Hurra! Hurra! Der Kobold mit dem roten Haar!

29. Dezember 2010

Stellt euch mal vor, eine halbwegs seriöse Tageszeitung würde in ihrer „Wissen“-Sektion ein Interview mit einem Wissenschaftler veröffentlichen, das so beginnt:

„Können Sie als Astrophysiker die Welt erklären, ohne dass Sie dafür Pumuckl bräuchten?“

Der Wissenschaftler erklärt daraufhin das aktuelle Modell der Entstehung des Universums, so gut er das eben auf allgemeinverständliche Weise kann, einschließlich der Tatsache, dass die Zeit erst mit dem Urknall begonnen hat und Aussagen über ein „Davor“ also sinnlos sind, worauf der Reporter ihn fragt:

„Na bitte. Was spricht also dagegen, dass Pumuckl den Urknall bewirkt hat?“

Der Wissenschaftler versucht noch einmal mit beneidenswerter Geduld, seinen Standpunkt darzulegen und bekommt zur Antwort:

„Dagegen ist mir die Geschichte vom Pumuckl ja fast schon plausibel! Die bessere Story ist sie allemal.“

Und als der Astrophysiker, jetzt langsam ein bisschen genervt, versucht, den Unterschied zwischen Wissenschaft und einem Kinderbuch zu erläutern, antwortet ihm der Reporter:

„Vor Gericht würden Sie aber mit dieser kaum nachvollziehbaren Version wohl nicht durchkommen“,

um ihn dann ganz zum Schluss, nachdem seine, ähem, subtileren Versuche fruchtlos geblieben sind, noch mal direkt zu fragen:

„Glauben Sie an Pumuckl?“

Ich weiß, das ist schwer vorstellbar, aber versucht es bitte einfach mal. Überlegt euch, wie das wäre, wenn ihr sowas lesen würdet. Ich gebe euch auch ein bisschen Zeit dafür.

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Seid ihr schon…? Noch nicht. In Ordnung…

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So, nu aber. Habt ihr’s?

Gut. Dann muss ich euch gar nicht mehr sagen, was ich von dem fraglichen Journalisten und der verantwortlichen Zeitung denke, denn ihr wisst es ja selbst schon.


Sternenstaub

28. August 2010

Die Idee ist nicht besonders originell, und ganz sicher nicht meine, aber ich finde diesen Gedanken trotzdem wunderschön, und man hört eigentlich zu selten davon, finde ich, deswegen jetzt auch bei mir:

Das Universum ist nach derzeitigem Stand der Erkenntnis rund 13,7 Milliarden Jahre alt. Im Verlauf des so genannten Urknalls entkoppelten sich zunächst die uns bekannten vier Grundkräfte (Gravitation, Elektromagnetismus, Starke und Schwache Kernkraft), und wenig später entstanden die ersten Elementarteilchen, also die Bausteine unserer Materie. Das dauerte alles ungefähr eine Sekunde.

Es dauerte ungefähr 400.000 Jahre, bis die Temperatur ausreichend gesunken war, dass die ersten stabilen Atome entstehen konnten. Wasserstoff ist bekanntermaßen das einfachste Atom und bildete sich quasi ganz von selbst, denn es besteht lediglich aus einem Proton und einem Elektron (das meistens so dargestellt wird, als würde es das Proton umkreisen, was aber natürlich etwas vereinfacht ist). Diese Wasserstoffatome bildeten im Laufe der nächsten Jahrmillionen die ersten Sterne.

Alle Die meisten (Danke, rauskucker!) anderen Atome entstanden durch Kernfusion in solchen Sternen. Helium zum Beispiel entsteht, wenn zwei Wasserstoffatome verschmelzen, und dabei wird Energie frei. Unsere Sonne gewinnt die Energie, die uns alle am Leben erhält, im Prinzip durch diese Art der Fusion.

Schwerere Elemente entstehen ebenfalls durch Kernfusion, aber dieser Prozess eignet sich nicht zur Energieerzeugung. Weil Protonen einander abstoßen, erreicht man ziemlich schnell den Punkt, an dem man Energie aufwenden muss, um größere Atomkerne zu gewinnen. Deshalb entstehen Elemente wie Sauerstoff oder Kohlenstoff erst in der Endphase von Sternen, also in roten Riesen wie Beteigeuze. Für noch schwerere Elemente (Kalzium zum Beispiel) braucht man größere Sterne, die blaue Riesen genannt werden. Rigel ist zum Beispiel so einer, und richtig große Atomkerne wie Blei oder Gold entstehen in Supernovae, gewaltigen Sternexplosionen, die kurzzeitig heller leuchten können als ganze Galaxien. Es gibt übrigens auch noch (selten) Hypernovae, die die Leuchtkraft von  mehreren billiarden Sternen, also von Galaxienhaufen, erreichen. Am Ende einer solchen Super- oder Hypernova bleibt ein Schwarzes Loch zurück, eine Raumzeitsingularität, aus der nicht einmal Licht entkommen kann.

Aus den schweren Elementen, die nach dem Tod riesiger Sterne übrig bleiben, entstanden im Laufe der Zeit Planetensysteme wie unseres, und schließlich – kosmisch gesehen gerade eben erst – wir. Zuerst bildeten sich aus den vorhandenen Stoffen einfache sich selbst replizierende Systeme, die sich durch natürliche Auslese veränderten und komplexer wurden, über Einzeller wie Amöben und Bakterien bis hin zu zentral gesteuerten gigantischen Klumpen aus kooperierenden spezialisierten Zellen wie wir, die in der Lage sind, all das zu erforschen und darüber zu staunen.

Unser Körper besteht also aus Bausteinen, die fast 14 Milliarden Jahre alt und (teilweise) die Überbleibsel explodierender Sterne sind. Wir sind Sternenstaub.

Ich finde, daran sollten wir viel öfter denken, wenn jemand uns zu erzählen versucht, die größte Geschichte aller Zeiten stünde in irgendeinem alten Buch.