Der Spiegel labert die Demokratie zugrunde

21. Juli 2019

Peter Maxwill hat einen Meinungsartikel geschrieben, und naja, wie heißen die Dinger? Mir fällt spontan gerade der Begriff Zentristengewichse ein. Falls ihr einen besseren wisst, sagt Bescheid. Was mir außerdem grade einfällt, ist dieses eine Zitat von Martin Luther King, das in der neuen Facebook-Gruppe nach dem Kerfuffle gerade häufiger vorkommt und in dem es darum geht, dass das größte Hindernis eigentlich nicht der Große Drache und seine Gefolgsleute in den albernen weißen Kutten sind, sondern die Weiße Mitte, sozusagen, also die Leute, denen Ordnung und Ruhe vor Gerechtigkeit geht. Das sagt natürlich so niemand von sich selbst, aber …

Es fängt schon bei der Dachzeile an:

Lädierte Streitkultur

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Wenn Autowerkstätten wie *ismus-Diskussionen funktionieren würden

4. Mai 2019

Kundin: „Hallo guten Tag, Ihre Mitarbeiterin hat gerade mein Auto repariert!“

Werkstattinhaberin: „Jawoll!“

Kundin: „Danke!“

Werkstattinhaberin: „Sonst noch was?“

Kundin: „Ja schon, also, mir ist aufgefallen, dass jetzt die Bremsen nicht mehr gehen.“

Werkstattinhaberin: „Oh, also dazu muss ich Ihnen sagen, dass ich Gundula persönlich kenne, und ich weiß, dass sie eine ausgezeichnete Mechanikerin ist! Ich glaube nicht, dass sie so einen Fehler machen würde.“

Kundin: „Ja gut. Aber die Bremsen gehen halt nicht mehr. Das ist gefährlich.“

Werkstattinhaberin: „Na, nun hören Sie mal. Gundula hat extra ihr Auto repariert. Ich hab das gesehen. Sie repariert viele Autos, jeden Tag. Und jetzt kommen Sie hier an und sagen, sie hätte Ihr Auto kaputt gemacht? Das ist doch echt verkehrte Welt, finden Sie nicht selbst auch?“

Kundin: „Das mag alles sein, aber das ändert ja nichts daran, dass meine Bremsen nicht funktionieren, und ich würde schon gerne bremsen können. Ich finde das wichtig.“

Werkstattinhaberin: „Nun regen Sie sich bitte nicht so auf. Ich verstehe ja, dass Sie wütend sind, aber ich bin ganz sicher, dass Gundula zu keiner Zeit die Absicht hatte, Sie zu beleidigen. Es ist unsere Politik, alle unsere Kundinnen fair zu behandeln, und wir sind da sehr konsequent.“

Kundin: „Das ist mir echt zu blöd hier MEINE BREMSEN FUNKTIONIEREN NICHT! Und ich erwarte jetzt, dass Sie sich darum kümmern, verflixt noch mal, ich hab immerhin für die Reparatur bezahlt!“

Werkstattinhaberin: „Es gibt wirklich keinen Grund, so ausfallend zu werden! Wir haben uns doch sogar schon entschuldigt.“

Anderer Kunde 1: „Ich hab hier übrigens auch mein Auto reparieren lassen, erst letzte Woche, und es war alles in Ordnung.“

Anderer Kunde 2: „Ja, bei mir auch. Gundula ist echt nett, finde ich. Was hat sie Ihnen denn getan, dass Sie so wütend auf sie sind?“

„SIE HAT MEINE BREMSEN KAPUTTGEMACHT!“

Anderer Kunde 2 zu Werkstattinhaberin: „Boah, wissen Sie, das muss echt ein harter Job sein, mit solchen Leuten. Ich bewundere Sie ja für Ihre Geduld. Dass Sie da noch höflich bleiben können, Respekt!“

Anderer Kunde 3: „Boah aber echt. So ein Schwachsinn, was diese dumme untervögelte Schlampe da erzählt!“

