Niemand kann ihnen diese Verantwortung abnehmen

25. Januar 2015

Die nordrhein-westfälische CDU-Landtagsabgeordnete Serap Güler hat einen Gastbeitrag für die FAZ geschrieben. Darin versucht sie, sich mit dem Zusammenhang zwischen Islam und Terrorismus auseinanderzusetzen und fordert:

Wir dürfen uns nicht länger hinter der Phrase verstecken, Gewalt und Terror hätten nichts mit dem Islam zu tun.

Dass sie das ein bisschen merkwürdig macht, könnt ihr daran erkennen, dass ich diesen Artikel geschrieben habe. Was genau schief gelaufen ist, erfahrt ihr, wenn ihr mir hinter die Trennlinie folgt.

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Je suis Muriel

11. Januar 2015

Ich schwöre, ich hab das Bild erst gesehen, nachdem ich den Titel schon geschrieben hatte.

Whoa. Diese Charlie-Hebdo-Geschichte ist für mich schon wieder so eine, bei der man nicht so richtig weiß, wen man zuerst und am heftigsten beschimpfen soll. Bei den Terroristen und den Antiislamisierungshonks ist das sicher noch am offensichtlichsten, aber auch die „Je suis Charlie“-Fraktion weckt in mir einen latenten Hass. Gut, der ist natürlich teilweise nicht gerechtfertigt und wächst aus meinem eigenen pathologischen Nonkonformismus, der mich immer ganz grantig gegen alles sein lässt, was ansonsten einhelliger Konsens ist, so richtig und vernünftig es auch sein mag. Aber nicht nur.

Es ist ja nicht schwer, das Elend zu illustrieren. Es gibt zahllose Beispiele. Ich habe jetzt gerade diese am bequemsten zur Hand:

http://www.sueddeutsche.de/kultur/sz-karikaturen-zu-charlie-hebdo-man-ist-nicht-mehr-frei-1.2298209#7

Ist das nicht schrecklich? Wirklich jede einzelne davon? Ich meine, das ist sicher Geschmackssache, aber ich würde mich doch sehr wundern, wenn irgendjemand diese Karikaturen aufrichtig lustig oder auch nur geistreich fände, spätestens nachdem sie den „Es ist ja für eine gute Sache“-Bonus rausgerechnet hat. Dass es besser geht, will ich auch nicht verschweigen, das hat die Titanic mit ihrem Liveticker in eigener Sache geschafft, und dann gleich anschließend wieder gar nicht.

Und ich glaube, das ist aus ungefähr dem gleichen Grund so, aus dem Scheibenwischer so grässlich unangenehm anzuschauen war.

Humor wird (zumindest für mich) sehr peinlich und schmerzhaft, wenn man ihm anmerkt, dass er sich selbst schrecklich ernst nimmt. Wenn ihm aus jeder Faser das Miasma des Bewusstseins der eigenen zivilisationserhaltenden Bedeutung steigt und Augen und Nase mit seinem süßlich-fauligen Aerosol verklebt. Deshalb ist in meinen Augen der Titanic-Newsticker die bisher einzige humoristische Reaktion auf die Anschläge in Frankreich, mit der ich mich wohlfühle. Und deswegen regen mich solche wie da oben in der Süddeutschen Zeitung auf.

Humor, der den Humor verliert, ist erbärmlich. Und wenn professionellen Humoristen als Reaktion auf terroristische Gewalt regelmäßig nichts Besseres einfällt, während sie gleichzeitig immer wieder betonen, wie wichtig es ist, nicht den Humor zu verlieren, und alle Kommentatoren ihnen völlig unkritisch und unreflektiert zustimmen, dann haben die Terroristen gewonnen ist das meines Erachtens schon eher ein schlechtes Zeichen für den Zustand unseres öffentlichen Diskurses.

Oder was meint ihr?

[Disclosure: Ich schreibe weder für SZ, noch für Charlie Hebdo, Titanic oder deren Mitbewerberinnen, bin aber grundsätzlich voller Neid und Missgunst für alle, die im Gegensatz zu mir einen Weg gefunden haben, ihren Lebensunterhalt durchs Schreiben zu verdienen.]


Land of the free

20. Mai 2012

Normalerweise finde ich es ja einfallslos und armselig, einfach nur Dinge wiederzugeben, die ich woanders gelesen habe, aber manchmal geschehen Dinge, die ich so … bedenklich finde, dass ich sie hier festhalten will.

Letzten Mittwoch hat eine Bundesrichterin in den USA eine einstweilige Verfügung erlassen, nach der § 1021 des  von Präsident Obama unterzeichneten National Defense Authorization Act 2012 nicht angewendet werden darf, weil er das Recht auf Meinungsfreiheit und ein faires Verfahren verletzt. § 1021 lautet:

The President has the authority to detain persons that  the President determines planned, authorized, committed,  or aided the terrorist attacks that occurred on September 11, 2001, and persons who harbored those responsible for those attacks. The President also has the authority to detain persons who were part of or substantially supported, Taliban or al-Qaida forces or  associated forces that are engaged in hostilities against the United States or its coalition partners, including any person who has committed a belligerent act, or has directly supported hostilities, in the aid of such enemy forces.

Kurz auf Deutsch zusammengefasst: Der Präsident darf jede Person ohne Weiteres beliebig lange einsperren, solange er feststellt, dass diese Person terroristische Handlungen ausgeführt oder unterstützt hat. Ich weiß auch nicht, wie die Dame darauf kam, das könnte irgendwie bedenklich sein.

Zum Glück hat das Repräsentantenhaus sich von den kleinlichen Bedenken der Richterin nicht irritieren lassen, sich nicht von ihrer linksliberalen Agenda vereinnahmen lassen und die fragliche Vorschrift unbeirrt bestätigt. Der Republikaner Mac Thornberry brachte die Sache hervorragend auf den Punkt:

„I think the vast majority of people in this body and around the country do not think telling them they have the right to remain silent as the first thing they hear is a wise thing“

Man muss ja, insbesondere wenn man so ein Sonderling ist wie ich, sehr darauf achten, diesen Satz nicht überzustrapazieren, aber da ich ihn länger nicht mehr benutzt habe, gönne ich mir mal wieder was:

Ick kann jar nich soville fressen, wie ick kotzen möchte.