und wenn wir in dieser Welt eins zu viel haben, dann ja wohl Empathie!

29. April 2013

Okay, so kanns gehen, gestern habe ich es noch entrüstet von mir gewiesen, und heute ist es schon so weit, heute bashen wir doch mal ein bisschen die taz. Na gut, sie wird es verschmerzen können, nehme ich an. Von der Zeit sind mir seit meinem gestrigen Post auch noch keine Suiziddrohungen oder Ergebniswarnungen bekannt geworden.

Worum gehts?

Dank des wunderbaren Altpapiers habe ich bei taz. de eine kurze KRITIK zur Verleihung des diesjährigen Nannen-Preises gefunden:

 „Zeit“-Autorin Heike Faller mag den Nannen-Preis für ihre Pädophilenporträts verdient haben. Für den Gegenstand ihres Stücks „Empathie für Pädos“ ist er ein Skandal

Ich traue mich ja schon gar nicht mehr das zu sagen, aber: Wat? Hä? Wie? Sie mag den Preis verdient haben. Aber er ist ein Skandal. Der Preis ist verdient, aber ein Skandal. Für den Gegenstand. Wie „für“? Mutmaßlich doch im Sinne von „Wegen“. Aber trotzdem. Sie hat den Preis für diese Arbeit verdient. Aber wegen des Themas der Arbeit ist es ein Skandal, dass sie ihn bekommt. Sie hätte ihn also für diese Arbeit ruhig bekommen sollen, aber die Arbeit hätte ein anderes Thema … ? Ich begreifs nicht. Und so langsam glaube ich wirklich, dass das an mir liegen muss. Es kann doch einfach nicht sein, dass jeder Artikel, den ich in deutschen Zeitungen lese, gleich mit völligem Blödsinn beginnt. Es muss doch auch hin und wieder mal ein Journalist was Konsistentes schreiben.

Egal.

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Ja, äh, hm, also, ich weiß nicht.

31. Juli 2012

Ich würde euch heute gerne mal benutzen, um meine Reaktion auf eine bestimmte Meldung zu kalibrieren.

Gerade fand ich auf der Facebook-Seite der für gewöhnlich eminent vernünftigen und immer sehenswerten Atheist Experience einen Post über einen Ventriloquisten, der in einem christlichen Fernsehprogramm mit seiner Puppe auftrat, und der verhaftet wurde wegen des Verdachtes, dass er ein Kind missbrauchen wollte. Genauer: Er hat offenbar mit jemand anderem via Internet darüber gesprochen, einen bestimmten Jungen zu töten und zu essen.

In dem Post von Atheist Experience steht über den Fernsehsender

 they STILL HAVE THIS DEVIANT’S SHOW ON THEIR SCHEDULE.

und zu dem Bericht oben wird hingeleitet mit den Worten:

If you have a strong stomach, go here to wade through the sewer of Ronald’s sick little mind

In den Kommentaren zu diesem Post befinden sich unwidersprochen viele Kommentare wie diese:

If my partner knew of someone thinking that way of our kids he’d kill him.

Anyway if Jesus would totally forgive this guy for wanting to eat children, I just gotta say, fuck that Jesus guy.

 the things I WOULD do to him alone in a room..pliars..blow torch..and gasoline. people make me sick!

Holy Sh**!!! What a monster… what a bunch of idiots at the network… WHAT THE F***???

This is abhorable and just plain disgusting and disturbing on every level. If it were my call, life imprisonment at best. If it comes out he did anything to a child, he gets the chair. no question about it.

und das finde ich schon nicht so ganz unproblematisch. Ich meine, klar, sobald man irgendwo im Internet was über Pädophilie schreibt, bekommt man solche Kommentare, das ist nicht überraschend, aber man muss sie ja nicht stehen lassen.

Das ist der Punkt, an dem ich euch gerne zum Kalibrieren hätte. Ich sage euch jetzt mal, wo mein Problem ist, und dann könnt ihr mir sagen, ob ihr das eher so seht wie ich, oder eher nicht so.

Erstens finde ich es immer problematisch, wenn Leute sich so leidenschaftlich dafür aussprechen, andere Leute zu foltern und zu töten, und sie als Monster bezeichnen. Es ist unter manchen Umständen eine verständliche Reaktion, aber es ist trotzdem immer falsch. Wir haben aus guten Gründen aufgehört, Kriminelle zu foltern und zu entmenschlichen, und gerade einer Oase der Aufklärung wie der Atheist Experience stünde es gut zu Gesicht, sich für diese richtige Entscheidung stark zu machen und Idioten wie die oben von mir zitierten auf diese Gründe hinzuweisen.

