Ph’nglui mglw’nafh Cthulhu R’lyeh wgah’nagl fhtagn

11. März 2011

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Ich habe letztens in einer Diskussion leichtfertig bemerkt, dass ich Kirchen, Pyramiden und solcherlei Bauwerke zwar schön anzusehen und irgendwie auch bewundernswert finde, dass man aber andererseits bei ihrem Anblick auch durchaus mit Wut und Trauer (nur echt in dieser Kombination und Reihenfolge) daran denken kann, unter welchen Bedingungen sie gebaut wurden.

Auf Nachfrage ließ ich mich dann dazu hinreißen, irgendwelchen polemischen Schmonsens von hungernden Arbeitern zu erzählen und wurde völlig zu Recht darauf hingewiesen, dass zum Beispiel die Pyramiden nach allen Erkenntnissen von gut genährten Fachleuten errichtet wurden.

Schön und gut, das stimmte, und ich zog dieses Argument leicht beschämt zurück, blieb meiner eigentlichen These aber treu: Diese nutzlosen Prunkbauten wurden damals auf Anweisung privilegierter Personen (Pharaonen, Adlige, die Kirche etc.) mit enormem Aufwand errichtet, und man mag gar nicht darüber nachdenken, was man den Menschen damals hätte Gutes tun können, wenn man diesen Aufwand stattdessen für etwas Produktives betrieben hätte.

Meine Diskussionspartnerin hielt mir daraufhin entgegen, wie sehr phantastische Architektur wie der Kölner Dom, Angkor Wat oder das Taj Mahal unsere Kultur bereichern und dass sich doch wohl niemand wünschen könnte, diese Schätze wären niemals gebaut worden.

Hm.

Naja.

Doch.

Aus heutiger Sicht wirkt das mit den Kulturschätzen vielleicht wie ein gutes Argument. Jetzt stehen diese wunderschönen Gebäude nun einmal da, wir wollen sie nicht missen, und es wäre natürlich auch eine Schande, sie nachträglich abzureißen, nur weil mir die Umstände ihrer Errichtung nicht zusagen. Aber man darf das nicht aus heutiger Sicht betrachten, wenn man sich die Frage stellt, ob sie damals hätten gebaut werden sollen. Man muss das aus Sicht der Menschen zur Zeit ihrer Erbauung betrachten, und dazu hätte ich einen Vergleich, der meinen Standpunkt ganz gut illustriert:

Was würden wir wohl davon halten, wenn Angela Merkel morgen in einsamer Entscheidung (vielleicht noch abgesprochen mit Herrn Westerwelle) neunhundert Milliarden Euro für einen riesigen Palast zu Ehren von Cthulhu einplant, und diese Summe durch Kürzungen bei Sozialleistungen und Schulen finanzieren will?

Sicher, in zweihundert Jahren würden vielleicht Leute das Gebäude sehen und sagen: Mal ehrlich, ohne dieses unfassbar imposante Cthulhu-Monument wäre Bielefeld ein unerträglich langweiliges Kaff, oder?

Aber heute wären wir uns wahrscheinlich alle ziemlich einig, dass es eine völlig bescheuerte Idee ist, und dass wir mit dem Geld stattdessen was Vernünftiges anfangen sollten. Oder was meint ihr?


Argumentum e Boah! Nee, ne?

18. August 2010

Ich weiß gar nicht, ob sich noch jemand an Erich von Däniken erinnert. Ich komme drauf, weil mich kürzlich jemand auf ihn ansprach und damit ungute Erinnerungen daran weckte, dass dieser Scharlatan auch in meiner an sich ziemlich skeptischen Familie völlig unverdientes Ansehen genießt. Meistens sagen die Leute sowas wie „Aber er hat doch ganz interessante Theorien, er stellt unbequeme Fragen, er ist ein Querdenker, daran ist doch nichts Falsches!“

Falls ihr ihn nicht kennt, könnt ihr das Ganze hier aber problemlos auf vergleichbare Blender wie Galileo Mystery oder Welt der Wunder (Laufen die noch?) übertragen. Oder ihr seht euch als Beispiel dieses willkürlich ausgewählte Däniken-Video an (Man kann bei Bedarf ziemlich bald unterbrechen, nach den ersten paar Sekunden kommt nicht mehr viel Neues.):

Erst einmal klingt das ziemlich überzeugend, was er sagt. Gerade wenn man sich mit dem Thema noch nicht so sehr befasst hat, kann man aus einem Däniken-Buch oder -Film durchaus mit dem Eindruck rauskommen, dass kein vernünftiger Mensch daran zweifeln kann, dass Außerirdische diese Welt früher regelmäßig besucht haben müssen.

