Restebloggen (100)

16. November 2013

Wir feiern Jubiläum! Und trotzdem gibt es nichts Besonderes. Nur ein ganz normales Restebloggen. Denn so läuft es hier bei überschaubare Relevanz. Uns doch egal. Because fuck you.

  1. Johannes Gross hat es schon vor Jahren sehr treffend aufgeschrieben: Der Widerstand gegen Hitler wird von Tag zu Tag größer.
  2. Bereits im Februar hat die von mir sehr geschätzte Frau Quadratmeter (Warum habe ich das gerade so geschrieben? Das klingt total dämlich, oder?) dazu aufgerufen, sich bei der DKMS (Deutsche Knochenmarkspenderdatei gemeinnützige Gesellschaft mbH) zu registrieren, um Menschen zu helfen, die … naja, halt eine Knochenmarkspende brauchen, ist ja klar. Diesen Aufruf hat sie jetzt noch einmal erneuert, und ich würde mich dem gerne anschließen. Ihr wisst ja schon, wie ich zu Organspenden und dem Zeug stehe, und auch wenn Knochenmark ein bisschen was anderes ist, weil es am lebenden Menschen entnommen wird, finde ich auch hier, dass ihr euch zumindest Gedanken drum machen solltet, was ihr bereit seid zu tun, um zu einer Gesellschaft beizutragen, in der ein paar weniger Menschen sterben müssen, nur weil sich nicht genug andere finden, die keine Spaten sein wollen. Also los, und wenn ihr Quadratmeter noch einen Extra-Gefallen tun wollt, registriert euch nicht irgendwo, sondern über ihren personalisierten Link, damit von eurem Ruhm und eurer Ehre ein bisschen Abglanz auf sie als Werberin fällt. Hat sie doch verdient, finde ich.
  3. Die taz ist als schon tendenziell eher linke Zeitung ja durchaus gegen niedrige Gehälter und gegen Ausbeutung und so. Aber natürlich gibt es besondere Fälle, in denen man eine Ausnahme machen kann. [Dank an FDomincus für den Hinweis!]
  4. Ich kann den Hype bestätigen: The Wire macht süchtig.
    Schon nach ein paar Minuten der ersten Folge konnte ich dem Drang, mir was zu lesen zu suchen, nicht länger widerstehen.
  5. Dinosaurs were playful, loving companions to Adam and Eve in their time in the Garden. They helped gather fruit and used their incredible strength to turns [sic] lemons into delicious, fresh lemonade!
  6. Ich bin von Sinnen vor unfassbarer, niemals versiegender Freude: Der Akinator kennt mich.
    akinatisiert
    [Mit Dank an Triffels für den Hinweis.]
  7. Habe vor Kurzem die Coupé-Trilogie der Rocketbeans-Reihe Super Investigativ gesehen, die besonders interessant wurde dadurch, dass Daniel Schröckert bei der Coupé seine Ausbildung zum Verlagskaufmann gemacht und die Zeitung über mehrere Jahre mitgestaltet hat. Anders als etwa zuvor bei In Touch ging es also nicht nur darum, sich darüber lustig zu machen, sondern es war auch jemand dabei, der für die Mitarbeiter des Blattes sprechen konnte.
    Leider wurde es trotzdem nicht besonders interessant, aber ein Aspekt ist bei mir hängen geblieben (obwohl er nicht mal explizit thematisiert wurde): Daniel erzählt, dass alle Mitarbeiter dort natürlich wissen mussten, in welchem Winkel ein Penis noch vom menschlichen Körper abstehen darf, bevor er pornografisch wird, und dass man sich als öffentlich erhältliche Zeitschrift großen Ärger einhandelt, wenn man eine Frau abbildet, die eine Hand in ihren Schambereich hält, wenn nicht alle fünf Finger klar sichtbar sind. Jugendschutz, und so.
    In derselben Sendung erzählt er von Überschriften wie „Zahnärzte implantieren Patienten Zähne von Kinderschändern“, für die die klare Anweisung galt, sie so lange zu übergeigen, bis einem wirkich nichts Reißerischeres und Blöderes mehr einfiel.
    Und das erinnerte mich dann sehr schlagend an diesen etwas älteren Beitrag von madove und an die Frage, was eigentlich in den Köpfen von Menschen vorgeht, die glauben, Jugendliche mit Zwangsmitteln vor dem Anblick eines erigierten Penis‘ oder implizierter Masturbation schützen zu müssen, nicht aber vor Artikeln wie „Drogen-Mafia macht Jugendliche mit Heroin-verseuchten Kondomen abhängig“. Ehrlich jetzt. Was ist mit denen los? Kennt jemand von euch solche Leute? Wie denken die?
  8. Na gut, okay. Weil ich euch in Wahrheit natürlich doch total lieb habe, gibt es heute zum garantiert allerersten Mal in der Geschichte des Restebloggens und natürlich ausschließlich wegen des Jubiläums noch einen Punkt 8. Drei Beiträge zum Hashtag #WenigEhrgeizFilme, weil ich Twitter zwar hasse, aber natürlich ein paar der Ideen dort sehr nett finde. Meine #WenigEhrgeizfilme wären:
    Marginally Improving Private Ryan’s Life Expectancy,
    Rollatorcop und
    Judge Moderately Unplesandd („You know, you might have infringed upon some very strict interpretation of a law just now!“ „Well yes, I might, come to think of it, but I honestly don’t think so.“).
    Ach, was hamma gelacht. Zu schön. Sicher freut ihr euch schon genauso auf die nächst Jubiläumssause wie ich. Muriel Silberstreif weiß halt, wie man eine Party schmeißt, oder Leute?
    Leute?
    Hallo?
    Ach na gut. *Lichtschalter*