Zweitens, und das ist in mehrerer Hinsicht problematisch, ich weiß, aber trotzdem: Er hat niemandem etwas getan. Ich will damit nicht sagen, dass man ihn deshalb zwangsläufig vollständig verschonen sollte. Ich kann auch nicht beurteilen, wie ernsthaft diese Pläne sind, über die er mit dem anderen gesprochen hat. Vielleicht weiß die Polizei Dinge, die nicht in diesem Artikel stehen. Aber die Kommentatoren können das auch nicht beurteilen, und wissen das auch nicht, genauso wenig wie Martin (der Moderator) selbst. Es geht hier um einen Mann, der offenbar recht unerfreuliche Phantasien hat, aber nach allem, was wir wissen, sein ganzes Leben lang noch nie danach gehandelt hat. Soweit wir wissen, hat er noch nie einem Kind weh getan, oder sonst einem Menschen. Ich schrieb es schon einmal: Ein Mensch kann nichts dafür, wenn er gerne Sex mit Kindern möchte. Wir suchen uns unsere sexuellen Vorlieben alle nicht aus. Wir können nicht entscheiden, was wir wollen. Unsere Kontrolle beschränkt sich darauf, was wir tun. Und getan hat er in meinen Augen bisher nichts, wofür ich ihm einen Vorwurf machen würde. Er hat mit anderen über seine sexuellen Vorlieben gesprochen, und er hat sich offenbar pornografisches Material verschafft, das seinen Vorlieben entspricht. Natürlich ist Kinderpornografie etwas Furchtbares, und die Menschen, die sie erzeugen, sind Verbrecher und gehören bestraft. Aber auch das hat er nicht getan.

Alles, was dieser Bericht hergibt, ist, dass dieser Mann offenbar sehr bedenkliche Fantasien hat, und eine sehr gefährliche Neigung. Vielleicht so bedenklich und so gefährlich, dass er professionelle Betreuung braucht. Und wenn er tatsächlich ernsthaft geplant hat, diesen Jungen zu töten (Was er danach noch alles mit ihm vorhatte, halte ich moralisch für unerheblich.), dann ist das selbstverständlich auch eine Straftat, für die er sich verantworten muss. Aber das wissen wir noch nicht. Genauso, wie wir nicht wissen, ob dieser eine Kommentator wirklich plant, ihn mit Zange, Benzin und Schweißbrenner zu foltern, oder ob das nur eine relativ harmlose Fantasie ist, mit der er sich abreagiert.

Und mindestens solange, wie wir das nicht wissen, sollten wir uns ein bisschen zurückhalten mit dem „Verbrennt ihn!“-Geschrei.

Ach so, und einen besonderen Platz in meinem Herzen haben so Leute wie dieser Kommentator, der eigentlich erst sehr vernünftig darauf hinweist, dass ja offenbar noch niemandem ein Schaden entstanden ist und wir abwarten müssen, dann aber schließt mit:

If he goes to prison, he’s not going to be treated nicely by his „neighbors“ 😉

Und ich würde ihm vielleicht sogar im Zweifel noch zugestehen, dass er damit nur Tatsachen wiedergeben wollte, aber dieser Smiley dahinter lässt das doch eher unplausibel erscheinen. Wir finden diesen Gedanken oft genug auch anderswo, in Filmen zum Beispiel, und er scheint mit der Realität zu korrelieren:

Die USA haben in ihren Justizvollzugsanstalten offenbar ein Problem, die hohe Zahl an Vergewaltigungen in den Griff zu bekommen. Und nicht nur in geschmacklosen Kommentaren, sondern oft genug auch in Filmen und Literatur wird uns diese traurige Tatsache oft als gute Nachricht präsentiert.

Ich denke, ich werde demnächst sowieso noch mal einen Beitrag über unser Strafrecht und unser Vollzugssystem schreiben, aber das schon mal vorab, weil es gerade so gut passt: Diese Einstellung macht mich krank. Wer es für eine gute Sache hält, dass Menschen in Gefängnissen vergewaltigt werden, wer es ihnen wünscht, und wer öffentlich darauf hinweist, um andere darüber hinwegzutrösten, dass unsere Strafen angeblich nicht hart genug für bestimmte Taten sind, der gehört geohrfeigt hat nicht verstanden, was der Zweck eines Rechtsstaates ist, was der Zweck eines rationalen aufgeklärten Strafrechts sein sollte, und der ist ethisch offenbar über „Zahn um Zahn“ noch nicht hinaus gekommen.

