicht, dass das alles umsonst war. Eben. Und ich kann dir erzählen, wie das geht. Ich kenn den Typen nämlich ziemlich gut, und seinen Sohn auch. Wir sind so. Und wenn du alles richtig machst, dann kannst du nicht nur gerettet werden, du kannst dich sogar auch mit denen anfreunden, und dann wird’s richtig schön. Richtig schön.

Übrigens, hast du ein paar Euro für den Unterhalt dieser riesigen Paläste, die wir für den unsichtbaren Typen und seinen Sohn gebaut haben? Die sind echt teuer.


Das ist jetzt vielleicht ein bisschen billig, aber es wird auch mal wieder Zeit, finde ich.

4. Mai 2011

Katrin Göring-Eckardt ist nicht nur Bundestagsvizepräsidentin für die Grünen, sondern auch Präses der Synode der Evangelischen Kirche Deutschlands. Sie findet es nicht gut, dass Angela Merkel sich über den Tod Usama Bin Ladins freut, denn

„Als Christin kann ich nur sagen, dass es kein Grund zum Feiern ist, wenn jemand gezielt getötet wird.“

Unabhängig davon, wie ich zu Frau Merkel stehe, zu Bin Ladin, zu Obama oder zum gezielten Töten von Menschen, wäre ich als Christ mit solchen Äußerungen vorsichtig.

Gerade so kurz nach Ostern.