und wenn wir in dieser Welt eins zu viel haben, dann ja wohl Empathie!

29. April 2013

Okay, so kanns gehen, gestern habe ich es noch entrüstet von mir gewiesen, und heute ist es schon so weit, heute bashen wir doch mal ein bisschen die taz. Na gut, sie wird es verschmerzen können, nehme ich an. Von der Zeit sind mir seit meinem gestrigen Post auch noch keine Suiziddrohungen oder Ergebniswarnungen bekannt geworden.

Worum gehts?

Dank des wunderbaren Altpapiers habe ich bei taz. de eine kurze KRITIK zur Verleihung des diesjährigen Nannen-Preises gefunden:

 „Zeit“-Autorin Heike Faller mag den Nannen-Preis für ihre Pädophilenporträts verdient haben. Für den Gegenstand ihres Stücks „Empathie für Pädos“ ist er ein Skandal

Ich traue mich ja schon gar nicht mehr das zu sagen, aber: Wat? Hä? Wie? Sie mag den Preis verdient haben. Aber er ist ein Skandal. Der Preis ist verdient, aber ein Skandal. Für den Gegenstand. Wie „für“? Mutmaßlich doch im Sinne von „Wegen“. Aber trotzdem. Sie hat den Preis für diese Arbeit verdient. Aber wegen des Themas der Arbeit ist es ein Skandal, dass sie ihn bekommt. Sie hätte ihn also für diese Arbeit ruhig bekommen sollen, aber die Arbeit hätte ein anderes Thema … ? Ich begreifs nicht. Und so langsam glaube ich wirklich, dass das an mir liegen muss. Es kann doch einfach nicht sein, dass jeder Artikel, den ich in deutschen Zeitungen lese, gleich mit völligem Blödsinn beginnt. Es muss doch auch hin und wieder mal ein Journalist was Konsistentes schreiben.

Egal.

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Eher nein.

17. Juli 2012

Stefan Niggemeier schreibt:

Ich weiß nicht, ob Peter Altmaier schwul ist. Aber ich finde es — anders als die Chefredakteurin der »taz« — legitim, darüber zu spekulieren.

Deshalb findet er es falsch, dass die Chefredakteurin der taz einen Artikel gelöscht hat, der genau das tat.

