Nicht sinnlos

16. Mai 2015

Ich habe das schon öfter angedeutet, aber ich finde, es ist durchaus wert, einen eigenen Beitrag zu erhalten: Ich finde, Atheisten könnten sich ein bisschen mehr mit der ihnen oft vorgeworfenen Sinnlosigkeit einer Welt ohne Götter auseinandersetzen.

Nicht nur, weil es eine empörende Ironie ist, dass die Protagonisten der Religionen uns – ich benutze das Wort ausdrücklich mit der angemessenen Distanzierung von jeder Tendenz, Atheisten als homogene Gruppe zu beschreiben – sagen, sie würden einen Sinn im Leben, in der Welt, im Universum, der Existenz bieten, den unser Unglaube negiert, obwohl ungefähr das Gegenteil der Fall ist; sondern auch, weil ich mir vorstelle, dass es sehr wichtig ist, vom Ergebnis her.

Den Rest des Beitrags lesen »


Darum lass uns drüber reden, Diskussionen sind okay

18. Februar 2013

In der letzten Woche blieb, wie gesagt, nicht viel Zeit zum Schreiben, aber das macht nichts, denn ich habe hier noch eine laaaaaange Diskussion über atheistischen Lebenssinn und Ethik, die ich vorletzte Woch mit ChB drüben bei eumloquatur geführt habe. Auch wenn dabei natürlich keine grundlegend neuen Erkenntnisse rausgekommen sind, bin ich mit einigen meiner eigenen Erläuterungen und mit dem insgesamt konstruktiven Verlauf der Verständigung, soweit eine solche über dieses Thema eben möglich ist zwischen Atheisten und Christen, zufrieden genug, um das Ding noch mal im eigenen Blog dokumentieren zu wollen. Ich denke nämlich, dass dieses Gespräch für Atheisten sehr schön illustriert, wie abwegig und abenteuerlich die Weltsicht von (manchen) Christen aussieht, und für Christen umgekehrt bilde ich mir ein, dass ich einigermaßen verständlich erklärt habe, wie abwegig und abenteuerlich unsere Weltsicht ist. Und soweit ich mich erinnere, kommt kein einziger Hitler-Vergleich vor, was alleine schon Grund genug wäre, die Beweise gründlich zu sichern, das glaubt einem ja in zwei Jahren sonst kein Mensch mehr.

Ob ihr euch das antun wollt, müsst ihr natürlich selbst wissen. Aber vielleicht habt ihr ja eh noch nichts vor heute.

Den Rest des Beitrags lesen »


Sinnloser Gastbeitrag

20. Oktober 2011

Ja, so einfach ist es, einen Gastbeitrag auf überschaubare Relevanz unterzubringen. Schickt mir einfach was, worüber ich sowieso schon viel nachgedacht habe und das möglichst irgendwo nah bei meiner Meinung liegt. So hat TheHax es gemacht, und seht, wie schnell es geht. Hier könnte euer Beitrag stehen!

(Dass es unter Umständen sogar noch viel einfacher sein kann, ist für jeden Stammleser offensichtlich, aber ich halte es nicht für opportun, darauf noch plakativ hinzuweisen. Kommen wir also ohne weitere Umschweife zu TheHax‘ Gastbeitrag, für den ich ihm jetzt schon herzlich danke.)

Es war ein Tag wie dieser vor ein paar Monaten, da trug ich einen innerlichen Aufschrei über eines der achso-gar-nicht-sozialen Netzwerke heutiger Tage in die Welt hinaus. Damals wie heute überkam mich eine Gemisch aus Entsetzen und Ärger gepaart mit einem starken Mitteilungsbedürfnis, dem Wunsch möglichst vielen Leuten ordentlich die Meinung zu sagen. Die Meinung worüber? Über vieles. Zum Beispiel: den Sinn des Lebens.

