Krebs ist eigentlich kein Problem, wenn man von den Tumoren absieht

26. Mai 2018

Ich frage mich des Öfteren, wo eigentlich das Gefühl für Verhältnismäßigkeit, Anstand, Ethik und so weiter bei so Veranstaltungen wie der Süddeutschen Zeitung geblieben ist. Eben all dieser Kram, von dem sie behaupten, dass er sie von anderen profitorientierten Unternehmen unterscheiden würde. Vierte Gewalt und so. Aber dann fällt mir ein, dass ich keinen Grund zu der Annahme sehe, dass sie sowas jemals gehabt hätten, und dann bin ich beruhigt.

Und dann fällt mir wieder ein, dass ich echt lange nichts mehr in mein Blog geschrieben habe und dass das aber eigentlich nicht tot sein soll.

Und dann schreibe ich so Posts wie diesen hier. Seid ihr dabei?

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Ähm … Äh … Pffffff… Nee, tut mir leid.

28. Oktober 2013

Mir fällt keine Überschrift ein.

Mir fällt eigentlich fast gar nichts ein. Ich finde keine Worte, um die unfassbare … Ja. Wie gesagt. Ich finde keine Worte.

Anders.

Ranga Yogeshwar hat für die FAZ einen „Überwachungsselbstversuch“ unternommen. Das lief wohl so, dass er ein ferngesteuertes Smartphone zugeschickt bekam auf dessen Daten und Sensoren jemand aus der Ferne zugreifen konnte. Und – ihr werdet das jetzt nicht glauben, vielleicht wollt ihr euch lieber setzen, oder eine Dosis der Beruhigungsdroge eurer Wahl nehmen, bevor ihr weiterlest:

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Es gibt keinen Löffel

24. Juli 2013

Wie das so geht im Leben, da fragt mich gerade gestern noch jemand, wann ich das nächste Mal über die FAZ herziehe, und dann liefert die mir wie bestellt eine Vorlage, von der ich geradezu zu sabbern anfange, aber vielleicht interessieren euch die Details meines Metabolismus nicht so sehr, deswegen kommen wir doch lieber zu den hehreren Inhalten der menschlichen Existenz. Das ist allein deshalb schon angezeigt, weil wieder einmal eine Katastrophe droht,

und wieder einmal jemand den aber wirklich ganz sicher hundertprozentig einzigen Weg kennt, sie abzuwenden:

Nur wenn wir den Verlockungen des Datenkonsums widerstehen, können wir die Katastrophe doch noch verhindern.

Genau so sieht es nämlich aus, liebe Leserinnen. Wir kennen sie alle, die kurz- und langfristigen Folgen überzogenen Datenkonsums. Wir sehen sie Abends auf dem Weg nach Hause in den Ecken liegen und stöhnen, die Datenleichen, wir sehen die hungrigen ausgemergelten Gesichter der vernachlässigten Kinder von Datenjunkys in den Nachrichten, und wir … Na gut, ich nehme an, ihr habt verstanden, worauf ich hinaus will.

Überlassen wir die peinlichen Albernheiten lieber den Spezialisten:

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The wrong way to think about surveillance (2)

27. Juni 2013

Soweit ich mich erinnern kann, habe ich nie behauptet, besonders originell zu sein, deswegen erwarte ich keinerlei Beschwerden darüber, dass hier heute noch mal der gleiche Artikel erscheint wie gestern. Außerdem wirds heute kürzer. Also Ruhe im Glied (allgemeines Prusten, Kichern und verschämtes Grinsen, je nach Temperament), und zugehört.

Heute geht es um

Why ‘I Have Nothing to Hide’ Is the Wrong Way to Think About Surveillance

von Moxy Marlinspike in Wired. Natürlich ist „Ich habe nichts zu verbergen“ in der Tat kein hilfreicher Gedanke, wenn wir über staatliche Überwachung diskutieren wollen, aber ich glaube, ich verrate nicht zu viel, wenn ich gleich am Anfang sage, dass Herr Marlinspike (Ich bin mir zu schade für Namenswitze (*Räusper, böse guck * Ich sagte Ruhe!), aber der heißt nicht wirklich so, oder?) uns in seinem Meinungsstück nicht viel darüber verrät, warum das so ist.

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The wrong way to think about surveillance (1)

26. Juni 2013

Joker

Ich bin nicht gerne der Typ, der die Aufregung nicht versteht, und ich mag auch dieses Argumentationsmuster nicht, dass man sich nicht über was aufregen soll, weil was anderes viel schlimmer ist, aber – ihr wusstet, dass so ein Satz nur in einem Aber münden kann, oder? – ich verstehe zurzeit wirklich nicht ganz, wo man Aufregung darüber hernimmt, dass Geheimdienste geheime Überwachungsprogramme fahren. Ich meine, ja, einerseits: sicher Obama, voll nett und so, und so ein cooles Grinsen hat er, aber andererseits: Geheimdienste! Hallo? McFly? Jemand zu Hause?

