Ein feuchter Händedruck

26. Mai 2016

ist doch nun wirklich nicht zu viel verlangt, findet die Baselbieter Bildungs-, Kultur- und Sportdirektion (BKSD) und hat deshalb entschieden, dass muslimische Schüler auch weiblichen Lehrpersonen die Hand geben müssen, ob das nun mit ihrer Auffassung ihrer Religion vereinbar ist oder nicht. Wenn sie es verweigern, kann ein Bußgeld gegen ihre Eltern verhängt werden.

Dazu kann man nun einiges schreiben und abwägen, beispielsweise zum Thema Religionsfreiheit und dem öffentlichen Interesse an der Gleichbehandlung von Männern und Frauen und so weiter. Die BKSD hat das auch versucht.

Muss man aber meines Erachtens nicht, denn die Sache ist doch eigentlich ganz einfach: Menschen dürfen selbst entscheiden, welche anderen Menschen sie berühren, und wie. Wenn ich keinen Bock habe, einen anderen Menschen zu berühren, und nicht gerade ein extrem zwingender Grund dazu besteht, dann sollte mich niemand dazu zwingen dürfen, ganz gleich, ob ich gute Argumente dafür habe (Es ist hygienisch-präventionsmäßig einfach evident ein schwachsinniger Brauch, der niemandem was bringt und potentiell durchaus erheblichen Schaden anrichtet.), oder schlechte (Der unsichtbare Zauberer will, dass ich Leute ohne Penis nur berühre, nachdem ich ihnen geschworen habe, mein Leben mit ihnen zu teilen und keine andere Person ohne Penis mehr zu berühren, oder so.), oder einfach welche, die in meinem persönlichen Wohlbefinden liegen (Ich mag es nicht, andere Leute anzufassen.).

Ganz im Ernst. Ich finde, das ist alles, was man für diese Entscheidung braucht: Es sollte eine Selbstverständlichkeit sein, dass Menschen – und dazu zählen auch junge Menschen – selbst entscheiden dürfen, ob sie von anderen berührt werden wollen oder nicht. Bestraft werden sollten, wenn überhaupt, Leute, die Berührungen zwangsweise durchsetzen; auch und gerade, wenn sie das aus einer staatlich verliehenen Machtposition heraus tun.

Und was denkt ihr?


Erstaunlich unspektakulär

30. Oktober 2014

Die tl;dr-Fassung dieses Artikels gibts ausnahmsweise gleich am Anfang:

Sexismus

 

Ganz genau.

Hier gehts zur Langfassung:

Den Rest des Beitrags lesen »


Sockenpuppen; Sockenpuppen überall!

11. April 2013

toy story

Nicht nur in meinem eigenen betulichen kleinen Blog möchte man manchmal wetten, dass die Kommentatoren, die versuchen, dem Verfasser zu widersprechen, in Wahrheit nur dessen Marionetten sind, virtuelle Pappkameraden, die er aufbaut, um die Gegenseite schlecht dastehen zu lassen. Nach meiner Erfahrung ist diese Tendenz am staunenswertesten ausgeprägt, wenn es um Sexismus geht.

Stefan Niggemeier habe ich das jüngste Beispiel für diesen Effekt zu verdanken, der hier mal wieder in so unfassbarer Dummheit Deutlichkeit zu Tage tritt, dass ich schon überlegt habe, einfach mehr zu essen, damit ich irgendwann mal dick genug werde, dass ich es mit meinem Kopf nicht mehr auf die Tischplatte schaffe, denn das tut weh und ist auf Dauer bestimmt auch ungesund, aber ich schweife ab.

