Guter Gewinn für gute Unternehmen

8. Mai 2013

Im Jahr 2012 konnten über 28000 Unternehmen nicht genug verdienen, um zu überleben. Es wird davon ausgegangen, dass zahlreiche weitere das Jahr mit einem Verlust abgeschlossen haben und von ihrer Substanz zehren.

Quelle: Wikipedia, Urheber: Schrapers

SPD-Vize Manuela Schwesig sagte hierzu: „Das zeigt: Wir brauchen einen flächendeckenden gesetzlichen Mindestgewinn von 100.000 Euro pro Jahr. Wer ein Unternehmen betreibt, muss davon auch seine Rechnungen und die Gehälter seiner Mitarbeiter bezahlen können, sowie natürlich auch notwendige Investitionen und den eigenen Lebensunterhalt.“ Schwesig fügte hinzu: „Das gilt auch für unerfahrene Unternehmer.“ Es sei zudem wichtig, auf 100.000 Euro Mindestgewinn zu beharren – „und nicht einen Billiggewinn von dreißig- oder vierzigtausend Euro, den die FDP anstrebt.“ Mit Blick auf die ausufernden Verluste in deutschen Unternehmen sagte Schwesig: „Gewinndumping darf in Deutschland kein Geschäftsmodell sein. Die Bundesregierung forciert dieses Geschäftsmodell, weil sie sich gegen den Mindestgewinn von 100.000 Euro sperrt.“

Nach Einschätzung Schwesigs hätte die Einführung des gesetzlichen Mindestgewinns zahlreiche Vorteile. Nicht nur würden Unternehmensinsolvenzen und die damit einhergehenden Arbeitsplatzverluste sowie Forderungsabschreibungen bei Gläubigern dadurch ein für alle Mal der Vergangenheit angehören, es wären zudem auch stetig sprudelnde Steuereinnahmen für den deutschen Fiskus sichergestellt. Besonders attraktiv an dem Modell sei, dass auch Steuererhöhungen in beliebiger Höhe nun keinen kritischen Schaden mehr anrichten könnten, da der gesetzliche Mindestgewinn selbstverständlich nach Steuern gelten würde und somit in jedem Fall gewährleistet wäre. Deutschland wäre damit eine Spitzenposition im internationalen Vergleich gewiss, und auch mit Bankenkrisen wäre es für immer vorbei.

Als einziges Risiko sieht die SPD eventuelle Ausweichstrategien der Kunden, die den Mindestgewinn etwa durch Verschiebung ihrer Einkäufe ins Ausland zu umgehen versuchen könnten. Sollte Peer Steinbrück Kanzler werden, so plant die SPD daher, möglichst schnell in Verhandlungen mit anderen Staaten zu treten, um einen international einheitlichen Mindestgewinn zu vereinbaren.

Zustimmung kommt auch aus CDU-Kreisen. Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen erklärte kürzlich bei einem Yeti-Kongress, das Einkommen aus einem Unternehmen müsse so viel sein, „dass man davon leben kann“. Jahresgewinne „von dreißig-, fünfzig- oder sechzigtausend Euro“ dürfe es nicht geben.

Widerspruch hingegen äußerte Bundesfamilienminister Kristina Schröder. Sie halte nichts von einem starren Mindestgewinn, sagte sie gegenüber überchaubare Relevanz, und würde einen so genannten Flexigewinn vorziehen, den die Unternehmen zu Beginn eines jeden Geschäftsjahres selbst festlegen könnten.


Fünf Dinge, die ich gut finde an…. Ursula von der Leyen

4. August 2009

Man kennt das. Man bildet sich eine Meinung über ein bestimmtes Thema, eine Sache, eine Person. Man gewinnt die Meinung lieb, man sammelt Argumente, die sie stützen. Argumente, die ihr entgegen stehen, mag man nicht so, man ärgert sich sogar ein bisschen über sie, und wenn es irgendwie geht, vermeidet man es, sie wahrzunehmen. Man bekräftigt immer wieder eloquent und voller Leidenschaft die eigene Wahrnehmung, und zack, plötzlich ist man Ursula von der Leyen blind für alles, was dem eigenen Weltbild nicht entspricht.

Damit uns das nicht passiert, möchte ich gleich noch eine neue Rubrik einführen, wenn auch eine unregelmäßige: Ich werde hier jetzt ab und zu völlig ironie- und so weit wie möglich humorfrei Argumente präsentieren, die für Dinge oder Personen sprechen, die ich überhaupt nicht leiden kann. Und ich fange gleich mit einer richtigen Herausforderung an. Heute habe ich Dinge gesucht, die mir an Ursula von der Leyen gefallen. Das war nicht leicht, und ich bitte deshalb um Nachsicht, falls einige der fünf Punkte ein bisschen, äh, bemüht wirken sollten. Die Quelle ist natürlich wie immer fast ausschließlich Wikipedia.

