Quis aggravat ipsos aggravantes?

28. Juli 2016

Man kann die folgende Geschichte mit guten Gründen egal finden. Aber ich finde sie zumindest ein bisschen ulkig und außerdem auch vage enttäuschend, deshalb möchte ich sie mit euch teilen. Die Geschichte geht so:

Vor ein paar Monaten kündigte Stefan Niggemeiner an, in Kooperation mit Boris Rosenkranz eine neue Seite aufzuschlagen, und diese Seite sollte übermedien heißen und kritisch, unterhaltend und unabhängig über Medien berichten. Wie man das halt kennt von Stefan Niggemeier. Ich war auch von Anfang an als Fan und mit kurzen Unterbrechungen als Abonnent dabei. Wie die Unterbrechungen schon ahnen lassen, gefiels mir nicht immer. Das lag nie an den beiden Gründern, sondern daran, dass mir einige der Beiträge von anderen Autor(inn)en so missfielen, dass ich mich zeitweise wohler damit fühlte, ihre Arbeit nicht mehr finanziell zu unterstützen. Jetzt gerade bin ich aber wieder Abonnent und durchaus regelmäßig begeistert von den Texten, die mir dort kredenzt werden.

Aber manchmal ist übermedien auch komisch. Zum Beispiel: Am 6. April 2016 erschien ein wie üblich sehr gelungener Beitrag vom Meister selbst, in dem es darum ging, wie schade es ist, dass die Süddeutsche Zeitung nach ihren Panama-Pampers-Berichten die daraufhin erschollene Kritik weitgehend ignorierte.

Man kann es ja beklagen, dass sich nichts mehr enthüllen lässt, das die Machthaber in Russland in einem schlechten Licht dastehen lässt, ohne dass gleich gefühlt das halbe Internet „Lügenpresse“ brüllt und: Klar, der Putin, und was ist mit Amerika? Aber man kann es auch als Tatsache hinnehmen und damit umgehen. Es nicht ignorieren, sondern auf die berechtigte Kritik eingehen und erklären, warum die unberechtigte Kritik unberechtigt ist. Es ist fahrlässig, darauf zu verzichten.

Und ich dachte, ja, genau, bloß gut, dass es im Internet so Formate mit Kommentaren gibt, in denen man dann wirklich über Sachen diskutieren… Moment. Und ich schrieb:

Hm.
Gehört nicht so richtig hierher, aber ich finds gerade ulkig genug, ums zu schreiben: Über den Umgang mit Kritik hab ich auch zufällig kürzlich nachgedacht. Gibt es da für übermedien-Autor(inn)en irgendwelche Richtlinien?

Mein Kommentar verlinkte als Beispiel auf diesen Beitrag von Marie Meimberg (Offenlegung: deren Beiträge der Grund waren, aus dem ich zeitweise mein Abonnement gekündigt hatte), unter dem sich einige nicht offensichtlich abwegige Kritik fand, aber keinerlei Reaktion von Seiten der Autorin oder eines anderen übermedien-Repräsentanten. Ich hätte sicher auch andere Beispiele wählen können, aber ich hab nun diesen genommen (Offenlegung: sicher auch, weil mir Marie Meimbergs Beiträge einfach massiv auf den Geist gingen). Als Antwort auf meine Frage erhielt ich: keinerlei Reaktion von Seiten des Autors oder eines anderen übermedien-Repräsentanten. Na gut. Ich fand das zwar ganz lustig, dass ausgerechnet unter so einem Artikel so eine Frage so ein Schweigen erntet, vergaß die Sache dann aber irgendwann weitgehend (Offenlegung: möglicherweise auch aus Erleichterung darüber, dass die Beiträge von Marie Meimberg wenig später aufhörten).

Bis vor Kurzem dieses Interview hier meine Neugier weckte, dem zur Überschrift ein Zitat aus dem Interview dient, das allerdings im Interview etwas anders lautet als in der Überschrift. Nicht sinnentstellend oder sonstwie irreführend, einfach nur eine etwas andere Reihenfolge der Wörter. Und ich schrob:

Jetzt interessiert mich brennend, warum dieser Satz für die Überschrift nicht so lauten durfte, wie er im Interview lautet, sondern so lauten musste, wie er in der Überschrift lautet.

Und erhielt keine Antwort. Das erinnerte mich an meine andere, mutmaßlich etwas interessantere Frage, und ich nutzte die Gelegenheit, sie zu wiederholen:

Ich will ja nicht nerven, ehrlich, aber ich wüsste es halt so gerne: Habt ihr irgendwelche Kriterien für den Umgang mit Kommentaren, insbesondere potentiell kritischen Fragen? Wollt ihr die prinzipiell gerne alle beantworten, kommt aber nicht dazu, oder ist das von vornherein nicht euer Anspruch, oder nehmt ihr nur die, die ihr interessant findet, oder…?