Kundin: „Das ist doch jetzt alles nicht Ihr Ernst, ich will doch bloß funktionierende Bremsen, sehen Sie das echt nicht ein? Warum muss ich mich denn dafür beschimpfen lassen?“

Anderer Kunde 3: „Wissen Sie, diese Scheiß-Empörungskultur geht mir echt SO auf den Sack! Warum gehen Sie nicht einfach zurück in Ihre kuschelige Bubble und lassen die Leute hier in Ruhe? Die haben zu tun, wissen Sie? Im Gegensatz zu gewissen anderen Leuten müssen die nämlich arbeiten, um Geld zu verdienen!“

Kundin zu Werkstattinhaberin: „Und Sie finden das okay, wie die mit mir reden?“

Werkstattinhaberin: „Was hab ich denn damit zu tun?“

Kundin *genervt ab*

Philosophin, die zufällig mitgehört hat: „Ich versteh sowas nicht. Es gibt so viel Krieg und Leid auf der Welt, und so viele Leute, die absichtlich Sachen kaputt machen. Warum müssen Leute, die eigentlich auf derselben Seite stehen, sich wegen sowas gegenseitig zerfleischen??“

jetzt.de am nächsten Tag: „Fanatische Autogegnerin beschimpft Werkstattmitarbeiterin – so cool lassen die Inhaberin und die anderen Kunden sie abblitzen“

6vor9: „Die Empörungsultur frisst ihre Kinder (Sueddeutsche.de, Heribert Prantl): Die Süddeutsche Zeitung erläutert ausführlich, wie es zu den völlig überzogenen Ausfällen gegen eine Mitarbeiterin einer Autowerkstatt gekommen ist, die im Netz so hohe Wellen schlugen, dass sogar der Regierungssprecher dazu einen Tweet verfasste, und warum niemand mehr sicher vor der Hydra der Political Correctness“

uebermedien.de: „Eine frustrierte und wütende Kundin tritt einen Shitstorm gegen eine einfache Automechanikerin los. Warum muss so etwas immer sein? Unsere Autorin analysiert, warum Kostenloskultur, Anspruchsdenken und Wir-gegen-die-Haltungen die Empörungsspirale immer steiler eskalieren lassen.“


Nils Minkmar hat mich auf Twitter blockiert

10. März 2019

Und ich habe ihn einmal hier im Blog beiläufig gedisst. Trotzdem neige ich intuitiv immer noch dazu, ihn irgendwie für jemand Gutes zu halten, weil Stefan Niggemeier sich irgendwann mal sehr bewundernd über ihn geäußert hat. Das ist nicht rational gerechtfertigt, deshalb bin ich froh, dass er hart daran arbeitet, dieses Vorurteil zu beseitigen. So beeindruckend wie jetzt gerade auf spiegel punkt de eh habe ich ihn aber noch nie die Rolle des ahnungslosen Alten Weißen Mannes spielen sehen, und weil das so beeindruckend war, möchte ich euch daran teilhaben lassen.

Dieser Hase ist kein Skandal

ist die gewagte These, die er offenbar zu verteidigen gedenkt, und falls Leute sich nicht so für Hasen begeistern können, legt er gleich mit 1 paar ziemlich radikalisierenden Inhalten los. Er leitet das ein mit dem üblichen vagen Geschwafel, in diesem Fall darüber, dass Deutschland groß ist und einen Diskurs braucht, der aber harmlos sein muss, weil niemand was riskieren will (Ernsthaft?? Er hat den Eindruck, dass der öffentliche Diskurs derzeit komplett harmlos ist, weil niemand was riskiert?). Das kulminiert so:

Man regt sich kurz und heftig über ein Thema auf, dessen Irrelevanz nicht bezweifelt werden kann.

Und Themen, deren Irrelevanz nicht bezweifelt werden kann, was ist das wohl für Herrn Minkmar, unser heutiges Beispielexemplar des ahnungslosen Alten Weißen Mannes?

