Let’s all celibate and have a good time!

19. April 2015

Lets all Kopie

Celibate good times, come on!


Premiere: DIE ZEIT erstmals lustiger als der Postillon

6. Februar 2015

Während dem zu Recht bundesweit bekannten und geschätzten Satiremagazin „Der Postillon“ zu der aktuellen Unterstützung des Oberhauptes der Katholischen Kirche für Gewalt gegen Kinder nur ein leidlich lustiges Spießumdrehen einfiel, hat das ansonsten als weitaus weniger unterhaltsam bekannte Satiremagazin DIE ZEIT ein brillantes und ungewohnt bissiges Stück veröffentlicht.

Dazu erzählte der Papst eine Anekdote: „Einmal habe ich einen Vater bei einem Treffen mit Ehepaaren sagen hören: ‚Ich muss manchmal meine Kinder ein bisschen schlagen, aber nie ins Gesicht, um sie nicht zu demütigen‘.“

schreibt die satirische Wochenzeitung, und lässt darauf die Bemerkung folgen:

„Wie schön!“, erklärte Franziskus. „Er weiß um den Sinn der Würde. Er muss sie bestrafen, aber tut es gerecht und geht dann weiter.“

Doch nicht nur Papst Franziskus selbst nehmen die Spaßvögel von DIE ZEIT aufs Korn. Auch die Haltung des Vatikans an sich wird äußerst gelungen karikiert:

Auf Nachfrage verteidigte Vatikan-Vertreter Thomas Rosica die Thesen des Papstes. Wer habe nicht schon einmal sein Kind gezüchtigt oder sei von den Eltern gezüchtigt worden, schrieb Rosica in einer E-Mail. […] Daraus irgendetwas anderes ableiten zu wollen, enthülle ein Problem bei jenen, die offenbar einen Papst nicht verstanden hätten, der eine Revolution der einfachen Sprache und Gesten anbelangt habe, erklärte Rosica.

Den Vogel abgeschossen haben die schonungslosen Witzbolde allerdings mit diesem Satz:

Im Übrigen sei man nur dafür verantwortlich, die UN-Kinderrechtskonvention innerhalb des Vatikanstaats umzusetzen, hieß es.

Die Redaktion von überschaubare Relevanz verneigt sich vor solch treffendem und verdientem Spott, muss allerdings beschämt eingestehen, dass es bisher nicht gelungen ist, die ursprüngliche Meldung zu finden, auf die die Humoristen sich beziehen. Um die Fairness des Spaßes zu beurteilen, wäre die Kenntnis der wahren Äußerungen der beiden Herren sicherlich hilfreich.

 

 


Das sensationelle Interview mit einem verrückten Reformerpapst. Oder so.

20. September 2013

Kann jemand mir erklären, wo diese Begeisterung für den aktuellen Papst herkommt? Ich fand die Jungs ja an und für sich immer schon persönlich sympathisch, aber inhaltlich inakzeptabel, und ich kann da beim besten Willen keinen grundlegenden Unterschied zwischen den drei letzten sehen.

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Wir sind beleidigt

15. Juli 2012

Ich schreib’s jetzt doch auch noch mal hier, nicht zuletzt, weil mich eure Meinung interessiert:

Wenn die Titanic andeutet, ich wäre möglicherweise unvorsichtig mit meiner Fanta inkontinent, warum ist das ein Grund, rechtliche Schritte einzuleiten?

Ist Inkontinenz ein Vorwurf, der mich öffentlich als schlechten Menschen dastehen lässt? Ist das ein Charaktermangel? Sollte ich mich für Inkontinenz schämen? Ist das ein Grund für andere Menschen, mich zu verachten?

Ich bin jetzt nicht so jemand, der überall Geringschätzung von Behinderten und Kranken wittert und dann lautstark Erklärung und Entschuldigung fordert, aber schon aus schierer Neugier würde mich interessieren, wie genau der Vatikan aus diesem Titanic-Cover eine Verächtlichmachung oder eine Beleidigung oder sonst irgendeine Verletzung von Rechen des Papstes herleitet.

Wäre das hier nicht für alle Beteiligten eine prima Gelegenheit gewesen, Souveränität und Reife zu beweisen und einen kleinen Beitrag dazu zu leisten, dass eine körperliche Schwäche, die ohne guten Grund als lächerlich und peinlich und beschämend gilt, ein bisschen mehr Akzeptanz erfährt, und den Betroffenen zu zeigen, dass sie sich für ihre Probleme eben nicht schämen müssen?