Spätestens hier wäre mir wichtig zu erwähnen, dass ich es gar nicht weiter schlimm finde, wenn jemand manche Kommentare unter seinem Blog ignoriert. Ich mach das sogar auch. Aber ich finde erstens, dass eine Medienkritik-Seite, die Medien dafür kritisiert, dass sie Kritik ignorieren, vielleicht ein System haben sollte, wie sie mit Kritik umgeht, und das auch irgendwie offenlegen. „Hey tut uns leid, wir müssen alle auch von irgendwas leben und haben einfach keine Zeit“ würde ich sogar akzeptieren. Aber, ihr ahnt es vielleicht…

*räusper, unsicher umguck* Hallo?
Soll ich dann das Licht ausmachen, wenn ich gehe…?

Nun ist das ja verständlich, irgendwie. Wer keine Zeit hat, hat nun mal keine Zeit, vielleicht nicht mal, um zu schreiben, dass er keine Zeit hat. Ist okay. Aber da war noch was, was ich weniger verständlich finde. Dieses Interview ist nämlich nicht nur auf übermedien erschienen, sondern auch bei spiegel.de. Gegen Geld. Im Rahmen einer Kooperation. Was jemanden bei Twitter zu der Frage führte:

@paulk3mp erhielt sogar eine Antwort auf diese Frage, nämlich:

Und das fand ich dann doch sehr eigenartig. Klarstellung: Mich stört die Kooperation nicht. Ich traue Stefan Niggemeier eigentlich bedenkenlos zu, sich davon nicht beeinflussen zu lassen. Ich sehe ein, dass man ehrenwerte Projekte halt irgendwie finanzieren muss. Aber mich stört, wie das alles gelaufen ist. Die Kooperation wurde auf übermedien selbst nirgends erwähnt oder thematisiert, und Stefan Niggemeier schreibt als Antwort auf eine gezielte Nachfrage ganz ernsthaft, dass er keinerlei Zusammenhang zwischen der Unabhängigkeit einer medienkritischen Website und der (zumindest unter anderem) monetär motivierten Kooperation mit einem wichtigen Medium sieht. Er findet, man ist gegenüber zahlenden Kunden „ganz unabhängig“, zumindest, wenn man übermedien ist. Keine Ahnung, ob er das verallgemeinern würde. Ich habe mich deshalb dazu durchgerungen, weiter den nervigen Streber zu machen – ja gut, dafür muss ich mich nicht besonders anstrengen, zugegeben – und habe nachgehakt, woraufhin er antwortete:

Der Link führt zu einem Interview, in dem Boris Rosenkranz erklärt, dass sie nicht genug Abonnenten haben, das Projekt sich noch nicht trägt, und solche Kooperationen oder auch Werbung sich deshalb als sinnvolle Möglichkeiten zur ergänzenden Finanzierung anbieten. Auf gezielte Nachfrage antwortet er:

Es ändert sich ja nichts. Wir bleiben weiter unabhängig und produzieren unsere Inhalte.

Und jetzt kommt halt der Punkt, an dem ich finde, dass die beiden in Anbetracht ihrer selbst gewählten Aufgabe entweder einen bemerkenswerten Mangel an Problembewusstsein demonstrieren oder sogar ihr Publikum verschaukeln. Ein ausgesprochen kluger, dabei aber auch sympathischer und auffällig gutaussehender Kommentator schrieb dazu auf Twitter:

 

Ihr dürft jetzt raten, was die Antwort war.

 


Gerüchteschleuder

12. Januar 2015

Erinnert ihr euch noch?

An die gute alte Zeit?

In der Menschen sich nicht verunsichert fragten, wo es zur Wahrheit geht, und in der die eingebildete Wahrheit keine Chance gegen die nüchternen Fakten hatte, weil überall Wegweiser zur zuverlässigen Information standen, beschriftet in einer Sprache, die jeder verstand?

Nun, Pepperidge Farm die FAZ erinnert sich. Und ihr Autor Matthias Müller von Blumencron weiß natürlich genau, woran es liegt, dass diese Wegweiser abgebaut wurden:

Seit Facebook für Millionen das Betriebssystem des Internets geworden ist, haben sich die Verhältnisse grundsätzlich gewandelt.

