Liebe USA

3. Juli 2017

ich schreibe dir, um dir mitzuteilen, dass ich mit deinem aktuellen Präsidenten nicht zufrieden bin. Das geht so nicht. Klar, ich finds nicht übel, dass er im Gegensatz zu unserer Kanzlerin mit der Gleichstellung homosexueller Paare einverstanden ist, aber trotzdem … Wie erklär ich das?

Also, der Obama zum Beispiel. Der war so nett. Ich weiß, klar, der hat auch auf fragwürdiger rechtlicher Grundlage Leute deportieren lassen. Und misshandeln. Und umbringen. Und hat so Schulen und sowas bombardieren lassen. Weiß ich. Aber ja immer nur in so Ländern, wo Leute wohnen, die ganz anders sind als ich gegenüber Journalistinnen und so Leuten, die ihm einen Vorteil verschaffen konnten, war er immer total höflich. Und er hatte diese coolen Auftritte, wo er so lustig war, wisst ihr noch? DAS war mal ein Präsident. Hat immer gelacht und sich gaaaaanz doll schnieke angezogen, und hatte nicht diese peinliche Frisur und diesen orangen Hautton und hat sich überhaupt nicht wie so ein durchgeknallter Imperator benommen. Also. Nicht auf Twitter oder im Fernsehen zumindest, und das ist doch nun mal, worum es hier geht.

Und deshalb bitte ich euch: Können wir nicht wieder so einen Präsidenten haben? Der kann ja von mir aus auch weiter gegen Völkerrecht und alles mögliche verstoßen und diesen Quatsch mit exterritorialen Gefangenenlagern weiter machen und Bomben auf Zivilisten werfen. Das ist mir eigentlich alles ziemlich egal, solange es nicht zu weit vorne in der Zeitung steht, wisst ihr, die Bilder sind immer so traurig, aber ich schweife ab. Das kann er jedenfalls alles machen. Aber wenn ich Twitter aufmache, oder einen Auftritt von ihm sehe, dann hätte ich schon ganz gerne, dass er sich zumindest benehmen kann wie jemand aus der Oberklasse, verdammt noch mal. Dem Trump, dem nehm ich nicht mal ab, dass er überhaupt studiert hat. Wie soll ich den denn als Präsidenten respektieren? Und dann postet der immer so komische Sachen, wisst ihr… Nee. Ehrlich. Was ist denn zum Beispiel aus Bernie geworden? Der hat SO NETT geguckt immer, wie so ein freundlicher Opa. Und da hat auch niemanden gestört, dass er den Krieg gegen den Terror weiterführen wollte. Den mochte ich. Nehmt doch den. Der schreibt auch immer voll schöne Sachen auf Twitter. Okay? Fein. Dann bis bald!

Mit herzlichen Grüßen aus Deutschland

Ein besorgter Europäer


Yay Obama!

8. November 2012

You know, American people, I know I’m a bit late, but I just gotta say this:

I’m so glad you picked Obama, and not the other one.

He’s such a great guy. Obama, I mean. I mean, yeah, he should probably stop killing innocent people, but apart from that, great guy. He has that unbelievably cute smile, don’t you think? Just can’t stay mad at him. And besides, they’re usually foreigners, so, like, who cares, right?

I’m just so excited we get to keep him as president, because … well… Yes, I guess war is not such a great thing, he might want to avoid that, but …. hey, do you remember the fly? When he caught the fly in the air? That was so cool, wasn’t it? Great guy.

And he even realized that gay people should probably be treated almost exactly like other citizens, just before the election. Isn’t that great?

Yes, sure, there’s that thing about imprisoning people without due process, but at least he’s stopped torturing them. He says. Mostly. That’s got to count for something. The other one wanted to torture them, I think, so Obama is obviously the better choice. No denying that, right? Imprisoning people is still better than imprisoning people and torturing them, isn’t it? I mean, duh, right?

And yes, like the other one, he talks to an invisible friend who tells him what’s right and wrong, but at least he’s not wearing that stupid magic underwear stuff, so if anyone should have the power to destroy the world and to just imprison and kill anyone he wants to, it should really be him and have you seen that video of him singing „Call me maybe“? Such a great guy.

So, American people, Lady Gaga is so right, you can be very proud of yourselves. Congratulations. I can’t imagine anyone I’d rather have as leader of the free world. Except maybe someone who doesn’t kill innocent people, doesn’t think it’s right to imprison someone without due process, doesn’t believe batshit crazy stuff without good reasons and doesn’t need the pressure of an election to understand that gay people are people. I might just rather have someone like that. But I guess you have to be realistic about such things.

So yay Obama!


