Restebloggen (92)

11. Mai 2013
  1. Zum Glück nur in Amerika.
  2. „If you have faith and give me the $ 15,000, maybe one day the car will reveal itself to you.“
  3. Ey nee geh mir weg mit Into Darkness. Ich hab Star Trek 2009 gesehen, und damit war der Franchise für mich tot. Ja. Das ist eigentlich merkwürdig. Voyager hab ich hingenommen (nota bene hingenommen, nicht gesehen!), Enterprise hab ich hingenommen, Generations hab ich hingenommen, aber Star Trek 2009 hat dann meinen endgültigen Abschluss mit dem Thema markiert, und meine Entscheidung besiegelt, dass ich Star Trek insgesamt nicht mag. Bin durch mit dem Thema.
    Und ja, das ist mir zwei Absätze wert, so durch bin ich damit: Verdammt noch mal, wie kann das eigentlich sein, dass Firefly nach einer Staffel abgesetzt wird und Babylon 5 auch für immer verschwunden ist, aber zu Star Trek kommt nutzloser Drecksfilm nach nutzlosem Drecksfilm, und es geht einfach immer weiter? Verdammt noch mal, die Terminator-Serie hatte durchdachtere Plots und interessantere Charaktere und bessere Dialoge als Star Trek sie jemals zustande gebracht hat, sogar die, und die wurde natürlich auch abgesetzt, ist ja klar, weil es am Ende der zweiten Staffel wirklich so aussah, als könnte da was echt Gutes draus werden. Von Pushing Daisies will ich gar nicht erst anfangen, das hat nun auch wirklich gar nichts mehr mit Science Fiction zu tun, aber trotzdem. Ihr wollt doch, dass dieser Planet verglast wird, wenn ihn eines Tages mal echte Aliens entdecken, oder? Gut. Ich auch.
  4. Auch schön:

    „No good plan begins with magic sperm!“
  5. Ganz interessant: Postituierte lernen bei einer Beratungsstelle, wie sie auf die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderung eingehen können. Mir fehlt in dem Artikel die Auseinandersetzung mit der Problematik der Sexualität von geistig Behinderten. Wir können doch schwerlich Sex mit Kindern (fast) bedingungslos unter Strafe stellen, weil wir sie nicht für mündig halten, in dem Bereich eine Entscheidung zu treffen, bei geistig Behinderten, die unter Umständen aber sogar noch weniger durchschauen, was geschieht, dann aber gar kein Problem sehen.
  6. Wie Heribert Prantl sich das mit dem Rechtsstaat vorstellt: „Die Auswertung von Festplatten und Steuer-CDs ist, auch bei fragwürdiger Herkunft, ein Akt der Notwehr gegen parasitären Reichtum.“ Ob er nun generell Verfahrensvorschriften und Grundrechte in der Strafverfolgung zur Disposition stellt oder Notwehr nur gegen das Behalten verdienten Geldes für zulässig hält, nicht aber gegen Vergewaltigung, Mord oder Entführung, lässt er zwar offen, aber ich darf schon mal sagen, dass das, was nach Implementierung seiner Vision bliebe, kein Rechtsstaat mehr wäre. Und das finde ich persönlich erheblich asozialer einen Parasitismus, der darin besteht, dass man sein Eigentum trotz massiver Drohungen nicht rausrückt.
  7. Und wo ich schon mal beim Nörgeln bin: Wie Kate Darling sich das mit der Ethik vorstellt: „Wir sollten Roboter schützen, wie wir es mit Tieren tun. […] Beim Tierschutz gehe es nicht primär um Tiere, sondern um Menschen. Wir schützen Dinge, die uns an uns selbst erinnern, weil wir uns selbst schützen wollen. Beim Tierschutz gehe es vor allem darum, Verhalten zu bestrafen, das in einem anderen Zusammenhang auch für Menschen gefährlich sein könnte.“ Ist klar. Und weil ja Gemälde und Statuen auch viele von uns an Menschen erinnern, sollten wir am besten auch gleich Leute bestrafen, die die beschädigen, weil es viel wichtiger ist, leblosen Gegenständen Leid zu ersparen, als echten Menschen, und weil es natürlich grundsätzlich eine total gute Idee ist, Verhalten gegen Gegenstände zu bestrafen, das Menschen gefährlich sein könnte, wenn es sich nicht gegen Gegenstände richten würde, sondern gegen Menschen. Ich brech ins Essen.