Pardon. Ich höre jetzt auf mit dem Quatsch und komme zum zweiten Teil, dem Teil, in dem ich wirklich ein bisschen was zu sagen habe. Nicht viel, ihr kennt mich, aber ein bisschen mehr als Hallo McFly, jemand zu Hause hab ich immerhin.

Zuerst mal: Ich verstehe natürlich, wenn jemand bestimmte Dinge geheim halten will, und verärgert ist, wenn sie gegen seinen Willen ans Licht kommen. Geht mir mit manchen Sachen auch so. Und natürlich kann man es unverschämt von der NSA finden, Zugang zu den Daten von Facebook und Google und Amazon und so zu wollen. Völlig okay. Ich bin ja der letzte, der der Regierung irgendwelche Befugnisse zugestehen will.

Aber die Argumentation, die manche Befürworter des Datenschutzes und der Achtung privater Geheimnisse bringen, verstehe ich manchmal gar nicht. Ich habe da zum Beispiel gerade zwei Artikel gelesen, anhand derer ich das mal exemplarisch verdeutlichen will. Der erste ist aus der Zeit und trägt den unheilsschwangeren Titel

Für Algorithmen ist jeder verdächtig

Ein seriöses Medium wie die meisten Blogs, die ich lese, würde sich vielleicht daran stören, dass das schon ein bisschen reißerischer Nonsens ist, aber einem billigen Boulevardblättchen wie der Zeit wollen wir es durchgehen lassen. Wenn wir zu kleinlich sind, werden wir nämlich heute nicht mehr fertig.

Kai Biermann erklärt uns zunächst wortreich, was Rasterfahndung ist und stellt dann fest:

Was auf den ersten Blick logisch klingt, birgt zwei Gefahren.

Gleich zwei für Katja. Da sind wir aber mal gespannt.

 Zum einen macht diese Form der Ermittlung jeden zum Verdächtigen. Es gibt keine Unschuld mehr.

Bullshit, und Bullshit. Was meint er denn damit? Natürlich ist für einen guten Ermittler in gewisser Weise jeder ein Verdächtiger, und das ist auch gut so. Und was soll das heißen, es gebe keine Unschuld mehr? Nur weil prinzipiell jeder als möglicher Täter in Betracht gezogen wird? Was soll denn daran falsch sein? Sollten wir einfach bestimmte Gruppen von Leuten vorn vornherein aus…

Selbst berühmte Schauspieler wie der Bollywood-Star Shah Rukh Khan sind nicht davor gefeit, bei der Einreise in die USA allein aufgrund ihrer Hautfarbe stundenlang verhört zu werden.

Waaaaaas? Möge Gott uns allen gnädig sein! Sogar berühmte Schauspieler müssen unter Umständen nur wegen ihrer Hautfarbe ein Verhör erdulden? Herr Biermann, ich will zu Ihren Gunsten mal vermuten, dass Sie sich da nur in Ihrer Argumentation verfranst haben und nicht im Ernst der Meinung sind, es wäre okay, Leute nur wegen ihrer Hautfarbe stundenlang zu verhören, solange man berühmte Schauspieler aus dem Spiel lässt, aber wenn wir diese Missverständnismöglichkeit mal ausschließen, bleibt nicht mehr viel übrig. Natürlich sollten wir Leute nicht nur wegen ihrer Hautfarbe stundenlang verhören. Aber das ist kein Argument gegen Rasterfahndung an und für sich. Es ist ein Argument gegen Rasterfahndung mit blödsinnigen Kriterien. Das Problem in Ihrem Beispiel ist nicht, dass für den Algorithmus jeder verdächtig ist, sondern dass der Algorithmus Blödsinn ist.

An sich harmlose Verhaltensweisen können genügen, um überwacht und verfolgt zu werden. Es reicht, ähnliche Dinge getan zu haben, wie ein Verbrecher. Stundenlange Verhöre sind dann noch eine vergleichsweise harmlose Folge.

Und da kommen wir jetzt allmählich der Sache näher. Also, wir, im Sinne von ihr und ich. Herr Biermann nicht. Dem fällt anscheinend nicht auf, dass das Problem hier schon wieder nicht in der Anwendung der Algorithmen an sich liegt, oder in der Rasterfahndung, sondern erstens in der (potentiell) schlechten Rasterfahndung, und zweitens natürlich in der mangelnden Kontrolle. Wenn die Exekutive mich stundenlang verhören kann, ohne einen vernünftigen Grund dafür zu haben, dann ist das ein Problem. Wenn sie auch noch schlimmeres mit mir machen kann, ohne auch nur einen Richter fragen zu müssen, ist das noch ein größeres Problem. Und genauso ist es ja. Ich finde, man kann das gar nicht oft genug betonen: In den USA kann meines Wissens auch heute noch jeder Mensch jederzeit beliebig lange eingesperrt werden, solange nur der Präsident der Meinung ist, er könnte irgendwas mit Terrorismus zu tun haben. Das ist ein Unding. Das ist unfassbar. Das ist unerträglich für einen Rechtsstaat. Und da liegt das Problem. Da liegt das eigentliche Defizit. Wenn das nicht so wäre, dann wäre es zwar immer noch schade, wenn der Präsident ohne vernünftigen Grund irgendwelche Leute verdächtigen würde, Terroristen zu sein, aber es wäre keine Bedrohung mehr.

