Wie Franz Müntefering auf die Idee mit der Drogenpflicht kam

11. Oktober 2014

Es sind ganz viele Menschen, die werden mit Drogenabhängigkeit geboren,
manche werden im Verlauf des Lebens abhängig.
Wer sagt, ich will kein verdammter Junky werden,
der trifft ja die abhängigen Menschen auch,
der erhebt sich auf eine Art und Weise, die ich nicht akzeptiere.

Alles Leben ist gleich viel wert.
Das ist unser Grundgesetz, und darauf verlasse ich mich, dass das so ist.
Auch die Menschen, die drogenabhängig sind,
sind Menschen,
und sie sind gleich viel wert.

Und wenn wir in einem Staat leben,
in dem wir letztlich Gesetze machen würden,
in denen klar ist, dass jeder, wenn er denn will, jederzeit aufhören kann,
unabhängig, ob er dafür einen Grund hat, ja oder nein,
dann wär’ das ein Land, das ich nicht nicht gut fände, und deshalb kämpfe ich dagegen.

Ich sage: Nein, es muss klar sein, dass alle gleich viel wert sind
und die, die so besoffen sind,
dass sie kaum noch krabbeln können,
was sollen die denn denken,
wenn einer sagt:
Ich nehm keine Drogen, weil ich nicht so sein will wie ihr?
Das kann’s nicht sein, und deshalb streite ich dagegen.


Umsonst ist der Tod. Aber muss er das immer sein?

5. August 2012

Wenn jemand gerne sein eigenes Leben beenden möchte, dann ist das seine Entscheidung, und niemand hat ihm die abzunehmen. Und wenn er es selbst nicht kann oder nicht will, und jemand anders ihm dabei hilft, dann ist das auch seine Entscheidung, die ihm niemand abzunehmen hat. Ich würde sogar so weit gehen, es als unmenschlich zu bezeichnen, jemandem den gewünschten Tod zu verwehren, nur weil er nicht in der Lage ist, ihn selbst herbeizuführen. Deshalb denke ich auch, dass der unsägliche Straftatbestand der Tötung auf Verlangen ersatzlos gestrichen gehört.

Ethisch und menschlich ist die ganze Sache natürlich ganz und gar nicht einfach: Ich persönlich würde sagen, dass Selbsttötung so gut wie immer die falsche, die kurzsichtige Entscheidung ist. Wir haben nur dieses eine Leben, und dieses eine Leben ist alles, was wir haben. Wenn es vorbei ist, ist alles vorbei. Oder wie ich gerne etwas kompakter sage: Ich bin noch lange genug tot.

Einerseits ist das leicht zu sagen, solange man noch jung ist, gesund, glücklich, und nicht unter Schmerzen leidet. Andererseits erleichtern Unglück, Krankheit und starke Schmerzen nicht unbedingt das Treffen rationaler Entscheidungen, und gerade in dem kritischen Stadium, in dem man üblicherweise die Entscheidung für oder gegen einen Freitod trifft, ist die Grenze zur Entscheidungsunfähigkeit wohl auch sehr fließend. Und natürlich ist es immer auch die Entscheidung des Helfers: Bin ich bereit, das Leben dieses Menschen zu beenden? Habe ich gute Gründe für meine Entscheidung? Bin ich emotional zu involviert, um überhaupt eine vernünftige Entscheidung zu treffen?

Aber gerade weil diese Fragen so schwierig sind, so persönlich, und so individuell, halte ich es für eine Abscheulichkeit, dass unser Staat sich anmaßt, sie so strikt zu regulieren, wie er es tut. Noch einmal: Wer einem Menschen zwangsweise den Tod verweigert, den er sich (aus für ihn persönlich sicher sehr bedeutenden Gründen) wünscht, der fügt diesem Menschen potentiell einen furchtbaren Schaden zu. Wenn ich den Begriff der Menschenwürde für irgendwie nützlich hielte, würde ich darauf  vielleicht auch noch rekurrieren, aber ich glaube, schon genug Pathos versprüht zu haben.

Juristisch bleibt da aus meiner Sicht nicht mehr als ein Beweisproblem: Wollte der Tote wirklich sterben? Das kann im Einzelfall auch schwierig werden, aber erstens gibt es dafür Mittel und Wege, wie zum Beispiel Formvorschriften oder sonstige Vorgaben zur Beweissicherung, zweitens gibt es juristisch zu jedem Sachverhalt potentiell schwierige Beweisfragen, und drittens geht es darum in der aktuellen Diskussion nicht.

Ich verstehe auch nicht die offenbar einstimmige Ablehnung der gewerblichen Sterbehilfe. Es gibt nun einmal Menschen, die niemanden haben, der ihnen bei der Selbsttötung hilft. Es gibt Menschen, deren Angehörige und Freunde nicht bereit sind, das für sie zu tun, oder die sie damit nicht belasten wollen. Warum sollen diese Menschen nicht die Dienste von jemandem im Anspruch nehmen können, der es professionell macht? Ich will nicht zu weit ausholen, aber ich finde diese verbreitete Verachtung gegenüber der Arbeit für Geld heuchlerisch und unanständig. Wir alle müssen unseren Lebensunterhalt von irgendwas bestreiten, und auch wenn es intuitiv verwerflich scheinen mag, das mit dem Töten anderer Menschen zu tun, sollten wir uns an den Grundsatz erinnern, dass nur verboten sein kann, was jemandem schadet. Eine medizinische Operation ist schwere Körperverletzung, wenn sie ohne Zustimmung des Opfers erfolgt. Erfolgt sie mit, ist sie völlig in Ordnung, und (fast) niemand sieht ein Problem darin, dass die ausführenden Personen damit Geld verdienen.

Genau so ist das mit der Sterbehilfe: Sie ist Totschlag, wenn sie ohne Zustimmung erfolgt. Mit Zustimmung sollte sie völlig legal sein, wie auch immer und von wem auch immer die Betroffene sie gerne ausgeführt haben will.

Die dahinterstehenden Beweisprobleme und die ethischen Fragen sind nicht einfach zu beantworten und sollten wir gründlich durchdenken. Aber den Grundsatz, dass jeder Mensch das Recht haben sollte, über seinen eigenen Tod frei zu bestimmen, sollten wir anerkennen.