Schicksalsbewältigung im Sonderangebot

19. April 2015

Der Umgang von Leuten mit großer Trauer ist ja eine heikle Sache. Wenn wir Menschen verlieren, die uns nahe stehen, dann erschüttert, verändert das unser Leben, und stellt vieles infrage, was zuverlässig schien. Dieser Beitrag soll sich nicht über die Trauernden lustig machen. Er soll sie nicht angreifen, und er soll ihnen auch nicht vorgeben, wie sie mit ihrem Schmerz umzugehen haben.

Er soll aber sehr wohl kritisieren, verspotten und angreifen, was Matthias Drobinski für die SZ drüber geschrieben hat, und in geringerem Maß auch noch ein paar andere Sachen. Das ist leider schwer zu trennen, deswegen befürchte ich, dass es mir nicht gelingen wird, nicht auch zwischendurch mal was zu schreiben, was für betroffene Personen verletzend sein könnte. Ich versichere aber, dass ich es versucht habe, und für nützliche Hinweise dazu auch dankbar bin.

Jetzt aber los:

Ein Gottesdienst mit Kerzen, Gebet und Gesang macht die Welt nach der Germanwings-Katastrophe nicht wieder heil. Er klärt auch nicht, ob ein Flugzeugabsturz hätte verhindert werden können. Aber er gibt der Trauer eine rituelle Form – und gerade darin liegt sein Wert.

So der Teasertext und die Kernthese von Herrn Drobinski. Und wenn ihr wenig Zeit habt, könnt ihr jetzt aufhören zu lesen, denn man weiß eigentlich, was dann kommt. Aber falls ihr gerade eh ein paar Minuten über habt und euch nicht besser zu amüsieren wisst, dann folgt mir doch hinter den Trennbalken und lacht, weint und wütet je nach Disposition mit mir über diesen unerfreulichen Text.

Den Rest des Beitrags lesen »


Restebloggen (92)

11. Mai 2013
  1. Zum Glück nur in Amerika.
  2. „If you have faith and give me the $ 15,000, maybe one day the car will reveal itself to you.“
  3. Ey nee geh mir weg mit Into Darkness. Ich hab Star Trek 2009 gesehen, und damit war der Franchise für mich tot. Ja. Das ist eigentlich merkwürdig. Voyager hab ich hingenommen (nota bene hingenommen, nicht gesehen!), Enterprise hab ich hingenommen, Generations hab ich hingenommen, aber Star Trek 2009 hat dann meinen endgültigen Abschluss mit dem Thema markiert, und meine Entscheidung besiegelt, dass ich Star Trek insgesamt nicht mag. Bin durch mit dem Thema.
    Und ja, das ist mir zwei Absätze wert, so durch bin ich damit: Verdammt noch mal, wie kann das eigentlich sein, dass Firefly nach einer Staffel abgesetzt wird und Babylon 5 auch für immer verschwunden ist, aber zu Star Trek kommt nutzloser Drecksfilm nach nutzlosem Drecksfilm, und es geht einfach immer weiter? Verdammt noch mal, die Terminator-Serie hatte durchdachtere Plots und interessantere Charaktere und bessere Dialoge als Star Trek sie jemals zustande gebracht hat, sogar die, und die wurde natürlich auch abgesetzt, ist ja klar, weil es am Ende der zweiten Staffel wirklich so aussah, als könnte da was echt Gutes draus werden. Von Pushing Daisies will ich gar nicht erst anfangen, das hat nun auch wirklich gar nichts mehr mit Science Fiction zu tun, aber trotzdem. Ihr wollt doch, dass dieser Planet verglast wird, wenn ihn eines Tages mal echte Aliens entdecken, oder? Gut. Ich auch.
  4. Auch schön:

    „No good plan begins with magic sperm!“
  5. Ganz interessant: Postituierte lernen bei einer Beratungsstelle, wie sie auf die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderung eingehen können. Mir fehlt in dem Artikel die Auseinandersetzung mit der Problematik der Sexualität von geistig Behinderten. Wir können doch schwerlich Sex mit Kindern (fast) bedingungslos unter Strafe stellen, weil wir sie nicht für mündig halten, in dem Bereich eine Entscheidung zu treffen, bei geistig Behinderten, die unter Umständen aber sogar noch weniger durchschauen, was geschieht, dann aber gar kein Problem sehen.
  6. Wie Heribert Prantl sich das mit dem Rechtsstaat vorstellt: „Die Auswertung von Festplatten und Steuer-CDs ist, auch bei fragwürdiger Herkunft, ein Akt der Notwehr gegen parasitären Reichtum.“ Ob er nun generell Verfahrensvorschriften und Grundrechte in der Strafverfolgung zur Disposition stellt oder Notwehr nur gegen das Behalten verdienten Geldes für zulässig hält, nicht aber gegen Vergewaltigung, Mord oder Entführung, lässt er zwar offen, aber ich darf schon mal sagen, dass das, was nach Implementierung seiner Vision bliebe, kein Rechtsstaat mehr wäre. Und das finde ich persönlich erheblich asozialer einen Parasitismus, der darin besteht, dass man sein Eigentum trotz massiver Drohungen nicht rausrückt.
  7. Und wo ich schon mal beim Nörgeln bin: Wie Kate Darling sich das mit der Ethik vorstellt: „Wir sollten Roboter schützen, wie wir es mit Tieren tun. […] Beim Tierschutz gehe es nicht primär um Tiere, sondern um Menschen. Wir schützen Dinge, die uns an uns selbst erinnern, weil wir uns selbst schützen wollen. Beim Tierschutz gehe es vor allem darum, Verhalten zu bestrafen, das in einem anderen Zusammenhang auch für Menschen gefährlich sein könnte.“ Ist klar. Und weil ja Gemälde und Statuen auch viele von uns an Menschen erinnern, sollten wir am besten auch gleich Leute bestrafen, die die beschädigen, weil es viel wichtiger ist, leblosen Gegenständen Leid zu ersparen, als echten Menschen, und weil es natürlich grundsätzlich eine total gute Idee ist, Verhalten gegen Gegenstände zu bestrafen, das Menschen gefährlich sein könnte, wenn es sich nicht gegen Gegenstände richten würde, sondern gegen Menschen. Ich brech ins Essen.

Von Göttern, Brüsten und Epistemologie

24. Februar 2013

Da andere Themen für mich gerade nicht viel hergeben, wende ich mich mal einer Frage zu, die Theisten einem als Atheist öfter stellen, die konkret aber schwer zu beantworten ist, was, wie ich hoffentlich gleich erklären werde, aber nicht an uns liegt. Schaumermal.

Die Frage lautet natürlich:

Was wäre nötig, um dich zu bekehren?

[sinngemäß zum Beispiel hier]

Den Rest des Beitrags lesen »


Voices in my head

4. August 2011

Ich mag den Begriff Sommerloch ja nicht so, weil ich ihn für eine Ausrede halte. Wenn man wirklich will, findet man interessante Themen, über die man schreiben kann, die die Leser wirklich bewegen und brisante Erkenntnisse bereithalten. Wenn man wirklich will, kann man zu jeder Jahreszeit aufrütteln, Bewusstsein schaffen, für Probleme sensibilisieren und die Welt verbessern.

Ich will aber nicht.

Stattdessen nehme ich deshalb ein gerade gefundenes Beispiel für einen der vielen Aspekte an religiösem Glauben, die ich einfach immer wieder nicht fassen kann, wenn sie mir unterkommen: Die Sinnlosigkeit der Geschichten, in denen ein Gott angeblich eingegriffen hat, um seine Anhänger zu schützen. Ebenfalls zum Schutze der Unschuldigen verlinke ich die Quelle dieser Geschichte nicht und beschränke mich darauf zu versichern, dass sie echt ist. Die Geschichte ist kurz und geht so:

Jemand fährt regelmäßig Moped, aber in der Regel ohne Helm. Eines Tages, auf dem Weg zur Arbeit, hört er eine Stimme, die ihm sagt: „Halt an und setz deinen Helm auf!“ Er tut es, und wird wenig später auf einer Kreuzung von einer unachtsamen Autofahrerin gerammt. Der Helm wird dabei zerstört, aber er kommt mit leichten Verletzungen davon.

Merkt ihr, was ich meine? Und die Geschichten, die ich kenne, sind alle so. An was für einen Gott glauben denn diese Leute? Was für ein lächerlicher Harlekin und was für ein widerliches Ekel von einem Gott ist denn das, der das Opfer eines Verkehrsunfalls vorher bittet, einen Helm aufzusetzen, statt… Ich weiß nicht, zum Beispiel die Autofahrerin rechtzeitig zu warnen und so den Unfall ganz zu verhindern? Oder – falls die Frau im Auto eine dieser verstockten Atheistinnen ist, die ihr Herz gegen Jahwe Elohim verhärtet haben und ihn ignorieren, wenn er mit ihnen spricht – dem Mopedfahrer zu sagen: „Halt an, setz deinen Helm auf, und dann warte noch zwei Minuten hier.“? Das hätte auch gereicht. Er könnte die beiden Fahrzeuge auch einfach kurzfristig entkörpern und einander unberührt passieren lassen. Wir reden immerhin über den allmächtigen Schöpfer des Universums. Sowas dürfte buchstäblich kein Aufwand für ihn sein. Aber nein, er verhindert den Unfall nicht, obwohl er lange vorher davon weiß. Er bittet den Mopedfahrer stattdessen nur, seinen Helm aufzusetzen.