Und seitdem gilt:

Infofetzen fliegen heute vor den Netznutzern entlang wie Herbstlaub im Sturm. Woher sie eigentlich kommen, von welchem Baum sie stammen, ob sie authentisch oder manipuliert sind, ob sie sauber recherchiert oder mehr oder weniger geschickte Propaganda sind, lässt sich immer weniger feststellen. Und es scheint auch eine immer geringere Rolle zu spielen.

Und falls ihr euch jetzt fragt, wo ihr das nachlesen könnt, dann zeig ichs euch gerne. Es steht gleich hier vorne auf der Startseite:

Der Islam gehört zu Deutschland

 

Rechts oben, direkt neben diesem anderen großen Artikel, der … naja.

Das Medium an sich hat keine Qualität. Es kommt darauf an, wie es genutzt wird.

Wo er Recht hat, hat er Recht.

 


Restebloggen (99)

2. November 2013
  1. Was hat sich wohl der Mensch gedacht, der mein Navigationsgerät programmiert hat?
    „Laatzen, Hildesheimer Straße 157.“
    „Meinte Sie Laatzen, Hildesheimer Straße (Gleidingen) 157?“
    „Ähhh… Pfff… Joa, dann wahrscheinlich schon.“
    „Die gesuchte Hausnummer wurde nicht gefunden.“
    „Hrmgrmbl. Laatzen, Hildesheimer Straße 157.“
    „Meinten Sie Laatzen, Hildesheimer Straße (Gleidingen) 157?“
    „Nein.“
    „Bitte wählen Sie einen Eintrag.“
    Und dann steht da zur Auswahl auf dem Display:
    1. Laatzen, Hildesheimer Str… 157
    2. Laatzen, Hildesheimer Str… 157
    3. Laatzen, Hildesheimer Str… 157
    4. Laatzen, Hildesheimer Str… 157
    Ja nee ist klar.
  2. Nicht unbedingt zum Brüllen komisch, aber ich finde die Darstellung des Interviewten toll.
    http://www.youtube.com/watch?v=MlQ2opYwQvc&feature=youtube_gdata_player
  3. Ich bin eine Liberale, verachtet mich!
    Hauptsächlich natürlich, weil ich dafür eintrete, dass Leute von ihrer Arbeit nicht leben können, im Winter frieren und schlussendlich auf der Straße oder noch besser im Straßengraben verrecken. Hätten sie halt was Vernünftiges gelernt. 
  4. Auch eigentlich viel zu spät, aber so schön gesagt, dass ich es hier noch mal verlinken will:
    „Das Übermaß an Talkshows, Duellen, Reportagen, Dokumentationen und den ganzen schrecklich originellen Wahlsendungen, es wirkt, als wollte jemand kurz vor einem Date noch vier Jahre Fressen und Faulenzen ausgleichen, indem er zwei Tage fastend im Sportstudio verbringt. Vor allem aber vermittelt es mit der Fixierung auf das bloße Zurwahlgehen das Gefühl, dass das schon alles sei, was Demokratie ausmacht: Dass alle im Abstand von vier Jahren irgendwo ihr Kreuz hinmachen, selbst diejenigen, die – bis es ihnen ProSieben erklärte – den ‚Bundestag‘ für einen Tag wie den Mittwoch oder den 1. Mai gehalten haben“ 
  5. Verflixt noch mal, wie kam das eigentlich, dass die Hersteller von Headsets eines Tages beschlossen, dass es keinen Grund gibt, aus dem Mikrofone irgendwo im weiteren Umfeld des Mundes sein sollten, und dass sie stattdessen offensichtlich direkt ans Ohr gehören?
  6. Wenn Philosophen in Interviews öfter mal was über ihr eigentliches Fachgebiet sagen würden, statt zum Beispiel Blödsinn über Armut, Wirtschaft und Gier zu erzählen, dann wäre mein Respekt vor ihnen sicherlich wesentlich größer, denn ich muss ja zugeben, dass unsere Welt sehr darunter leidet, dass kaum jemand eine klare Vorstellung von Epistemologie hat, oder ein sauberes Konzept davon, wie wir über Dinge nachdenken sollten. Genau darum geht es in diesem – nach meiner bisherigen begrenzten Erfahrung – sehr guten und sehr sympathischen Philosophiekurs der University of Edinburgh, an dem jeder völlig kostenlos teilnehmen kann. Mir gefällt er. Und wenn ich das richtig verstehe, kann man irgendwie sogar so eine Art Schein dafür kriegen. Der kostet dann ein bisschen was, aber dafür hat man dann ja auch sein Jodeldiplom. Empfehlung.
  7. Nicht kostenlos, aber preiswert, und zum Unbedingtmalausprobieren, auch wenn ihr mit Videospielen eigentlich nichts am Hut habt: The Stanley Parable. Zu schön. Lohnt auf jeden Fall auch das Anlegen eines Steam-Accounts, wenn ihr bisher keinen habt. Und falls ihr partout nicht bereit seid, ein paar Euro auszugeben, um es selbst zu spielen, könnt ihr euch zumindest eines der Let’sPlays der RocketBeans ansehen, zum Beispiel dieses mit Trant.
    Ach so, Englischkenntnisse müssen aber sein.

