We bring you both s-, no actually, we don’t.

13. August 2018

Spiegel.de hat ein pro&kontra veröffentlicht, immerhin nicht zur Frage, ob man ertrinkenden Menschen helfen oder es lieber lassen sollte, aber vom Niveau her ist es nicht weit weg. Vor allem das kontra natürlich, das pro hab ich wieder nicht gelesen. Vielleicht wird das jetzt mein USP, in Zukunft.

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Christian Montag hält es nicht aus.

13. Mai 2018

Spiegel Online deckt mal wieder schonungslos einen besorgniserregenden Trend auf:

in Großbritannien werden in Schulen immer mehr digitale Uhren angebracht, weil Schüler die analogen offenbar nicht mehr lesen können.

Stellt euch das nur mal vor!

(Mit dem sicherlich völlig irrelevanten Detail, dass im verlinkten Artikel steht:

Wie viele Schulen in Großbritannien damit begonnen haben, analoge Uhren durch digitale Uhren zu ersetzen, ist allerdings unklar. Statistiken gibt es nicht dazu.

wollen wir uns nicht weiter aufhalten. Dass Spiegel zu seinen Lesenden nicht aufrichtig ist, wissen wir ja eh alle.)

Spiegel Online hat deshalb den Psychologen Christien Montag gefragt, und ich will euch keine Angst machen, aber der Experte sagt dazu:

 Ich kann mir vorstellen, dass es in Deutschland ähnlich kommen wird.

ER KANN ES SICH VORSTELLEN!!!!

Habt ihr euch wieder beruhigt? Nein? Okay. Dann geb ich euch noch ein paar Minuten.

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Quis aggravat ipsos aggravantes?

28. Juli 2016

Man kann die folgende Geschichte mit guten Gründen egal finden. Aber ich finde sie zumindest ein bisschen ulkig und außerdem auch vage enttäuschend, deshalb möchte ich sie mit euch teilen. Die Geschichte geht so:

Vor ein paar Monaten kündigte Stefan Niggemeiner an, in Kooperation mit Boris Rosenkranz eine neue Seite aufzuschlagen, und diese Seite sollte übermedien heißen und kritisch, unterhaltend und unabhängig über Medien berichten. Wie man das halt kennt von Stefan Niggemeier. Ich war auch von Anfang an als Fan und mit kurzen Unterbrechungen als Abonnent dabei. Wie die Unterbrechungen schon ahnen lassen, gefiels mir nicht immer. Das lag nie an den beiden Gründern, sondern daran, dass mir einige der Beiträge von anderen Autor(inn)en so missfielen, dass ich mich zeitweise wohler damit fühlte, ihre Arbeit nicht mehr finanziell zu unterstützen. Jetzt gerade bin ich aber wieder Abonnent und durchaus regelmäßig begeistert von den Texten, die mir dort kredenzt werden.

Aber manchmal ist übermedien auch komisch. Zum Beispiel: Am 6. April 2016 erschien ein wie üblich sehr gelungener Beitrag vom Meister selbst, in dem es darum ging, wie schade es ist, dass die Süddeutsche Zeitung nach ihren Panama-Pampers-Berichten die daraufhin erschollene Kritik weitgehend ignorierte.

Man kann es ja beklagen, dass sich nichts mehr enthüllen lässt, das die Machthaber in Russland in einem schlechten Licht dastehen lässt, ohne dass gleich gefühlt das halbe Internet „Lügenpresse“ brüllt und: Klar, der Putin, und was ist mit Amerika? Aber man kann es auch als Tatsache hinnehmen und damit umgehen. Es nicht ignorieren, sondern auf die berechtigte Kritik eingehen und erklären, warum die unberechtigte Kritik unberechtigt ist. Es ist fahrlässig, darauf zu verzichten.