Däniken und seine Genossen im Geiste arbeiten dabei fast immer mit demselben simplen Trugschluss: Sie sehen eine eindrucksvolle Leistung vergangener Kulturen und stellen fest, dass sie keine Erklärung dafür haben, wie die das damals ohne Hornbach geschafft haben sollen. Dann sehen sie irgendwelche Malereien / Hieroglyphen / Reliefe, auf denen die abgebildeten Menschen ein bisschen komisch aussehen und schließen daraus, dass das fremde Raumfahrer sein müssen. Gerne bedient man sich dabei zum Beispiel der oft anzutreffenden Strahlenkränze, die man flugs zu Weltraumhelmen umdeutet. Und schon hat man die Sensation: Aliens haben die Pyramiden gebaut! Und das wissenschaftliche Establishment will nicht, dass wir davon erfahren.

Habt ihr den Trick bemerkt? Genau: Argument aus Ignoranz. Ich habe gerade kein Idee, wie etwas passiert sein könnte, also ist es auch nicht passiert. Immer gerne genommen, aber dadurch nicht weniger falsch.

Perfide finde ich dabei nicht, dass Däniken falsche Schlüsse zieht. Das ist okay, Menschen machen Fehler, und der wissenschaftliche Prozess funktioniert bei Zeiten auch mal durch Versuch und Irrtum. Perfide ist dabei, dass er und Haarwuchsmittelverkäufer wie er so tun, als hätten sie die Antwort gefunden, und alle anderen wären einfach zu vernagelt, um das zu erkennen, während in Wahrheit so ziemlich das Gegenteil der Fall ist.

Pseudowissenschaftliche Blender wie von Däniken beuten die natürliche Neugier des Menschen aus. Sie leben parasitär von unserer Sehnsucht nach Antworten, indem sie uns mit beruhigenden Scheinerklärungen versorgen, die zunächst mal unheimlich schlüssig wirken, aber keiner genauen Überprüfung standhalten, denn sie sind in Wahrheit nur eine Verlagerung der Frage.

Ursprünglich wussten wir nicht, wie man damals so tolle Bauwerke errichten konnten. Und wäre es nicht unheimlich spannend, jetzt zu versuchen, das herauszufinden? Sich zu überlegen, welche Werkzeuge damals zur Verfügung standen, und welche nicht, und dann so lange herumzutüfteln, bis man einen möglichen Weg gefunden hat? Das ist Wissenschaft, und das ist der Erkenntnisdrang, der es uns ermöglicht hat, Sonden bis an den Rand unserers Sonnensystems zu schicken, auf dem Mond zu landen und geschmacksfreie Fertiggerichte in wenigen Minuten zu erhitzen.

Däniken sagt stattdessen: Äh… Uh… Nääh, das geht nicht, wie sollen die das denn geschafft haben? Das waren Außerirdische! Und wir sollen damit zufrieden sein. Wenn er wenigstens fragen würde, wie die Außerirdischen das nun geschafft haben, und warum – wenn er wenigstens fragen würde, wie sie zur Erde gekommen sind und warum sie uns wieder so komplett verlassen haben, dann wäre er vielleicht noch ein sympathischer Spinner.

Aber Däniken tut nur so, als würde er die Wahrheit suchen. In Wirklichkeit hat er nicht mehr zu bieten als einen billigen Fragenstopper, einen Schnuller für alle, denen Wissenschaft zu anstrengend ist. Und er und seine Jünger haben noch den Nerv, Zweiflern zu unterstellen, sie wären einfach nur zu engstirnig und denkfaul. Man stelle sich vor, diese Methode würde sich durchsetzen.

„Du, Watson, was ist eigentlich aus diesem Desoxyribodings geworden, von dem du mal erzählt hast?“
„Du hast ja keine Ahnung, Crick! Ich hab mir das mal genauer angesehen, und das ist so derbe komplex, das kann nur eine überlegene Technologie sein. Mit unseren Möglichkeiten ist da nichts zu machen.“
„Oh. Naja. Na gut. Aber schon n bisschen schade, oder?“
„Kein Stress. 2012 kommen die Außerirdischen wieder, und dann können wir einfach die fragen.“
„Cool.“