Unmoralische Daten

3. März 2011

Ich habe da gestern diese Rezension einer Voyager-Episode gesehen, und ich wüsste gerne, was ihr darüber denkt:

Für alle, die keine Lust haben, sich das anzusehen, hier eine stark eingedampfte und teilweise nicht ganz detailgetreue Zusammenfassung: Die Chefingenieurin Torres erkrankt, und der Schiffsarzt lässt für die Behandlung ein Hologramm eines bekannten cardassianischen Wissenschaftlers erstellen. Im Laufe der Diagnose stellt sich heraus, dass besagter Wissenschaftler seine Kenntnisse durch mengelehafte Menschenversuche erworben hat. (Eigentlich Baioranerversuche, wenn ich das richtig verstehe, aber diese Differenzierung schenken wir uns, auch weil der Unterschied ausschließlich in der geriffelten Nase besteht.) Daraufhin will die Patientin nicht mehr behandelt werden (eigentlich vorher auch schon nicht, weil sie Cardassianer hasst), aber Captain Janeway entscheidet, dass sie für die restliche Crew so wichtig ist, dass die Therapie trotzdem durchgeführt wird.

Um das ethische Hauptdilemma möglichst klar herauszuarbeiten möchte ich gerne die Frage der Patientenautonomie ignorieren, so wie auch die Tatsache, dass Torres völlig ungeeignet für ihre Position ist und Janeways Begründung deshalb keinen Sinn ergibt. Auch Torres‘ debilen Rassismus lassen wir außen vor.

Wir sprechen also nur noch über ein Problem: Jemand hat Erkenntnisse aus unethischen Experimenten gewonnen, bei denen viele Menschen (gegen ihren Willen) gestorben sind. Ist es jetzt ethisch vertretbar, diese Erkenntnisse zu verwenden?

Die Voyager-Autoren scheinen das für ein kniffliges Dilemma zu halten, und sogar sfdebris sieht es so. Er spricht in seiner Review gegen Ende ganz bezeichnend von „unmoralischen Daten“ und lobt die Autoren dafür, endlich mal eine schwierige moralische Frage aufgeworfen zu haben.

Ich hingegen sehe das Dilemma nicht. Die Baioraner sind tot, die Daten sind da. Die Verwendung der Daten schadet niemandem mehr, und ich kann deshalb beim besten Willen nicht erkennen, warum es problematisch sein soll, sie zu benutzen, um Menschenleben zu retten. Ich finde es im Gegenteil manifest unethisch, sie nicht zu verwenden. Daten sind Daten, sie sind korrekt oder falsch, aber sie können nicht „unmoralisch“ sein.

Ich müsste darüber nicht mal nachdenken. Und ihr?


Philoso4 (3)

12. Februar 2011

Es hat auch diesmal wieder nicht mit Viererbesetzung geklappt, aber wer interessiert sich schon für so kümmerliche Details, wenn es eine neue Ausgabe von Philoso4 zu bejubeln gibt, diesmal mit noch mehr gesunden Zutaten (Naja, eigentlich nur ohne Kekse, aber das ist ja das Gleiche, oder?) und nur für euch mit über 50% mehr Inhalt. Bitteschön:

Hier gibt’s Weisheit zum Download.

Und hier ist das versprochene Voyager-Video:

[via Wortvogel]


Genau wie wir

30. Januar 2011

Ich glaube, ich habe es schon ein paar Mal hier erwähnt. Ich bin nicht besonders stolz darauf, aber ich sehe keinen Grund, es geheim zu halten. Ich bin immer offen zu euch, und für diese Sache mache ich keine Ausnahme, auch wenn ich mich dafür schäme: Früher mochte ich Star Trek sehr gerne.

Nicht die klassische Serie, die war mir immer zu… alt. Aber Next Generation habe ich sehr gerne und regelmäßig gesehen, und Deep Space Nine war in vieler Hinsicht noch besser. Bei Voyager war dann Schluss, ich habe auch meinen Stolz. Gütiger Gott, wenn ich nur an diese grauenvolle Stimme denke, und Neelix…

Vergessen wir Voyager. Warum erzähle ich euch das alles? Weil ich über ein Klischee sprechen will, das wir in Star Trek vielleicht am deutlichsten und zuverlässigsten beobachten können, das aber nahezu in jeder Geschichte anzutreffen ist, in der nichtmenschliche Charaktere auftreten:

Sie sind genau wie wir.

Egal, ob sie komische Ohren haben, oder Beulen auf der Stirn, grünes Blut oder Kiemen am Hals, ob sie künstliche Lebewesen sind wie Data,  Hologramme oder allmächtige Energiewesen wie die Q: Sie sind im Grunde alle vollkommen menschlich. Sie lieben, sie hassen, sie wollen überleben, sie wollen Macht, und sie sind beleidigt, wenn jemand sie schlecht behandelt. Natürlich nicht immer alles davon, aber in den Grundzügen ist es eigentlich immer erkennbar. Und wenn sie in irgendeinem Aspekt nicht so sind wie wir, wären sie es gerne (Data).

Es hat mich oft sehr geärgert, und das nicht nur aus dramaturgischen Gründen.

Ich erkenne an, dass eine gute Absicht dahintersteckt. Die Autoren wollen uns eine Botschaft vermitteln, die eigentlich sehr lobenswert ist: Auch wenn jemand ein bisschen anders aussieht als wir, sollten wir ihn so behandeln, wie wir auch gerne behandelt werden möchten. Auch wer eine andere Hautfarbe hat, ist ein Mensch wie wir. Das ist keine schlechte Botschaft. Aber sie ist nicht wahr.

