Kommunikation braucht ein Gesicht

17. Mai 2014

Ich führe gerade drüben bei keinkatalogdenken eine übrigens durchaus interessante Diskussion, in deren Verlauf die Verfasserin mit auf einen Artikel bei Zeit.de hingewiesen hat, der mich so vergrämt hat, dass ich ihm hier einen (hoffentlich immerhin) kurzen eigenen Post widmen will.

Der Artikel heißt

Kommunikation braucht ein Gesicht

und wenn ihr hier schon länger mitlest, wisst ihr, dass ich schon beim Titel direkt ins Essen brechen wollte. Und der Zeit.de-Kommentar führt dieses Gefühl sehr konsequent fort, sowohl im Inhalt, über den er berichtet, als auch in seiner Position dazu.

Worum gehts?

Eine Studentin der Universität Gießen wollte gerne mit einer Burka an Vorlesungen teilnehmen, aber die Universität hat ihr dies untersagt, mit der Begründung, ein wissenschaftlicher und interaktiver Diskurs sei damit nicht möglich. 

Das ist Bullshit. Es ist so fürchterlicher Bullshit, dass ich spontan schrieb

dass die Person, die es wagt, so lapidar und unreflektiert, um nicht zu sagen: dummdreist, über staatliche Macht zu verfügen, eigentlich geohrfeigt gehört, aber weil sich sowas aus guten Gründen nicht gehört, wäre ich auch damit zufrieden, wenn man ihr ihre Verantwortung wegnähme, bis sie zeigen konnte, dass sie wieder so weit ist, sie nicht zu missbrauchen.

Ich sage das nicht nur als jemand, der als Blogger einige der wertvollsten interaktiven Diskurse mit Leuten geführt hat, deren Gesicht er nicht kennt, sondern ich halte es auch davon abgesehen für offensichtlich, dass man wunderbar wissenschaftlich und auch sonstwie interagieren kann, ohne einander ins Gesicht zu sehen. Leute machen das jeden Tag, per Mail, per Brief, per Telefon, per Skype, per Chat, wasweißich. Echt jetzt. Ich meine, man kann vielleicht auf der Position stehen, dass man selbst lieber ein Gesicht zu der Person hat, mit der man redet, oder dass man tatsächlich Nuancen der Kommunikation besser hinkriegt, wenn man die Mimik dazu mitbekommt, das ist völlig okay, aber als staatliche Organisation jemandem zu untersagen, ihr Gesicht zu verhüllen, weil man meint, es sei unmöglich, mit verhülltem Gesicht einen Diskurs zu führen, das wäre lächerlich, wenn es nicht so widerlich wäre, oder so. Dass man darüber auch nur streiten muss, finde ich schon unfassbar.

Und genau so sieht das auch Parvind Sadigh für Zeit.de, aber andersrum als ich.

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