Den Rest des Beitrags lesen »


Restebloggen (86)

16. März 2013

Und wegen der großen Nachfrage gleich noch mal:

  1. Ob wohl irgendwann mal jemand ein DVD- oder BlueRay-Startmenü entwickelt, dessen Soundschleife nicht so aufgebaut ist, dass man schon nach einer Minute seinen Player am liebsten aus dem Fenster werfen will, und nach zwei vorher noch den Fernseher eintreten? Bin ich denn der einzige Mensch, der die Scheibe manchmal erst einlegt und sich dann noch was zu essen macht oder sonstwas vorbereitet, bevor es losgeht?
  2. Nur fürs Protokoll: Ich würde unter geeigneten Umständen für die Bild-Zeitung schreiben. Ich würde auch für eine Kirche arbeiten. Oder für die Ergo Versicherungsgruppe. Ich bin da nicht so. Aber ihr lest hier ja mit. Ihr wusstet das, oder?
  3. Katja Riemann ist mir plötzlich rund 20% sympathischer. Verstehe aber auch, wenn man das völlig anders sieht. Das liegt ja erstaunlich oft erstaunlich nah beieinander. Also, für mich. Äh. Naja.
  4. Es ist schon manchmal besorgniserregend, wie viel hammerdummen Bullshit ich bereit bin, für interessante Charaktere, gelungene Dialoge und eine brillante Inszenierung zu übersehen. Aber irgendwo gibt es eine Grenze, und dank der vierten Staffel von Breaking Bad hab ich sie gefunden. Dass der Protagonist die mit weitem Abstand uninteressanteste und unsympathischste (Gibt es da überhaupt einen Unterschied?) Figur in der Serie ist, macht die Entscheidung natürlich besonders einfach.
  5. Noch mal kurz das Thema Sexismus: Ich sehe keine angemessene Reaktion darauf, dass, wann immer bei Facebook irgendwo ein Foto einer weiblichen Person erscheint, sofort zahlreiche Kommentatoren herbeigeeilt kommen, um zu betonen, wie hübsch sie ist, deswegen belasse ich es dabei, schweigend die Augen zu verdrehen und mich betrübt abzuwenden. Aber vielleicht ist das auch schon zu viel. Vielleicht bin ich ja nur neidisch. Ich meine … Die meinen das doch nett. Ist doch nichts Schlimmes. Vielleicht sollte ich das im Gegenzug einfach bei den Männern machen. Grundsätzlich keine schlechte Idee. Aber das bring ich dann doch nicht. Nicht zuletzt, weil es bei Facebook echt nicht viele Leute gibt, denen ich was Nettes zu sagen gewillt bin.
  6. Den Postillon hat schon jeder von euch abonniert, ja?
  7. Diese Leute, die nicht verstehen, wie man denkt, wenn man immer nur mit Navigationssystem fährt. Gerade kürzlich wieder: „Können Sie mir vielleicht die Adresse mailen?“ „Ja, könnte ich, aber ist eigentlich gar nicht nötig. Sie müssen bloß von Hergrathshausen aus nach Norden die zweite Abfahrt von der A29 nehmen, Richtung Scharndorf, und dann biegen Sie bei der Baustelle auf Höhe Lemmerstraße rechts ab, fahren bis kurz vor Garbstadt und dann halt immer östlich halten.“
    Ich weiß, er meint es gut, aber ich möchte gerne seinen Kopf in die Hand nehmen und gegen irgendwas Kantiges hauen.

Lieber Herr Gauck,

6. März 2013

ich habe gelesen, dass Sie dem Spiegel im Hinblick auf die öffentliche Diskussion über Sexismus und das Auftreten von Herrn Brüderle gegenüber einer Journalistin gesagt haben:

Wenn so ein Tugendfuror herrscht, bin ich weniger moralisch, als man es von mir als ehemaligem Pfarrer vielleicht erwarten würde.

und da dachte ich mir, dass es Sie vielleicht freut zu hören, dass Sie sich keine Sorgen machen müssen. Ich glaube im Gegenteil, Sie haben sogar ziemlich präzise das erwartbare Niveau von Moral getroffen.

Glückwunsch.