Wäre das nicht genau die Reaktion, die man, wenn schon nicht von einem zunehmend bedeutungslosen und mäßig interessanten Satiremagazin, so doch zumindest von einer Organisation erwarten kann, die ihre Daseinsberechtigung aus ihrer absoluten Moral und ihrem Einsatz für das Gute und Richtige zieht?


Vermischtes

18. Februar 2012

Rom. Unter großer Beachtung der Öffentlichkeit traf sich am heutigen Samstag in einem Zwergstaat innerhalb der italienischen Hauptstadt die Führung eines international tätigen Vereins, dessen Mission im Wesentlichen in der Verbreitung seiner Überzeugungen besteht, das Universum sei von einer aus drei vereinten Personen bestehenden Entität erschaffen und heute noch maßgeblich beeinflusst, die für den menschlichen Verstand nicht fassbar ist, deren Haltung in Bezug auf konkrete Sexualpraktiken und biotechnologische Verfahren dem Verein aber im Detail bekannt sind. Der Verein sieht sich in der Nachfolge der Anhänger der zweiten Person dieser unverständlichen, aber jeden einzelnen Menschen liebenden Entität, die als Mensch in die Welt getreten ist, um sich von den von ihr geliebten Menschen zu Tode foltern zu lassen, weil die Entität der Menschheit nur auf diese Weise dafür vergeben konnte, dass ihre Vorfahren sich von einer sprechenden Schlange dazu haben verleiten lassen, eine Frucht zu essen, deren Verzehr ihr von der Entität nachdrücklich untersagt worden war.

Das heutige Treffen – das sogenannte Konsistorium – fand vorrangig statt, damit das absolutistische Oberhaupt sowohl des Zwergstaates als auch des Vereins, das angeblich als Stellvertreter der allmächtigen und unbegreiflichen Entität auf Erden fungieren und befähigt sein soll, in besonderen Einzelfällen unfehlbar die Wahrheit zu verkünden, den 22 neu ernannten Führungskräften des Vereins eine besondere rote Kopfbedeckung mit mehreren Hörnern und einer Quaste aufsetzen und so der Berufung Rechtswirksamkeit verleihen konnte. Die neu ernannten Amtsträger sind nun unter anderem berechtigt, an der Wahl ihres Diktators teilzunehmen, haben Anspruch auf die Anrede „Eminenz“ und dürfen an jedem Ort der Welt Menschen im Namen der allmächtigen unbegreiflichen Entität, der der Verein dient, für jede Verfehlung Vergebung gewähren („Bußsakrament“). Eine Beteiligung der Opfer ist hierfür nicht erforderlich.

Der Verein schöpft seine Positionen zur Ethik aus einer jahrtausendealten Sammlung von Schriften verschiedener, unbekannter Autoren, die sich untereinander widersprechen und unter anderem die Steinigung ungehorsamer Kinder und Homosexueller sowie die Haltung von Sklaven vorsehen, fand sich in den letzten Jahren oft in den Schlagzeilen, weil seine Mitglieder unter Deckung seiner höchsten Führungskräfte Kinder vergewaltigten und gilt allgemein als eine der weltweit bedeutsamsten moralischen Autoritäten.


Restebloggen (76)