Und ich dachte, ja, genau, bloß gut, dass es im Internet so Formate mit Kommentaren gibt, in denen man dann wirklich über Sachen diskutieren… Moment. Und ich schrieb:

Hm.
Gehört nicht so richtig hierher, aber ich finds gerade ulkig genug, ums zu schreiben: Über den Umgang mit Kritik hab ich auch zufällig kürzlich nachgedacht. Gibt es da für übermedien-Autor(inn)en irgendwelche Richtlinien?

Mein Kommentar verlinkte als Beispiel auf diesen Beitrag von Marie Meimberg (Offenlegung: deren Beiträge der Grund waren, aus dem ich zeitweise mein Abonnement gekündigt hatte), unter dem sich einige nicht offensichtlich abwegige Kritik fand, aber keinerlei Reaktion von Seiten der Autorin oder eines anderen übermedien-Repräsentanten. Ich hätte sicher auch andere Beispiele wählen können, aber ich hab nun diesen genommen (Offenlegung: sicher auch, weil mir Marie Meimbergs Beiträge einfach massiv auf den Geist gingen). Als Antwort auf meine Frage erhielt ich: keinerlei Reaktion von Seiten des Autors oder eines anderen übermedien-Repräsentanten. Na gut. Ich fand das zwar ganz lustig, dass ausgerechnet unter so einem Artikel so eine Frage so ein Schweigen erntet, vergaß die Sache dann aber irgendwann weitgehend (Offenlegung: möglicherweise auch aus Erleichterung darüber, dass die Beiträge von Marie Meimberg wenig später aufhörten).

Bis vor Kurzem dieses Interview hier meine Neugier weckte, dem zur Überschrift ein Zitat aus dem Interview dient, das allerdings im Interview etwas anders lautet als in der Überschrift. Nicht sinnentstellend oder sonstwie irreführend, einfach nur eine etwas andere Reihenfolge der Wörter. Und ich schrob:

Jetzt interessiert mich brennend, warum dieser Satz für die Überschrift nicht so lauten durfte, wie er im Interview lautet, sondern so lauten musste, wie er in der Überschrift lautet.

Und erhielt keine Antwort. Das erinnerte mich an meine andere, mutmaßlich etwas interessantere Frage, und ich nutzte die Gelegenheit, sie zu wiederholen:

Ich will ja nicht nerven, ehrlich, aber ich wüsste es halt so gerne: Habt ihr irgendwelche Kriterien für den Umgang mit Kommentaren, insbesondere potentiell kritischen Fragen? Wollt ihr die prinzipiell gerne alle beantworten, kommt aber nicht dazu, oder ist das von vornherein nicht euer Anspruch, oder nehmt ihr nur die, die ihr interessant findet, oder…?

Spätestens hier wäre mir wichtig zu erwähnen, dass ich es gar nicht weiter schlimm finde, wenn jemand manche Kommentare unter seinem Blog ignoriert. Ich mach das sogar auch. Aber ich finde erstens, dass eine Medienkritik-Seite, die Medien dafür kritisiert, dass sie Kritik ignorieren, vielleicht ein System haben sollte, wie sie mit Kritik umgeht, und das auch irgendwie offenlegen. „Hey tut uns leid, wir müssen alle auch von irgendwas leben und haben einfach keine Zeit“ würde ich sogar akzeptieren. Aber, ihr ahnt es vielleicht…

*räusper, unsicher umguck* Hallo?
Soll ich dann das Licht ausmachen, wenn ich gehe…?

Nun ist das ja verständlich, irgendwie. Wer keine Zeit hat, hat nun mal keine Zeit, vielleicht nicht mal, um zu schreiben, dass er keine Zeit hat. Ist okay. Aber da war noch was, was ich weniger verständlich finde. Dieses Interview ist nämlich nicht nur auf übermedien erschienen, sondern auch bei spiegel.de. Gegen Geld. Im Rahmen einer Kooperation. Was jemanden bei Twitter zu der Frage führte:

@paulk3mp erhielt sogar eine Antwort auf diese Frage, nämlich:

Und das fand ich dann doch sehr eigenartig. Klarstellung: Mich stört die Kooperation nicht. Ich traue Stefan Niggemeier eigentlich bedenkenlos zu, sich davon nicht beeinflussen zu lassen. Ich sehe ein, dass man ehrenwerte Projekte halt irgendwie finanzieren muss. Aber mich stört, wie das alles gelaufen ist. Die Kooperation wurde auf übermedien selbst nirgends erwähnt oder thematisiert, und Stefan Niggemeier schreibt als Antwort auf eine gezielte Nachfrage ganz ernsthaft, dass er keinerlei Zusammenhang zwischen der Unabhängigkeit einer medienkritischen Website und der (zumindest unter anderem) monetär motivierten Kooperation mit einem wichtigen Medium sieht. Er findet, man ist gegenüber zahlenden Kunden „ganz unabhängig“, zumindest, wenn man übermedien ist. Keine Ahnung, ob er das verallgemeinern würde. Ich habe mich deshalb dazu durchgerungen, weiter den nervigen Streber zu machen – ja gut, dafür muss ich mich nicht besonders anstrengen, zugegeben – und habe nachgehakt, woraufhin er antwortete:

Der Link führt zu einem Interview, in dem Boris Rosenkranz erklärt, dass sie nicht genug Abonnenten haben, das Projekt sich noch nicht trägt, und solche Kooperationen oder auch Werbung sich deshalb als sinnvolle Möglichkeiten zur ergänzenden Finanzierung anbieten. Auf gezielte Nachfrage antwortet er:

Es ändert sich ja nichts. Wir bleiben weiter unabhängig und produzieren unsere Inhalte.

Und jetzt kommt halt der Punkt, an dem ich finde, dass die beiden in Anbetracht ihrer selbst gewählten Aufgabe entweder einen bemerkenswerten Mangel an Problembewusstsein demonstrieren oder sogar ihr Publikum verschaukeln. Ein ausgesprochen kluger, dabei aber auch sympathischer und auffällig gutaussehender Kommentator schrieb dazu auf Twitter:

 

Ihr dürft jetzt raten, was die Antwort war.

 


Das sensationelle Interview mit einem verrückten Reformerpapst. Oder so.

20. September 2013

Kann jemand mir erklären, wo diese Begeisterung für den aktuellen Papst herkommt? Ich fand die Jungs ja an und für sich immer schon persönlich sympathisch, aber inhaltlich inakzeptabel, und ich kann da beim besten Willen keinen grundlegenden Unterschied zwischen den drei letzten sehen.

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Man kann sich drehen wie man will, der Arsch bleibt immer hinten.

7. Januar 2013

Es ist ein bisschen schwierig, Seriosität zu bewahren bei dem Versuch, darüber zu berichten, dass man es nicht statthaft hält, über ein bestimmtes Thema zu berichten. Ich habe in dieser Hinsicht zwar nicht viel zu verlieren, aber über die Trennung der Wulffs hätte ich aufgrund der monumentalen Egalheit der ganzen Geschichte wahrscheinlich trotzdem geschwiegen, hätte ich da nicht zufällig bei Spiegel Online diesen bemerkenswerten Beitrag Stefan Kuzmanys gelesen, der von dem putzigen kleinen Spruch da oben offenbar noch nicht gehört hat. Er beginnt durchaus vielversprechend:

Es geht uns nichts an. Wir wissen nichts.

Darauf folgt sogar noch ein ganzer Absatz, in dem Kuzmany uns erklärt, warum es uns nichts angeht. Und dann beginnt natürlich das unvermeidliche Aber, seinen unheilvollen Schatten über Kuzmanys bis hierhin noch durchaus zustimmungsfähige Argumentation zu werfen:

Es wird am Tag dieser Nachricht keinen Abendbrottisch in diesem Land geben, an dem nicht über diese Trennung geredet wird.

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Dann bin ich wohl Geschichtsrelativist.

