If you’re pope, or prince, or plumber

11. November 2011

Das ist einer dieser Posts, die keinem hehreren Ziel dienen, als meine Fassungslosigkeit darüber auszudrücken, was für Menschen es gibt.

An der Penn State hat also ein Assistant Coach des Football-Teams Kinder vergewaltigt. Okay. Traurig, aber dass sowas passiert, wissen wir schon lange, und wenn wir ehrlich sind, wissen wir auch, dass es nicht nur die Domäne katholischer Priester ist.

Aber das war natürlich nicht alles. Leute haben davon gewusst. Jemand hat eine solche Vergewaltigung beobachtet.

The grand jury report says that a janitor told co-workers in 2000 that he had seen Mr. Sandusky having sex with a young boy in the football building but did not report the matter to the authorities. In 2002, a graduate assistant entered the same building and claims to have seen him sexually assaulting another child.

That graduate assistant reported the alleged incident to Mr. Paterno, who then told the university’s athletic director, Tim Curley, that the student had seen the former coach “doing something of sexual nature to a young boy.“

Und niemand hat die Polizei informiert. In all den Jahren hat keiner der Beteiligten es für nötig gehalten, die Polizei zu informieren. Und das begreife ich schon nicht. Wie kann das sein? Was muss man denn für ein Mensch sein, um einen Trainer dabei zu beobachten, wie er mit einem Kind Analsex hat, und dann zu denken: „Hm… Schon komisch, aber geht mich wohl nichts an.“ oder „Jungejunge, da stimmt was nicht. Ich sollte den Coach fragen, was ich machen soll.“?

Aber das war immer noch nicht alles. Es geht noch weiter:

Der Head Coach Joe Paterno, der von der Vergewaltigung wusste und nichts weiter tat als seinen Vorgesetzten zu informieren, wurde entlassen. Und zahlreiche Studenten haben nun dagegen protestiert:

Many students have shown their support for Mr. Paterno with large rallies outside his home and at Old Main. After he was fired, thousands of people gathered in front of the administration building, throwing objects and chanting “We want Joe!”

Ja, genau. Sie wollen den Trainer zurück haben, der (praktisch) nichts gegen die Vergewaltigung von Kindern unternommen hat. Sie wollen, dass für ihr Footballteam wieder jemand verantwortlich ist, der Kindesmissbrauch unterstützt.

Many held up cellphones to take pictures and others blew vuvuzelas and air horns. A few climbed lampposts, tried to topple street signs and knocked over trash cans. Others set off firecrackers from the roofs of buildings, and a television news truck was flipped on its side. A lamppost was torn down and police pepper-sprayed some in the crowd.

Fällt jemandem dazu noch was ein? Mir eigentlich nicht. Aber vielleicht erwartet der eine oder andere von mir, dass ich kurz noch eine Verbindung ziehe zur katholischen Kirche.

Es läge nahe, dass der eine oder andere Apologet nun dieses Beispiel aufgreift und sagt: Da, seht, es hat nichts mit Religion zu tun, sowas passiert auch woanders.

Und er hätte im Wortsinne Recht. Niemand, der bei Verstand ist, würde behaupten, dass Pädophilie und Vergewaltigung von Kindern eine exklusive Errungenschaft der Katholiken ist. Aber mit dem, worauf er implizit hinauswill, hätte er Unrecht.

Die Tat an sich ist wahrscheinlich niemandem außer dem Täter vorzuwerfen, wie immer. Und der hat es nicht getan, weil er Katholik ist, oder weil er Assistant Coach ist, sondern weil er pädophil und (Das ist nicht das Gleiche.) ein kriminelles Arschloch ist. Aber es gibt Rahmenbedingungen, die solche Taten offenkundig begünstigen und ein Milieu schaffen, in dem ein solcher Mensch über Jahre Kinder vergewaltigen kann, ohne dass jemand sich großartig darum kümmert. Zu diesen Rahmenbedingungen gehört die Errichtung einer strikten Hierarchie und unanfechtbarer Autoritäten (Kirche: Check; Football-Teams: Check), aber auch die Überhöhung von Gemeinschaft und Teamgeist im Sinne eines „Wir hier drinnen sind besser als die da draußen, und wir halten um jedem Preis zusammen.“ (Kirche: Check, Football-Teams: Check) sowie auch die Anbetung einer religiös verklärten Ikone, die zum einzigen Sinn des Lebens erhoben und über jeden anderen menschlichen Belang gestellt wird (Kirche: Check, Football-Teams: Check).