Kurzer Rant-Exkurs: Und was, in drei Teufels Namen, denken sich die Autoren eigentlich bei dieser widerwärtigen, rassistischen, abartigen, perversen, beleidigenden, rundum lächerlichen Idee, dass immer alle männlichen Wesen fremder Rassen total auf menschliche Frauen stehen, während diese sie naheliegenderweise ziemlich abstoßend finden. Stichwort Ferengi. Hallo, Freunde, für einen Ferengi sind wir genauso hässlich wie die für uns! Seid ihr wirklich so beschränkt, dass es jenseits eurer Vorstellungskraft ist, dass irgendwo da draußen eine Rasse lebt, die uns nicht für das beste hält, was dem Universum passieren konnte?

So. Jetzt geht’s wieder. Zurück zum eigentlichen Thema:

Diese Botschaft allgemeiner Gleichheit, so nett sie gemeint sein dürfte, verstellt uns den Blick darauf, dass unsere Emotionen und unsere Menschlichkeit (Ich benutze diesen Begriff hier mal zur Vereinfachung in der Hoffnung, dass ihr wisst, was ich meine.) nicht eine zwangsläufige Folge oder Voraussetzung von Intelligenz und Bewusstsein sind. Sie sind eine Folge unserer Entwicklung durch Evolution.

Wir lieben, weil das für unsere Fortpflanzung wichtig ist. Wir hassen, weil wir soziale Lebewesen sind und es deshalb Sinn ergibt, dass sozialschädliches Verhalten wie Mord und Raub Sanktionen nach sich zieht. Wir wollen überleben, weil wir sonst unsere Gene nicht weitergeben können. Und so weiter. Natürlich stark vereinfacht, aber im Prinzip dürfte das der evolutionäre Hintergrund unserer Emotionen sein.

Ein Lebewesen wie ein Q ist mutmaßlich nicht durch einen solchen Evolutionsprozess entstanden und hat deshalb keinen Grund, so zu empfinden. Eine Künstliche Intelligenz hat keinen Grund, einen Selbsterhaltungstrieb zu entwickeln, wenn keiner in ihm vorgesehen ist. Und verdammt noch mal, ein Ferengi wird menschliche Frauen nicht attraktiv finden, sondern unsere mickrigen Ohren, unsere langweilig geformten Schädel, unsere glatten Nasen und unsere Wiederkäuerzähne als abstoßend ansehen.

Nun bin ich der letzte, der von Fiktion erwartet, dass sie stets realistisch ist. Wenn ich Realität will, muss ich keine Geschichten lesen. Aber wenn ein dummes Klischee mit tödlicher Sicherheit immer wieder und wieder wiederholt wird, dann drängt sich mir der Verdacht auf, dass es nicht dramaturgischen Erwägungen entspringt, sondern schlichter Ideenlosigkeit.

Hinzu kommt, dass dieses spezielle Klischee bei vielen Menschen auch als Erwartung für das wirkliche Leben besteht. Echte Künstliche Intelligenz ist zurzeit noch nicht in Sicht, aber wenn man mal ernsthaft mit Leuten drüber redet, hört man nicht selten die ernsthafte Befürchtung, dass die Maschinen sich irgendwann gegen uns wenden könnten. Ein etwas akuteres Beispiel finden wir in der vermenschlichenden Art, in der viele Leute mit Tieren umgehen, mit Pflanzen, oder sogar mit Gegenständen und natürlichen Prozessen, denen wir menschliche Emotionen und Absichten unterstellen. („Mein Hund versteht alles, was ich sage.“ „Die Natur schlägt zurück.“ „Auch Pflanzen brauchen Liebe.“ „Homosexualität ist falsch, weil wir für heterosexuelle Paarungen geschaffen wurden.“)

Hier kommen wir jetzt zugegebenermaßen in einen Grenzbereich, in dem sich dieser Form der irrtümlichen Vermenschlichung mit anderen Aberglauben und Vorurteilen vermischt, aber ich will darauf hinaus, dass wir nicht unbedingt warten müssen, bis uns tatsächlich mal eine außerirdische Lebensform begegnet, um schädliche Auswirkungen unserer Tendenz zu finden, unser eigenes Denken und Empfinden auf alles um uns herum zu projizieren, auch wenn es offensichtlich nicht gerechtfertigt ist.

Ich würde es deshalb sehr begrüßen, wenn auch fiktive Geschichten uns öfter darauf aufmerksam machen würden, dass andere Lebewesen eben nicht zwangsläufig so sind wie wir, sondern durchaus auf faszinierende oder auch ganz erschreckende Weise völlig anders sein können. Von Pflanzen, Computern und Naturphänomenen ganz zu schweigen.

Ferengis stehen nicht auf uns. Findet euch damit ab.