Darum lass sie Deine Stimme hören, weil jede Stimme zählt

23. Juli 2016

Hey, Moment, habt ihr wahrscheinlich gerade gedacht, ist nicht in Hannover jetzt bald Kommunalwahl? Da habt ihr recht, und wer könnte darüber zuverlässiger und besser informiert berichten als euer persönlicher Hannover-Korrespondent Muriel Silberstreif? So ziemlich jeder andere, wieder richtig. Aber jetzt seid ihr schon mal hier, da könnt ihr doch auch ein bisschen weiter lesen, oder?

Kurze Startbemerkung: Ist euch schon mal aufgefallen, wie blödsinnig schwer es ist, Werbeplakate insgesamt und Wahlplakate speziell übers Internet zu finden? Ich versteh das gar nicht. Wenn ich mir schon die Mühe mache, eine tolle Werbebotschaft für meine Zielgruppe zu gestalten, dann will ich die doch auch möglichst gut und umfassend zugänglich machen. Und ja, wenn man sich die Suchergebnisse anschaut, dann scheint es, als hinge ein Teil dieses Effekts an der recht gelungenen Suchmaschinenoptimierung eines bestimmten systemkritischen Mitbewerbers der etablierten Parteien um die Aufmerksamkeit ihrer Wählerinnen, aber der größere doch sicherlich daran, dass erstere ihre Plakatmotive halt nicht hochladen. Was soll denn das?

An den Straßen, die ich so befahre, sind eigentlich nur CDU, SPD, Grüne und Linke präsent. Von allen anderen Parteien habe ich noch nichts gesehen. Die HAZ hat aber dankenswerterweise ein paar Beispiele dafür online gestellt, und … gütiger Himmel, die FDP ist wild entschlossen, ihren Abstieg jetzt auch im Design zu zeigen, oder? Jessas. Schnell weiter.

Die CDU macht halt, was die CDU so macht. Lasst uns mehr Leute einsperren, dann wird bestimmt alles besser.

Die Linke bleibt erwartbar bei ihren klassischen Kern-Claims:

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Ja gut, ne. Ihr wisst ja, was ich von sowas halte. Zustimmungsfähiger ist dieses Plakat:

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Ich gebe allerdings zu bedenken, dass der durchschnittliche Bezirksrat möglicherweise etwas zu hoch greift, wenn er sich gleich Weltfrieden zum Ziel setzt. Aber ehrenwert natürlich trotzdem, oder sogar gerade deshalb.

Die Grünen haben sich von jeglichen politischen Inhalten verabschiedet und beschränken sich darauf, dass möglichst alles gut sein soll.

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„Weltuntergang: Nicht mit uns!“ „Schönes Wetter: Bitte gern!“ „Gute Laune: Immer doch!“ „Zerstörung der Zivilisation, wie wir sie kennen: Hätten wir eigentlich lieber nicht!“

Und so ungern ich das zugebe: Die SPD hat nach meiner Wahrnehmung eigentlich die … wie will ich sagen? Vielleicht so: anständigsten Plakate. Man erkennt nämlich tatsächlich, was sie machen wollen. Nur so grob natürlich, aber für Wahlplakate echt okay.

Am lustigsten finde ich allerdings dieses hier:

Unbenannt

Hab verpennt, das eigentlich Plakat zu fotografieren, deswegen gibts einen Screenshot von der CDU-Homepage.

Äh. Hm. Das ist jetzt ein bisschen schwierig zu erklären. Also. Erstens muss ich natürlich betonen, dass Herr Kuscher möglicherweise nicht nur ein sehr netter Typ ist, sondern auch ein spitzenmäßiger Politiker und rundum genau der richtige Mann für den Job. Ich weiß gar nichts über ihn. Zweitens muss ich natürlich betonen, dass Namenswitze komplett unter meinem Niveau sind, und unter eurem natürlich erst recht. Drittens muss ich allerdings auch betonen, dass ich jedes Mal, wenn ich ein Plakat von ihm sehe, einen Wahlwerbespot höre, der ungefähr so geht:

„Chefs, Freunde, Partner, Kunden… Sind Sie es leid, vor anderen zu kuschen? Dann wählen Sie Dr. Gerd Kuscher! Dr. Kuscher kuscht für Sie vor Arbeitgebern, Gewerkschaften, Bürgerinitiativen, Behörden, Rassisten, Sozialisten, Wirtschaftsverbänden und Interessenvertretungen aller Art! Wählen Sie Dr. Kuscher! Dr. Kuscher vertritt Ihre Interessen im Bezirksrat. Also, natürlich nur, so gut es eben geht, wenn es keine Umstände macht. Solange es niemanden stört. Dr. Kuscher will ja auch niemandem Arbeit machen. Aber er kann sich schon vorstellen, was für Sie zu tun. Deshalb wählen Sie Dr. Gerd Kuscher!
Wenn Sie wollen. Klar. Also, Sie müssen jetzt auch nicht. Und Sie können natürlich auch gerne die anderen wählen. Dr. Kuscher findet die anderen Kandidatinnen auch alle völlig in Ordnung, und alle anderen Parteien überhaupt. Die sind alle gut. Dr. Kuscher kommt auch ohne Ihre Stimme ganz gut klar. Alles okay. Wirklich. Bloß keinen Ärger bitte.“


Bündnis. Ist klar.

14. Juni 2013

Der will nicht gewinnen

sagt Stefanolix zu Peer Steinbrück und zitiert ihn mit der Bemerkung

Ich bin sehr froh,dass [ich],wie intern ich mir das vorgenommen habe,mit dem heutigen Tag den,wenn Sie so wollen,vierten Set und abschließenden Setfür ein Kompetenzteam,mit dem wir in diesen Bundestagswahlkampf gehen wollen,Ihnen vorstellen kann.

Das wollte der Kanzlerkandidat der SPD natürlich nicht auf sich sitzen lassen und schlägt nun zurück mit einem (bestimmt) selbst geschriebenen Gastbeitrag in der FAZ, in dem er uns seine Konzepte, seine Politik und natürlich seinen Willen zum Grillen Gewinnen darlegen möchte. Wie er das macht? Sag ich euch.

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Bundesverfassungsgericht erklärt willkürliche Diskriminierung im Rahmen willkürlicher Diskriminierung für unzulässig

6. Juni 2013

Karlsruhe. Für die Bundesregierung völlig überraschend hat das Bundesverfassungsgericht heute entschieden, dass eine erhebliche Reduktion der Steuerlast aufgrund der vertraglichen Verpflichtung, mit einem anderen Menschen in einer monogamen sexuellen Beziehung zusammenzuleben, zwar nicht zu beanstanden ist, dass von dieser willkürlichen und sinnlosen Vergünstigung allerdings nur bestimmte Arten von monogamen sexuellen Beziehungen willkürlich und sinnlos ausgeschlossen werden dürfen.

Der Fraktionsgeschäftsführer der SPD, Thomas Oppermann, bezeichnete den Beschluss als eine Ohrfeige für die Bundesregierung. Frau Merkel wolle nicht wahrhaben, dass

die Zeit längst reif ist für eine weitgehend gleichberechtigte willkürliche Bevorzugung monogamer sexueller Partnerschaften, natürlich mit Ausnahme einiger bestimmter Formen solcher Partnerschaften, für die wir nach wie vor Freiheitsstrafen verhängen.

Andrea Nahles warf der Regierung ein

homophobes, die falschen monogamen sexuellen Partnerschaften willkürlich steuerlich bevorzugendes Weltbild

vor.

Volker Beck (Die Grünen) freute sich, dass das Urteil klargemacht habe:

Niedrigere Steuern für Personen, die sich verpflichtet haben, auf von uns akzeptierte Weise regelmäßig den Beischlaf zu vollziehen, das heißt auch gleiche Ehe. […] Ich hoffe, dass nun in der Union der Widerstand gegen die Gleichstellung nicht vollständig zusammenbricht, sondern nur soweit, dass nun nicht mehr nur hetero-, sondern auch homosexuelle monogame Paare willkürlich vom Staat bevorzugt werden.

Renate Künast (Ebenfalls die Grünen) bot an:

Wir können gleich nächste Woche auf diese neue Form willkürlicher Diskriminierung umstellen, denn der grüne Gesetzentwurf dazu liegt fertig vor.

Einigkeit herrschte unter allen Fraktionen des Bundestages, dass auch in einem neuen Modell gleichberechtigter willkürlicher Bevorzugung das bisherige Grundprinzip des Ehegattensplittings erhalten bleibt, dass monogame hetero- und homosexuelle Paare nur dann von den steuerlichen Vorteilen profitieren, wenn einer der beiden Partner mehr verdient als der andere, solange das gemeinsame Einkommen eine bestimmte Grenze nicht übersteige. Diese einhellige Überzeugung begründeten Vertreter aller Parteien in seltener Harmonie mit

Weil … naja, weil … also … Wir finden halt … naja … Artikel 6, und also, Kinder, zum Beispiel, irgendwie, weil, muss zwar nicht, aber ist ja oft, und kann ja auch ruhig, und … also … Hm … Naja … Oh, schon so spät … Ich muss weg!