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Hypothese als Diskussionsangebot

19. Februar 2019

Ich frage mich des Öfteren, wie es wohl in den Köpfen von Leuten die Jasper von Altenbockum aussieht, oder anderen Leuten, die wütend gegen sowas kämpfen wie gerechtere Sprache, oder vegane Ernährung, oder Feminismus, oder Gleichstellung homosexueller Partnerschaften, oder sowas halt. Die nicht nur faul und uneinsichtig sind (wie ich zu oft) sondern die wirklich aktiv und leidenschaftlich gegen Bemühungen um 1 bessere Gesellschaft arbeiten (wie ich hoffentlich etwas seltener). Ohne Argumente, und mit viel Blödsinn.

Ich stelle es mir ungefähr so vor, dass die sowas hören, und dann erkennen sie wie Herr von Altenbockum, dass es tatsächlich gute Gründe gibt, auch Nichtmänner sichtbar zu machen und zu berücksichtigen. Und dann denken oder vielleicht eher: spüren sie, dass das heißt, dass vieles, was sie selbst machen, nicht so gut ist. Und dass vieles, was sie früher gemacht und gesagt haben, nicht so gut war. Und das gefällt ihnen dann nicht, weil das ja heißt, dass sie sich und ihr Weltbild infrage stellen müssten. Und dann merken sie, dass sie ihre Position aber nicht so richtig sachlich-rational begründen können. Und das ist sehr unbequem, denn wer will gerne irrational sein, und im Unrecht, und so geht das doch nicht.

Und daher die Wut.

Ich weiß, man soll nicht psychologisieren, gerade wenn man wie ich keine Ahnung von Psychologie hat.

Aber dieses Modell, diese Erklärung scheint mir geradezu entgegenzuspringen aus Texten wie dem von Herrn von Altenbockum, und ähem gewisser KommentatorInnen im Internet.

Nun ist das natürlich auch 1 bekannter psychologischer Mechanismus, dass 1 oft die Erklärung, die die eigene Position bestätigt, geradezu entgegenspringt. Vielleicht sollte es mir zu denken geben, dass es mir so vorkommt, als wüssten die anderen Eigentümer schon, dass sie Unrecht haben.

Echt jetzt?

Deshalb schreibe ich das aber auch hier. Damit ihr mir sagen könnt, ob ihr auch den Eindruck habt oder vielleicht mehr drüber wisst oder sogar Studien kennt oder so.

Was meint ihr?


Some is not enough

5. Februar 2019

Ihr habt wahrscheinlich von diesem Gilette-Werbespot gehört, oder?

Und vielleicht dann auch von den Leuten, die ihn doof finden? Etienne Gardé zum Beispiel, um mal jemanden zu nennen, von dem ich persönlich es besonders schade fand.

Not all men

Habt ihr?

Okay. Darum gehts hier nicht.

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#AuthorsAreTrash

23. August 2018

Nee, keine Sorge, ich will nicht über irgendwelche aktuellen Hashtags reden, sondern über eine Frage, und das wird übrigens ausnahmsweise auch mal keiner meiner Muriel-macht-sich-über-Leute-lustig-die-seiner-Meinung-nach-Unrecht-haben-Posts, sondern einer meiner seltenen Muriel-fragt-euch-was-und-hofft-auf-interessante-offene-Gespräche-in-denen-niemand-Angst-haben-muss-dass-jemand-sich-über-ihre-Meinun-lustig-macht-weil-sie-seiner-Meinung-nach-Unrecht-haben-Posts. Kann nur gutgehen, oder?

Meine Frage nahm ihren Anfang in diesem Tweet:

Naja, nee, das stimmt auch nicht, denn natürlich hab ich auch vorher schon darüber Gedanken gemacht, aber das kann ja auch dahinstehen, es geht schließlich um was anderes, nämlich um die Darstellung von Sexismus in Kunst und Unterhaltung. Mutmaßlich übertragbar auf alle anderen problematischen Ideen, mehr oder weniger.

Und zwar ist es so, dass ich den beiläufigen, unreflektierten Sexismus in meinen Büchern (Filmen, Musikstücken, egal) sehr lästig und ärgerlich finde, und ich denke, das ist klar, da gibts nichts zu diskutieren.

