Premiere: DIE ZEIT erstmals lustiger als der Postillon

6. Februar 2015

Während dem zu Recht bundesweit bekannten und geschätzten Satiremagazin „Der Postillon“ zu der aktuellen Unterstützung des Oberhauptes der Katholischen Kirche für Gewalt gegen Kinder nur ein leidlich lustiges Spießumdrehen einfiel, hat das ansonsten als weitaus weniger unterhaltsam bekannte Satiremagazin DIE ZEIT ein brillantes und ungewohnt bissiges Stück veröffentlicht.

Dazu erzählte der Papst eine Anekdote: „Einmal habe ich einen Vater bei einem Treffen mit Ehepaaren sagen hören: ‚Ich muss manchmal meine Kinder ein bisschen schlagen, aber nie ins Gesicht, um sie nicht zu demütigen‘.“

schreibt die satirische Wochenzeitung, und lässt darauf die Bemerkung folgen:

„Wie schön!“, erklärte Franziskus. „Er weiß um den Sinn der Würde. Er muss sie bestrafen, aber tut es gerecht und geht dann weiter.“

Doch nicht nur Papst Franziskus selbst nehmen die Spaßvögel von DIE ZEIT aufs Korn. Auch die Haltung des Vatikans an sich wird äußerst gelungen karikiert:

Auf Nachfrage verteidigte Vatikan-Vertreter Thomas Rosica die Thesen des Papstes. Wer habe nicht schon einmal sein Kind gezüchtigt oder sei von den Eltern gezüchtigt worden, schrieb Rosica in einer E-Mail. […] Daraus irgendetwas anderes ableiten zu wollen, enthülle ein Problem bei jenen, die offenbar einen Papst nicht verstanden hätten, der eine Revolution der einfachen Sprache und Gesten anbelangt habe, erklärte Rosica.

Den Vogel abgeschossen haben die schonungslosen Witzbolde allerdings mit diesem Satz:

Im Übrigen sei man nur dafür verantwortlich, die UN-Kinderrechtskonvention innerhalb des Vatikanstaats umzusetzen, hieß es.

Die Redaktion von überschaubare Relevanz verneigt sich vor solch treffendem und verdientem Spott, muss allerdings beschämt eingestehen, dass es bisher nicht gelungen ist, die ursprüngliche Meldung zu finden, auf die die Humoristen sich beziehen. Um die Fairness des Spaßes zu beurteilen, wäre die Kenntnis der wahren Äußerungen der beiden Herren sicherlich hilfreich.

 

 

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Restebloggen (86)

16. März 2013

Und wegen der großen Nachfrage gleich noch mal:

  1. Ob wohl irgendwann mal jemand ein DVD- oder BlueRay-Startmenü entwickelt, dessen Soundschleife nicht so aufgebaut ist, dass man schon nach einer Minute seinen Player am liebsten aus dem Fenster werfen will, und nach zwei vorher noch den Fernseher eintreten? Bin ich denn der einzige Mensch, der die Scheibe manchmal erst einlegt und sich dann noch was zu essen macht oder sonstwas vorbereitet, bevor es losgeht?
  2. Nur fürs Protokoll: Ich würde unter geeigneten Umständen für die Bild-Zeitung schreiben. Ich würde auch für eine Kirche arbeiten. Oder für die Ergo Versicherungsgruppe. Ich bin da nicht so. Aber ihr lest hier ja mit. Ihr wusstet das, oder?
  3. Katja Riemann ist mir plötzlich rund 20% sympathischer. Verstehe aber auch, wenn man das völlig anders sieht. Das liegt ja erstaunlich oft erstaunlich nah beieinander. Also, für mich. Äh. Naja.
  4. Es ist schon manchmal besorgniserregend, wie viel hammerdummen Bullshit ich bereit bin, für interessante Charaktere, gelungene Dialoge und eine brillante Inszenierung zu übersehen. Aber irgendwo gibt es eine Grenze, und dank der vierten Staffel von Breaking Bad hab ich sie gefunden. Dass der Protagonist die mit weitem Abstand uninteressanteste und unsympathischste (Gibt es da überhaupt einen Unterschied?) Figur in der Serie ist, macht die Entscheidung natürlich besonders einfach.
  5. Noch mal kurz das Thema Sexismus: Ich sehe keine angemessene Reaktion darauf, dass, wann immer bei Facebook irgendwo ein Foto einer weiblichen Person erscheint, sofort zahlreiche Kommentatoren herbeigeeilt kommen, um zu betonen, wie hübsch sie ist, deswegen belasse ich es dabei, schweigend die Augen zu verdrehen und mich betrübt abzuwenden. Aber vielleicht ist das auch schon zu viel. Vielleicht bin ich ja nur neidisch. Ich meine … Die meinen das doch nett. Ist doch nichts Schlimmes. Vielleicht sollte ich das im Gegenzug einfach bei den Männern machen. Grundsätzlich keine schlechte Idee. Aber das bring ich dann doch nicht. Nicht zuletzt, weil es bei Facebook echt nicht viele Leute gibt, denen ich was Nettes zu sagen gewillt bin.
  6. Den Postillon hat schon jeder von euch abonniert, ja?
  7. Diese Leute, die nicht verstehen, wie man denkt, wenn man immer nur mit Navigationssystem fährt. Gerade kürzlich wieder: „Können Sie mir vielleicht die Adresse mailen?“ „Ja, könnte ich, aber ist eigentlich gar nicht nötig. Sie müssen bloß von Hergrathshausen aus nach Norden die zweite Abfahrt von der A29 nehmen, Richtung Scharndorf, und dann biegen Sie bei der Baustelle auf Höhe Lemmerstraße rechts ab, fahren bis kurz vor Garbstadt und dann halt immer östlich halten.“
    Ich weiß, er meint es gut, aber ich möchte gerne seinen Kopf in die Hand nehmen und gegen irgendwas Kantiges hauen.

Von wegen ehrliche Nachrichten: Postillon beim Lügen ertappt!

14. Juli 2009

Eigentlich will ich damit einfach nur sagen, dass jemand meine Kamera gefunden hat. Vielleicht ist es ja für euch auch ein Trost, dass es noch ehrliche Menschen auf der Welt gibt. Die Dame hat sogar den angebotenen Finderlohn nachdrücklich abgelehnt.