Und sogar, wenn wir den Aspekt der Idiotie mal außen vor lassen: Was denken wir gemeinhin über jemanden, der einen Verkehrsunfall kommen sieht und sich bewusst entscheidet, diesen nicht zu verhindern, obwohl er beide Opfer mühelos hätte warnen können? Staunen wir über die grenzenlose Liebe dieses Menschen, nennen ihn vollkommen in seiner Güte und beten ihn an? Manche Christen sehen das wohl so. Für mich ist so jemand ein unfassbarer Armleuchter. Und, ja, das ist irgendwie Kleinkram, aber ich kann mich immer wieder und wieder und wieder und wieder und wieder und wieder und wieder und wieder und wieder und wieder und wieder und wieder und wieder darüber aufregen, was Religion mit dem Verstand und der Moral und dem Selbstwertgefühl ihrer Opfer macht.

So.

Zurück zum Sommerloch.


Versuch einer Pauschalisierung

25. Februar 2011

Man kann Anti-Atheisten [sic] nach meiner Erfahrung ziemlich sauber in zwei Kategorien einteilen:

  1. Theisten. Über die schreibe ich regelmäßig, deswegen spare ich mir hier nähere Ausführungen
  2. Militante Agnostiker. Den Begriff „militant“ missbrauche ich hier natürlich schamlos in derselben Form, in der er auch gegenüber Atheisten regelmäßig missbraucht wird. Und den Begriff „Agnostiker“ finde ich eigentlich auch gar nicht so richtig passend. Trotzdem nenne ich sie mal so, um gleich am Anfang einen kleinen Seitenhieb gegen ihre verquere Terminologie auszuteilen. Ich Fuchs, ich.

Militante Agnostiker erkennt man daran, dass sie sich gerne in herablassendem und anmaßendem Tonfall darüber ereifern, dass Atheisten sich immer so herablassend und anmaßend über Theisten ereifern. Sie weisen in der Regel sehr plakativ darauf hin, dass sie keinen Sinn darin sehen, plakativ darauf hinzuweisen, wie sie zu Gott stehen. Es ist ihnen äußerst wichtig, zu betonen, dass ihnen das ganze Thema völlig egal ist. Sie prügeln gerne undifferenziert auf beide Parteien der Debatte ein, weil sie es inakzeptabel finden, dass die beiden Seiten so undifferenziert aufeinander einprügeln. Dabei haben sie meistens eine leichte Vorliebe für die theistische Seite, zum Beispiel, weil die nicht so aggressiv argumentieren, oder weil sie immerhin für etwas Positives eintreten, während die Atheisten ja immer nur dagegen sind.

Und jetzt überrascht es euch vielleicht nicht mehr, wenn ich sage, dass ich ganz persönlich militante Agnostiker erst einmal für viel weniger sympathisch halte als Theisten. In gewisser Weise ist das ein bisschen merkwürdig, weil die Ansichten der Theisten sicherlich größeren unmittelbaren Schaden anrichten. Militante Agnostiker fordern keine Beschneidungen, sie haben nichts gegen Homosexualität, und sie versuchen nicht, unseren Kindern einzureden, die Welt wäre erst vor sechs- bis zehntausend Jahren von einem unsichtbaren Zauberer geschaffen worden.

Aber aus verschiedenen Gründen respektiere ich sie dennoch eher weniger als Gläubige.

Erstens stört mich ihre moralische Selbstüberhöhung. Sie tun so, als bewohnten sie die Goldene Mitte. Sie stehen zwischen den Fronten und verstehen gar nicht, warum die anderen sich streiten, statt einfach nur tolerant zu sein und sich gegenseitig zu akzeptieren. Das finde ich unanständig, weil sie dabei zweitens implizieren, es wäre intolerant, öffentlich seine Meinung zu sagen. Sie tun so, als wäre es irgendwie verwerflich, jemandem zu sagen, dass man seine Meinung für falsch hält und ihm zu erklären, warum man sie ablehnt. Sie spiegeln voller Stolz vor, keine Meinung zu haben, und tadeln von ihrem hohen Ross aus andere, die sich für das einsetzen, was sie für richtig halten. Und damit richten sie drittens meines Erachtens auch echten Schaden an, denn sie obstruieren  den öffentlichen Wettstreit der Ideen, und den halte ich für eine der wichtigsten, wenn nicht sogar die wichtigste Errungenschaft unserer freiheitlichen Gesellschaft.

Oder wie seht ihr das?