Tut mir leid, Herr Fleischhauer.

12. März 2016

Uiuiui. Ich habe mein Erstaunen über die Existenz von Jan Fleischhauers Kolumne bei Spiegel.de ja schon mal hier ausgedrückt, aber als ich die aktuelle Ausgabe las, war ich dann noch mal aufs Neue enttäuscht davon, was sogar ein recht selbstachtungsarmes Portal wie das besagte Spiegel.de sich offenbar nicht zu sehr schämt zu veröffentlichen.

Ich habe meinen Ressortleiter bei SPIEGEL ONLINE angerufen und ihn gefragt, wo ich mich melden kann, um dem Hass entgegenzutreten. […] Leider konnte mir mein Ressortleiter nicht weiterhelfen, obwohl er immer wieder Texte auf die Seite stellt, in denen steht, dass man sich nun engagieren müsse.

Ihr ahnt, worauf es hinausläuft, und ich will von diesem Schmutz nicht mehr als nötig veröffentlichen, aber vielleicht noch ein paar Sätze, um das Prinzip zu verdeutlichen:

Auch auf der Straße begegne ich vor allem Menschen, bei denen ich mir beim besten Willen nicht vorstellen kann, dass sie Asylbewerberheime anstecken oder Busse mit Flüchtlingen terrorisieren. […] Das beste Mittel gegen Fremdenhass ist aus meiner Sicht immer noch ein starker Staat, da bin ich ganz altmodisch. Wo Leute sich zusammenrotten, um anderen Angst einzujagen, hilft nur die eiserne Faust der Ordnungsmacht. Leider kommt die Polizei mit der Arbeit kaum noch nach. […]. Auf der „Achse des Guten“ hat neulich jemand einen Auszug aus dem „Jahres-Geschäftsbericht“ der Antifa in Leipzig gepostet: Brandanschläge auf Bahnanlagen, Überfälle auf Polizeiposten, Anschläge auf Firmen und Parteibüros, Überfälle auf Geschäfte in der Innenstadt – es gab kaum einen Monat, in dem es 2015 nicht irgendwo brannte oder knallte.

Vielleicht sollte man die Polizei von links ein wenig entlasten, dann müssten alle gegen rechts weniger Haltung zeigen.

Keine Sorge, ich erklärs gleich auch noch mal sachlich, aber einmal vorweg, um ein bisschen was gegen den üblen Geschmack in meinem Mund zu machen: Ich hab das oben in der Einleitung nicht leichtfertig geschrieben. Ich finde, spiegel.de sollte sich schämen, dass dieser Mist bei ihnen zu lesen ist. Natürlich darf man auch mal kontroverse Meinungen veröffentlichen, und natürlich soll man als Medium sogar nicht nur Meinungen repräsentieren, die man selbst gutheißt. Aber kein Medium wird dadurch verpflichtet, den verantwortungslos hingerotzten Stuss von Leuten zu veröffentlichen, die absolut nichts begriffen haben und darauf so stolz sind, dass sie es am liebsten ganz oft und laut allen sagen wollen. Und gerade in der Situation, in der ja nun mal tatsächlich Asylunterkünfte angezündet werden, macht sich in meinen Augen mitschuldig, wer diesen Leuten Raum bietet, sich öffentlich auf unser aller Schuhe zu erbrechen.

Okay, das reicht. Zum sachlichen Teil. In meinen Augen ist Herr Fleischhauers Artikel vorrangig aus den folgenden Gründen schädlich:

  1. Er sagt ungefähr, dass die einzige sinnvolle Möglichkeit, sich gegen Rassismus zu engagieren, darin besteht, Leuten den Brandbeschleuniger aus der Hand zu schlagen, wenn sie schon das Streichholz in der anderen halten, und dass deshalb wir alle keinerlei Chance und damit auch keinerlei Verantwortung haben, irgendwas dagegen zu tun, weil dafür ja die Polizei da ist.
  2. Er sagt damit auch, dass das Problem des Rassismus nur in diesen krassen Straftaten besteht und impliziert, dass es den nicht strafbaren Alltagsrassismus gar nicht gäbe, der sich zum Beispiel in der Benachteiligung bei Bewerbungen äußert, oder auch einfach im Umgang miteinander, in dummen Witzen und „Na, man weiß doch, wie die sind“-Sprüchen.
  3. Er sagt damit weiterhin, dass all die Leute, die gerade keine Asylunterkunft anzuzünden versuchen, frei von Rassismus sind, und dass da keinerlei Ansatzpunkt für Kritik oder Verbesserung mehr erkennbar ist.
  4. Er hat am Ende sogar noch die Dreistigkeit, das Problem mit rechtsradikaler Gewalt darauf zurückzuführen, dass die Polizei mit linksradikaler Gewalt überlastet sei und deshalb nicht effektiv dagegen vorgehen könne. Das ist auf so vielen Ebenen und so offensichtlich falsch, niederträchtig und rundum widerlich, dass ich keine Lust habe, es zu erklären. Aber
  5. einen Punkt will ich doch noch ansprechen: Er setzt implizit Engagement gegen Rassismus mit linksradikaler Gewalt gleich, indem er schreibt: „Ein Grund für die Überlastung der Polizei ist, dass sie ständig auch noch auf Leute aufpassen muss, deren Lebensinhalt darin besteht, gegen rechts zu sein.“ Entweder weiß er eigentlich, dass “gegen rechts zu sein“ was völlig Anderes ist als linksradikale Gewalt, und verschleiert gezielt den Unterschied, oder er weiß es nicht, oder er kann es nicht so formulieren, dass es rüberkommt. Jede dieser Alternativen sollte ihn als Kolumnisten für jedes Medium disqualifizieren, das noch ein kleines bisschen Respekt vor sich und seinen Leserinnen hat.

Ich muss leider mit meiner Zeit ein bisschen haushalten, aber ihr dürft natürlich in den Kommentaren gerne noch weitere Gründe sammeln. Mit ein bisschen Arbeit schafft mans mindestens in den mittleren zweistelligen Bereich, schätze ich.

Ich jedenfalls kann Herrn Fleischhauer leider, wie sein Ressortleiter, auch nicht weiterhelfen bei seiner Suche nach Möglichkeiten, dem Hass entgegenzutreten und Haltung zu zeigen. Dafür müsste ich nämlich Dieter Nuhr zitieren, und das kann ja nun wirklich niemand wollen.


Die Aufgabe der Politik

1. Januar 2013

Ich habe jetzt zum ersten Mal diese Kolumne gelesen, die Jakob Augstein auf Spiegel.de schreibt, weil ich mir dachte: Warum nicht?

Es war eine gute Idee, denn meine Frage wurde umfassend beantwortet.

Warum werden die Reichen reicher und die Armen ärmer? Das ist eine Kinderfrage. Aber sie liegt am Grunde der Politik.

Schon am Einstieg finde ich wieder diese Merkwürdigkeiten, die mir in letzter Zeit so oft auffallen, dass ich mich frage, ob es an mir liegt. Vielleicht könnt ihr es mir ja sagen. Bin ich zu schwer von Begriff? Stelle ich mich vielleicht sogar unnötig dumm, weil sich mir schon beim Titel „Im Zweifel links“ die Nackenhaare aufstellen? Falls ja, könnt ihr mir vielleicht erklären, warum das eine Kinderfrage ist, was das überhaupt heißen soll, und was er meint, wenn er schreibt, sie liege „am Grunde der Politik“. Falls es tatsächlich stimmt, dass die Reichen reicher und die Armen ärmer werden, sehe ich nicht, wieso nur Kinder sich dafür interessieren sollten, woran das liegt. Und sicher, mir ist schon klar, dass er mit dem dritten Satz ausdrücken will, die Frage sei wichtig. Aber wieso liegt sie am Grunde? Was am Grunde von irgendwas liegt, zeichnet sich nicht unbedingt durch Bedeutung aus, es ist einfach versunken und nur mühselig wieder hinauf ans Tageslicht zu holen. Meint er das vielleicht? Hm.

Egal.

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