Da wurde mir angeboten, meinen Gedanken in schriftlicher Form verfasst einen Raum zu geben. Diesen Raum. Heute ist es für mich an der Zeit dieses Angebot aufzugreifen und mit ein paar Fragen aufzuräumen.
Warum gibt es uns? Was macht uns so besonders? Warum können gerade wir uns diese Gedanken machen? Wofür sind wir geschaffen? Welchen Sinn haben wir? Und welchen unsere Existenz? Und Alles? Welche Aufgaben haben wir?
Jahrtausendelang haben sich namhafte und weniger namhafte Philosophen über diese Fragen den Kopf zerbrochen. Leider ist die Antwort auf meine typische und eigentlich rethorische Gegenfrage „Who cares?“ reichlich unbefriedigend. Denn eine nicht unrelevante Anzahl von Menschen lässt sich diese Fragen nur allzugern mit Ammenmärchen, also mit der Religion beantworten, dabei wird häufig übersehen, dass selbst die Religion vielfach selbst nur äußerst unbefriedigende Antworten liefert.

Dabei lassen sich die Fragen erfrischend einfach klären: Es gibt keinen Sinn. Und damit wäre eigentlich schon alles gesagt.
Doch vielen ist die Klarheit und Logik dieser Erklärung schlicht zu viel, ist unerwartet oder unerwünscht. Das hat ganz unterschiedliche Gründe. Da gibt es zum Einen die menschliche Annahme, dass (scheinbar) komplexe Fragen auch einer komplexen Antwort bedürfen. Andererseits liegt es in der menschlichen Natur unbekanntes mit bereits bekannten Mustern zu erklären. Das Ursache-Wirkung-Prinzip ist eines der fundamentalen Gesetze im menschlcihen Leben. Da fällt es dem Gehirn schwer zu fassen, dass es für die persönliche Existenz keine (befriedigende) Erklärung gibt.Es kommt aber auch eine gehörige Portion Arroganz hinzu. Seit je her bezeichnet sich der Mensch als „Krone der Schöpfung“ oder neuerdings als „Spitze der Evolution“.
Noch Heute, ganz seriös. Als Träger dieses Titels muss man eben einen spezielleren Sinn, eine Rechtfertigung haben.

Aber nicht nur der spezielle Sinn ist eine Fehlannahme, vielmehr ist es die Arroganz des Menschen, der die Sicht auf die Realität verschleiert. Der Titel „spitze der Evolution“ an sich ist schon ein völliger Fehlgriff.
Evolution ist ein fortwährender Prozess, der an millionen Punkten zugleich und völlig ohne Ziel vonstatten geht. Der Mensch stellt heute bestenfalls  eine gewisse Anzahl von Punkten in der Evolutionsgeschichte der Säugetiere dar. Sein Bewusstsein stellt er dabei als herausragendes Merkmal dar und spricht sogleich allen anderen Lebewesen (sogar entgegen wissenschaftlich erbrachten Forschungsergebnissen), jegliche Form und Fähigkeit zu ebendiesem ab. Menschen halten sich gern für Einzigartig und leiten den exklusiven Sinn (ihres) Lebens von dieser Einzigartigkeit ab.

Abgesehen davon, dass sich alle Unterschiede zwischen Mensch und Elefant, Ameise, Begonie, Klopapier, Wassertropfen, Staubkorn beliebig marginalisieren und die Einzigartigkeit damit ad absurdum führen lassen, bleibt die Frage nach dem Sinn des Großen, des Ganzen, des Universums und seiner Zusammenhänge.
Aber warum eigentlich? Wozu bräuchte es einen Sinn?
Ein Sinn ist eine Intention, etwas bewusstes. Etwas Ursachengebendes. Einen Sinn zu geben bedeutet in gewisser Weise eine Art Bewusstsein dahinter zu setzen, also eine Art religiöser Instanz.
Ein rein menschliches Bedürfnis, einerseits ebenfalls durch Arroganz geprägt, andererseits durch die Angst vor dem Ungewissen.

Der Mensch hat Angst. Angst vor dem Unbekannten. Was gibt es unbekannteres, ungewisseres als den (eigenen) Tod? Das geben eines Sinnes, eines Bewusstseins hinter der eigenen Vergänglichkeit soll diese Angst lindern.
Jedoch verklärt es den Blick für das Wesentliche. Das Hier und Jetzt.

Die Sinnessuche beraubt den Menschen der Freiheit einer wunderschön relativierenden Erkenntnis:
Nichts hat einen Sinn.