24. Oktober 2011
  1. Letzte Woche dreimal nacheinander mit drei verschiedenen Krankenkassen: Wir erhalten einen Brief von unserem Dachverband, in dem sie eine Vertragsabsicht/Ausschreibung ankündigen und uns bitten, uns zur Anforderung der Unterlagen an Mitarbeiterin@Krankenkasse.de zu wenden. Ich schreibe also die erbetene Mail und bekomme eine ziemlich barsche Antwort zurück, in der steht, dass ich mir die Unterlagen doch bitte unter http://www.sonstwas.com/Ausschreibungen runterladen und mich nur für dann noch offene Fragen an die Mitarbeiterin wenden soll. Ich habe das Gefühl, dass man diesen Prozess irgendwie effizienter gestalten könnte. Ich komme nur noch nicht drauf, wie…
  2. Wer nervlich nicht so belastbar ist, möchte sich „He Dies at the End“ vielleicht lieber nicht ansehen. Ich persönlich fand den Kurzfilm sehr unterhaltsam und muss zumindest für mich selbst zugeben, dass er trotz der lächerlich einfachen Mittel erschreckend gut funktioniert hat. Mit Dank an Jeff Strand für den Tipp:
  3. Matt Dillahunty hat genau die richtigen Worte für den Papst gefunden. Es geht hier zwar konkret um den Kommentar des Papstes zu den Anschlägen vom 11. September 2001, passt aber zu jeder Gelegenheit.
  4. Für diejenigen unter euch, die sich schon immer gewünscht haben, dass jemand mal die Tafelanschriften in Pornos auf Richtigkeit und Informationswert prüft, gibt es Blackboards in Porn.
  5. Völlig unabhängig von ihrer politischen (und religiösen und religionspolitischen) Orientierung finde ich die polittische Geschäftsführerin der Piratenpartei Marina Weisband gerade ganz toll. Weil sie bedeutende Fragen stellt wie „Ab welchem prozentualen Verhältnis zwischen Medikamenten und Frühstück wird es eigentlich bedenklich?„, und weil wir von ihr lernen können, wie man aus einem Herrenhemd ein Abendkleid macht.
  6. Weil faz.net ein Qualitätsmedium ist, übernimmt man vermeldetete Forschungsergebnisse dort nicht einfach nur kritiklos, sondern recherchiert ganz skeptisch, ob hinter den vermeintlich wissenschaftlichen Studien auch wirklich eine solide Methodik steckt und wie die Ergebnisse zu interpretieren sind. Das macht man natürlich nur dann, wenn diese Ergebnisse einem nicht so gut in den Kram passen. Sonst muss das nicht sein. Aber immerhin.
  7. Liegt das eigentlich an mir, dass ich Helmut Schmidt inzwischen erheblich lustiger finde als Harald, letztem aber als Bundeskanzler und politischem Publizisten erheblich mehr zutrauen würde?

How it should have ended

22. September 2011

Im Berliner Stadtteil Tiergarten wurde am heutigen Vormittag ein offenbar verwirrter älterer Mann aufgegriffen. Der weißhaarige Herr war zwei Polizisten aufgrund seiner ungewöhnlichen Kleidung aufgefallen. Auf Ansprache reagierte er zunächst unauffällig und schien zurechnungsfähig, doch auf eingehendere Nachfragen stellte sich heraus, dass der Mann offenbar unter Wahnvorstellungen leidet. Der noch Unbekannte bezeichnete sich nach Angaben des Pressesprechers der Berliner Polizei als Stellvertreter eines vor Jahrtausenden verstorbenen jüdischen Wanderpredigers und versicherte, in regelmäßigem Kontakt mit einer allmächtigen, körperlosen Entität zu stehen, die nicht nur die Erde und alles Leben auf ihr erschaffen habe, sondern auch das gesamte Universum in allen Details zu jeder Zeit vollständig kontrolliere. Auch weitere Äußerungen des Mannes belegen eine gestörte Wahrnehmung der Realität: So erklärte er beispielsweise, gelegentlich unfehlbare Wahrheit zu verkünden, dazu aber nur sehr selten unter besondere Umständen in der Lage zu sein, und zeigte sich zutiefst betrübt über die Reaktion der Beamten. Ihre Skepsis gegenüber seinen Behauptungen sei gerade im Blick auf die dunklen Seiten der deutschen Geschichte höchst besorgniserregend, da die Rückbindung an einen unsichtbaren Zauberer Voraussetzung für echte Freiheit und Grundlage für ein gelingendes Miteinander in der Gesellschaft sei.

Aufgrund seines anscheinend labilen Geisteszustandes nahmen die Polizisten ihn vorläufig in Gewahrsam. Allerdings zeige er keinerlei Anzeichen von Gewaltbereitschaft und betone im Gegenteil sogar immer wieder die hohe Bedeutung von „Nächstenliebe“. Zwar könne nicht ausgeschlossen werden, dass er aufgrund seiner Persönlichkeitsstörung eine Bedrohung für andere oder sich selbst darstellen könnte. Als wahrscheinlich erachten die Beamten dies allerdings nicht und beabsichtigen, ihn deshalb in Kürze wieder auf freien Fuß zu setzen. Wie eine Quelle innerhalb der Behörde dieser Zeitung mitteilte, könnte der über Achtzigjährige wegen seines Alters höchstens für Kinder gefährlich werden.