Guter Gewinn für gute Unternehmen

8. Mai 2013

Im Jahr 2012 konnten über 28000 Unternehmen nicht genug verdienen, um zu überleben. Es wird davon ausgegangen, dass zahlreiche weitere das Jahr mit einem Verlust abgeschlossen haben und von ihrer Substanz zehren.

Quelle: Wikipedia, Urheber: Schrapers

SPD-Vize Manuela Schwesig sagte hierzu: „Das zeigt: Wir brauchen einen flächendeckenden gesetzlichen Mindestgewinn von 100.000 Euro pro Jahr. Wer ein Unternehmen betreibt, muss davon auch seine Rechnungen und die Gehälter seiner Mitarbeiter bezahlen können, sowie natürlich auch notwendige Investitionen und den eigenen Lebensunterhalt.“ Schwesig fügte hinzu: „Das gilt auch für unerfahrene Unternehmer.“ Es sei zudem wichtig, auf 100.000 Euro Mindestgewinn zu beharren – „und nicht einen Billiggewinn von dreißig- oder vierzigtausend Euro, den die FDP anstrebt.“ Mit Blick auf die ausufernden Verluste in deutschen Unternehmen sagte Schwesig: „Gewinndumping darf in Deutschland kein Geschäftsmodell sein. Die Bundesregierung forciert dieses Geschäftsmodell, weil sie sich gegen den Mindestgewinn von 100.000 Euro sperrt.“

Nach Einschätzung Schwesigs hätte die Einführung des gesetzlichen Mindestgewinns zahlreiche Vorteile. Nicht nur würden Unternehmensinsolvenzen und die damit einhergehenden Arbeitsplatzverluste sowie Forderungsabschreibungen bei Gläubigern dadurch ein für alle Mal der Vergangenheit angehören, es wären zudem auch stetig sprudelnde Steuereinnahmen für den deutschen Fiskus sichergestellt. Besonders attraktiv an dem Modell sei, dass auch Steuererhöhungen in beliebiger Höhe nun keinen kritischen Schaden mehr anrichten könnten, da der gesetzliche Mindestgewinn selbstverständlich nach Steuern gelten würde und somit in jedem Fall gewährleistet wäre. Deutschland wäre damit eine Spitzenposition im internationalen Vergleich gewiss, und auch mit Bankenkrisen wäre es für immer vorbei.

Als einziges Risiko sieht die SPD eventuelle Ausweichstrategien der Kunden, die den Mindestgewinn etwa durch Verschiebung ihrer Einkäufe ins Ausland zu umgehen versuchen könnten. Sollte Peer Steinbrück Kanzler werden, so plant die SPD daher, möglichst schnell in Verhandlungen mit anderen Staaten zu treten, um einen international einheitlichen Mindestgewinn zu vereinbaren.

Zustimmung kommt auch aus CDU-Kreisen. Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen erklärte kürzlich bei einem Yeti-Kongress, das Einkommen aus einem Unternehmen müsse so viel sein, „dass man davon leben kann“. Jahresgewinne „von dreißig-, fünfzig- oder sechzigtausend Euro“ dürfe es nicht geben.

Widerspruch hingegen äußerte Bundesfamilienminister Kristina Schröder. Sie halte nichts von einem starren Mindestgewinn, sagte sie gegenüber überchaubare Relevanz, und würde einen so genannten Flexigewinn vorziehen, den die Unternehmen zu Beginn eines jeden Geschäftsjahres selbst festlegen könnten.


Restebloggen (64)

21. Januar 2011
  1. Ich hätte zu der „You know they’re all scams“-Kampagne durchaus auch Kritik anzubringen, aber was Bill O’Reilly hier zum Vorsitzenden der American Atheists sagt, ist so denkwürdig, dass ich mich lieber darauf beschränken will. Es geht so ungefähr bei 1:50 los, falls euch der Rest nicht interessiert:

    „Tide goes in, tide goes out. Never a miscommunication. You can’t explain that.“
    Ui.
    (Dazu passt übrigens gut die Beinahe-Entdeckung der Sonne bei astrodicticum simplex.)
  2. Mihrab, der orthopädische Gebetsteppich gegen Gelenk- und Knieschmerzen. Da hatte doch mal jemand eine Idee. (Mit Dank an Keoni fürs Finden.)
  3. Mit „Der Augensammler“ war nach knapp einem Drittel Schluss. Schauderhaft. Aber nicht so, wie er meinte. Fitzek schreibt in Zukunft ohne mich.
  4. Eigentlich hatte ich mir das anders vorgestellt, als ich anfing, mich umzuschauen. Auf den ersten Blick dachte ich sogar noch, das wäre nichts für mich; lieber was Vernünftiges, Praktisches. Aber zum Schluss wurde mir dann glücklicherweise gerade noch rechtzeitig klar, dass es eigentlich nur deine Entscheidung geben konnte. Nur eine richtige Antwort. Nur eine

    Maus.
    Im Nachhinein weiß ich gar nicht mehr, warum ich überhaupt darüber nachdenken musste.
  5. Theomix schreibt bei Vollwert über verbissene Atheisten und erwähnt mich als Beispiel – aber als positives. Wahrscheinlich will er sich damit bloß an mich ranschmeicheln, um mich von seiner perfiden Ideologie zu überzeugen. So sind sie, die Kleriker. Ich werde mich jedenfalls nicht vereinnahmen lassen und streite weiter unverdrossen gegen die christliche Weltverschwörung.
  6. Frankreich, du bist so eklig.
  7. Ich weiß, dass es kindisch ist, aber dann bin ich eben kindisch. Daniel Drungels hat was entdeckt, und ich find’s toll:
    Sensory processing disorder or SPD is a neurological disorder causing difficulties with taking in, processing and responding to sensory information about the environment and from within the own body (visual, auditory, tactile, olfaction, gustatory, vestibular and proprioception).“

7,50 oder doch lieber 9? Warum nicht gleich 20?

23. Juni 2010

Hatte ich eigentlich schon mal geschrieben, wie ich diesen Spruch „Guter Lohn für gute Arbeit“ als Slogan für einen gesetzlichen Mindestlohn verabscheue? Ich glaube, nicht. Dann hole ich das jetzt nach:

„Guter Lohn für gute Arbeit“ klingt vernünftig, so, als könne niemand was dagegen haben und als wäre es die einzig faire Lösung. Natürlich ist guter Lohn für gute Arbeit fair. Aber es ist nicht das, was Gewerkschaften und Linke mit einem Mindestlohn fordern. Mindestlohn hat nichts mit Gerechtigkeit zu tun, sondern mit Gleichheit. Und entgegen dem, was manch einer uns glauben machen will, sind das zwei völlig verschiedene Sachen.

Ich denke, es ist unbestritten, dass es auch Leute gibt, die schlechte Arbeit abliefern. Ich kenne ein paar davon persönlich. Sollen die nach dem Willen von Gewerkschaftern und SPD dann schlechten Lohn erhalten? Natürlich nicht!

Darüber hinaus geht es natürlich nicht nur darum, für einen „guten“ Lohn zu werben. Es geht darum, dass man Arbeitgebern und Arbeitnehmern nicht zutraut, sich auf einen guten Lohn zu einigen. Es geht darum, dass man meint, ihnen vorschreiben zu müssen, was sie vereinbaren dürfen und was nicht, weil man es besser weiß. Es geht darum, dass man Arbeitnehmer für unfähig hält, Entscheidungen im eigenen Interesse zu treffen und sie deshalb vor sich selbst schützen will.

In letzter Konsequenz heißt die Forderung also: „Der Lohn, den wir für richtig halten, für jede Arbeit“. Klingt natürlich nicht mehr so gut.

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Monkey see, monkey do

2. September 2009

Alle reden von der Wahl, also will ich auch. Es gibt aber nicht mehr viel zu sagen, was nicht alle anderen auch schon gesagt haben, deshalb fasse ich mich kurz und gehe nur auf ein einziges Detail ein, das meiner Meinung nach mit viel zu wenig Verwirrung und Ungläubigkeit behandelt wird:

Was zum *$%%?#! denkt sich die SPD eigentlich dabei, in Thüringen den Ministerpräsidenten stellen zu wollen? Hallo? Linke 27,4 – SPD 18,5. Was gibt es denn da zu diskutieren? Dürfen wir dann konsequenterweise erwarten, dass die SPD nach der kommenden Bundestagswahl mit Freuden einen Grünen Bundeskanzler mitwählen wird?

Also, ich meine, wir müssen die Kirche doch mal im Dorf lassen.