Aber kehren wir zum Abschluss kurz noch mal zum Thema zurück: Der eine oder andere mag sich fragen, warum ich hier einen pädophilen (mutmaßlichen) Straftäter verteidige, obwohl doch der Schutz unserer Kinder viel wichtiger ist. (Naja. Eigentlich hoffe ich, dass meine Leser klug genug sind, um meine Hoffnung zu rechtfertigen, dass sich tatsächlich nur die eine das fragt, aber wer weiß sowas schon vorher genau?) Die Frage will ich gerne noch beantworten: Ich glaube nicht, dass wir Kinder schützen, indem wir Pädophile dämonisieren, hassen und aus unserer Gesellschaft ausgrenzen. Denn dadurch zwingen wir sie, sich verborgen zu halten, und bestrafen sie dafür, mit anderen über ihr Problem zu reden und sich bei Bedarf die Hilfe zu verschaffen, die sie brauchen, um mit ihrer furchtbaren Neigung zu leben, ohne ihr nachzugeben. Und ich halte es für einen wesentlich besseren Schutz für Kinder, Pädophilen diese Hilfe und Unterstützung zu geben und sie in unsere Gesellschaft zu integrieren. Das gilt sogar für diejenigen unter ihnen, die bereits auf die eine oder andere Weise straffällig geworden sind, denn was ist eine Gesellschaft wert, die in dem Versuch, ihre Kinder zu schützen, den Rechtsstaat und letztlich ihre Menschlichkeit preisgibt?


Pädophilie ist doch ein tolles Thema, um endlich mal von Gott wegzukommen, oder?

13. Oktober 2010

Stefan Niggemeier hat im Fernsehblog über RTLs Reportage-Highlight „Deutschlands erstes Teeny-Bordell“ geschrieben.

Da ist der Link, aber ich kann die Lektüre nicht empfehlen. Das ist nicht seine Schuld, das liegt einfach am Thema. Natürlich arbeiten in dem Bordell keine Minderjährigen, sondern 18-20jährige, die wohl außerdem möglichst irgendwie jünger aussehen sollten und teilweise auch Rollenspiele in nachgebildeten Klassenräumen veranstalten. Insofern ist das Ganze nicht illegal, sondern nur so eklig.

Mir ist immer noch ein bisschen schlecht davon, aber trotzdem werde ich eine Frage einfach nicht los. Stefan schreibt:

„Nun ist es nicht so, dass der Film die Probleme dieser Leidenschaft für junge Mädchen völlig ausblendet. So lapidar, wie das Thema dann angeschnitten und gelöst wird, wünscht man sich allerdings, er hätte es getan.

Sprecherin: Dabei ist die Grenze zwischen der Faszination für frühreife junge Menschen und krimineller Pädophilie nicht immer leicht zu ziehen. Doch Pädophile kommen nicht in sein Bordell, da ist sich Betreiber Kaspar sicher.“

Und die Kommentatoren finden:

„Solche „Angebote“ und Berichterstattungen halte ich sozial und gesellschaftlich für äußerst bedenklich und gefährlich!“ (Tim)

„Frauen müssen endlich begreifen, dass es auch Idiotinnen gibt, die der Emanzipation im Weg stehen.“ (Freigeist)

Nun bin ich insofern völlig dabei, als ich schon das ganze Konzept von Prostitution irgendwie widerlich finde, und diese spezielle Form vielleicht auch noch ein bisschen mehr.

Ich frage mich andererseits, warum es besonders problematisch sein sollte, falls Pädophile das Bordell besuchen würden. Vielleicht ist das eine dumme Frage, aber wäre es nicht sogar gewissermaßen eine ganz fantastische Sache, wenn Pädophile auf diese Weise legal ihre Fantasien ausleben könnten, ohne damit Minderjährigen zu schaden? So, wie ich das verstehe, ist Pädophilie eben eine sexuelle Neigung, an der niemand etwas ändern kann. Kriminell wird sie erst, wenn man sie auslebt.

Darüber habe ich beim Thema Kinderpornographie auch schon immer nachgedacht. Die kann man ja auch nachstellen, mit Volljährigen, im Zeichentrickformat, oder sonstwie, ohne echte Kinder. Zurzeit wäre das trotzdem strafbar. Aber sollte das so sein?

Versteht mich bitte nicht falsch (Ich glaube, das muss man bei dem Thema dazuschreiben.): Natürlich wäre die Welt ein endlos viel besserer Ort, wenn niemand pädophile Neigungen hätte und die Nachfrage nach jugendlich wirkenden Prostituierten und gefälschter Kinderpornografie gar nicht bestünde. Aber die Welt ist nun einmal, wie sie ist, und mir ist es immer noch lieber, wenn ein Pädophiler sich mit einem Bart-und-Lisa-Simpson-Porno oder einer neunzehnjährigen Prostituierten abreagiert als mit seiner zwölfjährigen Nichte.

Oder denke ich da zu einfach? Steht zu befürchten, dass Angebote wie dieses Pädophile ermutigen, ihrem Trieb auch dann nachzugeben, wenn sie echte Kinder vor sich haben? Ist es falsch, von „abreagieren“ zu sprechen, weil Fantasien und Triebe durch ihre Erfüllung nicht weniger werden, sondern vielleicht sogar mehr?

Ich weiß es nicht. Und ich wüsste gerne, was ihr dazu denkt.