47%

18. September 2012

In den USA gibt es ja diese beiden Leute, die sich um dasselbe Amt bewerben. Einer von ihnen ordnet jetzt schon auf sehr zweifelhafter rechtlicher Grundlage regelmäßig den Tod unschuldiger Menschen an, der andere hat das zwar bisher noch nicht getan, findet aber, dass der Amtsinhaber es zu wenig macht und würde jedenfalls auch gerne.

Beide Bewerber glauben, dass jeder einzelne Mensch es verdient hat, für alle Ewigkeit unfassbare Qualen zu erleiden, und einer von ihnen bildet sich außerdem ein, er wäre verpflichtet, magische Unterwäsche zu tragen. Im Gegenzug hat er die Hoffnung, selbst mal ein Gott zu werden. Der Amtsinhaber hält das für unmöglich, rechnet aber zumindest auch damit, ewig zu leben und den größten Teil dieser Ewigkeit in einem körperlosen Zustand endlosen, perfekten Glücks zu verbringen.

Beide Bewerber haben ihre Bedenken, was die Gleichberechtigung homosexueller Menschen angeht, allerdings hat der Amtsinhaber kürzlich eine Epiphanie erlebt und ist nun wohl doch dafür, nachdem klar wurde, dass das seine Chancen leicht verbessern könnte, seine Position zu behalten.

Die Entscheidung, wem von den beiden die Bürger die Verantwortung zutrauen, die westliche Welt anzuführen und über ein Arsenal an Nuklearwaffen zu herrschen, das durchaus geeignet sein könnte, die Menschheit vollständig auszulöschen, war also bisher keine besonders leichte, obwohl ich eine gewisse Tendenz zu erkennen glaube, wer von beiden der etwas weniger Ungeeignete ist.

Zum Glück hat einer von den beiden jetzt aber gerade bei einem Abendessen was Ungeschicktes gesagt.

Damit ist die Sache wohl klar.

Demokratie ist was Wunderbares, oder?


You didn’t build that

13. August 2012

Machmal möchte man wieder zur Monarchie zurück, wenn man schaut, wie Demokratie funktioniert.

Das hat Obama gesagt:

Und das macht Romneys Kampagne daraus:

Und man kann wohl wirklich mit guten Argumenten vertreten, dass Romney Obamas Zitat aus dem Kontext gerissen und verzerrt hat, aber ich verstehe nicht, warum man das tun sollte.

Denn sogar so, wie Romney es aus dem Kontext gerissen hat, stimmt es doch noch: You didn’t get on your own. You didn’t build that. If you were successful, somebody along the line gave you some help.

Stimmt doch alles genau. Davon muss sich niemand beleidigt oder angegriffen fühlen, das ist einfach die Wahrheit. Da sind sich, wie schon andere aufgezeigt haben, Romney und Obama natürlich auch einig.

Warum muss darüber also irgendjemand streiten? Denn der entscheidende Punkt ist doch ein ganz anderer.

Der entscheidende Punkt ist doch: Na und?


Land of the free

20. Mai 2012

Normalerweise finde ich es ja einfallslos und armselig, einfach nur Dinge wiederzugeben, die ich woanders gelesen habe, aber manchmal geschehen Dinge, die ich so … bedenklich finde, dass ich sie hier festhalten will.

Letzten Mittwoch hat eine Bundesrichterin in den USA eine einstweilige Verfügung erlassen, nach der § 1021 des  von Präsident Obama unterzeichneten National Defense Authorization Act 2012 nicht angewendet werden darf, weil er das Recht auf Meinungsfreiheit und ein faires Verfahren verletzt. § 1021 lautet:

The President has the authority to detain persons that  the President determines planned, authorized, committed,  or aided the terrorist attacks that occurred on September 11, 2001, and persons who harbored those responsible for those attacks. The President also has the authority to detain persons who were part of or substantially supported, Taliban or al-Qaida forces or  associated forces that are engaged in hostilities against the United States or its coalition partners, including any person who has committed a belligerent act, or has directly supported hostilities, in the aid of such enemy forces.

Kurz auf Deutsch zusammengefasst: Der Präsident darf jede Person ohne Weiteres beliebig lange einsperren, solange er feststellt, dass diese Person terroristische Handlungen ausgeführt oder unterstützt hat. Ich weiß auch nicht, wie die Dame darauf kam, das könnte irgendwie bedenklich sein.

Zum Glück hat das Repräsentantenhaus sich von den kleinlichen Bedenken der Richterin nicht irritieren lassen, sich nicht von ihrer linksliberalen Agenda vereinnahmen lassen und die fragliche Vorschrift unbeirrt bestätigt. Der Republikaner Mac Thornberry brachte die Sache hervorragend auf den Punkt:

„I think the vast majority of people in this body and around the country do not think telling them they have the right to remain silent as the first thing they hear is a wise thing“

Man muss ja, insbesondere wenn man so ein Sonderling ist wie ich, sehr darauf achten, diesen Satz nicht überzustrapazieren, aber da ich ihn länger nicht mehr benutzt habe, gönne ich mir mal wieder was:

Ick kann jar nich soville fressen, wie ick kotzen möchte.


