Gezähmte Phantasie wird zu Propaganda

17. März 2018

Joa, wird mal wieder Zeit, mir einzureden, dass dieses Blog noch nicht tot ist, oder? Und welche bessere Motivation für einen Post kann man finden als diese Autorenvita?

Kissler

und diesen Teaser?

Das politisierte Kinderzimmer

Mit Kinder- und Jugendbüchern soll politisches Bewusstsein geweckt werden. Die Empfehlungsliste der Buchmesse liest sich jedoch wie eine Wahlaufforderung für die Grünen. Und sollten die Kleinsten nicht generell von Politik verschont bleiben?

Da dachte ich, das nehm ich, und les mir das mal durch.

Seid ihr dabei?

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Murielistan

1. April 2014

Ich wurde ja verschiedentlich schon mal gebeten, nicht immer nur zu sagen, was ich an unserem heutigen Gesellschaftssystem doof finde, sondern einfach mal zu erklären, wie ich mir eine Gesellschaft wünsche. Nicht immer nur, welche Regeln ich doof und illegitim finde, sondern welche ich für angemessen halte, und warum, und wie ich das alles organisieren würde. Zuletzt zum Beispiel hat Onkel Maike, bevor sie mir den Dialog aufkündigte und meine letzten Kommentare löschte, mich hier um eine Erläuterung gebeten. Und weil erstens solche Dinge mir natürlich schon zu denken geben und ich zugeben muss, dass es nicht okay ist, nur rumzunörgeln, ohne zu wissen, wie es besser geht, und weil zweitens hier jetzt echt unangemessen lange kein Beitrag mehr erschienen ist, und ich gerne sicher gehen möchte, dass sich niemand Sorgen um mich micht, und so, dachte ich, ich packe das jetzt endlich mal an und erkläre euch, wie ich diese politischen Systemfragen gerne beantwortet hätten würde.

Nämlich so:

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Fuck them all

8. Februar 2014

Am 25. Januar 2008 schrieb Stefan Niggemeier anlässlich der Berichterstattung über DJ Tomekks Nazigruß:

Ich würde mir so sehr wünschen, der Zentralrat würde nicht jedesmal über dieses Stöckchen springen, das ihm »Bild« oder sonst ein Medium hinhält, sondern wenigstens einmal dem Kollegen so etwas antworten wie: »Wissen Sie was? Ich glaube, das können Sie auch als Nichtjude ganz gut beurteilen, was von so einem Hitlergruß zu halten ist. Sie müssen da nicht jedesmal einen organisierten Juden anrufen und als Empörungshansel missbrauchen. Oder wäre der Hitlergruß okay, wenn wir Juden sagen würden, er ist okay? Wäre es nicht ein Zeichen von Reife der deutschen, überwiegend nicht-jüdischen Gesellschaft, sechs Jahrzehnte nach dem Holocaust, von ganz alleine, ohne Vorgabe von uns, die nötige Empörung oder Nicht-Empörung aufzubringen? Und whothefuck ist DJ Tomekk?«

Und er bringt damit, denke ich, ein Gefühl zum Ausdruck, das ich auch sehr sehr oft empfinde, wenn irgendwer öffentlich irgendwas sagt, wie zum Beispiel unsere Kanzlerin in dieser völlig anderen Situation:

 Mit heftiger Kritik hat Bundeskanzlerin Merkel auf die Äußerung der amerikanischen Spitzendiplomatin Victoria Nuland reagiert. Diese hatte in einem vertraulichen Gespräch „Fuck the EU“ gesagt.

Und ich würde mir so sehr wünschen, Frau Merkel wäre einmal nicht über dieses Stöckchen gesprungen, sondern hätte den Journalisten wenigstens einmal so etwas geantwortet wie „Na und? Warum denn auch nicht? Wissen Sie, was ich manchmal in vertraulichen Gesprächen sage? Klar wissen Sie das. Ungefähr sowas, wie Sie auch manchmal in vertraulichen Gesprächen sagen, und jeder andere auch, und wir beide wissen, dass ‚Fuck the EU‘ im Vergleich noch relativ zahm ist, oder? Wollen Sie mich nicht lieber was Interessantes fragen wie zum Beispiel, was wir mit unseren hoffnungslos kaputten und missgestalteten Sozialsystemen machen, oder was die EU tun kann, um ärmeren Ländern die Chance zu geben, zu vernünftigen Bedingungen mit unseren Bürgern handeln zu treiben und so allmählich erträgliche Lebensbedingungen und sowas wie Wohlstand für die ihren zu schaffen? Hier, passen Sie auf, ich sags gleich auch selbst für Sie: Fuck the EU. Haben Sies, oder soll ich noch mal?“

Würdet ihr nicht auch von einer Regierung und ihren Funktionären erwarten, dass sie die Souveränität aufbringen, es völlig egal zu finden, wenn jemand irgendwo „Jehova“ gesagt hat, und ihre Arbeit nicht zu unterbrechen, um irgendeinem Journalisten ins Mikrofon zu quaken, dass sie natürlich total beleidigt und empört sind?

