Nils Minkmar hat mich auf Twitter blockiert

10. März 2019

Und ich habe ihn einmal hier im Blog beiläufig gedisst. Trotzdem neige ich intuitiv immer noch dazu, ihn irgendwie für jemand Gutes zu halten, weil Stefan Niggemeier sich irgendwann mal sehr bewundernd über ihn geäußert hat. Das ist nicht rational gerechtfertigt, deshalb bin ich froh, dass er hart daran arbeitet, dieses Vorurteil zu beseitigen. So beeindruckend wie jetzt gerade auf spiegel punkt de eh habe ich ihn aber noch nie die Rolle des ahnungslosen Alten Weißen Mannes spielen sehen, und weil das so beeindruckend war, möchte ich euch daran teilhaben lassen.

Dieser Hase ist kein Skandal

ist die gewagte These, die er offenbar zu verteidigen gedenkt, und falls Leute sich nicht so für Hasen begeistern können, legt er gleich mit 1 paar ziemlich radikalisierenden Inhalten los. Er leitet das ein mit dem üblichen vagen Geschwafel, in diesem Fall darüber, dass Deutschland groß ist und einen Diskurs braucht, der aber harmlos sein muss, weil niemand was riskieren will (Ernsthaft?? Er hat den Eindruck, dass der öffentliche Diskurs derzeit komplett harmlos ist, weil niemand was riskiert?). Das kulminiert so:

Man regt sich kurz und heftig über ein Thema auf, dessen Irrelevanz nicht bezweifelt werden kann.

Und Themen, deren Irrelevanz nicht bezweifelt werden kann, was ist das wohl für Herrn Minkmar, unser heutiges Beispielexemplar des ahnungslosen Alten Weißen Mannes?

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Einen neuen Fricke braucht der Spiegel

8. Februar 2019

Freie vs. regulierte Marktwirtschaft

Überschreibt Thomas Fricke seine Kolumne und zeigt damit schon grob, wohin die Reise geht.

Schlagloch

Dieser Weg wird kein leichter sein, nehme ich an.

Ihr könnt euch denken, dass neoliberale Vollpfosten wie ich da nicht die Klappe halten können?

Ihr denkt richtig! Wer das Desaster ganz miterleben will, folgt mir bitte hinter den Trennstrich, alle anderen malen sich das ganze Ausmaß meiner schon in jungen Jahren diagnostizierten frühkapitalistischen Arschlochhaftigkeit nur still schaudernd aus.

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We bring you both s-, no actually, we don’t.

13. August 2018

Spiegel.de hat ein pro&kontra veröffentlicht, immerhin nicht zur Frage, ob man ertrinkenden Menschen helfen oder es lieber lassen sollte, aber vom Niveau her ist es nicht weit weg. Vor allem das kontra natürlich, das pro hab ich wieder nicht gelesen. Vielleicht wird das jetzt mein USP, in Zukunft.

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Christian Montag hält es nicht aus.

13. Mai 2018

Spiegel Online deckt mal wieder schonungslos einen besorgniserregenden Trend auf:

in Großbritannien werden in Schulen immer mehr digitale Uhren angebracht, weil Schüler die analogen offenbar nicht mehr lesen können.

Stellt euch das nur mal vor!

(Mit dem sicherlich völlig irrelevanten Detail, dass im verlinkten Artikel steht:

Wie viele Schulen in Großbritannien damit begonnen haben, analoge Uhren durch digitale Uhren zu ersetzen, ist allerdings unklar. Statistiken gibt es nicht dazu.

wollen wir uns nicht weiter aufhalten. Dass Spiegel zu seinen Lesenden nicht aufrichtig ist, wissen wir ja eh alle.)

Spiegel Online hat deshalb den Psychologen Christien Montag gefragt, und ich will euch keine Angst machen, aber der Experte sagt dazu:

 Ich kann mir vorstellen, dass es in Deutschland ähnlich kommen wird.

ER KANN ES SICH VORSTELLEN!!!!

Habt ihr euch wieder beruhigt? Nein? Okay. Dann geb ich euch noch ein paar Minuten.

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Was Christian Stöcker mit Etatismus zu tun hat

29. Juli 2017

Das wird jetzt wieder so ein sachlich-entspannter Beitrag ohne Beschimpfungen, Facepalms und Versalien. Gut, oder?

Christian Stöcker hat für Spiegel Online eine Kolumne geschrieben. Schlimm genug, meint ihr jetzt, und mit Recht, aber es geht noch weiter. Er schildert darin

eine vielbeachtete Nachricht über Rasierklingen, und eine andere, die fast unbemerkt blieb

Die mit den Rasierklingen, falls ihr sie nicht so viel beachtet habt, geht so:

Wilkinson darf keine billigen Ersatzklingen für den bekannten „Mach3“-Rasierer des Konkurrenten Gillette verkaufen. Vorräte müssen übergeben werden.