Restebloggen (93)

30. Mai 2013
  1. Delta Radio berichtet nach einem Unfall mit einem Tiertransporter auf der Autobahn: „Fast alle der 195 geladenen Schlachtschweine konnten – zumindest vorübergehend – gerettet werden.“ Hach…
  2. The Cabin in the Woods. Tja, also. Kein schlechter Film, das kann man jetzt nicht sagen. Schon irgendwie empfehlenswert. Aber ich hatte mehr erwartet. Viel mehr.
  3. A propos Filme, weil ich befürchte, dass es noch nirgends in diesem Blog steht: Die ersten drei Star-Wars-Teile waren auch schon Mist. Ich würde an George Lucas‘ Stelle auch nicht verstehen, warum die Fans sich über die neuen so aufgeregt haben.
  4. Jetzt ist es schon wieder ewig her, dass ich mit Frau Quadratmeter darüber sprach, eventuell mal eine E-Mail-Rollenspielrunde aufzumachen. Und jetzt dachte ich, dann mach ich doch endlich mal was in der Richtung. Also, Mail-Rollenspiel. Ungefähr wie normale Rollenspiele, nur halt per Mail. Hättet ihr euch schon gedacht, was? Da schreibt dann der Spielleiter etwas Längeres, die Spieler haben Zeit (ein paar Tage halt, worauf man sich einigt) drauf zu reagieren, und der Spielleiter aggregiert aus den Reaktionen den nächsten Schritt, etc. Hab ich schon zweimal moderiert und mehrfach mitgespielt, und war jedes Mal sehr nett. Sollte jemand von euch Interesse haben, freue ich mich über Kommentare, und natürlich auch über E-Post auf meinen Klapprechner.
  5. Das hat natürlich jeder, den es interessiert, schon gelesen, aber ich finde es zu zum Brüllen, um es nicht zu verlinken: Die ARD hat nun endlich »Neue Ange­bote für junge Publi­kums­grup­pen erfolg­reich ein­ge­for­dert«
  6. Ebenfalls toll, aber auf ganz andere Art: Ethan von Starts with a Bang hat offenbar vor wenigen Wochen den Eurovision Song Contest entdeckt und schildert seine Eindrücke. „this happened last weekend, and I feel deep regret for only finding out about Eurovision now, because I really think my life was incomplete before this. I knew to expect an international singing competition, but I envisioned more traditional music/songs from all the different competing countries, showcasing the different styles and languages of Europe. But that is not what Eurovision is all about. In fact, a week later, I think I’m still taking it all in.“
  7. Und noch mal anders toll: Solar System vonvia

Sockenpuppen; Sockenpuppen überall!

11. April 2013

toy story

Nicht nur in meinem eigenen betulichen kleinen Blog möchte man manchmal wetten, dass die Kommentatoren, die versuchen, dem Verfasser zu widersprechen, in Wahrheit nur dessen Marionetten sind, virtuelle Pappkameraden, die er aufbaut, um die Gegenseite schlecht dastehen zu lassen. Nach meiner Erfahrung ist diese Tendenz am staunenswertesten ausgeprägt, wenn es um Sexismus geht.

Stefan Niggemeier habe ich das jüngste Beispiel für diesen Effekt zu verdanken, der hier mal wieder in so unfassbarer Dummheit Deutlichkeit zu Tage tritt, dass ich schon überlegt habe, einfach mehr zu essen, damit ich irgendwann mal dick genug werde, dass ich es mit meinem Kopf nicht mehr auf die Tischplatte schaffe, denn das tut weh und ist auf Dauer bestimmt auch ungesund, aber ich schweife ab.

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Eher nein.

17. Juli 2012

Stefan Niggemeier schreibt:

Ich weiß nicht, ob Peter Altmaier schwul ist. Aber ich finde es — anders als die Chefredakteurin der »taz« — legitim, darüber zu spekulieren.

Deshalb findet er es falsch, dass die Chefredakteurin der taz einen Artikel gelöscht hat, der genau das tat.

Die »taz« soll nicht fragen dürfen, was der Umweltminister meinte, als er es als sein von Gott gewolltes Schicksal bezeichnete, unverheiratet bleiben zu müssen? Das halte ich für falsch. Ebenso wie die Behauptung, die sexuelle Orientierung eines Menschen sei Privatsache.