Natürlich wäre es trotzdem immer noch wünschenswert, dass die Exekutive beim Schutz ihrer Bürger möglichst rational vorgeht und sich nicht an unsinnigen Kriterien orientiert, aber darüber schreibt Herr Biermann ja gar nicht. Beziehungsweise nicht richtig. Wisst ihr noch, dass er oben zwei Probleme angekündigt hatte? Ich dachte erst, er hätte Nummer zwei vergessen, aber er braucht nur ziemlich lange, um dazu zu kommen:

Zum anderen hängt alles davon ab, was die Programmierer des Algorithmus als Vergleichsmuster angenommen haben.

Potztausend, sagen Sie bloß! Der Erfolg von Ermittlungen hängt davon ab, wonach die Ermittler suchen? Was finden diese crazy investigativen Journalisten von der Zeit wohl als nächstes raus?

Garbage in, Garbage out, heißt das in der Informatik – wer eine unsinnige Frage stellt, dem geben die Daten eine unsinnige Antwort.

Jup.

Und nu? Nix und nu.  Herr Biermann stellt nicht die Frage, ob und welche Rasterfahndung gut funktioniert, oder schlecht. Er nennt keine Erkenntnisse darüber, ob und unter welchen Bedingungen Rasterfahndung zu besseren oder schlechteren Ergebnissen führt als andere Methoden. Er stellt nur fest, dass sie zu schlechten Ergebnissen führt, wenn man sich doof dabei anstellt, und will das wohl als Fundamentalkritik verstanden wissen, als wäre das nicht bei jeder denkbaren Tätigkeit genauso.

In Wahrheit kann es also nicht das sein, was ihn stört. Ihn stört in Wahrheit … ja, was eigentlich?

dass die Prämisse des demokratischen Strafrechtes nicht mehr gilt. Unschuldig bis zum Beweis der Schuld? Dieses Konzept kennen Algorithmen nicht.

Nee. Das ist doch Unfug. Diese Prämisse (die übrigens nichts mit Demokratie zu tun hat, Himmel, wie es mir auf den Geist geht, wenn Leute diesen doch einigermaßen klar definierten Begriff der Demokratie mit allem aufladen müssen, was gut und richtig ist, ob es nun passt oder nicht) besagt ja nicht, dass wir nur gegen Menschen ermitteln dürfen, wenn ihre Schuld bewiesen ist, denn das wäre völliger Quatsch. Sie besagt, dass wir Menschen nicht bestrafen dürfen, nicht benachteiligen dürfen, bis ihre Schuld bewiesen ist. So ist sie in der Tat eine große Errungenschaft, die es sich lohnt zu verteidigen. Aber die hat dann nichts mehr damit zu tun, ob man ein berühmter Schauspieler ist, sondern damit, dass wir einfach jedem Menschen die gleichen Rechte zugestehen, dass wir fair sind, und unvoreingenommen, und das will ich auch eigentlich gegenüber Herrn Biermann sein, aber ich kann mir nicht helfen, für mich klingt sein Artikel, als würde ihn das stören. Für mich klingt das so, als hätte er ein Problem damit, dass nicht bestimmte Personen von vornherein als unverdächtig gelten, dass prinzipiell jeder als Täter infrage kommt. Und genau das finde ich eigentlich völlig in Ordnung, und ich würde das sogar einen Vorteil der Rasterfahnung nennen, denn es verhindert, dass Ermittler sich von Vorurteilen leiten lassen, und liefert ein prinzipiell faires Verfahren. Womöglich tue ich ihm da Unrecht und lese zuviel in seinen Text hinein.

Aber sogar wenn wir von diesem Problem absehen, bleibt es dabei, dass Herr Biermanns Kritik an der Rasterfahndung und den Algorithmen haltlos ist. Er liefert uns kein Argument, das dagegen spricht, mit ihnen zu arbeiten, und alles, was er zu Recht kritisiert, hat seine Ursache woanders. Und als wäre das noch nicht genug, versucht er seinen Mangel an Argumenten hinter unnötigem Pathos zu verbergen. „Es gibt keine Unschuld mehr.“ Ich glaub auch.

[Ich merke gerade, dass dieser Post schon wieder ordentlich lang geworden ist, obwohl ich gerade mal einen von zwei angekündigten Artikeln besprochen habe. Deswegen lasst uns doch einfach einen Zweiteiler draus machen. Morgen geht es dann um einen Juraprofessor, um Lobster, und Mad Moxy. Ihr werdet schon sehen.]