Aber es gibt ja nicht nur den. Es gibt ja, wie zum Beispiel in The Handmaid’s Tale, das ich gerade angefangen habe, auch den sehr zentralen. thematisch prägenden, reflektierten Sexismus, der eigentlich eher nicht da ist, weil die schöpfende Person ihn verinnerlicht hat und deshalb reproduziert, sondern weil sie ihn zeigen will, damit auf die Probleme der realen Welt verweisen, und diese wiederum damit hoffentlich besser machen.

Und jetzt frag ich mich, wie ihr das seht. Meint ihr, diese Art Geschichte trägt mehr zur Sache bei als zum Beispiel eine Geschichte von einer Gesellschaft, in der echte Gleichberechtigung herrscht, wie Gene Roddenberry mit Star Trek sie, ähem, zumindest dem Vernehmen nach gerne abzubilden versucht hätte? So eine Geschichte könnte ja auch, geschickt geschrieben, die Probleme der realen Welt thematisieren und aufzeigen, aber ohne sie in der fiktiven Welt zu reproduzieren, sondern stattdessen, indem es zeigt, wie es anders ginge?

Ich persönlich neige zu der nicht so interessanten Auffassung, das beides seinen Platz und seine Berechtigung hat, fände es aber für mich selbst enorm erfrischend, einfach mal eine gut geschriebene unterhaltsame Geschichte zu lesen, oder zu hören, oder zu sehen, die sich von diesem Schmutz lösen kann.

Und ihr so? Was denkt ihr? Kennt ihr vielleicht Beispiele für Geschichten, die ihr mir empfehlen würdet? Habt ihr belastbare Erkenntnisse oder einfach frei entwickelte eigene Meinungen zu der Sache?

Dann immer her damit.


Ein feuchter Händedruck

26. Mai 2016

ist doch nun wirklich nicht zu viel verlangt, findet die Baselbieter Bildungs-, Kultur- und Sportdirektion (BKSD) und hat deshalb entschieden, dass muslimische Schüler auch weiblichen Lehrpersonen die Hand geben müssen, ob das nun mit ihrer Auffassung ihrer Religion vereinbar ist oder nicht. Wenn sie es verweigern, kann ein Bußgeld gegen ihre Eltern verhängt werden.

Dazu kann man nun einiges schreiben und abwägen, beispielsweise zum Thema Religionsfreiheit und dem öffentlichen Interesse an der Gleichbehandlung von Männern und Frauen und so weiter. Die BKSD hat das auch versucht.

Muss man aber meines Erachtens nicht, denn die Sache ist doch eigentlich ganz einfach: Menschen dürfen selbst entscheiden, welche anderen Menschen sie berühren, und wie. Wenn ich keinen Bock habe, einen anderen Menschen zu berühren, und nicht gerade ein extrem zwingender Grund dazu besteht, dann sollte mich niemand dazu zwingen dürfen, ganz gleich, ob ich gute Argumente dafür habe (Es ist hygienisch-präventionsmäßig einfach evident ein schwachsinniger Brauch, der niemandem was bringt und potentiell durchaus erheblichen Schaden anrichtet.), oder schlechte (Der unsichtbare Zauberer will, dass ich Leute ohne Penis nur berühre, nachdem ich ihnen geschworen habe, mein Leben mit ihnen zu teilen und keine andere Person ohne Penis mehr zu berühren, oder so.), oder einfach welche, die in meinem persönlichen Wohlbefinden liegen (Ich mag es nicht, andere Leute anzufassen.).

Ganz im Ernst. Ich finde, das ist alles, was man für diese Entscheidung braucht: Es sollte eine Selbstverständlichkeit sein, dass Menschen – und dazu zählen auch junge Menschen – selbst entscheiden dürfen, ob sie von anderen berührt werden wollen oder nicht. Bestraft werden sollten, wenn überhaupt, Leute, die Berührungen zwangsweise durchsetzen; auch und gerade, wenn sie das aus einer staatlich verliehenen Machtposition heraus tun.

Und was denkt ihr?