Welche Leistung nochmal?

20. September 2012

Ich bin ja gar nicht so sicher, wie ich zur Verantwortung von Medien stehe. Stefan Niggemeier schreibt ja hin und wieder mal, dass Berichte über Suizide tendenziell unverantwortlich sind, weil danach die Suizidzahlen steigen. Ich finde, damit geht er eher zu weit, schon weil ich nicht mal davon überzeugt bin, dass ein Suizid immer eine schlechte Entscheidung ist. Ich bin zwar selbst dagegen, aber ich bin auch vehement gegen Stieg Larsson und muss trotzdem damit leben, dass manche Leute seine Bücher toll finden. Aber hier soll es weder um Suizid gehen, noch um Stieg Larsson, sondern um die Verantwortung von Medien.

Zurück zum Thema also: Medien haben in meinen Augen zunächst mal nur die Verantwortung, die jeder Mensch und jedes Unternehmen hat: die für sich selbst. Wenn eine Zeitung nur Blödsinn schreibt und von ihren Lesern trotzdem gerne gekauft wird, ist das für mich nicht grundsätzlich ein Problem. Das sollte euch nicht wundern, denn ich sitze schließlich im Glashaus, auch wenn ich für mein Blog kein Geld nehme, was allerdings nur daran liegt, dass ich ziemlich sicher bin, dass das nicht funktionieren würde, und überhaupt tut das nichts zur Sache, denn es geht ja hier nicht um mein Blog.

Zurück zum Thema also: Jeder Mensch hat in meinen Augen aber auch eine gewisse Verantwortung dafür, wie seine Handlungen seine Mitmenschen betreffen, und das schließt zum Beispiel auch eine Verantwortung ein dafür, was andere Menschen tun, weil sie von ihm belogen wurden. Jeder Mensch. Auch ohne die Medien zu einer vierten Gewalt oder in sonstigen olympische Regionen zu überhöhen, sehe ich sie in der Verantwortung, ihre Kunden nicht zu belügen, so wie ich von jedem Menschen erwarte, dass er seine Mitmenschen nicht durch falsche Informationen zu falschem Handeln verleitet.

Verschärft wird diese Verantwortung noch dadurch, dass unsere großen Medienunternehmen selbst wenig Hemmung zeigen, sich in einer Sonderrolle zu präsentieren und voller Stolz immer wieder darüber zu berichten, wie unverzichtbar sie für unsere Gesellschaft sind und welche elementare Funktion sie nicht nur für unsere Demokratie erfüllen. Auf genau dieser Hemmungslosigkeit basiert ja auch die Forderung nach diesem unsäglichen Leistungsschutzrecht, das derzeit den Anschein erweckt, tatsächlich auf uns zuzukommen, was in meinen Augen zumindest ganz gut belegt, wie schlecht die Medienunternehmen ihre selbst erklärte Aufgabe erfüllen, die Menschen zu mündigen Demokraten heranzubilden. Aber hier soll es weder um das Leistungsschutzrecht noch um die Demokratie an sich gehen.

Zurück zum Thema also: Die Medien tragen in meinen Augen damit eine Verantwortung, die über die allgemeine Wahrheitspflicht eines jeden Menschen hinausgeht, weil sie sich selbst freiwillig diese Verantwortung zugemessen haben und auf Basis dieser angeeigneten Verantwortung unverschämte Forderungen stellen. Und insofern halte ich es für doppelt gerechtfertigt, Medien nicht nur vorzuwerfen, die Öffentlichkeit zu belügen und ihren eigenen Ansprüchen nicht gerecht zu werden, sondern auch Menschenleben zu gefährden, wenn sie solchen Blödsinn schreiben, wie es zum Beispiel die FAZ (die sich, auch wenn es darum hier nicht gehen will, natürlich auch für ein Leistungsschutzrecht eingesetzt hat, weil Presseverlage ja eine unverzichtbare Filterfunktion und Rechereche und Qualität und blahfasel) kürzlich getan hat, unter dem Titel:

Die Wunderheilerin – Nur die Hand auflegen und beten

Den Rest des Beitrags lesen »