Natürlich sind nicht alle drei Bedingungen erforderlich, und natürlich geht es auch ganz ohne, aber mit geht es eben wesentlich leichter. Die Hierarchie entbindet von der Notwendigkeit, selbst zu entscheiden, und von jeder Verantwortung. Das überzogene Gemeinschaftsgefühl hält einen davon ab, „einen von uns“ an „die da draußen“ zu verraten. Und die blödsinnige Ikone ist eben so wichtig, dass man sogar zusieht, wie Kinder vergewaltigt werden, um Schaden von ihr abzuwenden. Soweit mein Erklärungsmodell. Ich muss zugeben, dass ich es nicht besonders gut empirisch unterfüttern kann, halte es aber für evident plausibel genug, um es vorläufig mal an die Öffentlichkeit zu tragen und mich zu erkundigen, was ihr so davon haltet.

Unabhängig davon gilt natürlich in jedem Fall:

If you cover for another motherfucker who’s a kiddie fucker
Fuck you you’re no better than the motherfucking rapist
And if you don’t like this swearing that this motherfucker forced from me
And reckon it shows moral or intellectual paucity
Then fuck you motherfucker, this is language one employs
When one is fucking cross about fuckers fucking boys


A dweam within a dweam

26. April 2011

Lange habt ihr nichts mehr von mir gehört. Das liegt daran, dass der Internetzugang hier im Hotel in vielerlei Hinsicht eine Zumutung ist. Und (Das schreibe ich natürlich nur, um nicht ganz so sehr wie ein erbärmlicher Nerd da zu stehen.) außerdem habe ich hier doch ein paar andere Dinge zu tun als zu bloggen. Ist ja schließlich Urlaub.

Aber heute gibt es immerhin wieder was, nämlich einen Reisebericht von Edinburgh. Es war ja für mich das allererste Mal in Schottland.

Ach, Schottland. Deine Glens und Bogs, deine Fens und Marshes, deine nebligen Hügel, dein ewiger Nieselregen, deine Heide und dein Ginster, deine malerische, raue Landsch-

Oh. Entschuldigung. Die Bilder sind ja gar nicht von Schottland, die sind von Gran Canaria, und das ist noch gar nicht dran. Tut mir Leid. Ich fange noch mal an, in Ordnung?

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Ten-foot cock and a few hundred virgins

16. April 2011

Nicht nur madove weiß die große Kunst Tim Minchins zu schätzen, auch Keoni und ich sind Fans des lustigen Australiers, und deshalb fliegen wir heute nach Edinburgh, um uns morgen ein Minchin-Konzert anzuhören. Und wenn wir sowieso schon mal weg sind, hängen wir auch noch einen zweiten Surf-Urlaub auf Gran Canaria an, sodass wir insgesamt ungefähr zwei Wochen außer Landes sein werden.

In dieser Zeit wird die Posting-Frequenz hier sicherlich stark sinken, aber gewiss nicht auf Null zurückgehen, und insbesondere bin ich zuversichtlich, dass mir noch vor Ende dieses Monats ein neues Kapitel unseres Fortsetzungsromans „Gefallen“ gelingen wird.

Was den Rest und insbesondere die sicherlich früher oder später erscheinenden Reiseberichte angeht, werden wir einfach alle gemeinsam das Beste hoffen müssen. Und falls ihr jetzt ein bisschen Trost braucht: Bisher sieht es so aus, als sei dies der einzige längere Urlaub, den ich dieses Jahr absolvieren werde.


If I didn’t have you, I’d probably have somebody else.

28. März 2011

Zu den Dingen, auf die ich nicht so stolz bin, gehören neben meiner Faulheit, meiner Neigung zur Besserwisserei und meiner nicht selten schlecht verborgenen Arroganz die Tatsache, dass ich Freude an der – nein, es ist keine Seifenoper, glaube ich, aber vielleicht rede ich mir das auch nur ein – US-amerikanischen Serie One Tree Hill habe.

Und damit ihr das schnell wieder vergesst und wir in den Kommentaren nicht lange über meinen Fernsehgeschmack diskutieren müssen, komme ich schnell zum eigentlichen Thema dieses Posts:

Wenn man zusieht, wie Menschen miteinander umgehen und wie sei ihre Beziehungen zu anderen managen, dann kann man kaum glauben, dass wir evolutionsbedingt auf sexuelle Fortpflanzung und Paarbildung ausgerichtet sind. Naja, das erste vielleicht schon noch, aber mit der Paarbildung klappt’s doch nicht besonders.

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