Theologie

17. Mai 2015

Indizien dafür, dass deine Wissenschaft möglicherweise eigentlich gar keine ist, sondern lediglich ein scheinwissenschaftlicher Deckmantel zur Rechtfertigung einer feststehenden dogmatischen Ideologie und der sie vertretenden Organisationen:

  1. Deine Wissenschaft dient ihrer Selbstbeschreibung nach explizit zur Rechtfertigung einer feststehenden dogmatischen Ideologie und der sie vertretenden Organisationen.

Im Prinzip ja. (1)

16. Mai 2012

Die Redaktion des Magazins „Spektrum der Wissenschaft“ hat sich entschieden, im Januar 2012 mal ein ganz brandheißes Eisen anzufassen und eine Frage zu diskutieren, die sonst kaum jemand zu stellen traut und für die wir alle schon so lange atemlos auf eine Antwort warten:

Sind Wissenschaft und Religion vereinbar?

Und weil ich mir denke, dass es nach der langen Wartezeit auf ein paar Monate mehr nicht ankommt, habe ich entschieden, jetzt mal über diesen Versuch einer Antwort zu berichten. Wer das auch so sieht, findet meinen Bericht hinter dem Klick. (Spoiler: Es wird eher unterhaltsam als lehrreich.)

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Ich habe zwar keine Ahnung, aber

14. September 2010

trotzdem eine Meinung, das kennt ihr ja schon von mir, und wenn zwei meiner Lieblingsthemen zusammentreffen wie heute bei diesem FAZ.net-Artikel unter der Überschrift „Ist die Organspende noch zu retten?„, dann kann ich sie einfach nicht für mich behalten. Erst steht da:

„Biologische und neurologische Kriterien genügen nicht zur Entscheidung über Leben und Tod.“

Eine große Behauptung, von der man meinen sollte, dass sie eine gute Begründung braucht. Man meint natürlich falsch. Im Grunde geht es in dem Artikel darum, dass angeblich Zweifel bestehen an der Maßgeblichkeit des Hirntodes für den Tod des ganzen Menschen. Als Beleg dafür zieht der Autor Stephan Sahm die Begründung der US-amerikanischen „President’s Commission on Bioethics“ heran, nach der der Organismus mit dem Hirntod aufhöre, ein „integriertes Ganzes“ zu sein. Das sei aber Unsinn, sagt er, denn Hirntote können ihre Körpertemperatur regulieren, Nahrung verdauen und überhaupt physisch noch tadellos funktionieren, und damit sei der Hirntod als Maßstab obsolet.

Natürlich Leider verlinkt faz.net nicht auf diese Begründung der Commission, und ich habe sie via Google auch bisher nicht gefunden, sonst könnte ich überprüfen, ob da überhaupt was dran ist. Ich bin aber der Meinung, dass das im Grund auch keine Rolle spielt, denn nach meinem – zugegebenermaßen laienhaften – Verständnis bläst Sahm hier bestenfalls ein Formulierungsproblem so weit auf, dass es seiner Meinung nach unser ganzes System der Organspende in Frage stellt:

„Das Konzept des Hirntods ist unerlässlich für die Transplantationsmedizin. Fällt es, kann sie ihre Tore schließen.“

Dazu wirft er noch munter das Definitionsproblem mit technischen Fragen durcheinander:

„Zudem ist die Feststellung des Hirntods mit einer Reihe von Unsicherheiten behaftet.“

und tut überhaupt sein Möglichstes, um die Angst vor der tückischen Organspendemafia zu schüren:

„Ein britischer Anästhesist wird mit den Worten zitiert, er befürworte die Transplantation von Organen, gedenke aber nur dann einen Spenderausweis bei sich zu führen, wenn er sicher sein könne, dass er vor der Entnahme betäubt würde.“

Und wenn er schon mal dabei ist, bringt er auch gleich noch ein bisschen fundamentale Wissenschaftskritik vor:

„Die Beschränkung auf biologische und neurologische Kriterien hatte den Vorteil, die Suche nach einer philosophischen oder theologischen Todesdefinition zu umgehen.“

Korrigiert mich, wenn ihr es besser wisst, aber diese Argumentation ergibt aus meiner Sicht von vorne bis hinten keinen Sinn. Hirntod ist deshalb der sinnvollste Maßstab für den Tod, weil alles, was uns als Persönlichkeiten ausmacht, im Gehirn stattfindet. Wenn das Gehirn nicht mehr arbeitet, dann kann unser Körper möglicherweise noch seine Temperatur aufrecht erhalten, aber das kann der Heizkörper in meinem Wohnzimmer auch. Trotzdem hat er keine Menschenrechte. Was für eine Rolle spielt es, ob der Körper auch ohne Gehirn noch als „integriertes Ganzes“ funktioniert, sogar wenn eine Kommission in den USA das mal als Begründung vorgegeben hat? Und wozu bitte soll eine „theologische Todesdefinition“ gut sein? Brauchen wir auch noch eine pädagogische, eine literaturwissenschaftliche und eine astrologische[Fußnote 1]?

Irgendwie scheint es überhaupt das Leitmotiv in Sahms Artikel zu sein, dass Naturwissenschaft einfach nicht ausreicht.

„Wenn es um brisante Themen der Biopolitik wie die Embryonenforschung geht, werden Philosophen, die naturphilosophische Argumente vortragen, ebenso wie Theologen oft als Ewiggestrige verunglimpft. Im Falle des Hirntods könnte sich das ändern. Vielleicht ist er anders tatsächlich nicht zu retten.“

Wer hat wann Philosophen als Ewiggestrige verunglimpft, weil sie philosophische Argumente vorgetragen haben? Und sitzen Theologen nicht auch bei uns in allen Ethikkommissionen und dürfen da ganz ernsthaft mitreden, als wären sie dazu durch irgendwas qualifiziert? Und was hat das jetzt überhaupt noch mit der Eingangsfrage zu tun? Wenn Herr Sahm die philosophischen und theologischen Standpunkte für so wichtig hält, hätte er ja vielleicht auch mal einen erwähnen können, der aus seiner Sicht zur Wahrheitsfindung beiträgt.

Dafür müsste man sich aber natürlich für die Wahrheit interessieren, und nicht einfach nur ein bisschen Aufregung erzeugen wollen.

[1] Disclaimer: Ich will damit nicht sagen, Pädagogik und Literaturwissenschaft seien vergleichbarer Blödsinn wie Theologie und Astrologie. Aber sie haben in meinen Augen genauso wenig zu der Frage zu sagen, wann und wie ein Arzt den Tod feststellen sollte.