Both Sides

1. August 2011

Na gut. Es geht hier eigentlich um ein bisschen was anderes, aber ich denke, es ist ein Symptom derselben Krankheit:

Aus ideologischer Verbohrtheit in die Zahlungsunfähigkeit? Im amerikanischen Schuldenstreit verstärken Demokraten und Republikaner die Front mit Stacheldraht. Es kann ganz übel ausgehen und das nicht nur für Amerika.

Beide Seiten behaupten, dass sie den Kompromiss wollten, arbeiten aber nicht wirklich darauf hin

Tja. Naja… Wie soll ich sagen? Natürlich ist es immer schwierig, aus der Außensicht auf eine Verhandlung zu erkennen, wer wirklich auf einen Kompromiss hinarbeitet und wer nur so tut. Natürlich sind es irgendwie immer beide Seiten, die einige Einigung verhindern, denn jede Seite könnte ja jederzeit einfach allen Forderungen der anderen zustimmen, und schon wäre die Einigung da.

Aber in einer Situation, in der ziemlich offensichtlich eine Partei immer wieder Zugeständnisse macht und die andere Partei immer nur ablehnt und blockiert und fordert, davon zu sprechen, dass „beide Seiten“ nicht wirklich auf einen Kompromiss hin arbeiten und „die Front mit Stacheldraht verstärken“, das ist schon dicht an der Grenze zur Lüge.

Ich schreibe das nicht, weil mir die Position der Demokraten außerordentlich sympathisch wäre. Gerade in der Wirtschafts- und Steuerpolitik stehe ich den Republikanern manchmal viel näher. Ich will mir auch gar nicht anmaßen, abschließend darüber zu urteilen, ob die unflexiblen Forderungen der Republikaner vielleicht berechtigt und total vernünftig waren. Es ist ja nicht einmal immer was Schlechtes, sich auf keinen Kompromiss einzulassen. Die Wahrheit liegt manchmal komplett und vollständig und ausnahmslos auf einer Seite, und manchmal ist jeder Kompromiss inakzeptabel.

Aber das alles ändert nichts daran, dass in diesem Konflikt eine Partei immer wieder zu Zugeständnissen und Kompromissen bereit war, während die andere stur und unnachgiebig auf ihren Forderungen beharrte. Und wer etwas anderes berichtet, vernebelt die Wahrheit, verzerrt die Wahrnehmung der Öffentlichkeit und tut also genau das Gegenteil von dem, was Medien eigentlich tun sollten.

Sicher, man wirkt halt so schön objektiv und unvoreingenommen, wenn man beiden Seiten gleichermaßen die Schuld gibt. Ich kann das einigermaßen verstehen. Aber wie die Wahrheit, verteilt sich auch die Schuld nur selten gleichmäßig auf beide Seiten. Und gerade in einer Zeit, in der die traditionellen Medien zumindest so tun, als müssten sie um ihre nackte Existenz kämpfen, verstehe ich andererseits nicht, dass sie sich nicht ein bisschen mehr Mühe dabei geben, das zu tun, was ihr einziger echter Wettbewerbsvorteil gegenüber dem kostenlosen Internet sein könnte: Sie haben die Ressourcen, nicht nur detailliert zu recherchieren, sondern auch gründlich zu analysieren und ihren Kunden so zu helfen, die Welt besser zu verstehen. Ich verstehe nicht, warum sie sich damit nicht mehr Mühe geben.

Man müsste fast den Verdacht äußern, dass es an der Nachfrage fehlt.


Home of the brave

12. Dezember 2010

Ich nahm einen Schluck Kaffee und blickte nachdenklich in die widerwärtige kalte Brühe mit darin schillernden Milchflocken – warum passierte das immer nur mir? -, bevor ich nach einem letzten freien tiefen Atemzug die steife Sitzhaltung annahm, die von mir erwartet wurde, und in meinem besten Offizierston „Herein!“ bellte.

Die Tür öffnete sich, und Seaman Deb Felting und ihr Kumpel Chief Petty Officer Glen Cena traten ein. Während sie salutierten, rollte ich mit den Augen, ohne den geringsten Versuch zu unternehmen, das vor den beiden zu verbergen. Sie kamen abwechselnd einmal die Woche zu mir, um sich über irgendeinen schwachsinnigen Verstoß zu beschweren, den Ensign Peebles angeblich begangen hatte.