Mir fehlt die Eloquenz, um hinreichend deutlich zu machen, wie intensiv mich diese leeren Rituale ankotzen, die wir hin und wieder öffentlich aufführen zu müssen meinen, obwohl alle Beteiligten genau wie auch die Zuschauer wissen, dass es Theater ist, und nicht mal gutes. Und wie sehr ich mir wünsche, dass hin und wieder eine Person öffentlichen Interesses sich diesem Theater verweigert. (Oder passiert das vielleicht hin und wieder sogar, und steht dann halt aus offensichtlichen Gründen nur nicht in der Zeitung? Hm.)

Ich glaube, es wäre ein lohnendes Ziel, an einer Gesellschaft zu arbeiten, deren Vertreter sich ein besseres Image davon erhoffen können, ihren Job zu machen, statt mit lautem Klappern und Pfeifen die Gegenseitigeverschaukelungsmaschinerie zu bedienen. Und ihr so?


Eher nein.

17. Juli 2012

Stefan Niggemeier schreibt:

Ich weiß nicht, ob Peter Altmaier schwul ist. Aber ich finde es — anders als die Chefredakteurin der »taz« — legitim, darüber zu spekulieren.

Deshalb findet er es falsch, dass die Chefredakteurin der taz einen Artikel gelöscht hat, der genau das tat.

Die »taz« soll nicht fragen dürfen, was der Umweltminister meinte, als er es als sein von Gott gewolltes Schicksal bezeichnete, unverheiratet bleiben zu müssen? Das halte ich für falsch. Ebenso wie die Behauptung, die sexuelle Orientierung eines Menschen sei Privatsache.

Und ich glaube, ich bin da vorsichtig anderer Meinung. Also, klar, spekulieren an sich darf natürlich jeder über alles. Aber als Zeitung, öffentlich, das ist was anderes, und aus meiner Sicht sollte es unter dem Niveau eines ernstzunehmenden Mediums sein sein, Mutmaßungen darüber anzustellen, mit welcher Art Mensch Herr Altmaier gerne Geschlechtsverkehr hat, falls überhaupt. Für wen soll das denn eine relevante Information sein, außer natürlich für Leute, die gerne mit Menschen wie Herrn Altmaier Geschlechtsverkehr haben? Und ich finde, denen ist zuzumuten, ihn selbst zu fragen, ob er zur Verfügung steht.

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Natürlich nur eine Anekdote

9. Juli 2012

Es soll jetzt mal überhaupt keine Rolle spielen, ob es euch womöglich genauso egal ist wie mir, wer eure Daten von den Meldeämtern kaufen kann. Es soll nur ums Prinzip gehen:

Die Bundesregierung hofft darauf, dass das umstrittene Meldegesetz mit weitreichenden Möglichkeiten zum Adress-Verkauf an Privatfirmen vom Bundesrat gekippt wird.

Der Anfangsentwurf hatte vorgesehen, dass die Bürger dem Weiterverkauf ihrer Daten ausdrücklich zustimmen müssen. Die abgeänderte und schließlich im Bundestag beschlossene Version sieht hingegen vor, dass die Bürger den Verkauf nur verhindern können, wenn sie ihm ausdrücklich widersprechen.

„Wenn das stimmt, was ich bisher weiß, dann wird Bayern dem nicht zustimmen“, sagte der CSU-Vorsitzende und bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer vor einer CSU-Vorstandssitzung vor Journalisten. Er könne sich gar nicht vorstellen, wie das Gesetz in der beschlossenen Form im Bundestag zustande kam.

Seehofer diktierte damit seiner Partei einen abrupten Kurswechsel und nahm dabei keine Rücksicht auf die maßgeblichen CSU-Innenpolitiker.

Die FDP, die zuvor die Änderung mitgetragen hatte, machte die CSU für die Entwicklung verantwortlich: „Erfreut nehmen wir den Sinneswandel der CSU zur Kenntnis, die offensichtlich doch datenschutzfreundlicher ist, als sich dies bislang gezeigt hat“, teilte deren innenpolitische Sprecherin Gisela Piltz mit.

Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) sagte, die an der Vorlage vorgenommene Änderung sei nicht mit der Bundesregierung abgesprochen. „Es ist an uns vorbei gegangen.“

Ich weiß ja, dass eigentlich niemand mehr überrascht ist von sowas, weil wir alle uns schon so lange an den atemberaubenden Dilettantismus unserer so genannten Volksvertreter gewöhnt haben. So lange sogar schon, dass uns die Leute auf den Geist gehen, die sich darüber noch aufregen, statt es einfach mit einem zynisch-weltmännischen Lächeln hinzunehmen. Ich nehme mich selbst davon nicht aus, mir geht es genauso.