Stöcker erklärt uns dann noch mal kurz, wie das Prinzip funktioniert, dass man Rasierapparate sehr billig verkauft, um dann an den Klingen dazu viel zu verdienen, und dass das zum Beispiel bei Druckern mit der Tinte bzw. Toner und bei Spielkonsolen mit den Spielen auch so läuft.

Wer über ein geschlossenes System und ausreichende Marktdurchdringung verfügt, der legt die Regeln fest, nach denen gespielt wird.

Von da aus zeichnet er dann die Risiken, die sich daraus ergeben, so wie Google zum Beispiel in China bis 2010 für „Platz des Himmlischen Friedens“ keine politisch relevanten Suchergebnisse lieferte.

Und damit wären wir bei der Mozilla Foundation, der Non-Profit-Organisation hinter dem Firefox-Browser. Die hat diese Woche ein Programm namens „Project Common Voice“ enthüllt.

Anders als Amazon, Google, Microsoft und Apple will Mozilla das Ganze Open Source machen, was Stöcker in der üblichen Weise ein bisschen dumm-verklärt schildert als

Die Basis also für einen verständigen digitalen Assistenten, der weder Google noch Apple noch Amazon gehört, sondern uns allen.

Jo. Und was soll daran jetzt auszusetzen sein?

Naja. Wenn man mal schaut, dann sind die Probleme, die Stöcker aufführt, fast ausschließlich (Eine Ausnahme macht zum Beispiel das Pornoverbot im App Store, das er auf Jobs‘ persönliche Ablehnung gegen Pornografie zurückführt.) Probleme missbrauchter staatlicher Autorität.

Gillettes Geschäftsmodell wird gestützt durch den staatlichen Gewaltapparat, der es vor Konkurrenz schützt, mit meines Erachtens nicht tragfähiger Begründung. Googles Zensur wird verursacht durch den Zwang der chinesischen Regierung.

Die Orbáns, Erdogans und Putins dieser Welt beziehen ihre Macht nicht aus Marktdurchdringung und einem geschlossenen, erfolgreich vermarkteten System, sondern aus der Autorität des Staates, den sie beherrschen.

Man kann natürlich trotzdem der Meinung sein, dass es dann wünschenswert ist, wenn man es den Regierungen wenigstens schwer macht, ihre Regeln durchzusetzen, indem man alles möglichst dezentral organisiert. Ich bin nicht überzeugt, dass Mozilla mit seinem Sprachassistenten an einem besonders wichtigen Punkt ansetzt, oder dass dieser Ansatz ein extrem Erfolg versprechender gegen die Einflussnahme von Staaten ist, aber ich kenn mich damit auch nicht aus, mag also sein.

Aber wenn man schon darüber schreibt, wie es besser sein sollte, warum nimmt man denn dann die Probleme, die eigentlich an der Wurzel dessen liegen, worum man sich sorgt, einfach als gegeben hin? Warum erwähnt man dann nicht zum Beispiel kurz, dass die Zentralisierung von wirtschaftlicher Macht unter anderem ganz maßgeblich damit zu tun hat, dass sie von staatlicher Regulierung unterstützt und vor Wettbewerb verteidigt wird? Warum wünscht man sich emphatisch eine Dezentralisierung einer Technologie, die man heutzutage noch guten Gewissens als irrelevanten Spielkram bezeichnen darf, redet aber nicht mal davon, dass es doch schön wäre, auch an der Dezentralisierung wesentlich relevanterer und belastenderer Herrschaftsstrukturen zu arbeiten als der von Gillette über die rasierenden Massen?

Weil es doch im Endeffekt weder Gillette ist, noch Amazon, noch Apple, die die Regeln festlegen, nach denen gespielt wird, sondern eine Institution, von der Herr Stöcker wahrscheinlich auch in seiner eher optimistischen Einstellung sagen würde, dass sie „uns allen“ gehört, und die aber jedenfalls auch oft ganz anschaulich demonstriert, wie wenig das im Ernstfall manchmal besser macht.

Stiefel.jpg

 

Oder was meint ihr?


You keep using that word.

24. Mai 2017

Feigheit

Wie ist das eigentlich? Können wir uns eventuell darauf einigen, dass zu den vielen Dingen, die man an Leuten kritisieren kann, die sich im Dienste einer Sache, die sie für wichtig und gerecht halten, Sprengstoff umschnallen, um damit unter Opferung des eigenen Lebens einen Schlag gegen den von ihnen selbst so wahrgenommenen Feind auszuführen, nicht gehört, dass es ihnen an Mut fehlen würde?

