Her

4. Mai 2014

So, jetzt hab ich also Her gesehen.

Und.

Ja.

Kennt ihr diese Filme, die einen zum Nachdenken bringen? Die einen noch lange verfolgen, und die man noch Tage später reflektiert und mit Leuten besprechen will?

So einer ist Her für mich.

[Warnung für alle, die mich schlecht genug kennen, um eine zu brauchen: Dieser Beitrag enthält Spoiler. Natürlich.]

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Don’t be a Dick

21. Juli 2011

Jemand sagte mir kürzlich, ich sollte mal was von Philip K. Dick lesen. Und dann las ich noch eine Kritik seines Gesamtwerks, die ihm bescheinigte,  „dass Philip K. Dick ein Visionär war, seiner Zeit weit voraus. Lesen aber kann man ihn heute nicht mehr.“ Außerdem meinte der Verfasser, mein Friend Martin Spieß (Namedropping. Mach ich auch viel zu selten.), “ dass die Filme stets um Klassen besser sind als die literarische Vorlage.

Und da wusste ich, dass ich das mal für mich selbst erkunden muss. Ich besorgte mir also eine Sammlung seiner Kurzgeschichten und hörte sie mir an. AutofacProgenyThe Exit Door Leads In. Bis zur dritten bin ich gekommen, dann hab ich’s nicht mehr ausgehalten. Nicht, weil Martin Recht hatte. Zumindest für mich trifft seine Beschreibung völlig daneben, obwohl sowas natürlich eher Ansichtssache ist. Und ebenfalls selbstverständlich maße ich mir mir nicht an, nach drei Kurzgeschichten Dicks Werk umfassend analysieren zu können.

Wenn ich aber mal vorsichtig unterstelle, dass diese drei Geschichten zumindest grundsätzlich seinen anderen Arbeiten ähneln, dann traue ich mir auf dieser Basis doch mal zu, den folgenden vorläufigen Eindruck zu formulieren, in dem Bewusstsein, dass ich möglicherweise vorschnell urteile:

Philipp K. Dick mag ein Visionär gewesen sein. Den Titel will ich niemandem streitig machen. Warum auch? Visionen hat jeder mal, vom Präsidenten bis zu dem älteren ungepflegten Herren, der mit einem Pappschild vor sich und einer Bierflasche in der Hand neben der Fußgängerzone liegt (und ich will damit nicht andeuten, dass es da eine Hierarchie im Wert gäbe, oder falls doch, wer dabei oben stünde). Ich finde den Titel aber doch ein bisschen irreführend, denn dass ich Dick nicht lesen kann, liegt nicht an seinen fehlenden schriftstellerischen Fähigkeiten. Oder doch, wie man’s nimmt, denn am Ende liegt es daran natürlich immer irgendwie, wenn jemand eine miese Geschichte schreibt.

Sagen wir es anders: Es liegt weniger am Handwerk als an der Vision. Ich mag eigentlich die Art, wie er geschreibt. ich finde, er drückt sich sehr eloquent aus, und seine Dialoge sind durchaus geistreich. Seine Geschichten scheitern daran, dass ihre Prämissen uninteressant sind und dass er sich außerdem nach meinem Gefühl an Aspekten seines Szenarios abarbeitet, die weit, weit, weitweitweit, weit, weeeeeiiiiit, weit neben der eigentlichen Frage liegen, die er stellt.

Ich sollte dazu vielleicht ein Beispiel aus den Geschichten wählen, die ich tatsächlich kenne, aber ich liebe das Risiko, und in den dreien findet sich einfach kein so schön griffiges Beispiel wie in dem Film Minority Report. Sollte Dicks Geschichte mit dem Thema völlig anders umgehen, mag das manch einem unfair vorkommen, aber das Beispiel hilft trotzdem, das Problem zu verdeutlichen:

Da sind also die Precogs, die Morde voraussehen. Und da ist diese Polizeieinheit, die ihre Wahrsagungen auswertet und dann aufbricht, um den Täter wegen Mordes zu verhaften. Der Film gefällt sich in scheintiefsinnigen Diskussionen darüber, ob man das so machen kann und über freien Willen, Schicksal und prädeterminiertes Handeln. Und damit verfehlt er den Punkt. Ob wir jemanden für eine Tat bestrafen können, die er nicht begangen hat, aber begangen hätte, ist keine spannende Frage, und es ist keine neue Frage. Es gibt schon eine Vorschrift dafür im Strafgesetzbuch. Wir nennen so etwas einen „Versuch“. Wer einen Mord begangen hätte, aber aufgehalten wurde, ist kein Mörder. Er hat – na sowas! – keinen Mord begangen, sondern er ist wegen versuchten Mordes zu bestrafen. (Ich weiß, dass ich hier gerade ein Feld für Diskussionen eröffne, die mit meiner Meinung zu Dicks Literatur wenig zu tun hätten, aber so bin ich: Living on the edge.) Das Problem ist also weder die Wahrsagerei noch die strafrechtliche Bewertung, sondern der Verlust an Rechtsstaatlichkeit. Die Precogs sind nur ein völlig überflüssiges Gimmick, wie eigentlich auch so ziemlich alles andere in dieser traurigen Ruine eines versuchten Films, und das ist auch das Problem in Dicks Geschichten: Die Roboter, die Computer, die Raumschiffe sind nur Gimmicks, und man merkt es. Der Autor weiß nichts mit ihnen anzufangen. Das Ganze liest sich wie schlechte Beispiele in schulischen Ethikbüchern. Man merkt, dass es dem Autor um irgendwas ging, und dass er sich bemüht, hipp zu sein, damit es einen interessiert, aber er scheitert auf ganzer Linie.

Und insofern sehe ich nicht, wo Dicks Vision ihre Aktualität verloren hätte, wie Martin andeutet. Erstens ist eine Geschichte, die ihre Aktualität verliert, von vornherein niemals gut gewesen. Und zweitens sehe ich keinen grundsätzlichen Unterschied zwischen Dicks dystopischer Zukunft und dem, was mir an jeder alten und jungen dystopischen Zukunftsvision auf den Geist geht: Diese moralistische Schuldzuweisung an den Fortschritt und die kalte Vernunft und die gottverdammten Roboter, die unserer Gesellschaft ihre Menschlichkeit nehmen. Oder so.

Ich habe nichts dagegen, wenn eine gute Geschichte auch ein paar Fragen stellt. Das dürfen auch ethische und kritische Fragen sein. Aber ein entrüstet furchtsames „Wo kämen wir denn da hin?“, wie ich es in diesen drei Geschichten von Philipp K. Dick vorgefunden habe, hat nichts mit Vision in irgendeinem positiven Sinne zu tun, und es ist eigentlich nicht mal eine Frage. Es ist ein Fanal der Hilf- und Ideenlosigkeit. Genau wie Dicks Geschichten.


Philoso4 (3)

12. Februar 2011

Es hat auch diesmal wieder nicht mit Viererbesetzung geklappt, aber wer interessiert sich schon für so kümmerliche Details, wenn es eine neue Ausgabe von Philoso4 zu bejubeln gibt, diesmal mit noch mehr gesunden Zutaten (Naja, eigentlich nur ohne Kekse, aber das ist ja das Gleiche, oder?) und nur für euch mit über 50% mehr Inhalt. Bitteschön:

Hier gibt’s Weisheit zum Download.

Und hier ist das versprochene Voyager-Video:

[via Wortvogel]