Gegenteilwoche: Ampelmännchen

7. September 2010

Nachdem mein erster Gegenteilartikel so kontrovers gewählt war, dass mir von meinen eigenen Argumenten stellenweise ein bisschen übel wurde, schalte ich heute mal einen Gang zurück und berichte von der Verbraucherschutzfront.

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(Symbolbild)

Ministerin Aigner hat versagt. Die deutsche Regierung ist vor den Partikularinteressen einer Branche eingeknickt und hat sich zum Dienstleister der Nahrungsmittelindustrie gemacht. Der Geschäftsführer von Food Watch, Thilo Bode, kritisiert, dass es der Politik am Willen fehlt, auch mal etwas gegen die Industrie zu entscheiden, und das ist auch kein Wunder, wenn die Nahrungsmittellobby eine Milliarde Euro ausgibt, um die von Food Watch gemeinsam mit Krankenkassen, Kinderärzten und Sozialverbänden geforderte Ampelkennzeichnung auf Lebensmitteln zu verhindern.

Wie einfach hätte es sein können? Auf einen Blick hätten wir alle erkannt, ob Lebensmittel viel, wenig oder eine mittlere Menge Fett, Zucker oder Salz enthalten. Ein Kinderspiel wäre es gewesen, zu erkennen, ob wir Gesundes kaufen oder uns krank futtern. Und gekostet hätte es auch niemanden was, denn die Ampelkennzeichnung hätte keinen zusätzlichen Aufwand bedeutet, da sie nur die ohnehin schon vorgeschriebenen, für die meisten Verbraucher aber völlig unverständlichen und nutzlosen Inhaltsstoffangaben veranschaulicht.

Wie wenig ist unserer Politik eigentlich der Verbraucherschutz und die gesunde Ernährung nicht zuletzt auch unserer Kinder wert, wenn sie nicht einmal so eine einfache und doch so hilfreiche Regelung gegen die mächtige Wirtschaft durchzuboxen bereit ist?

Wenn wir nicht einmal eine Kennzeichnungspflicht für übermäßig fett- oder zuckerhaltige Lebensmittel auf die Reihe bekommen, müssen wir uns wohl erst gar keine Hoffnung machen, eines Tages sicher sein zu können, dass „Schinken“ nicht nur aus Fleischresten zusammengeklebt, sondern wirklich echter Schinken ist. Wie auch, wenn die Lebensmittellobby sogar in Brüssel die Gesetze mitformuliert?

Armes Deutschland.