Hilmar Klute mags schmutzig

6. November 2017

Es gibt offenbar ein verbreitetes Missverständnis über den Wert und Sinn von Debatten. Das erkennt man nicht nur daran, dass sich seit dem Erstarken der AfD immer mal wieder Beiträge des Tenors „Schön, dass endlich mal wieder kontrovers politisch diskutiert wird!“ auftauchen, sondern auch an Beiträgen wie diesem von Hilmar Klute in der SZ:

Wer streiten will, muss sich auch schmutzig machen

Herr Klute meint, man sollte erst mal nachdenken, bevor man was zurückweist (natürlich mit der in reaktionären Beiträgen dieser Art obligaten kulturpessimistischen Formulierung „In der [X]gesellschaft wird [was gemacht, was ich für doof halte, und zwar IMMER NUR!!!]“), und demonstriert uns sogleich, wie mans macht, wenn mans falsch macht.

Wie offenbar auch unvermeidlich in Beiträgen, die unironisch das Konzept „politische Korrektheit“ zu kritisieren versuchen, hat er sich nämlich entschieden, einen Popanz aus den dümmstmöglichen Varianten dessen zu bauen, was er gerne öffentlich für uns zerlegen will, statt, wie sich das in vernünftigen Debatten gehört, sich mit einer sinnvollen Gegenposition auseinanderzusetzen. Das hat für ihn natürlich den Vorteil, dass er seine eigene Meinung nicht infrage stellen muss, schon klar, dieser Versuchung erliegt man ja leicht mal, aber ich finde es doch immer wieder schade, dass mehr oder weniger professionalle Redaktionen Leuten für derlei pseudonachdenkliche Masturbation Raum und Geld und womöglich noch sonstige Ressourcen zur Verfügung stellen, statt sich der von ihnen und ihren Vertretern doch immer so leidenschaftlich beschworenen Verantwortung zu stellen, einen sinnvollen Beitrag zur Meinungsbildung zu leisten. Besonders bedauerlich kommt hinzu, dass es ihm wie den meisten seiner Kameraden in dieser sonderbaren Beschäftigung nicht einmal gelingt, einen Strohmann zu bauen, mit dem er dann auch tatsächlich fertig wird. Stattdessen bekommt er selbst ordentlich das Fell voll.

Ein Gutes haben solche peinlichen Vorführungen dann ja zum Glück trotzdem immer: Man kann was daraus lernen, und das haben wir alle nötig, denn gute Debatten sind tatsächlich viel zu selten. Versuchen wir das doch mal.

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SEX! SEX! ES GEHT UM SEX! UND BRÜSTE!

17. April 2013

Bei Religion bin ich nur ein externer Beobachter. Ich war nie in einer religiösen Gemeinschaft involviert und fand schon im Alter von fünf Jahren die halbherzig vorgebrachte Erläuterung meiner Mutter, nach dem Tod kämen wir in den Himmel, und da wäre alles ganz toll, deswegen wäre das mit dem Tod gar nicht schlimm, kein bisschen überzeugend. (Was garantiert nicht daran lag, dass ich irgendwie besonders klug gewesen wäre, sondern einfach daran, dass sie das selbst nicht glaubte und es entsprechend wenig glaubwürdig vortrug.)

Bei einem anderen Feld irrationaler Überzeugungen, das ich hier der Einfachheit halber mit dem Sammelbegriff „Politisch Inkorrekt“ zusammenfassen will hingegen kann ich als ehedem Beteiligter mitreden. Nein, ich war nach meiner Erinnerung nie ein idiotischer Muslim-Hasser, das nicht, aber ich habe mich von meines Vaters Ansichten zu den Themen Feminismus, Genderei, Gleichberechtigung Homosexueller, Klimaveränderung, Umweltschutz, Rassismus, und so weiter, maßgeblich beeinflussen lassen und würde sagen, dass ich Jahre gebraucht habe, um mich allmählich davon zu befreien, wenn ich überzeugt wäre, dass dieser Prozess schon abgeschlossen ist. Ich darf sagen, dass ich heilfroh bin, dass ich noch nichts von Blogs wusste, als ich sechzehn war, denn so hatte ich kaum eine Chance, der Welt den Unfug mitzuteilen, den ich damals noch für richtig und vernünftig hielt. Ich sage nur Wolf Schneider.

Bei der Entwicklung hin zu meiner heutigen, für diese Themen sehr aufgeschlossenen Haltung haben mir vorrangig ihre Gegner eine große Hilfe geleistet, denn sogar zu meinen düstersten Zeiten war für mich die Unzulänglichkeit ihrer Argumentation unübersehbar.

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