April, April

3. April 2011

Heute ist schon der dritte, ich habe eine Bestellbestätigung, und der Rechnungsbetrag wurde von meiner Kreditkarte abgebucht. Deswegen bin ich hinreichend von der Ernsthaftigkeit dieses Angebots überzeugt, um es euch vorzustellen:

Seit dem ersten April kann man bei dem ohnehin empfehlenswerten Unternehmen chocrí seine Schokolade nicht nur mit Gummibärchen, Himbeeren, Chilischoten oder Fleur de Sel bestellen, sondern auch mit Heuschrecken, Ameisen oder Würmern. Für mich ist das was – obwohl insbesondere die Würmer auch mich ein bisschen Überwindung kosten dürften -, ein spannendes Angebot, und ich hoffe sehr, dass der Kram wirklich wie versprochen in ca. 10 Tagen bei mir ankommt. Sollte es doch ein Aprilscherz sein, ist es er nicht nur ausgesprochen weit getrieben, sondern auch rechtlich zweifelhaft (wie gesagt, ich hab schon bezahlt).

Das allein, so erfreulich ich die Idee auch finde, hätte vielleicht noch nicht für einen Blogpost ausgereicht, aber einige Kommentare im hauseigenen chocrí-Blog sind absurd genug, um die Sache mit euch zu teilen. Sie bieten zwar leider auch keinen Aufschluss über die Echtheit der Insektenschokolade, enthalten aber schöne Illustrationen dafür, welche Verrenkungen Menschen anstellen, um ihre spontane ekelgetriggerte Reaktion auf eine Idee zu rationalisieren:

Als gäbe es nicht schon genug Tierquälerei auf dieser Welt! Ich werde zukünftig keine Schokolade mehr bei Ihnen bestellen, so etwas ist echt traurig!!! Über das Leben der Tiere zu bestimmen, um daraus evtl. Profit zu schlagen ist wirklich erbärmlich!

Stefanie hat bisher vermutlich in dem Glauben gelebt, dass chocrí die Milch für seine Schokolade ausschließlich aus fairem Handel von Unternehmen beziehen, die von Kühen für Kühe gemanagt werden.

Silvia schreibt:

Haltet mich für spießig, aber ich finde das Insektenzeugs echt eklig! Respekt, dass Ihr das probiert habt, aber nein danke für weitere Bestellungen. Schließlich widert mich die Vorstellung an, dass neben meiner Schokolade grade eine mit Ameisen o. ä. produziert wird. Stellt Euch doch mal vor, dass- warum auch immer- so ein Teil auf meiner Schokolade landet! Pfui!

was immerhin noch halbwegs ehrlich ist, weil sie immerhin nicht so tut, als wäre ihr Entschluss von ethischen Bedenken getragen, anders als Britta zum Beispiel:

Das zeigt mal wieder der Mensch ist doch das größte Raubtier der Welt.
Da ich keine Anwärterin für das Dschungelcamp bin, verzichte ich zukünftig lieber auf chocri. Scherze zum 1. April sollte man den Kindern überlassen, über die kann man dann wenigstens lachen!!

Das größte Raubtier der Welt. Weil er tote Insekten auf Schokolade legt. Wie jetzt? Oder sind die Kommentare (auch?) Aprilscherze?

Ach, wisst ihr… Mir ist das zu kompliziert.

[Nachtrag, 04. April: Wie Elmü in den Kommentaren völlig zurecht bemerkt, wurde der Aprilscherz inzwischen entlarvtpuppttarnt, und ich habe auch schon die Mail von chocrí, in der sie mich bitten, ihnen die Kontonummer mitzuteilen, auf die sie das Geld erstatten sollen. Naja.]


Go vegan?