Und ich glaube, ich bin da vorsichtig anderer Meinung. Also, klar, spekulieren an sich darf natürlich jeder über alles. Aber als Zeitung, öffentlich, das ist was anderes, und aus meiner Sicht sollte es unter dem Niveau eines ernstzunehmenden Mediums sein sein, Mutmaßungen darüber anzustellen, mit welcher Art Mensch Herr Altmaier gerne Geschlechtsverkehr hat, falls überhaupt. Für wen soll das denn eine relevante Information sein, außer natürlich für Leute, die gerne mit Menschen wie Herrn Altmaier Geschlechtsverkehr haben? Und ich finde, denen ist zuzumuten, ihn selbst zu fragen, ob er zur Verfügung steht.

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Restebloggen am Wochenende (79)

7. Januar 2012
  1. Privatdetektiv schleicht sich nachts auf das Grundstück der Schurken und findet einen verschlossenen Container. Er will diesen nun heimlich öffnen, um unbemerkt herauszufinden, ob sich darin die entführten Personen befinden.
    Zunächst versucht er, das große, klobige Vorhängeschloss zu öffnen, indem er mit beiden Händen daran zieht.
    Die zweite Eskalationsstufe besteht darin, dass er mit seinen Turnschuhen kräftig dagegen tritt.
    Als beides zu seiner Überraschung nicht funktioniert, zieht er einen Revolver und schießt auf das Schloss. Anschließend sieht er sich gründlich in dem Container um, ohne sich auch nur einmal umzudrehen, denn wie könnte man auch auf die Idee kommen, dass jemand ihn bei seiner Elite-Undercover-Aktion stören würde?
    Wie denken eigentlich Drehbuchautoren? Und was muss ich nehmen, um auch so denken zu können?
  2. Manche Leute denken bei „Rechten“ eher an die Möglichkeit, ungestört etwas zu tun. Manche Leute meinen damit die Möglichkeit, andere zu etwas zu zwingen, was diese nicht wollen.
    Wer zur zweiten Gruppe gehört, sollte sich eher nicht als liberal bezeichnen.
  3. Dazu passend: Daniel Drungels kommentiert die Bemühungen von Herrn Niebel, einen marktwirtschaftlichen Mindestlohn zu erzwingen. Dieweil ein totgeschoss’ner Hase auf der Sandbank Schlittschuh lief.
  4. Felix Neumann hat in gewohnt sauberer Argumentation einen gar nicht mal dummen Weg gefunden, den Bundespräsidenten zu rechtfertigen:
    Ohne ein starkes Gegenüber der Regierung besteht die Gefahr, daß die Regierung auch die symbolische Macht zugesprochen bekommt. Wenn sie aber nicht mehr allein nach Kriterien der legalen Herrschaft, sondern nach denen charismatischer Herrschaft beurteilt wird, droht eine Überschreitung ihres rechtlichen Rahmens. 
    Nicht, dass ich ihm da zustimmen würde, aber ich finde es zumindest bedenkenswert.
  5. Eine Kamera, die pro Sekunde 600 Milliarden Bilder aufnimmt. Ich glaube, ich bin verliebt.
  6. Stefan Niggemeier hat über die neue Serie Tatortreiniger berichet, und ich kann nun bestätigen, dass sie sehr gelungen ist, nicht nur für deutsche Maßstäbe, sondern überhaupt. Na gut. Schon eher für deutsche Maßstäbe. Aber doch. Weil es sowieso schon zu spät ist, sich das anzusehen, ist für euch eigentlich nur noch der Werdegang interessant:
    Die erste Folge der neuen Serie läuft am heutigen Mittwoch um 22.25 Uhr. Wenn Sie das wissen und schon ein bisschen Erfahrung haben im Fernsehgucken — wann, würden Sie tippen, läuft die zweite Folge?Falsch. Sie läuft am morgigen Donnerstag um 22.30 Uhr.2 Und Folgen 3 und 4?Wieder falsch. Die laufen erstmal gar nicht. Weshalb der NDR die vierteilige Serie ohne erkennbare Ironie als „zweiteilige Serie“ ankündigt.[…]Nun könnte man denken, dass die Teile 3 und 4 vielleicht noch nicht fertig produziert sind. Oder dass sie nicht gut genug geworden sind, um sie auszustrahlen. Das stimmt aber nicht, denn der NDR hat sie bereits ausgestrahlt

    Dafür zahlen Sie Gebühren.

  7. „Liars sit in chairs, you know? Truth tellers just sort of hunker down.“
    Randall Flagg