Die »taz« soll nicht fragen dürfen, was der Umweltminister meinte, als er es als sein von Gott gewolltes Schicksal bezeichnete, unverheiratet bleiben zu müssen? Das halte ich für falsch. Ebenso wie die Behauptung, die sexuelle Orientierung eines Menschen sei Privatsache.

Und ich glaube, ich bin da vorsichtig anderer Meinung. Also, klar, spekulieren an sich darf natürlich jeder über alles. Aber als Zeitung, öffentlich, das ist was anderes, und aus meiner Sicht sollte es unter dem Niveau eines ernstzunehmenden Mediums sein sein, Mutmaßungen darüber anzustellen, mit welcher Art Mensch Herr Altmaier gerne Geschlechtsverkehr hat, falls überhaupt. Für wen soll das denn eine relevante Information sein, außer natürlich für Leute, die gerne mit Menschen wie Herrn Altmaier Geschlechtsverkehr haben? Und ich finde, denen ist zuzumuten, ihn selbst zu fragen, ob er zur Verfügung steht.

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BILD dir dein Interview

26. November 2009

Kai Diekmann hat der FAZ ein Interview gegeben, in dem es vorrangig um die taz und seine Beziehung zu ihr geht. Auf den ersten Blick kommt er dabei einigermaßen sympathisch rüber und sagt eigentlich nichts, auf das ich direkt mit dem Finger zeigen und das ich mit „Da! Typisch BILD! Ich hab’s ja gewusst!“ kommentieren könnte.

Völlig in Ordnung ist sein Auftritt aber trotzdem nicht, und ich sehe auch gar nicht ein, dass Kai Diekmann irgendwas sagen darf, ohne dass ein Aufschrei der Empörung durch die deutschen Blogs geht. Seine Behauptung

„Statt wie geplant bis zum Jahresende den 9000. [taz-]Genossen gewinnen zu können, gibt es die ersten Abo-Kündigungen.“

klingt für mich erst einmal nach einer Verdrehung der Wahrheit und damit doch wieder BILD-typisch, mal ganz davon agesehen, dass sie grammatikalisch bis an die Grenze der Unverständlichkeit verhunzt ist. Leider habe ich nicht genug journalistische Ambition auf die Schnelle keine Möglichkeit gefunden, die Abonnentenzahlen der taz zu überprüfen, aber ganz unabhängig davon, wie die sich entwickeln, finde ich diesen Satz vergleichbar mit der These:

„Statt wie geplant bis zum Jahresende den CO2-Ausstoß um 10% reduzieren zu können, war der Sommer schon wieder ziemlich warm.“

Das Erste hängt nur lose mit dem Zweiten zusammen, und außerdem ist das Zweite völlig normal und eigentlich immer so.

Ebenfalls gewagt kommt mir die folgende Behauptung von Diekmann vor:

„Boulevard ist erfolgreich – wenn man ihn betreibt wie wir. Was die taz macht, ist allerdings Boulevard der siebziger Jahre, sozusagen die Eis-am-Stil-Phase: Sex und Zoten.“

Ähm… Ja. Bei BILD gibt es eben noch Angst, Hass und den Wetterbericht dazu. Dass man damit erfolgreicher ist, lässt sich wohl nicht bestreiten, aber noch so zu tun, als spiele man auf höherem Niveau, ist dreist. Und übrigens: Kann mir jemand mal sagen, warum Diekmann immer „Eis am Stil“ schreibt? Ist das ein Insider-Witz, den ich nicht verstehe?

Ich finde es verstörend, dass die FAZ sich für so ein plumpes Gefälligkeitsinterview hergibt. Nennt mich paranoid, aber nachdem ich das Interview nun dreimal gelesen habe, ist mir immer noch keine Möglichkeit aufgefallen, wie Diekmann es hätte besser machen können, wenn er das ganze Interview einfach alleine geschrieben hätte. Er hat damit Übung. Ich würde den entsprechenden Beitrag in seinem Blog verlinken, kann das aber nicht mit meinem Gewissen vereinbaren.