Aber wir wollen trotzdem jetzt mal ein paar Sekunden diese Presseschnipsel da oben auf uns wirken lassen und darüber nachdenken, dass das die Arbeitsweise der Leute ist, die darüber entscheiden, was wir tun dürfen, wofür wir eingesperrt werden, wieviel von unserem Geld uns wegbesteuert wird, wieviel Geld wir für Grundlagenforschung ausgeben, wie es mit der bemannten Raumfahrt weitergeht, wie unsere Renten gestaltet werden, wie unsere Krankenversicherung funktioniert, wie unsere Stromversorgung in Zukunft aussehen wird, wie das Finanzsystem der EU in Zukunft geregelt wird, und wo wir unsere Mitbürger hinschicken, um andere Menschen zu erschießen, und um selbst erschossen (oder manchmal auch gesprengt) zu werden.

Und jetzt vergessen wir das schnell wieder und denken an was anderes, damit wir irgendwann mal wieder schlafen können.


Und alle so: „Is‘ jetzt auch mal wieder gut!“

21. September 2009
  1. Und alle so: Yeaahh! Wahrscheinlich kennt es inzwischen schon jeder, aber ich finde es immer wieder lustig.

So wollte ich diesen Link ursprünglich in der Rubrik Restebloggen präsentieren. Aber seitdem ist ein bisschen was passiert, und jetzt passt er dort nicht mehr rein, deswegen steht er hier. Das Plakat fand ich noch sehr, sehr lustig. Aber dann gab es einen Song, und es gab einen Aufruf zum Flashmob. Na gut, dachte ich. Kann ich mir jetzt nicht so recht vorstellen, aber mal sehen.

Der Flashmob wurde während der Merkel-Rede abgehalten und sah offenbar so aus, dass die Mobber nach jedem Halbsatz laut „Yeaahh!“ geschrien haben. Hm. Natürlich verdient die Politik der CDU und auch die Rede der Kanzlerin Kritik, und die darf auch gerne humorvoll sein. Aber den Flashmob finde ich nicht lustig. Vier-, fünfmal, das wäre vielleicht lustig gewesen. Nach jedem Halbsatz ist einfach nervig, und ich mag einfach diese Tendenz nicht, dass, wenn mir nicht gefällt, was jemand sagt, ich dann hingehe und dazwischenschreie.

Dann kamen noch die Kommentare bei Spreeblick dazu, und das war der Zeitpunkt, zu dem ich das Foto von dem „Yeaahh!“-Plakat wieder von meinem Desktop-Hintergrund entfernte, weil ich es nicht mehr sehen konnte. Die Art, wie sich dort gegenseitig auf die Schulter geklopft und jede Kritik weggebissen wird, die finde ich ziemlich widerwärtig. Mann, sind wir lustig und politisch aktiv, Mann, haben wir es denen gezeigt, und wer das nicht für die Zukunft der Demokratie hält, der hat den Witz nicht verstanden.

Überhaupt möchte ich zum Thema Protest mal was Grundsätzliches sagen: Manche Leute scheinen der Meinung zu sein, sie wären politisch aktiv, wenn sie nur möglichst deutlich und laut sagen, dass sie Politik doof finden und alle Politiker doch eh lügen. Aber das reicht nicht. Wenn Protest Sinn ergeben soll, und wenn Demonstrationen etwas bewirken sollen, dann brauchen sie meiner Meinung nach nicht nur den „Dagegen“-Inhalt, sie brauchen auch was Konstruktives.
Nicht wer sagt, dass der Fluss schmutzig ist, ist ein Aktivist, sondern derjenige, der ihn sauber macht.
Damit scheidet der „Yeaahh!“-Flashmob als Beitrag zum politischen Diskurs aus, es bleibt die Funktion als Witz. Und ich fand’s nicht lustig.


Bad Idea

4. Juli 2009

Jetzt ist es also soweit. Gestern hat der Bundestag gegen die Stimmen der Opposition beschlossen, dass wir Bad Banks – oh, Verzeihung, nein: Bad Banks einrichten. Kurzerklärung: Da können Banken Wertpapiere abgeben, die sie für zu riskant halten, und der Bund garantiert (mit einem geringen Abschlag) deren Wert, sodass die Banken nicht mehr befürchten müssen, durch die Verluste aus den Abschreibungen in die Knie zu gehen.

Ich finde, das ist eine doofe Idee. Erstens, weil damit schon wieder der Staat (also wir alle) für Risiken von Privatunternehmen bürgen soll, die diese bei vernünftigem Management hätten vermeiden können. Zweitens, weil dadurch wieder den Banken, die sich verantwortungslos verhalten haben, ihre Probleme abgenommen werden, was den Wettbewerb zugunsten schlechter geführter Unternehmen verzerrt.

Polemisch gesagt: Wer aufgepasst und kühlen Kopf bewahrt hat, bevor die Krise offensichlich wurde, der stand nach der Krise eigentlich besser da. Dafür wird er jetzt aber nicht belohnt, sondern quasi bestraft, weil er natürlich keine Hilfe vom Staat bekommt. Er braucht ja keine. Und wer Risiken eingegangen ist und deshalb viel verloren hat, der wird gerettet. Na, das wird den Banken eine Lehre sein, nicht wieder solchen Quatsch zu machen.