‚Tis the season

22. Dezember 2010

BERLIN, GERMANY - DECEMBER 22: A moped stands buried in snow on December 22, 2010 in Berlin, Germany. Northern and central Europe is still grappling with the harshest December winter weather in decades and rail and airline schedules across the region have been thrown into chaos. (Photo by Sean Gallup/Getty Images)

Ich höre zurzeit jeden Tag so ziemlich jeden Menschen, mit dem ich mehr als zwei Worte wechsle, über den Schnee schimpfen. Ich kann mich nicht erinnern, seit Beginn dieses Winters auch nur eine einzige Person gehört zu haben, die sich erfreut darüber äußerte, dass es schneit (außer Keoni, aber das verschweige ich euch, weil es meine Argumentation unnötig verkomplizieren würde). Die meisten räumen ein, dass es ganz hübsch aussieht, wenn man sie ein bisschen unter Druck setzt, aber sie ärgern sich doch ganz fürchterlich darüber, dass der Schnee beim Autofahren so stört.

Ich bin da völlig anders, und ich frage mich, ob das eine Persönlichkeitsstörung ist.

Ich fahre gerne im Schnee.

Normalerweise ist Autofahren total langweilig.

Aber wenn es richtig ordentlich schneit, verleiht das einem Prozess, der normalerweise ungefähr so aufregend ist wie das Muster einer Raufasertapete, eine Prise von Abenteuer. Man kann nicht mehr so gut sehen, die Auswirkung von Lenkbewegungen und Brems- und Gaspedal wandeln sich von einer simplen Wenn-Dann-Beziehung zu einem teilweise zufallsbestimmten mobilen Gesamtkunstwerk, während man im Bewusstsein der eigenen überlegenen Fahrkünste voller Mitgefühl und Erleichterung andere Verkehrsteilnehmer am Straßenrand stehen sieht, die ihre Autos in Gräben, gegen Leitplanken oder sonst wie von der Fahrbahn befördert haben.

Klar, Autofahren auf trockener eisfreier Fahrbahn ist sicherer und einfacher. Aber das ist Fahrradfahren mit Stützrädern auch.