Wäre das als Minimalkonsens eventuell möglich?

Wollen wir nicht vielleicht über andere Sachen reden, die da falsch laufen, und dazu beitragen, dass sowas passiert? Und wollen wir dabei vielleicht darauf verzichten, diesen widerlichen Krieger-Ethos zu perpetuieren, der solchen Leuten das Gefühl gibt, was Cooles zu machen?

Was meint ihr?


Wenn Tanzen, dann bitte nur in der Reihe

14. August 2016

Andreas Evelt hat einen durchaus nicht ganz kurzen Text geschrieben zu dieser Sache von dem Sportler, der sich wohl irgendwie anders verhalten hat als Leute gehofft hatten. Und während ich nicht ganz verstehe, wieso man 2016 für sowas noch Aufmerksamkeit bekommt, mich aber damit abfinden kann, dass es halt so ist – und dass Leute sich sowas 1516 wahrscheinlich auch schon so ähnlich gefragt haben -, versteht Herr Evelt was anderes nicht:

Er sei kein PR-Mensch, sagte der neue Olympiasieger auf der Pressekonferenz nach dem großen Erfolg im Diskusfinale. […]

Und gleichzeitig inszeniert er sich inmitten dieser Maschinerie.

[…]

Dabei musste Harting wissen, dass genau das noch mehr Aufmerksamkeit, noch mehr Öffentlichkeit bedeuten würde.

[…]

Als Person des öffentlichen Lebens, die er – wie er später selbst eingestand – spätestens durch den Olympiasieg ist, hat Harting eine Vorbildfunktion, eine Verantwortung. Die Chance, diese zu nutzen, hat er in den ersten Stunden seines größten Erfolges fahrlässig verstreichen lassen.

Und ich hab natürlich überhaupt keine Ahnung davon, ob Herr Harting sich nun gezielt irgendwie zu inszenieren versucht oder nicht, und ob Herr Evelt tatsächlich so verblüfft ist, wie er tut, und so, aber so ganz grundsätzlich denke ich nach der Lektüre dieses Textes:

Erstens ist das in meinen Augen eine einigermaßen geschmacklose, nicht zuletzt von der Bild-Zeitung bekannte Technik, Leuten quasi vorzuwerfen, sie würden ja schließlich willentlich mit den Medien arbeiten und/oder spielen, und damit wiederum die eigene Berichterstattung inklusive Herumhacken auf diesen Leuten zu rechtfertigen. Gerade im Kontext der olympischen Spiele finde ich, dass das so nicht geht, denn Herr Evelt verkennt, oder lässt ganz bewusst galant unerwähnt, dass man als Olympiasieger ja nun mal gar keine Wahl hat, als „sich inmitten dieser Maschinerie“ zu inszenieren, wenn man denn nicht die Teilnahme ganz sausen lassen will, und dass Harting sicherlich „wissen musste“, dass unkonventionelles Verhalten mehr Aufmerksamkeit bedeutet, dass ja aber andererseits die Medien, die Herr Evelt hier klar repräsentiert, diesen Umstand so erst schaffen durch ihre alberne Überhöhung dieses Ereignisses und das permanente  aufgeregte Getratsche über jeden Quatsch, der irgendwie vage damit im Zusammenhang steht. Dass sie damit andererseits natürlich nur ein vorhandenes Interesse in ihrer Zielgruppe bedienen, ist mir wiederum auch klar, ändert aber nichts dran. Was soll man als Olympiateilnehmerin denn machen, um sich nicht zu inszenieren, irgendwie? Und ist es wirklich erstrebenswert, Leute dahin zu erziehen, dass sie bitte immer schön im vorgesehenen Rahmen bleiben und ja nichts tun, das die Gefahr birgt „noch mehr Aufmerksamkeit“ auf sich zu ziehen? Wäre Harting seiner „Vorbildfunktion“ und seiner „Verantwortung“ gerechter geworden, wenn er sich einfach maximal angepasst, oder sich zumindest hinterher einfach brav entschuldigt und seinen Fehler eingesehen hätte (der genau worin überhaupt noch mal bestand?)?

Und was ich auch immer wieder denke: Wollen wir nicht überhaupt allmählich mal aufhören, Leuten eine besondere „Vorbildfunktion“ und „Verantwortung“ aufzuhalsen, weil sie eine Scheibe ein bisschen weiter werfen können als andere Leute?