Hat man ein Dekolleté

5. Februar 2013

Ein treuer Leser, von dem ich nicht sicher bin, ob er namentlich genannt werden will, schickte mir kürzlich einen freundlichen Hinweis auf einen Artikel von Gabriele Ingenthron zum aktuellen Thema sexuelle Belästigung (die übrigens auch in meinen Augen nicht unbedingt gewichtiger ist als andere Formen von Belästigung und vielleicht zu Unrecht eine so herausragende Sonderrolle genießt, aber das ist nicht mein Steckenpferd, sondern das von arslibertatis, und wir leben ja in einer arbeitsteiligen Gesellschaft, deswegen überlasse ich diese Frage ihm), weil es urheberrechtlich bedenklich gewesen wäre, wenn er mir statt des Hinweises den ganzen Artikel als Scan zugemailt hätte, obwohl es mir den Zugang zu selbigem natürlich wesentlich erleichtet hätte, weil das Ding nicht online verfügbar ist, weshalb ich ihm hier für sein Entgegenkommen insoweit noch einmal meinen Dank ausdrücken würde er ihn so grässlich fand, dass es ihm ein Anliegen war, ihn einmal öffentlich verrissen zu sehen. Das mache ich natürlich gerne, bittesehr:

Der Artikel in der Sektion „Weltspiegel“ des Donaukuriers trägt den den schon mal nicht so vielversprechenden Titel

Was würde Knigge sagen?

aber dazu später mehr. Beginnen wir mit dem noch viel weniger vielversprechenden Bild, das auf der Seite (gemessen, nicht nur gefühlt) ziemlich genau so viel Platz einnimmt wie der eigentliche Artikel, und sogar mehr, wenn man die Info-Box „Männer als Sexismus-Opfer“ nicht mitzählt, wozu man in Anbetracht dieser wiederum … nicht so vielversprechenden Überschrift neigen könnte. Der zuständige Bildredakteur hat sich hier offenbar entschieden, gegen den Trend zu gehen. Vielleicht war ihm klar, dass es bei einem so sensiblen Thema offensichtlich nicht angemessen ist, mit einem Foto aufzumachen, das ganz offensichtlich nur dem lüsternen Blick der männlichenjenigen Leser eine Freude zu bereiten, die sexuell an Frauen interessiert sind. Er hat jedenfalls klar erkannt, dass eine Bebilderung mit Brüsten wie sonst üblich aus Gründen des Taktgefühls nicht infrage kommt, und stattdessen ein Foto eines weiblichen Unterleibs mit einer sehr kurzen abgeschnittenen Jeans gewählt. Und einem Gürtel mit Schnapsfläschchen, der in der Bildunterschrift auch noch einmal explizit erwähnt wird. Überhaupt ist diese Bildunterschrift für sich schon ein derartiges Meisterwerk völlig verfehlten Journalismus‘, dass ich sie hier beinahe vollständig zitieren will:

Den Rest des Beitrags lesen »


Post von Seidl

28. Januar 2013

Es gibt Sätze, die schreibt einer hin, weil er weiß, was er sagen will, und über die nötigen Begriffe verfügt. Es gibt Sätze, die sind ihrem Schreiber eher unterlaufen

beginnt die selbst ernannte Textanalyse von Claudius Seidl auf faz.net, und – Wie soll ich sagen? – er muss es ja wissen.

Seidl schickt sich laut Teaser an, zu ermitteln, was „wirklich“ drinsteckt in dem Stern-Artikel über Herrn Brüderle, und der Titel seines Werks verrät die Stoßrichtung auch schon recht deutlich: „Prüder in Waffen“. Man ahnt, was kommt, und nur deswegen hat man überhaupt geklickt, weil man mal wieder was gegen die FAZ schreiben wollte, und jetzt hat man den Salat.

A propos Salat: Habt ihr bei Stefan Niggemeier, oder vielleicht sogar direkt auf Facebook dieses kostbare kleine Stück von Jens-Oliver Haas gelesen, Post von Wagner?

Na, das ist ihm doch schon mal gut gelungen. Grinsend greift Wagner nach rechts und ins Leere. Nanu? Wann hat er denn das Weißbierglas zerschlagen. Und wo ist der gute Landwein? Und warum ist er nackt und riecht so komisch? Und warum ist es schon dunkel?

Daran musste ich denken, als ich Seidls Artikel las, der natürlich keine Textanalyse ist, eigentlich überhaupt keine Analyse, eigentlich nicht mal unbedingt ein Artikel, sondern eher etwas, ddas ihm wohl irgendwie eher unterlaufen ist, und es trotzdem irgendwie in die heutige 6-vor-9-Ausgabe geschafft hat, aber 6vor9 ist ja immer mal für eine Überraschung gut.

Den Rest des Beitrags lesen »