4. Dezember 2012

Spiegel Online berichtet über Tuvia Tenenbom und sein Buch „Allein unter Deutschen. Eine Entdeckungsreise.“ Da geht es um Antisemitismus in Deutschland, und ich halte das für eine gute Gelegenheit, mal wieder über dieses Thema zu sprechen, denn da fehlt mir anscheinend noch die eine oder andere Einsicht, und vielleicht könnt ihr mir dabei helfen. Fangen wir mal an.

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Da lacht das Web

27. September 2011

Habt ihr auch so einen nervigen Freund, der euch nicht nur dauernd vom neuesten Trend erzählt, sondern dazu auch noch ausführlich erklärt, was daran so besonders edgy, funky und tubular ist? Ich nicht, aber ich habe auch sowieso kaum Freunde… Egal. Jedenfalls sieht Spiegel Online diese Strategie anscheinend als den Weg in die Zukunft für ein traditionsreiches Nachrichtenmagazin. Oder jemand dort in der Redaktion hat einfach nur entdeckt, dass es Witze auf Twitter gibt und hatte dringend noch ein paar Zeilen zu füllen.

Die beiden am häufigsten, in verschiedenen Varianten per Twitter verbreiteten Witze gehen so:

 Der Barkeeper sagt: „Tut mir leid, wir bedienen keine Neutrinos, die schneller sind als das Licht.“ Ein Neutrino kommt in eine Bar.

„Neutrino!“ – „Wer ist da?“ – „Toc, toc.“

Nanu, fragt ihr euch, was ist das denn? Fürchtet euch nicht, denn Spiegel Online hat die Antwort:

Das Ganze ist feinster Nerdhumor, der sich wohl nicht jedem sofort erschließt. Die Surfer jedenfalls sind begeistert.

Die Surfer. Ja… Und warum? wollt ihr jetzt vielleicht wissen. Was ist denn daran komisch? Nun…

Neutrinos beantworten eine Frage, bevor sie gestellt wird. Und sie sind so schnell unterwegs, dass sie den klassischen Witzaufbau auf den Kopf stellen: Die Pointe kommt nicht zum Schluss, sondern gleich zu Beginn.

Verstehen Sie? Verstehen Sie? Crazy, diese Surfer…  Oder? Oder?

Und ihr ahnt es wahrscheinlich schon, diese verrückten Twitter-Nutzer treiben es natürlich immer weiter.

Die mögliche Verletzung des Prinzips von Ursache und Wirkung sorgt unter Twitter-Nutzern für einen regelrechten Wettstreit um den besten, noch verrückteren Neutrino-Witz:

Der LHC-Beschleuniger hat in diesem Jahr schon zum zweiten Mal gegen das Kausalitätsprinzip verstoßen. Das erste Mal wird im Dezember sein.

Wer Spiegel Online nicht kennt, erwartet vielleicht, dass da irgendwann noch mehr kommt. Der denkt womöglich, dass das doch unmöglich alles sein kann, dass da einfach nur identischer Witz an identischen Witz gereiht wird, mit An- und Abmoderationsbrocken dazwischen, auf die Fritz Egner zu besten „Die witzigsten Werbespots der Welt“-Zeiten stolz gewesen wäre. Der irrt natürlich.

Wie aus einem Monty-Python-Sketch wirken folgende zwei Sätze:

[Ich lasse die Witze von jetzt an weg, die könnt ihr euch selbst dazu denken, falls sie euch interessieren. Das Prinzip habt ihr ja hoffentlich verstanden.]

Mittlerweile scheint das Phänomen manchen sogar mächtig zu nerven:

[…]

Die Überlichtgeschwindigkeit von Neutrinos könnte sogar die Datenübertragung im Internet beschleunigen, scherzt der Nutzer I_Madcap:

Stefan Niggemeier fragt sich ja gelegentlich, ob bei den Online-Portalen der deutschen Zeitungen und Nachrichtenmagazine noch Menschen arbeiten. Ich denke, die Frage ist damit beantwortet. Die Maschinen, die ich kenne, wären sich für sowas jedenfalls zu schade.