21. Juli 2010

Das beschäftigt mich schon sehr lange, und ich komme einfach nicht so richtig zu einem Schluss. Deswegen hoffe ich auf euer Verständnis, wenn ich euch mal meinen ungeordneten Gedankensalat hier hinschütte und hoffe, dass ihr mir helfen könnt, ein bisschen was draus zu machen. Los geht’s:

Ich bin kein Vegetarier. Ich esse fast alles. Thunfisch, Milchprodukte, Bärentatze, Kalbsleber, Gänsebraten, Rotkohl, Spinat, Schokolade, Sauerkraut, Steak, Eier, Käse, Brot, Müsli, Seelachs, Royal mit Käse, Paprika, Zwiebeln, Chili, Erbsensuppe, Brokkoli und Cabanossi, manchmal sogar Sellerie.

Aber ich bin mir nicht sicher, ob ich damit ethisch besonders sicher stehe. Früher habe ich Vegetarier einfach ausgelacht, und Veganer erst recht, komischer Quatsch, was macht man sich das so schwer, wenn man Tiere nicht essen soll, warum sind sie dann aus Fleisch?

Aber komischer Quatsch ist natürlich eher meine Begründung, nicht die der Vegetarier. Wenn ich das Ganze mal konsequent durchdenke, sieht es aus meiner Sicht eigentlich so aus: Ich billige vielen Tieren zu, dass sie ein Bewusstsein haben und in einem bedeutungsvollen Sinne Schmerz empfinden können. Das Leben mancher Tiere hat aus meiner Sicht einen schwer bezifferbaren, aber jedenfalls nicht unerheblichen Wert.

Ich würde ein Kaninchen nicht einfach so töten, wenn es nicht nötig ist. Und es ist nicht nötig, dass ich Kaninchen esse. Es gibt genug andere Sachen, die ich essen kann, und die es ziemlich sicher nicht stört, wenn sie für mich sterben müssen. Werde ich deshalb also doch Veganer?

Noch nicht. Und sicher auch nicht ganz, denn ich denke, dass man da differenzieren muss. Über den Stand der Wissenschaft bin ich mir nicht ganz im Klaren, aber wie ich es einschätze, sind zum Beispiel die meisten wirbellosen Tiere nach keiner sinnvollen Definition bei Bewusstsein. Fliegen und Spinnen sind, soweit ich weiß, nicht viel mehr als biologische Automaten, und ich habe kein schlechtes Gewissen, wenn ich aus Versehen auf eine trete. Bei Kühen, Hunden und Elefanten sieht das zum Beispiel ganz anders aus. Und für Elche würde ich auch bremsen. Tierische Produkte wie Käse oder Eier machen mir wiederum nicht so viel Kummer. Milchkühe haben vielleicht kein perfektes Leben, aber dass es ihnen auf einem anständig geführten Bauernhof wesentlich schlechter geht als in freier Wildbahn – sowieso eine merkwürdige Vorstellung, oder? – bezweifle ich doch.

Intuitiv würde ich sagen, dass man Fische auch essen kann, ohne sich Gedanken zu machen. Die wirken auf mich auch nicht, als würden bei ihnen höhere geistige Prozesse ablaufen. Aber da bin ich mir schon gar nicht mehr sicher, ob das vielleicht auch nur daran liegt, dass sie so fremdartig und überhaupt nicht knuddelig sind.

Um es kurz zu machen: Es gibt wohl unbezweifelbar Tiere, denen ich ein Bewusstsein und sowas wie Rechte zugestehe, und die ich trotzdem esse. Kühe, Hasen, und Schweine zum Beispiel. Tintenfische sollen auch sehr klug sein, und die esse ich auch. Ich tue das, weil ich es immer schon getan habe, und weil es die meisten anderen Menschen auch tun, aber es fiele mir schwer, eine ethisch saubere Begründung anzugeben. Was meint ihr? Seid ihr Vegetarier? Seid ihr begeisterte Fleischesser? Seid ihr Bewusstseinsforscher und könnt Erkenntnisse über die mentalen Funktionen verschiedener Tierrassen mit mir teilen? Seid ihr Stubenfliegen und furchtbar sauer auf mich, aber unfähig, eine Tastatur zu bedienen? Lasst es mich bitte wissen!