„Rühren!“

Peebles war lesbisch. Alle wussten das, und Felting und Cena waren nicht die einzigen, die das störte. Aber sie waren meines Wissens die einzigen, die deshalb Zettel mit ausgefallenen Synonymen für weibliche Geschlechtsorgane an ihren Spind klebten, und von ihnen stammte auch der so subtile wie fantasievolle Spitzname „Butch“.

„Seaman, CPO“, knurrte ich, „Wenn einer von Ihnen gleich den Mund aufmacht und ich die Worte ‚Ensign Peebles‘ höre, bei Gott, dann können Sie…“

Ich verstummte, als Felting mit einem mühsam unterdrückten Grinsen vortrat und einen kleinen Stapel handbeschriebener Blätter Papier auf meinen Schreibtisch legte. Ich starrte für einen Moment mit gerunzelter Stirn auf die Briefe, bevor mir klar wurde, worüber sie sich so freute.

Ich spürte, wie meine Lippen einen schmalen, waagerechten Strich formten und meine Augen sich weiteten. Es waren Briefe von ihrer Freundin. Ich überflog sie hastig und erkannte schnell, dass es eindeutige Briefe waren. So eindeutig, dass ich nach wenigen Sekunden aufhören konnte, und dass ich mich für mein Land schämte, weil diese Briefe von jetzt an Beweismittel waren.

„Woher haben Sie das?“ fragte ich, und ich hätte in diesem Moment aufspringen und die beiden würgen können, so wütend machte mich der dummdreiste selbstzufriedene Ausdruck in ihren Gesichtern.

„Gefunden, Sir.“, antwortete Cena, und Felting nickte enthusiastisch. „Die müssen ihr aus der Tasche gefallen sein. Lieutenant Marston war auch dabei, Sir, er kann das bestätigen.“

Ich musste mich zwingen, ruhig weiterzuatmen.

„Ist das wahr, Seaman?“ fragte ich an Felting gewandt. „Überlegen sie sich gut, was Sie sagen, solange Sie noch die Möglichkeit haben.“

„Ja, Sir“, antwortete sie, „Wir haben die Briefe auf dem Boden gefunden, vor der Tür zur Offiziersmesse.“

Fuck. Natürlich logen die beiden. Und?

„Gehen Sie mir aus den Augen“, brummte ich, „Und schicken Sie mir Lieutenant Marston her.“

Ich wusste schon, was er sagen würde. Marston war wahrscheinlich der konservativste, bornierteste, selbstgerechteste Schwachkopf auf dem Schiff, und es gab wahrhaftig genug davon auf der USS Milton.

Nachdem die beiden Wanzen die Tür hinter sich geschlossen hatten, vergrub ich seufzend mein Gesicht in beiden Händen und schüttelte langsam meinen Kopf.

Peebles hatte ihre Fehler, und es würde mir nicht schwer fallen, Ersatz für sie zu finden, aber ich mochte sie. Sie war fair, sie war loyal, und sie tat nie weniger als ihr Bestes. Ich hatte gedacht, dass eine gute Offizierin aus ihr werden könnte.

Sie war erfrischend, wie ein kühler Luftzug in der muffigen Atmosphäre der Offiziersmesse, und sie hatte einen sehr angenehmen, subtilen Humor. Und sie war hübsch, ja, das auch. Ich bin ein Mann, verklagen Sie mich. Außerdem war es einfach nicht richtig, verdammt. Es war einfach unwürdig.

Für einen Moment dachte ich darüber nach, wie schnell es passieren konnte, dass ein paar Briefe verloren gingen. Tut mir Leid, Admiral, ich hätte schwören können, ich hätte sie in der Akte mit abgeheftet.

Nein. Es gab drei Zeugen, und um meine eigene Karriere mit diesem Scheiß zu belasten, war ich auch wieder nicht Idealist genug. Ich wollte nicht bis zu meiner Pensionierung einen mickrigen Nachschubdampfer kommandieren.

Ich schlug mit der Faust auf meinen Schreibtisch und erschrak mich selbst fast ein bisschen über das laute Krachen, bevor ich zähneknirschend die Schublade neben meinem rechten Knie öffnete und die Formulare mit dem Titel „Unehrenhafte Entlassung“ daraus hervorzog.

„Don’t ask, don’t tell“ bezeichnet ein Militärgesetz der USA, das es Soldaten verbietet, öffentlich homosexuelle Beziehungen zu führen und im Gegenzug Vorgesetzten untersagt, die sexuelle Orientierung ihrer Untergebenen zu ermitteln. Am Donnerstag hat der Senat im Wesentlichen mit den Stimmen der Republikanischen Partei ein Gesetz abgelehnt, das diese Regelung beseitigt hätte.

Seit seiner Einführung im Jahr 1993 hat „Don’t ask, don’t tell“ als Grundlage für die Unehrenhafte Entlassung von rund 13.000 Mitgliedern der Streitkräfte der Vereinigten Staaten gedient.