  1. Sie wurde in Brüssel geboren. Eine tolle Stadt, ein sympathisches kleines Land, und vielleicht haben wir hier ja auch gleich den Grund dafür, dass sie so vehement gegen Kindesmissbrauch kämpft.
  2. Sie ist Ärztin. Ich weiß natürlich, dass deren öffentliches Bild noch immer deutlich glorreicher ist als die Wirklichkeit, aber ich finde den Beruf trotzdem irgendwie sympathisch.
  3. Sie hat als niedersächsische Ministerin für Soziales, Frauen, Familie und Gesundheit das Landesblindengeld abgeschafft, das allerdings inzwischen wieder eingeführt wurde. Vielleicht sollte ich hier ein bisschen ausführlicher erklären, warum ich das gut finde: Das Landesblindengeld wird und wurde bedarfsunabhängig an Blinde gezahlt, um die durch ihre Behinderung entstehenden Mehrkosten auszugleichen. Das ist für sich genommen sicher irgendwie fair, aber es gibt viele Behinderungen und Krankheiten, durch die Mehrkosten entstehen; dass gerade Blinde hier bevorzugt werden, und dann auch noch unabhängig davon, ob sie wirklich Geld brauchen oder nicht, leuchtet mir nicht ein.
  4. 2007 hatte sie aufgrund ihrer Ansichten zur Kinderbetreuung Streit mit Christa Müller (Lafontaines Ehefrau) und Bischof Walter Mixa. Wer die beiden gegen sich hat, kann nicht völlig falsch liegen.
  5. Immerhin jammert sie nicht, zumindest habe ich davon nichts mitbekommen. Ihren Spitznamen „Zensursula“ findet sie „patent“, ein schönes Wort, das viel zu selten benutzt wird, und auch sonst erträgt sie die harte, oft auch persönliche, Kritik an sich selbst und ihren Maßnahmen ziemlich anständig, soweit ich das erkennen kann.
    Dass ihre eigenen Gegenargumente in der Regel arg unsinnig und entweder von völliger Ahnungslosigkeit geprägt oder schlicht gelogen sind, steht auf einem anderen Blatt.

Wen kümmert’s?

17. Juli 2009

Wer regelmäßig Blogs liest und auf diese Weise aufmerksam die Debatte um Netzzensur, Vodafone und deren Werbung verfolgt, wird wohl den Eindruck gewinnen, dass diese Themen aktuell eine ziemlich bedeutende Rolle auf der politischen Tagesordnung spielen. Vielleicht nicht explizit, aber doch. Andererseits kommt es mir so vor, dass sie in den klassischen Medien kaum beachtet werden.

Es sollte nicht direkt den Charakter einer Umfrage haben, aber ich habe deshalb in der letzten Zeit mit insgesamt sieben anderen Menschen in der wirklichen Welt versucht, ein Gespräch über diese Themen zu führen. Vier von ihnen sind so ganz grob um die 30 und nutzen regelmäßig auch privat das Internet, drei weitere sind deutlich über 40 und haben zumindest privat mit Computern gar nichts am Hut. Zwei der vier jüngeren arbeiten für eine kleine Werbeagentur, von den übrigen fünf sind immerhin vier Vodafone-Kunden. Es besteht also ein gewisser Bezug zum Thema. Alle sieben sind berufstätig, stehen in jeder Hinsicht ganz normal im Leben und ich halte sie eigentlich alle für ganz gut informiert, auch wenn keiner von ihnen Blog-Leser ist. Das mal so zur groben Einschätzung der Ergebnisse.

  • Drei von ihnen wussten nicht, wer Ursula von der Leyen ist.
  • Keiner von ihnen wusste, wer Sascha Lobo ist.
  • Sechs konnten überhaupt gar nichts mit dem Thema Internetsperren anfangen. Der siebte hatte so eine vage Ahnung, dass da was war.
  • Keiner wusste, dass bei für gegen um Vodafone gerade sowas wie eine Marketing-Kampagne läuft.
  • Keiner von den sieben Leuten hielt es für denkbar, dass Kinderpornographie in Indien legal sein könnte, alle hielten es für ausgesprochen unverschämt, so etwas zu behaupten.
  • Keiner zeigte besonderes Interesse, über diese Themen mehr zu erfahren oder überhaupt darüber zu reden.

Mir ist natürlich klar, dass das eine rein anekdotische Beobachtung ist, aber aufschlussreich fand ich sie doch.